Montag, 20. Januar 2014

Rezension zu "Eve & Adam" von Michael Grant und Katherine Applegate



Verlag: Ravensburger (Januar 2014)
Originaltitel: Eve & Adam
Übersetzer: Wolfram Ströle
Reihe: 1/?, ab ca. 14-17 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 352 S.
ISBN: 978-3473401048
16,99 € [D]

Genre: Science Fiction

© Cover- und Zitatrechte: Ravensburger Buchverlag


Das Thema
Die 17-jährige Eve(ening) ist die Tochter der Milliardärin Terra Spiker, der das Maßstäbe setzende Forschungszentrum Spiker Biopharmaka gehört. Als Eve bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt wird, holt sie ihre Mutter zur Genesung in die Klinik des Forschungszentrums. Damit ihr nicht langweilig wird, darf sie ein neu entwickeltes Computerprogramm für Schüler ausprobieren, mit dem man sich einen "Menschen nach Wunsch" zusammenstellen kann - natürlich nur theoretisch und virtuell. Doch warum kommen ihr dann die Körperteile, die sie bei ihrem Projekt "Adam" kreiert so lebensecht vor? Gesellschaft bekommt Eve auch von Solo, einem Angestellten ihrer Mutter. Sie gerät mit ihm in Verwicklungen, die sie nie für möglich gehalten hätte.

Die Rezension

Der Anfang: Ich denke an einen Apfel, als die Straßenbahn mich trifft, mir das Bein abreißt, meine Rippen splittern und mein Arm kein Arm mehr ist, sondern nur noch eine nasse, rote, nicht wiederzuerkennende Masse.

Der Klappentext verrät hier viel: Ein Mädchen kreiert sich ihren Traummann am Computer und plötzlich steht er leibhaftig vor ihr. Ach du Schande! Das klingt nach waschechter Kitsch-Romantasy, bzw. Kitsch-Science Fiction! Manch ein(e) JugendbuchleserIn wird so denken und das Buch sofort in eine Schublade stecken. Doch das ist zu voreilig, denn es wäre schade, dieses kurzweilige Leseerlebnis zu verpassen.
Das Autoren-Ehepaar Michael Grant ("Gone"-Serie) und Katherine Applegate haben mit "Eve & Adam" ihren ersten gemeinsamen Jugendroman geschrieben ... und ihre Sache gut gemacht. Trotz einiger Besonderheiten (die aber ihren ganz eigenen Reiz haben) enthält der Roman eine rasante und teils überraschenden Geschichte, die einen zweiten Blick mehr als verdient hat.

Wenn man stirbt - und diese Erkenntnis kommt mir, während ich durch die Luft fliege -, sollte man an Liebe denken. Und wenn schon nicht an Liebe, dann sollte man wenigstens seine Sünden zusammenzählen oder überlegen, warum man nicht an der Ampel über die Straße gegangen ist. - Eve, S. 7

Gleich am Anfang des ersten Kapitels fliegen die Fetzen, wortwörtlich. Wenn nämlich Eve von einer Straßenbahn erfasst, und dem Leser das ganze auch anschaulich verdeutlicht wird. Der Nebeneffekt - man ist gebannt! Schon hier fällt der besondere Stil des Romans auf und Eves Gedankengänge reißen einen mit.
Ein Stilelement sind viele kurze Sätze und die oft zackige Kommunikation zwischen den Protagonisten. Da wird nicht viel drumrumgeredet, ein Wort ergibt das andere. Mit seinen 350 Seiten liegt "Eve & Adam" etwa im Umfangsdurchschnitt bei Jugendromanen. Trotzdem rast man regelrecht durch die Seiten, das Buch gehört wohl zu den am schnellsten zu lesenden Sci-Fi Geschichten für die angestrebte Zielgruppe. Gerade diese Kurzweiligkeit macht Spaß und das Lesen sehr attraktiv.

Die Geschichte spielt im San Francisco der heutigen Zeit. Außer dem High-Tech Forschungszentrum Spiker Biopharmaka und den Möglichkeiten, die das Unternehmen hat, haben die Autoren die Gesellschaft an unsere heutige Technisierung angepasst. Einige Darstellungen sind hart, gerade weil man sie sich in der heutigen Zeit nicht vorstellen mag.
Eve ist die vordergründige Ich-Erzählerin der Geschichte. Sie teilt sich diese Rolle mit dem Jungen Solo. Beide erzählen die Story im Präsens (Gegenwart). Die Struktur der Handlung ist einfach, Umgebungsbeschreibungen anschaulich, aber eher kurz und präzise. Auch werden alle auftauchenden Personen nicht lange in die Geschichte eingeführt, ihre Hintergründe fließen in die Handlung ein und werden dem Leser nach und nach klar. Dennoch sind alle Personen plausibel dargestellt. All dies begünstigt die Pageturner-Eigenschaften des Buches.

"Als Nächstes kommt die Sehschärfe", sage ich. "Soll ich ihn leicht kurzsichtig machen?"
"Nein", widerspricht Aislin entschieden. "Keine Brille. Auch keine Kontaktlinsen."
Ich überlege kurz. Jeder Mensch sollte eine kleine Schwäche haben. Macht uns das nicht erst interessant? Zu mehr als bloßen Kopien voneinander? - Eve, S. 91

Wer eine kitschige Lovestory erwartet, ganz wie sie der Klappentext suggeriert, könnte eine große Überraschung erleben. Im Buch geht es gar nicht vordergründig um den Entwurf eines Traummannes, inkl. anschließendem Treffen mit ihm. Natürlich ist das ein wichtiger Teil der Geschichte, steht aber einfach nicht so im Vordergrund, wie man meinen könnte. Mancher, (recht oberflächlich) angesprochene Tiefsinn, animiert zum Nachdenken. Hauptsächlich geht es aber um Dinge, die Eve über ihr Leben erfährt - Dinge, die sie sich nie hätte vorstellen können. Hier wird es spannend, sehr rasant und nicht selten überraschend. Einige Wendungen wären ohne die Klappentext-Infos noch eindrucksvoller gewesen.
"Eve & Adam" ist zwar ein Serienbeginn, evtl. ist eine Fortsetzung geplant, der Roman liest sich aber wie ein Einzelband. Nach dem actionreich-brenzligen, etwas übertriebenen Ende, ist man zufrieden. Die Geschichte ist abgeschlossen.

Das persönliche Fazit
In "Eve & Adam" fehlt zwar der Apfel nicht, ansonsten hat diese (Schöpfungs-) Geschichte wenig mit ihren biblischen Namensgebern gemeinsam. Für mich war es ein unerwartet gut zu lesendes Buch, das ein schnelles Erzähltempo vorgibt, keine Langeweile, und erst recht keine Leselänge, aufkommen lässt. Einige Szenen waren sehr eindringlich, den Stil und die Sprache finde ich richtig klasse. "Eve & Adam" ist waschechte Jugend-Sci-Fi, der erwartete Kitsch mancher Romantasy-Story blieb komplett aus. Ich war positiv überrascht (auch von den Charakteren!). 4 Sterne.
Aufmachung: 5 / 5
Handlung: 3,5 / 5
Charaktere: 3,5 / 5
Lesespaß: 4,5 / 5
Preis/Leistung: 3,5 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de