Donnerstag, 18. Juli 2013

Rezension zu "Gelöscht" von Teri Terry



Verlag: Coppenrath (Juni 2013)
Originaltitel: Slated
Übersetzer: Marion Hertle
Reihe: Band 1/3, ab ca. 14-17 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 431 S.
ISBN: 978-3649611837
17,95 € [D]

Genre: Dystopie

© Cover- und Zitatrechte: Coppenrath Verlag


Das Thema
Kyla wurde geslated. Das heißt ihr Gedächtnis wurde gelöscht und ihre Persönlichkeit genommen. Sie kann sich an nichts aus ihrem vorherigen Leben erinnern. Im Jahre 2054 greift die Regierung Englands bei jugendlichen Verbrechern zu dieser Maßnahme, um die wachsende Kriminalität und den Terrorismus unter Kontrolle zu bekommen.
Nachdem Kyla sich im Krankenhaus erholt hat, wird sie in einer neuen, fremden Familie untergebracht und soll mit ihnen ein neues Leben führen. Doch Kyla merkt bald, dass sie anders ist, als andere Slater, die oft mit einem sorglosen und fröhlichen Grinsen den Alltag durchlaufen. Sie hinterfragt Dinge und hat beängstigende Albträume, die darauf hinweisen, dass Kylas Erinnerungen noch irgendwo in ihr schlummern. Zusammen mit dem ebenfalls geslateten Jungen Ben versucht sie mehr über ihre Vergangenheit zu erfahren. Dabei kann sich Kyla nie sicher sein, wem sie vertrauen kann und wer sie überwacht.

Die Rezension

Der Anfang: Ich renne.

Das Dystopiegenre ist recht breit gefächert. Lässt sich aus manch - mehr oder weniger - erschreckendem Zukunftsszenario doch allerhand herausholen. Einige Autoren setzen auf die klassische Action-Dystopie, während andere sich auf ruhige, eindringliche Werke konzentrieren. "Gelöscht" zählt zur zweiten Sorte. Dabei fehlt es auch bei diesem Roman nicht an Action, die Konzentration liegt aber auf einer Geschichte, die ihre Wirkung durch Eindringlichkeit entfaltet und mit dem ein oder anderen Gänsehautmoment aufwartet.

Ich bin 16 Jahre alt und weder langsam noch zurückgeblieben oder seit meiner Geburt in einem Schrank eingesperrt gewesen - zumindest soweit ich weiß -, aber das Slating macht das mit einem. Es nimmt einem alle Erinnerungen. 
Es dauert eine Weile, bis nicht mehr alles zum ersten Mal geschieht. Erst Worte, erste Schritte, die erste Spinne an der Wand, der erste angeschlagene Zeh. Ganz einfach: erstes ALLES. - Kyla, S. 7

Kyla ist keine sehr offensive Protagonistin. Sie passt sich an und beobachtet viel. Aber das ist ja auch logisch. Schließlich wurden durch das Slating ihre kompletten Erinnerungen entfernt. Sie muss alles neu lernen, erlebt alles wieder zum ersten Mal und weiß nicht, warum sie geslated wurde. Sie macht sich Gedanken über ihr jetziges Leben und was wohl davor war. Das ist sehr mysteriös und gibt der Geschichte einen einfühlsamen und nachdenklichen Touch. Gerade, weil hier auch wieder ein Thema/Prozetere aufgegriffen wird, das man sich in seinen schlimmsten Albträumen nicht vorstellen will. Bald schon merkt Kyla, dass sie anders ist, als andere Slater. Von da an möchte sie ihrem Geheimnis auf die Spur kommen und agiert viel überlegter und auch tougher. Kylas Charakter fasziniert sehr.

Durch diverse Personen, denen Kyla begegnet bildet man sich schnell eine Meinung von ihrem Umfeld und dem Regierungssystem. ABER, ganz klar und offensichtlich ist hier nichts. Es kann sein, dass man von einer Person noch sehr positiv (oder auch negativ) dachte, sich diese Meinung ein Kapitel weiter dann komplett revidiert und Ansichten neu geordnet werden müssen. Die komplette Geschichte ist hochinteressant und spannend, die wenigen Actionsequenzen reichen völlig aus. Das Levo, ein Armband, welches mit einem Zahlenwert Kylas Gemütszustand überwacht, ist wunderbar in die Story integriert und sorgt für zusätzlichen Nervenkitzel.

So ist "Gelöscht" das fast perfekte Leseerlebnis. Kleine Kritik könnte man seitens Ben, dem männlichen Gegenüber von Kyla, anbringen. Über ihn erfährt man recht wenig und er taucht auch nicht allzu oft in der Geschichte auf, bis sich gegen Ende die Ereignisse überschlagen. Vor allem dann wünscht man sich, dass Ben etwas mehr Aufmerksamkeit während der Handlung bekommen hätte.
Am Schluss prasseln die Informationen nur so auf den Leser ein. Too much information? Nicht wirklich, es bleibt spannend und unvorhersehbar. Aber man muss diese geballten Infos erst mal ausreichend verarbeiten. Es wird turbulent!
Auch Teri Terry verschont uns nicht mit einem schmerzhaften Cliffhanger. Warum enden Bücher oft gerade dann, wenn man nahtlos weiterlesen möchte!? Da ist es eine richtig gute Nachricht, dass Band 2 schon in den Startlöchern steht. "Zersplittert" erscheint im Frühjahr 2014.

Das persönliche Fazit
Gelöscht wird hier gar nichts! Dieses Buch bleibt im Gedächtnis und wartet in meinem Regal auf seine Fortsetzungskollegen. "Gelöscht" ist ein tolles Buch! Eine eindringliche und nachdenklich machende Dystopie, für mich vom Lesegefühl her vergleichbar mit Büchern wie "Delirium" oder "Lost Girl". Der Schauplatz England passte sehr gut zu den Charakteren und zum dargestellten System. Perfekt fand ich, dass für das Slating (und z.B. diverse Medikamente) der Originalname behalten wurde, die Charakteristik der Story bleibt so vollständig erhalten. Trotz Mini-Kritikpunkten war "Gelöscht" für mich eine DER Dystopien 2013. Die weiteren Bände sind ins Pflichtleseprogramm aufgenommen. 4 gespeicherte Sterne!

Aufmachung: 4 / 5
Handlung: 4 / 5
Charaktere: 4 / 5
Lesespaß: 4,5 / 5
Preis/Leistung: 4 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de



Reiheninfo Gelöscht-Trilogie:

Band 1 - "Gelöscht"
Band 2 - "Zersplittert"
Band 3 - "Bezwungen"