Montag, 23. Juni 2014

Rezension zu "Stigmata: Nichts bleibt verborgen" von Beatrix Gurian



Verlag: Arena (Mai 2014)
Originaltitel: -
Übersetzer: -
Reihe: - , ab ca. 14-17 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 384 S.
ISBN: 978-3401069999
16,99 € [D]

Genre: Mystery Thriller

© Cover- und Zitatrechte: Arena Verlag


Das Thema
Nachdem ihre Mutter tödlich verunglückt ist, ist Emma vor Trauer komplett aus der Bahn geworfen. Sie möchte keinen Kontakt zur Außenwelt und verkriecht sich in der kleinen Wohnung. Bis sie eines Tages ein rätselhaftes Päckchen mit einem alten Fotoalbum und einer Aufforderung erhält: Wenn du wissen willst, wer die Mörder deiner Mutter sind, dann meldest du dich an.
Emma kann kaum glauben, dass jemand ihre sanftmütige Mutter umgebracht haben könnte. Trotzdem meldet sie sich bei dem Elite-Jugendcamp an und trifft sich mit den anderen Teilnehmern in einem alten, gruseligen Jagdschloss in den Bergen Bayerns. Bald werden die Ereignisse dort immer mysteriöser und Emma weiß nicht, welcher der Teilnehmer ein falsches Spiel spielt.

Die Rezension

Der Anfang: Sie versteckte den Brief in ihrer Rocktasche und eilte in ihr Büro im oberen Stockwert, von dem aus sie einen guten Überblick über das Gelände hatte und jede Drückebergerin sofort entdecken konnte.

Viele Jugendbücher stechen schon optisch aus der breiten Masse heraus und "Stigmata: Nichts bleibt verborgen" ist darunter ein echtes Sahnestück. Schon der Einband verspricht ein mysteriöses und gruseliges Leseerlebnis und auch das Innenleben des Buches ist prächtig. Der verschnörkelte Zweifarbdruck, optische Seitenhervorhebungen und die vielen gruseligen Fotos, die die Geschichte in regelmäßigen Abständen untermalen, sind eine wahre Augenweide. Zu Anfang gleich ein Tipp: Die Fotos nicht vorher anschauen, sondern mit der Geschichte genießen und sich gruseln.

Ich beiße die Zähne zusammen, ignoriere den Rucksack, der mit jedem Kilometer schwerer auf meinem schweißnassen Rücken lastet, ich ignoriere die Blasen, die sich an meinen Füßen gebildet haben, und ganz sicher ignoriere ich den inneren Schweinehund, der mich ständig in Versuchung führen will, auszuruhen, in das dunkle Tal hinunterzustarren und loszuheulen. Ich habe genug geweint, nun muss ich wissen, was hier gespielt wird. - Emma, S. 12

Emma ist völlig vor den Kopf gestoßen, dass jemand ihre Mutter umgebracht hat, scheint einfach nicht im Bereich des Möglichen. Schon während der ersten Tage nach dem Unfall hatten sich zwar einige Dinge angedeutet, die Emma komisch vorkamen, doch die Sanftmut und Freundlichkeit ihrer Mutter schließen für Emma einen Mord komplett aus. Umso bestimmter möchte sie der Sache auf den Grund gehen. Der Leser erlebt hier ein Mädchen, das zwar verletzlich und voller Trauer ist, in vielen Situationen aber über sich hinauswächst.

Während Emma die Geschehnisse im Jagdschloss in der Gegenwart erlebt, erzählt sie einiges, das sich in der Zeit nach dem Unfall ihrer Mutter ereignet hat, in der Vergangenheit. So erhält man mit der Zeit ein vollständiges Bild ihrer Beweggründe, der mysteriösen Sache auf den Grund zu gehen. Zusätzlich erzählt die Autorin einige schaurige Szenen, die sich viel früher abgespielt haben und bei denen man erst mit der Zeit konkret benennen kann, wie sie mit Emmas Geschichte zusammenhängen. Gerade die Blicke in die Vergangenheit sind sehr befremdlich, oft fanatisch und schlimm ... und fesseln darum ganz besonders stark.

Die von Anfang an gruselige und bedrohliche Atmosphäre in "Stigmata: Nichts bleibt verborgen", hält das Buch bis zum Ende. Man möchte ab Beginn wissen, wie die Situationen zusammenhängen. Die Verknüpfung einer erdachten Geschichte mit den mancherorts religiös-fanatischen Wertvorstellungen aus der Kinderzeit von Emmas Mutter sind sehr beklemmend. Hier hat die Autorin hervorragend recherchiert und eine ebenso mysteriöse wie glaubwürdige Geschichte geschrieben.

Viel zu schnell ist man am Ende angelangt, man verschlingt das Buch geradezu. Einige Erlebnisse im Jagdschloss hätten eventuell noch intensiver dargestellt werden können oder es hätte noch mehre Aufgaben für Emma und die anderen Jugendlichen auf dem Programm stehen können. Die dortige Zeit erscheint recht kurz. Obwohl sich die Dinge am Ende überschlagen, besitzt das Buch einen vollständigen und auflösenden Schluss. Wunderbar, wenn es gelingt den Leser an einigen Stellen in die Irre zu führen. Überraschungen sind dann vorprogrammiert.

Das persönliche Fazit
"Stigmata: Nichts bleibt verborgen" ist ein überaus beachtenswerter Mystery Thriller, nicht nur für Jugendliche, sondern für alle Leser, die sich in einer beklemmenden und düsteren Atmosphäre gruseln wollen. Die Gestaltung des Buches und vor allem die Fotos waren für mich ein echtes Highlight. Sie unterstützen die Geschichte auf ihre ganz eigene Art und ich habe nicht nur einmal geschaudert. Die Vorfälle im Jagdschloss kommen sehr schnell zum Ende und auch zur Auflösung, doch dank der umfangreichen Sichtweisen aus der Vergangenheit ist der Schluss rund und gut. Ein unheimlicher Einzelband, bei dem echtes Gänsehautfeeling aufkommt. 4 Sterne!

Aufmachung: 5 / 5
Handlung: 4 / 5
Charaktere: 4 / 5
Lesespaß: 4,5 / 5
Preis/Leistung: 4,5 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de