Sonntag, 9. März 2014

Rezension zu "Der dunkle Kuss der Sterne" von Nina Blazon



Verlag: cbt (Februar 2014)
Originaltitel: -
Übersetzer: -
Reihe: - , ab ca. 13 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 528 S.
ISBN: 978-3570161555
16,99 € [D]

Genre: High Fantasy

© Cover- und Zitatrecht: cbt Verlag


Das Thema
Canda ist die Tochter der ältesten von fünf großen Familien in Ghan, einer Metropole in der Wüste. Als Hohe hat sie besondere Gaben, auch Lichter genannt, die nur den Mitgliedern der großen Familien vorbehalten sind. Diese Gaben unterscheiden die Hohen vom niedrigen Volk, damit herrschen sie über die einfachen Leute.
Als Canda vor ihrer Hochzeitsnacht aufwacht, stellt sie fest, dass ihr das prächtigste Licht, die Gabe Glanz, verloren gegangen ist. Zudem ist ihr versprochener Bräutigam Tian verschwunden, mit dem sie nach ihrer Hochzeit über Ghan herrschen sollte. Wurde er entführt oder hat er selbst Canda den Glanz gestohlen? Aufgrund der Schande, dass ihr ohne den Glanz nun Schönheit und Anmut fehlen, wird Canda von ihrer Familie verstoßen und weggesperrt. Glücklicherweise erhält sie von der obersten Herrscherin Ghans die Chance, Tian zu suchen und zurückzubringen. Zusammen mit dem Sklaven Amad macht sie sich auf den Weg durch die Wüste, um Tian zu finden.

Die Rezension

Der Anfang: Am Morgen vor meiner Hochzeit erwachte ich, ohne zu ahnen, dass ich tot war, obwohl mein Herz noch schlug.

Nina Blazons Jugendbücher haben, so unterschiedlich sie auch sind, eines gemeinsam - es sind meist Einzeltitel. In Zeiten der Reihen und Serien ist das vielen Lesern sehr willkommen, da man sich hier nicht auf eine Fortsetzung gedulden muss. In "Der dunkle Kuss der Sterne" nimmt uns die Autorin mit in eine High Fantasy Geschichte der besonderen Art. Teils typisch für dieses Gerne, teils moderner interpretiert, hat dieses Buch den eindeutigen Nina Blazon-Stempel. Es ist so wunderbar, dass man es nach dem Lesen tatsächlich schade findet, dass es auch hier wahrscheinlich bei einem Einzelband bleiben wird.

Denn irgendetwas Schreckliches war mit Canda Moreno geschehen. Das, was mich ausmachte, war einfach verschwunden. Irgendetwas hatte den Glanz von meiner Haut genommen, den Klang aus meiner Stimme, die Stärke aus meinen Knochen und den Mut aus meiner Seele. - S. 26

Zugegeben, High Fantasy ist meist kein Easy-Reading. Gilt es doch, eine fremde neue Welt zu erkunden, sich mit Begriffen und Gebräuchen der Geschichte vertraut zu machen und die Hauptcharaktere gut kennenzulernen. So auch bei "Der dunkle Kuss der Sterne". Die Story ist herrlich komplex und strotzt vor tollen Ideen. Kompliziert wird es aber nicht, da das Buch jugendgerecht geschrieben ist. Liest man aufmerksam, dann kann man der Handlung, und vor allem der Auflösung gegen Ende, sehr gut folgen, auch wenn es mal etwas abstrakter wird. Nach einer kurzen Einlesezeit ist man mittendrin und möchte nicht mehr auftauchen - versprochen!

Hauptprotagonistin Canda erzählt die Geschichte in der Ich-Form. Anfangs wirkt sie noch sehr stolz und etwas unnahbar. Als Hohe und Mitglied der fünf großen Familien scheint sie über jeden Fehler erhaben. Man erkennt sehr schnell, in welchem Machtgefüge sie aufgewachsen ist und genau so verhält sie sich auch. Dennoch merkt man ihr ein großes Herz an. Sie hinterfragt Dinge und erfährt von ihren mächtigen Eltern keine warmherzige Liebe.
Ihr Charakter ändert sich, als sie mit dem Sklaven Amad durch die Wüste und auf die Suche nach ihrem Verloben Tian geschickt wird. Candas Abstammung ist hier nicht mehr relevant. Das muss sie teilweise auf die harte Tour erfahren, gerade durch Amad, der ihr manchmal ganz schön den Kopf wäscht. Die Streitgespräche zwischen den beiden sind famos und gleichzeitig herrlich amüsant oder an anderen Stellen unerwartet liebevoll und romanisch.

Ich war vom Himmel gefallen wie ein verglühender Stern. Und ebenso unwiderruflich. - S. 77

"Der dunkle Kuss der Sterne" ist im Grunde (k)eine typische Wanderschafts- oder Reise-Fantasygeschichte, bei der die Hauptprotagonisten etwas suchen, bzw. eine Aufgabe erfüllen müssen. Die Story ist linear, Zeitsprünge oder Szenenwechsel gibt es keine. Das Setting ändert sich aber ständig und trägt somit dazu bei, die Handlung sehr attraktiv zu gestalten. Zudem entwirft Nina Blazon ihre Geschichte und Charaktere so spannend, interessant und vereinnahmend, dass man das Buch kaum zum Seite legen mag. Der bildliche Stil ist perfekt! Eine Besonderheit, ist, dass die Autorin in die altertümlich anmutende Welt Elemente wie Klimaanlagen (in den Häusern der Hohen), Taschenlampen (neben Öllaternen) oder Aufzüge und Dampflokomotiven mischt. Das macht die Geschichte auf ihre Art einzigartig, ohne dass sie den Charme gängiger High Fantasy verliert.

Auf etwa 530 Seiten liest man hier ein episch anmutendes Meisterwerk der (jugendlichen, bzw. All Age-) Fantasy, welches man anderorts nur in richtig dicken Wälzern findet. Diese Geschichte spricht die komplette Gefühlspalette des Lesers an, hat wunderbare Charaktere, tolle Ideen und einen vielschichtigen und komplexen Plot. Das Ende ist passend gewählt, abgeschlossen und stellt aufseufzend zufrieden. Dennoch wäre eine Fortsetzung denkbar und hier einmal ausdrücklich erwünscht.

Das persönliche Fazit
Ich habe fast alle Jugendbücher von Nina Blazon gelesen und jedes hat mich auf seine Art erreicht und konnte mich faszinieren. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen an "Der dunkle Kuss der Sterne". Diese wurden dann noch übertroffen, ich war schlicht begeistert, ja beeindruckt. Komplett! Die Story, die Charaktere, die Ausdruckskraft - einfach nur wunderbar. Das Buch nimmt einen gefangen und ist auf seine Art düster-geheimnisvoll und romantisch. Ich könnte es immer wieder lesen - ein Lieblingsbuch!


Aufmachung: 5 / 5
Handlung: 5 / 5
Charaktere: 5 / 5
Lesespaß: 5 / 5
Preis/Leistung: 5 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de