Montag, 3. Februar 2014

Rezension zu "Zersplittert" von Teri Terry



Verlag: Coppenrath (Januar 2014)
Originaltitel: Fractured
Übersetzer: Marion Hertle u. Petra Knese
Reihe: Band 2/3, ab ca. 14-17 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 432 S.
ISBN: 978-3649611844
17,95 € [D]

Genre: Dystopie

© Cover- und Zitatrechte: Coppenrath Verlag


Das Thema
Kyla wurde wegen eines Verbrechens geslated, das heißt ihr Gedächtnis wurde gelöscht. Sie musste von Grund auf alles neu lernen und wurde einer fremden Familie zugeteilt, bei der sei jetzt als deren Tochter lebt. Nach dem Slating lernte sie auch Ben, ebenfalls geslated, kennen und lieben. Als sie ihm schließlich half, das Levo - ein Kontrollgerät - vom Arm zu schneiden, musste Kyla zusehen, wie Ben von den Lordern weggebracht wurde. Sie hat sich geschworen ihn zu finden.
Nach einem traumatischen Vorfall kehrt Kylas Gedächtnis teilweise zurück. Fremde entpuppen sich als alte Bekannte und Kyla erfährt, was sie vor dem Slating gemacht hat und wer sie gewesen ist - aber eben nur teilweise. Vieles ist Kyla noch unklar. Bald gerät sie als Spielball zwischen Lorder und Terroristen, ihr ist nicht mehr klar, wem sich noch vertrauen kann. Und sie ist immer noch fest entschlossen Ben zurückzuholen.

Die Rezension

Der Anfang: Regen ist für vieles gut.

Nur gute sechs Monate hat es gedauert, bis die Fortsetzung des wunderbaren ersten Bandes "Gelöscht" erschien. Trotzdem wurde "Zersplittert" von vielen Fans dringlichst erwartet und viele freuten sich, mit frischen Erinnerungen in den zweiten Band abzutauchen. Leider ist eine zeitnahe Veröffentlichung bei Reihentiteln nicht immer möglich, in diesem Fall hätte es aber nicht besser laufen können.

Der Schmerz fühlt sich an, als wollte er mich zermalmen. Niedertrampeln. Mich in tausend Stücke reißen. Bislang hatte ich diese Gefühle immer unterdrücken müssen, sonst hätte mich mein Levo ausgeschaltet. Doch jetzt, da es nicht mehr funktioniert, ist der Schmerz dermaßen übermächtig, dass ich laut aufstöhne. - Kyla, S. 25

"Zersplittert" könnte ebenso gut den Umfang von "Gelöscht" erweitern, die Handlung setzt nämlich direkt an das Geschehen des Vorgängerbandes an. Ohne Zwischenschritte, als würde man die nächste Seite umblättern und weiterlesen. Die Kapitel sind recht kurz, das Lesetempo darum sehr hoch. Oft kommt man am Kapitelende in den Strudel, noch unbedingt wissen zu müssen wie es weitergeht. Obwohl auch dieser Roman sehr eindringlich geschrieben ist, eher ruhig wirkt und mit vielen Gänsehautmomenten aufwartet, ist die Gundspannung hoch. Einige Actionmomente sorgen für zusätzlichen Nervenkitzel und irgendwann kann man sich nicht mehr auf Gut und Böse festlegen. In dieser Hinsicht kann sich "Zersplittert" in die Liga der besten Dystopien für junge Leser einreihen.

Kyla, die Hauptprotagonistin, und ein wahnsinnig toller Charakter, erzählt den ganzen Roman in der Ich-Form (Präsens). Ab und an werden Erinnerungen oder Träume in Kursivschrift wiedergegeben. Diese Sequenzen sind wichtig und am Ende auch gut zuzuordnen. Im Vorgängerband erlangte Kyla einige ihrer Erinnerungen zurück, was bei geslateten Jugendlichen eigentlich unmöglich ist. In "Zersplittert" wird ihrer Vergangenheit noch weiter aufgearbeitet, man bekommt Erklärungen und die Antworten auf einige Fragen. Auch hier ist die Spannung mit Händen zu greifen. Am Ende des Buches, ist man mit Kylas Entwicklung und den bis dato erfolgten Aufklärungen zufrieden. Komplett gelöst ist das Rätsel um ihre Herkunft aber noch nicht.

Auch wenn man der Angst ins Gesicht blickt, verliert sie ihren Schrecken nicht. Sie bricht einem bloß immer wieder aufs Neue das Herz. - Kyla, S. 373

Neben Kyla, die ein wirklich vorbildlich ausgearbeiteten Charakter ist, ist doch etwas Kritik an anderen (Neben-) Charakteren der Geschichte angebracht. Vordergründig an den vielen Männern, die Kyla in "Zersplittert" über den Weg laufen. Es sind einfach zu viele. Zwar hat jeder etwas mit der Hauptprotagonistin zu tun, teilweise aber nur kurz oder zu wenig ausgeführt. Das geht dann auf Kosten der Authentizität. Gott sei Dank wird man von Liebestechtelmechteln komplett verschont! Es hätte dem Roman jedoch nicht geschadet, wenn er um eine Männerbekanntschaft gekürzt worden wäre.

Über Ben soll an dieser Stelle nicht zu viel verraten werden. Fans des ersten Buches können sich natürlich denken, dass er nicht lange verschwunden bleibt. Wer Kyla und ihn aber schnell wieder vereint sehen will, muss leider noch etwas länger darben. Ben hat in "Zersplittert" nur Kurzauftritte, spielt somit keine tragende Rolle. Hinzu kommen neue Komplikationen, ihn betreffend. Es bleibt spannend! Und wir können nur hoffen, dass Band 3 nicht allzu lange auf sich warten lässt. Wir wollen schon wieder mehr!

Das persönliche Fazit
Teri Terry hat es wieder geschafft und setzt ihre Reihe gekonnt hochwertig fort. Hier zersplittert nichts (außer Kylas Gedankenmauern)! "Zersplittert" liest sich so spannend und gut inszeniert, dass Kritikpunkte für mich dann eher unerheblich waren. Kylas innerer Monolog und ihre Zerrissenheit machen sie zu einem unwahrscheinlich greifbaren Charakter, der das Leseerlebnis prägt. Ich möchte am liebsten sofort wissen, wie es mit ihr weitergeht. Bitte schnell mehr! Wer eine wirklich gute und eindringlich geschriebene Dystopie(reihe) sucht, ist hier goldrichtig. 4 unzerstörbare Sterne.

Aufmachung: 4 / 5
Handlung: 4,5 / 5
Charaktere: 4 / 5
Lesespaß: 4,5 / 5
Preis/Leistung: 4 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de



Reiheninfo Gelöscht-Trilogie:

Band 1 - "Gelöscht"
Band 2 - "Zersplittert"
Band 3 - "Bezwungen"