Dienstag, 18. Juni 2013

Rezension zu "Tears'n'Kisses: Lebe lieber übersinnlich" von Kiersten White



Verlag: Loewe (Juni 2013)
Originaltitel: Endlessly
Übersetzer: Jessika Komina & Sandra Knuffinke
Reihe: Band 3/3, ab ca. 12-15 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 416 S.
ISBN: 978-3785572405
17,95 € [D]

Genre: Urban-Fantasy

@ Cover- und Zitatrechte: Loewe Verlag


Das Thema
Kaum hat sich Evies Leben wieder etwas beruhigt, kündigen sich neue Probleme an. Die IBKP (Internationale Behörde zur Kontrolle Paranormaler) möchte, dass Evie wieder für sie arbeitet. Gleichzeitig wird aber ein Gerichtsverfahren gegen Evies Ziehmutter Rachel eröffnet. Ist der IBKP noch zu trauen oder plant sie Böses?
Dann verlangen plötzlich alle Paranormalen und die Seelie-Feen des Hellen Hofes, dass Evie ihnen ein Tor in ihre ursprüngliche Welt öffnet, da sie nicht mehr auf der Erde bleiben wollen. Evie würde den Paranormalen und Feen gerne helfen, hat aber Angst, dass ihr Freund Lend mit ihnen verschwinden könnte. Und auch die Unseelie-Feen, der Dunkle Hof, stellt sich quer. Als die Dunkle Königin Lend entführt, setzt Evie alles dran, um ihn zurückzuholen. Und dann muss sie sich ja noch entscheiden, ob sie das Tor für die Paranormalen öffnet oder nicht.

Die Rezension

Der Anfang: Mit Drachen gibt es ein Problem: Ich habe absolut null Ahnung von den Viechern. 

Bei diesem ersten Satz, dürften sich die Gesichter der vielen Evie-Fans aufhellen und ein dickes Grinsen unabwendbar sein. Das fängt ja gleich wieder gut an! Der letzte Band der Lebe lieber übersinnlich-Trilogie "Tears'n'Kisses" ist da und man weiß nicht, ob man ihn nun mit Küssen begrüßen soll oder aber ein paar Tränen verdrücken muss. So ist das mit lieb gewonnenen Buchserien; einerseits wartet man freudig auf jeden Folgeband, andererseits ist man traurig, wenn es dann zu Ende geht. Wenigstens ist eines sicher - Kiersten White beendet Evies Geschichte mit einem lustig-fröhlich-rosa-ersthaft-dramatisch-verpiepten Feuerwerk!

Piep, ich hatte noch nie gegen einen Werwolf gekämpft [...]. Er grinste bösartig, während wir einander langsam umkreisten [...].
"Ich kann deine Angst riechen."
"Noch so ein alberner Spruch!" Was glaubst du eigentlich, was das hier ist, ein schlechter Film? Tja, da muss ich dich enttäuschen: Du bist kein supercooler Held und nach unserem Kampf kommt auch keine heiße Knutschszene." - S. 195

Kann Evie nicht doch noch etwas bleiben? Wir haben sie doch alle so lieb gewonnen. Bekanntlich soll man ja aufhören, wenn es am schönsten ist, doch Evie wird fehlen. Die Ich-Erzählerin ist eben ein echtes Original und das, was die Trilogie ausmacht. Dabei ist der Anfang von "Tears'n'Kisses" gar nicht mal so oberwitzig. Vielleicht täuscht das, aber man muss sich 2-3 Kapitel einlesen, bis der Funke überspringt und man sich durch die rosa geschmückten Seiten piept.
Evie wirkt reifer, was die Entscheidungen die sie treffen muss, eindeutig zeigen. Sie begründet plausibel und oft überraschend tiefsinnig. Schlagfertig war sie ja schon immer, doch Evie erschien im Vorgängerband "Dreams'n'Whispers" oftmals unsicher und vor allem unehrlich. Es gab einfach zu viele Dinge, die sie vor ihrem Freund Lend verheimlicht hatte, wodurch Evie sich in manches Fettnäpfchen manövrierte. Das ist hier vorbei und Evie strahlt wie nie, bleibt dabei aber immer menschlich (gut, eine Szene war ungewohnt hart, doch auch "notwendig").

Durch die ganze Reihe zieht sich die süß-romantische Lovestory zwischen Evie und Lend. Lend ist ein sehr bodenständiger und freundlicher Junge. Man mag ihn einfach. Er ist Evies Ruhepol und von Anfang an ist klar, dass er derjenige bleibt, der zu Evie gehört, auch wenn es für sie einige "Ablenkungen" gibt. Eine echte Dreiecksbeziehung entsteht so nie. Jungen-, bzw. männertechnisch, wird es in "Tears'n'Kisses" so manches Mal überraschend. Lend gehört zu Evie, doch die eigentliche männliche Hauptrolle hat ...

... Reth! - ehemaliger Feen-Lover von Evie und nach wie vor absolut undurchsichtiger Geselle. Einschätzen konnte man Reth schon in den zwei Vorgängerbänden nie (wirklich nie!). Und das ändert sich auch hier nicht. Im Gegenteil, Reth weiß das ein oder andere Mal immens zu überraschen, und immer, wenn man meint, man wisse jetzt, wie er tickt (egal in welche Richtung) - ätsch, ausgetrickst!
Insgesamt steht Reth für alle Feen im Buch. Ein bös-freundliches Volk, bei dem man nie so richtig weiß, woran man ist. Exzellent!

"Du",  flüsterte Lend und blickte dabei Reth an. Sie schienen irgendeinen wortlosen Pakt zu schließen. "Pass auf sie auf", stieß Lend hervor.
Reth nickte. "Immer". - S. 69

"Tears'n'Kisses" ist ein buchstäblicher Lesegenuss! Vor allem natürlich, wenn man Evies verpiepte und präsente Art von Humor mag. Die Übersetzung ist so gut gelungen, dass kein bisschen der ursprünglichen Atmosphäre verloren geht. Ab Beginn geht es gut zur Sache, mit vielen Überraschungen (Personen und Handlung betreffend) und einem tollen Setting in der Feenwelt. Die Story ist zwar witzig und alles andere als normal, dennoch gibt es auch ernstere Parts. In Büchern ist ein Spagat zwischen ausgeprägtem Humor und einer spannend-fesselnden Handlung schwierig. "Tears'n'Kisses" beherrscht das perfekt!

Das persönliche Fazit
Schön war's! "Tears'n'Kisses" war genial, die komplette Reihe ist es sowieso! Ich habe Tränen gelacht (für Insider: Einhornszene mit Ausdruckstanzwunsch!) und viele virtuelle Küsse an Evie verteilt. Evies Geschichte ist komplett anders, als man es bei einer Romantasy erwarten würde. Klischee meets Klasse! Betrachtet man den girlie-rosafarbenen Humor, dann hatte ich wahrscheinlich noch nie so viel Spaß bei einer Trilogie, bei der mir gleichzeitig die Personen sehr ans Herz gewachsen sind. Wer hätte das gedacht?! Mit "Tears'n'Kisses" erhält die Lebe liebe übersinnlich-Trilogie endgültig den Eine-Lieblingsreihe-die-für-immer-in-meinem-Regal-bleibt-Status. 5 Sterne!
Handlung: 4,5 / 5
Charaktere: 4,5 / 5
Lesespaß: 5 / 5
Preis/Leistung: 5 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de



Reiheninfo Lebe lieber übersinnlich-Trilogie:

3. Tears'n'Kisses