Freitag, 25. Oktober 2013

Rezension zu "Days of Blood and Starlight: Zwischen den Welten" von Laini Taylor



Verlag: FJB (September 2013)
Originaltitel: Days of Blood and Starlight
Übersetzer: Anna Julia u. Christine Strüh
Reihe: Band 2/3, ab ca. 14-17 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 624 S.
ISBN: 978-3841421371
16,99 € [D]

Genre: Urban Fantasy

© Cover- und Zitatrechte: FISCHER FJB


Das Thema
Karou kann dem Engel Akiva, ihrem ehemaligen Geliebten, seinen Verrat an den Chimären nicht verzeihen. Weil kaum noch Chimären am Leben sind, fühlt sich Karou verpflichtet ihnen zu helfen. Schließlich hat sie einiges bei ihrem Ziehvater und Wiedererwecker Brimstone gelernt und kann dieses Wissen nun bei der Erschaffung einer neuen Chimärenarmee einsetzen. Aber obwohl sie die Chimären sehr stark - ja monströs - erschafft, nimmt der Krieg zwischen ihnen und den Engeln kein Ende.

Akiva ist nach Eretz zurückgekehrt, hoffnungslos Karou jemals wiederzusehen, am Boden zerstört bei den Gedanken an seinen eigenen Verrat an den Chimären. Nun dient er wieder unter dem grausamen Imperator der Seraphim und soll die wenigen restlichen Chimären in Eretz töten. Weil ihm das immer mehr widerstrebt, sucht er nach einer Möglichkeit, die Grausamkeiten des Krieges zu beenden.

Die Rezension

Der Anfang: Es war einmal, da zogen ein Engel und ein Teufel an einem Wunschknochen, und als er brach, brach die ganze Welt entzwei.

Als Anfang 2012 "Daughter of Smoke an Bone" erschien, waren die Meinungen fast durchweg begeisterter Natur. Entgegen dem Trend der ewig gleichen Romantasys und Urban Fantasy-Geschichten wurden hier die Karten neu gemischt. Eine so besondere Geschichte hatten viele selten zuvor gelesen.
Jetzt können sich alle begeisterten Leser auf den Nachfolgeband "Days of Blood and Starlight" freuen. Die Geschichte hat es in sich und präsentiert sich in einem völlig anderen Gewand als der Vorgänger. Sie ist sprachlich perfekt, und bleibt in diesem Genre ebenso grandios wie ungewöhnlich.

Liegt zwischen einem Reihenbeginn und dem Folgeband einige Zeit, kann es schon mal zu Wissenslücken bei den Lesern kommen. Hier empfiehlt sich dringend, das Personenverzeichnis (am Ende des Buches) zuerst zu lesen. Die Erinnerungen kommen dann sofort wieder, ohne das etwas vom Buch vorweggenommen wird. Auch ist die Geschichte so gut erzählt, dass sich zwischendurch immer wieder an Ereignisse von früher erinnert. Perfekt!
Schlägt man das Buch auf, fällt sofort die doppelseitige Karte des Landes Eretz auf, der Heimat der Seraphim und der Chimären. Huch, die war doch in Band 1 noch nicht vorhanden. Das ist richtig. "Days of Blood and Starlight" hat, trotz Urban Fantasy-Wurzeln, viel von einem High Fantasy-Roman. Der Reihentitel Zwischen den Welten könnte nicht besser passen. Zum einen ist Hauptprotagonistin Karou tatsächlich zwischen der Menschenwelt und Eretz hin- und hergerissen, zum anderen ist die Handlung des Buches auch in beiden Welten angesiedelt.

Unabhängig von der perfekten Sprache, kann einem Karou hier wirklich leid tun. Sie wirkt komplett erschöpft und ausgebrannt. Ihre Vergangenheit drückt sie nieder, der Verrat von Akiva lastet zusätzlich auf ihr. Durch Karous Fähigkeiten ist sie zudem die einzige Hoffnung der restlichen Chimären, bevor diese von den Engeln komplett ausgelöscht werden. Gerade die "Arbeit", die sie für den Chimärenanführer verrichtet, stürzt Karou in einen großen Gewissenskonflikt. Kann sich Notwendigkeit so falsch anfühlen? Trotzdem beißt sie sich durch und zeigt in entscheidenden Momenten Größe und Stärke. Das macht sie zu einem Identifikationscharakter, mit dem man mitfühlt und für den man vollstes Verständnis hat.

Aber sie war nicht mehr Madrigal und auch keine Chimäre. Sie war Karou. Ein Mensch.
Mehr oder weniger.
Und sie hatte keine Zeit für Träume.
- S. 59

Bei aller Begeisterung während des Lesens könnte für viele auch ein kleiner Wermutstropfen dabei sein. Die Beziehung (oder zwangsläufig beendete Beziehung) zwischen Karou und Akiva wird nur sehr eingeschränkt fortgeführt. Eine Lovestory ist hier praktisch nicht vorhanden, die beiden Hauptcharaktere begegnen sich einfach viel zu selten, gefühlt so gut wie gar nicht. Der Fokus der Geschichte liegt auf dem Krieg zwischen Engeln und Chimären, mit Rache, Vergeltung und Grausamkeiten, ganz typisch für High Fantasy. Dennoch besitzt "Days of Blood and Starlight", neben all dem Kriegstreiben, eine schlummernd-unauffällige Romantik, die auch zwischen den wenigen Aufeinandertreffen von Karou und Akiva zu spüren ist. In dieser Beziehung ist das letzte Wort ganz sicher noch nicht gesprochen.

Dem unbeschreiblichen Lesefluss von "Days of Blood and Starlight" kann man sich kaum entziehen. Das Ende hält dann kleine und größere Überraschungen bereit, nachdem die etwa 600 Seiten des Romans viel zu schnell, und im wahrsten Sinne des Wortes, verflossen sind. Die Hoffnung auf ein grandioses Finale ist damit besiegelt.

Das persönliche Fazit
"Days of Blood and Starlight" ist ein bildgewaltiges und wunderbares Urban Fantasy-Epos, welches das Blut zum Kochen bringt und dessen perfekte Sprache einem Sternchen in die Augen zaubert. Es liest sich wie ein Gedicht! Damit knüpft der Roman unmittelbar an seinen Vorgängerband an. Gerade die unerwartete Andersartigkeit, mit High Fantasy-Anbindung, und die perfekten Charaktere machen das Buch einzigartig gut. Hier ist der Aufkleber auf dem Cover "Die besten Serien der Welt" genau richtig platziert. Wer die Zwischen den Welten-Reihe noch nicht kennt sollte sie sich auf keinen Fall entgehen lassen. 5 Sterne!

Aufmachung: 5 / 5
Handlung: 4,5 / 5
Charaktere: 4,5 / 5
Lesespaß: 5 / 5
Preis/Leistung: 5 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de



Reiheninfo Zwischen den Welten-Trilogie:

Band 2 - "Days of Blood and Starlight"