Montag, 12. August 2013

Rezension zu "Ashes: Ruhelose Seelen" von Ilsa J. Bick



Verlag: INK (August 2013)
Originaltitel: Monsters
Übersetzer: Kollektiv Druck-Reif
Reihe: Band 3/4, ab ca. 14-17 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 464 S.
ISBN: 978-3863960070
17,99 € [D]

Genre: Endzeitroman

© Cover- und Zitatrechte: Egmont INK Verlag


Das Thema
Die Welt ist in katastrophalem Zustand und Alex sah sich schon sterben. Wieder einmal. Als der veränderte Kannibalen-Junge Wolf ihr das Leben rettet, ist sie ihm zwar dankbar, aber generell auch von den blutrünstigen Jugendlichen in Wolfs Clique zutiefst abgestoßen. Nie kann sie sich sicher sein, ob Wolf sie nicht doch als Mahlzeit aufsparen will. Aber sein Geruch sagt ihr etwas anderes. Und auch Alex spürt etwas Dunkles unaufhaltsam in sich heranwachsen. Was für eine Art Monster ist Wolf? Und wird sie vielleicht selbst zu einem?
Unterdessen muss Tom davon ausgehen, dass er Alex für immer verloren hat. Schließlich sah er das Bergwerk einstürzen und hatte dadurch keine Chance mehr, Alex zu retten. Gebrochen und verstört lebt er bei Mellie und ihrer Kinderbande. Doch dann macht Tom eine furchtbare Entdeckung. Manche Veränderten agieren zunehmend aggressiver, töten wie ferngesteuert. Was hat dieses Verhalten bei ihnen ausgelöst?

Die Rezension

Der Anfang: Einen solchen Sturz in die Tiefe hatte Alex nur ein einziges Mal erlebt.

Es gibt Bücher, die sind wie ein Autounfall. Man mag nicht hinsehen, gleichzeitig hängt der Blick wie gebannt am Schreckensszenario. Unmöglich sich dessen zu entziehen. Die Ashes-Reihe steht an vorderster Front, wenn man (Jugend!)-Bücher mit einem Zusammenprall vergleichen kann. Es sind Bücher höchster Erzählkunst, unglaublich spannend und temporeich. Dann aber wieder so grausam und eklig, dass ein fester Magen schon fast nicht mehr ausreicht. Sie sind kontrovers brillant und vielleicht darum besonders empfehlenswert (aber bitte nur für eine informierte Zielgruppe!).

Das war der letzte Gedanke, den sie fassen konnte. Sie wünschte sich sein Überleben so sehr, dass es schmerzte ...
Und dann blieb kein Moment mehr. Schluss mit Gedanken und Erinnerungen. Schluss mit Wünschen, Träumen und Reue. Aus. 
Sie schlug auf. - S. 16

Mittlerweile sind wir beim dritten Teil der Tetralogie angekommen. Nachdem Band 1 unerwartet hart und grausam war, ließ Band 2 den Leser dann völlig entsetzt zurück. "Ruhelose Seelen" setzt hier direkt an. Wer sich vom dritten Band etwas Gewaltentspannung erhofft ... Nein! Gibt es nicht!
Ilsa J. Bick führt ihren Erzählstil aus dem zweiten Band fort, indem die Erzählperspektiven des Öfteren wechseln. Nicht nach jedem Kapitel, aber in regelmäßigen Abständen wird zu einem anderen Schauplatz innerhalb der nahen und fernen Umgebung der Kleinstadt Rule geschwenkt. Man begleitet altbekannte Figuren, wie Alex oder Tom, aber auch die Perspektiven bisheriger Nebenpersonen werden genauer betrachtet. Das mag wieder verwirrend klingen, schafft aber ein ziemlich rundes Bild der Gesamtsituation. Und auch wenn sich in diesem Buch immer noch kein einziger Erzählstrang trifft, klebt man an den Seiten, da jede einzelne Perspektive Spannung pur verspricht.

Die Erzählkunst ist auf allerhöchstem Niveau, die Handlung komplex und perfekt durchdacht. Die Autorin erscheint zudem wie eine Expertin in Waffen- und Militärkunde. Man glaubt ihr jedes Wort! Eine bildgewaltiges, ausgereiftes Setting, ohne Übertreibungen und Überladungen, erschafft Kopfkino pur. Die bildliche Vorstellung jeder Szene kommt von ganz alleine (Achtung: auch die Vorstellungskraft bei expliziten Ekelszenen kommt von ganz alleine!)
Auch in "Ruhelose Seelen" ist das Tempo hoch und die Spannung mit Händen zu greifen. Durch verkürzte Kapitel und viele Perspektivenwechsel zieht das Tempo an manchen Stellen so sehr an, dass man kaum zum Durchatmen kommt. An jedem Kapitelende befindet sich ein Cliffhangersatz, der es einem unmöglich macht, das Buch zur Seite zu legen. Gibt es dann zwischendurch doch mal ein paar ruhigere Momente, kann man davon ausgehen, dass es ein paar Seiten weiter mit der Ruhe wieder vorbei ist, etwas Unvorhergesehenes passiert oder einem schlicht die Augen aus dem Kopf fallen. (Bitte nicht wörtlich nehmen, das überlassen wir dem Buch.)

Zusätzlich zur expliziten Gewalt setzt die Autorin hier noch verstärkt auf einen psychologischen Aspekt. Man bekommt Einblicke in die Abgründe menschlicher Motivation und Handlungsweisen, die tief verstören können. Abscheulich!

In Deutschland wurde aus der amerikanischen Trilogie eine Tetralogie (Vierteiler) gemacht. Der sehr dicke letzte Band wurde gesplittet. So endet "Ashes: Ruhelose Seelen" ziemlich abrupt, mit einer Szene, die man noch nicht so richtig zuordnen kann. Blickt man auf alle bisher erschienenen Bände, so fragt man sich ganz unwillkürlich, ob man bei der Reihe mit einem "Happy End" rechnen darf, ob aus alle dem ganzen Schlamassel der grausamen Ashes-Welt noch etwas Gutes entstehen kann. Wir werden es sehen. Denn bereits im September 2013 erscheint der finale Band "Pechschwarzer Mond".

Das persönliche Fazit
Ich mag die Ashes-Reihe. Sehr sogar! Ob es moralisch in Ordnung ist, Jugendbücher mit diesem Ausmaß von Ekel und Gewalt zu schreiben, diese Frage muss ich hier einfach so stehen lassen. Nach wie vor bin ich der Meinung, dass Leser bei diesen Büchern wissen MÜSSEN, was auf sie zukommt. Denn hier muss unvorstellbares Übel ausgehalten/ertragen werden. Bei der Rezension des Vorgängerbandes kam ich nicht um den Abzug eines Gewaltsterns herum. Diesmal nicht, kein Abzug für "Ruhelose Seelen". Jeder Leser des dritten Bandes weiß, was er vom Buch zu erwarten hat. "Ashes: Ruhelose Seelen" ist für mich ein großartiges Buch. Der Stil ist gigantisch, die Spannung lässt einen nicht mehr los und das Erzählniveau ist fast nicht mehr zu steigern. Lesen auf eigene Gefahr! 5 ruhelose Sterne.


Aufmachung: 4 / 5
Handlung: 4,5 / 5
Charaktere: 4,5 / 5
Lesespaß: (5) / 5
Preis/Leistung: 4,5 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de



Reiheninfo Ashes-Tetralogie:

3. Ashes: Ruhelose Seelen