Sonntag, 14. April 2013

Rezension zu "Aeternum" von Andrea Bottlinger



Verlag: Knaur TB (April 2013)
Originaltitel: -
Übersetzer: -
Reihe: -
Ausführung: Klappenbroschur, 576 S.
ISBN: 978-3426511794
12,99 € [D]

Genre: Urban-Fantasy

© Cover- und Zitatrechte: Verlagsgruppe Droemer Knaur


Das Thema
Amanda, ein Mensch mit versteckten magischen Kräften, und ihr Bruder werden bei einem Einbruch von Hausherrn, einem Dämon, überrascht. Fortan muss Amanda in die Dienste des Dämons treten, weil er sie mit dem Leben ihres Bruders erpresst.
Gleichzeitig jagt der Engel Jul in den Katakomben von Berlin niedere Dämonen, um die Menschen, die nichts von deren Existenz wissen, zu schützen. Jul hat sich eines Vergehens schuldig gemacht. Daraufhin wurden ihm seine Flügel genommen und er lebt als gefallener Engel unerkannt unter den Menschen.
Als es in Berlin zu rätselhaften Erdbeben kommt und schließlich sogar der Alexanderplatz, samt Fernsehturm, einstürzt, werden Amanda und Jul in das Loch geschickt. Sie sollen den Vertretern der Dämonen und Engeln berichten, was sich unter der Erde zugetragen hat. Zwar gibt es zwischen beiden Gruppen einen Waffenstillstand, dennoch sind Dämonen und Engel verfeindet. Auch wenn Amanda unfreiwillig im Dienst eines Dämons steht und Jul schon lange nicht mehr der Schar der Engel angehört, sind Konflikte zwischen den beiden unumgänglich. Und dabei werden sie einander immer wichtiger.

Die Rezension

Der Anfang: Noch fünfzehn Sekunden.

Endlich einmal wieder ein Urban-Fantasy Roman, der komplett aus deutscher Feder stammt. Dieses Genre ist nach wie vor sehr beliebt und bietet für Autoren reichlich Potenzial kreativ zu werden. Und da schreibt Andrea Bottlinger ausgerechnet einen Roman über Engel und Dämonen? Ja, das tut sie. Und sie drückt diesem Thema ihren ganz eigenen Stempel auf. Zudem spielt das Buch komplett in, über und unter Berlin, nicht nur unter der Erde, wie man laut Klappentext vermuten könnte. Heraus kam eine wunderbar zu lesende und sehr actionreiche Urban-Fantasy Geschichte - lesen ausdrücklich empfohlen!

Nach einem nervenaufreibenden Prolog, der Amandas Schicksal in die Fänge ihres Dämonenherrn führt, begleitet man als Leser Amanda und Jul bei ihrem Abenteuer. Dabei geht es um keine willkürliche Aufgabe, nein, es geht schon im großen Stil zur Sache. Und wenn die Autorin Zeit und Raum mal außer Kraft setzt, dann sind diese Szenen so gut, nicht abstrakt, beschrieben, dass man jederzeit folgen kann. Die Kapitel haben eine angenehme Länge und sind abwechselnd aus der Sicht (personaler Erzählstil, Präteritum) von einem der beiden Hauptprotagonisten geschrieben.

Amanda hat einen sehr sturen, oftmals etwas verstockten, Charakter. In gefährlichen Situationen reagiert sie meist zynisch und mit einem sehr bissigen Humor. Sie machte es dem Leser (und Jul!) nicht ganz einfach, weil man manchmal das Gefühl hat, dass man schlecht an sie rankommt. Ihre größte Schwachstelle ist die Sorge um ihren Bruder. Das macht sie verletzbar, bzw. erpressbar. Das macht sich der Dämon, dem sie dienen muss, schamlos zu Nutzen.
Jul, der gefallene Engel, ist unumstößlich der sympathischste Charakter der Geschichte. Er hat eine sehr ansprechende, ruhige und überlegt Art. Gleichzeitig ist er etwas unsicher, ob seine Unterstützung Amanda gegenüber gerechtfertigt ist. Im Laufe der Geschichte wird Juls Welt- und Glaubensverständnis komplett auf den Kopf gestellt. Die Darstellung von ihm und den ganzen Engeln gefällt ausgesprochen gut. Dass aber Jul dabei nicht unfehlbar ist, sondern so manche Unsicherheit zeigt, macht ihn so echt und sympathisch.

"Wie heißt du?"
"Jul."
"Schön, ich bin Amanda. Freut mich nicht unbedingt, dich kennenzulernen, aber immerhin weiß ich nun wie ich dich nennen soll."
"Ebenso." - S. 100

Es fällt auf, dass die Autorin ihre eigenen Fragen und Skepsis gegenüber Religion und Glauben in die Story gemischt hat. Das sieht man sowohl an den Fragen, die sich die beiden Hauptcharaktere Amanda und Jul zu diesem Thema stellen, als auch an der Handlung selbst. Dabei vermittelt die Autorin keinesfalls eine Religion/Glauben-ist-blöd-Haltung, es werden Dinge von ihr hinterfragt und das merkt man eben an einigen Stellen genauer. Für sehr christlich-gläubige Leser könnten einige Umstände der Handlung etwas schmerzhaft sein.

In "Aeternum" es tempo- und actionreich zur Sache. Es wird teils sehr blutig, spannend und manchmal etwas episch. Die Hauptcharaktere stolpern von einer spannenden oder gefährlichen Situation in die nächste (diese Dämonen sind aber auch herrlich böse und fies). Es gibt viele Kämpfe und auch bei diesen geht es nicht zimperlich zu. Dabei ist die Handlung aber nicht zu komplex. Man behält immer den Überblick, der Roman liest sich wie von selbst.
Die Handlung ist in sich abgeschlossen. Zwar gäbe es sicher die Möglichkeit einer Fortsetzung, "Aeternum" lässt sich aber wunderbar als Einzelroman lesen.

Das persönliche Fazit
Ich selbst kann von Urban-Fantasy über Engel und Dämonen gar nicht genug bekommen. "Aeternum" hat wieder bewiesen, warum das so ist. Wie die hier verfeindeten Gruppen dargestellt wurden, gefiel mir sehr gut. Perfekt war, dass die Dämonen zwar außerordentlich boshaft und gemein waren, die Engel aber bei weitem nicht unfehlbar gezeichnet wurden und lange nicht so sphärisch wirkten, wie sie oftmals dargestellt sind. Amanda ist ein etwas schwierigerer, doch sehr interessanter, Charakter. Jul hatte bei mir sofort die Favoritenrolle. Für Fans von Urban-Fantasy, die spannende und gut recherchierte Geschichten schätzen, sowie actionreichen Kampfszenen mögen, ist "Aeternum" eine absolute Leseempfehlung. Von mit gibt es aetherische 4 Sterne.


Aufmachung: 4 / 5
Handlung: 4 / 5
Charaktere: 4 / 5
Lesespaß: 4,5 / 5
Preis/Leistung: 4,5 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de