Mittwoch, 24. Juli 2013

Rezension zu "Mystic City: Das gefangene Herz" von Theo Lawrence



Verlag: Ravensburger (Mai 2013)
Originaltitel: Mystic City
Übersetzer: Andreas Helweg
Reihe: Band 1/3, ab ca. 14-17 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 416 S.
ISBN: 978-3473400997
16,99 € [D] Hier bei Amazon bestellen

Genre: Urban Fantasy/Dystopie

© Cover- und Zitatrechte: Ravensburger Buchverlag


Das Thema
Aria lebt mit ihrer Familie in den Horsten von New York City. Seit die Stadt durch das Schmelzen der Polkappen überschwemmt wurde, leben die Armen in der Tiefe während die reichen Herrscherfamilien über die Wolkenkratzer gezogen sind. Nun kommt Aria frisch aus dem Krankenhaus. Laut ihren Eltern soll sie eine Überdosis der illegalen mystischen Droge Stic genommen haben, und darum ihr Gedächtnis verloren haben. Vor allem kann sie sich nicht an ihren Verlobten Thomas erinnern, den sie schon bald heiraten, und damit ein Bündnis zwischen den beiden mächtigsten Familien New Yorks besiegeln soll. Stattdessen träumt Aria von einem jungen Mann, dessen Gesicht sich ihr aber nie zeigt. Ist es Thomas oder vielleicht jemand ganz anderes? Und was hat es mit dem Unbekannten auf sich, der Aria vor einem gefährlichen Sturz rettet?

Die Rezension

Der Anfang: Es bleibt so wenig Zeit.

Wer viel Urban-Fantasy, Dystopien oder Ableger dieser Genre im Jugendbuchbereich liest, der stellt bei genauerer Betrachtung des Buchregals fest, dass diese Genre hauptsächlich von Autorinnen geschrieben werden. Eher selten halten wir das Werk eines Autors in der Hand. Warum? Vielleicht, weil viele dieser Bücher eine jugendliche Lovestory enthalten und die Gefühlsduseleien weiblichen Autoren besser liegen? Doch das sind Spekulationen. Fakt ist, dass "Mystic City" von einem Autor geschrieben wurde, samt (ausbaufähiger) Lovestory, guter Geschichte und eindrucksvollem Kopfkino. Na also!

Im Gesamtpaket hat "Das gefangene Herz" zwei ganz große Pluspunkte. Der erste ist der geniale Genremix des Autors. Das Buch spielt in einer nicht weit entfernten Zukunft mit Negativszenario, ist also dystopisch geprägt. Die Herrscherfamilien haben mafiaähnliche Strukturen und Gepflogenheiten (Achtung, manchmal wird's hart!). Das alleine passt schon gut zur Geschichte. Dazu kommt noch eine große Portion Fantasy in Form von Mystikern, die der Stadt ihre mystische Energie liefern, von der reichen Oberschicht aber geächtet sind. Es gibt einige Szenen mit mystischer Energie, die einen beim Lesen unwillkürlich "Oh, wow!" oder "Wie cool ist das denn!?" denken lassen. Dieser Mix aus Dystopie, Mafia-Story und Urban Fantasy funktioniert ganz hervorragend.

Der zweite Pluspunkt ist ein beachtliches Kopfkino, das einem großartigen Setting geschuldet ist. Die Geschichte spielt ausschließlich in New York City. Die Stadt allein hat schon den gewissen Reiz und ein Flair, das immer wieder überzeugt. Theo Lawrence teilt die Stadt in zwei Lager. Die arme, geächtete Bevölkerung, die in der überschwemmten Tiefe leben muss, und die Herrscherfamilien, die sich über den Wolkenkratzern sogenannte Horste gebaut haben. Diese sind durch ein Netz von Brücken und der Leichtbahn verbunden. Alleine die Vorstellung beim Lesen macht Spaß!

Ich gehe zur Balustrade. Vor mir liegen die Horste, so hoch über dem überschwemmten Terrain, dass sie zu schweben scheinen. Einige duzend Stockwerke unter mir verläuft die Leichtbahn; schlanke weiße Wagen [...] wenn sie Fahrt aufnehmen, sind sie nur noch als Lichtstreifen zwischen den Schatten der Wolkenkratzer sichtbar. Die zerklüftete Skyline wird von Lichtsäulen erhellt. Diese schwindelerregend hohen Glastürme versorgen ganz Manhattan mit mystischer Energie. Das ist das einzig Gute an diesen Mystiker-Monstern, sagt mein Vater immer. - Aria, S. 23

Die Lovestory hat das Rad zwar nicht neu erfunden, weil man schnell abschätzen kann, was es mit Arias Gedächtnisverlust auf sich hat, liest sich aber dennoch ganz schön und interessant. Leider kann man diesen Punkt aber nicht nur positiv sehen. Irgendwie ist die Chemie zwischen Aria und Lover (wer das ist, muss man selbst lesen) ja ganz süß. Dann wirkt die Lovestory teilweise aber auch etwas plump und schnell. Hier muss sich der Leser immer wieder klar machen, dass beide Hauptprotagonisten eine Vorgeschichte miteinander haben. Einige Schwärmereien seitens Aria muss man ertragen können, sonst hält sich der Kitsch glücklicherweise in Grenzen.

Am Ende geht die Geschichte in einen neuen Abschnitt über, der, wie könnte es anders sein, große Lust auf die Fortsetzung macht. Leider ist noch kein deutscher Veröffentlichungstermin bekannt. Der englische Folgeband "Toxic Heart" erscheint im Frühjahr 2014.

Das persönliche Fazit
"Mystic City: Das gefangene Herz" war schon ein besonderes Lesevergnügen! Und mystisch liest sich die Story auch nicht, sondern leicht und fesselnd. Den Mix aus Dystopie, Fantasy und Mafiastory fand ich, zusammen mit dem Kopfkinosetting, einfach nur gut! Weniger angetan war ich stellenweise von der Lovestorychemie. Diese war manchmal recht sweet, dann aber wieder zu plump. Blicke ich jetzt auf mein Leseerlebnis zurück, fiel das aber weniger ins Gewicht. Mir hat's gefallen. Ich lese definitiv weiter. 4 Sterne!
Handlung: 4 / 5
Charaktere: 3,5 / 5
Lesespaß: 4,5 / 5
Preis/Leistung: 4 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de