Donnerstag, 11. April 2013

Review zu "Deine Augen, dein Tod" von William Richter



Fischer FJB (Februar 2013),
Hardcover mit SU, 464 Seiten,
18,99 € [D]


Ein dunkler Mann mit deinen Augen will dich töten …
Wo ist Yalena Mayakova? Adoptivkind Wally würde alles tun, um ihre leibliche Mutter zu finden. Ein entscheidender Hinweis taucht auf, und gemeinsam mit drei Freunden nimmt Wally die Suche nach Yalena auf. Anscheinend hat auch sie damals den Weg aus Russland nach New York gefunden. Endlich hat Wally eine Spur, der sie folgen kann. Doch auch ein finsterer Mann mit Wallys Augen folgt dieser Spur, und er ist nicht nur auf der Suche nach Wally und ihrer Mutter – er jagt sie …
Wird Wally lange genug leben, um herauszufinden, wer sie wirklich ist? (Text- und Bildquelle: Fischer FJB)


Meine Meinung
Jugendthriller haben sich im Laufe der Jahre verändert. Der Anspruch hat sich deutlich erhöht, und die Autoren und Verlage sind diesem Ruf gefolgt. Viele Jugendthriller sind qualitativ erstklassig und der Altersempfehlung fast schon entwachsen. Einige von ihnen würde ich getrost in die Regalreihe für Erwachsene stellen, so gut durchdacht, und vor allem spannend, sind sie mittlerweile. Die Messlatte liegt somit recht hoch. "Deine Augen, dein Tod" stellt sich dieser Herausforderung und punktet (fast) komplett. Auf den jugendlichen und erwachsenen Leser wartet eine gut durchdachte Story, ein tolles Setting, in den Straßen von New York City, und eine spannende Handlung.

Für seinen Hauptcharakter Wally verbindet William Richter ihre russischen Wurzeln mit dem modernen Leben eines reichen amerikanischen Teenagers, der aber auf der Straße lebt. Das Mädchen auf dem deutschen Cover wird sicher nicht jeden Leser ansprechen, es passt aber sehr gut zu dem Bild, das man sehr schnell von Wally bekommt.
Nach einem rührenden Prolog, der Wally in einem Waisenhaus in Russland zeigt, wie sie von einem amerikanischen Ehepaar adoptiert wird, wurde ich mitten ins spannende Geschehen in New York, etwa 11 Jahre später katapultiert. Wally ist mittlerweile 16, lebt nicht mehr bei ihren Adoptiveltern, sondern auf der Straße. Sie ist die Anführerin einer Crew von vier Straßenkids und gemeinsam schlagen sie sich durch den Alltag. Wallys Leben läuft wie jeden Tag, bis sie einen Hinweis bekommt, der sie zu ihrer leiblichen Mutter führen soll. Wally möchte den diversen Hinweisen, die sie sich nach und nach erarbeitet, nachgehen und ihre Mutter suchen. Ab diesem Zeitpunkt schlittert sie von einer haarsträubenden Situation in die nächste.

Wally ist eine sehr starke Persönlichkeit. In ihrer Straßencrew hat sie eindeutig die Führungsrolle inne. Die meisten (Überlebens)-Situationen hat sie gut im Griff, schwache und verletzliche Momente weist sie oft von sich. Trotzdem ist es ihr wichtig ihre leibliche Mutter zu finden, und auch zu ihrer Adoptivmutter, bei der sie ja nicht mehr lebt, sucht sie regelmäßigen Kontakt.
Einige Nebenpersonen, so zum Beispiel die Kids in Wallys Crew, bleiben eher blass. Zwar erfährt man die kurze Hintergrundgeschichte von jedem, aber die Hauptrolle ist eindeutig Wally zugedacht.
Meistens wird die Geschichte aus der Sicht von Wally (personal, Präteritum) erzählt, in manchen Momenten schwenkt der Erzählstil auch zu wichtigen Personen der Handlung, wie z.B. einem Polizeiermittler, dem Bösewicht oder Wallys Mutter.

"Deine Augen, dein Tod" ist keine zimperliche Geschichte. Neben einigen ruhigeren Momenten geht es ganz schön zur Sache. Der Bösewicht ist richtig böse. Hier werden Personen nicht nur mit Waffen bedroht, sie werden auch angeschossen, nicht wenige sogar getötet. Es fließt Blut und viele Situationen sind gefährlich-spannend. Dass der Autor auch Drehbuchautor ist, fällt hier besonders positiv auf. Vor allem die rasanten Szenen erweckten bei mir den Eindruck, als würde ich einen Film schauen. Dabei gab es ein paar überraschende Wendungen, mit denen ich überhaupt nicht gerechnet hatte.
Die Geschichte ist abgeschlossen, führt aber nicht für alle Beteiligen zum Happy-End. Mit dem Schlusssatz hält sich der Autor ein Hintertürchen für eine Fortsetzung offen, doch "Deine Augen, dein Tod" ist sehr gut als Einzelband lesbar.

Fazit
Der Originaltitel "Dark Eyes" und auch der deutsche Buchtitel passen, auch wenn ich anfangs über den Titel "Deine Augen, dein Tod" etwas gestolpert bin. Sehr besonders für einen Jugendthriller ist die Verknüpfung bei Wally von russischer Abstammung und einem Leben in Amerika. Das New Yorker Setting fand ich genial. Wer schon dort war wird vieles wiedererkennen. Allen anderen helfen zwei ganz einfache Karten, vorne und hinten im Buch, bei der Orientierung. Ich empfand den Thriller als sehr tough und spannend, stellenweise äußerst rasant. Ich kann das Buch jedem, der gerne Jugendthriller liest und sich nicht vor filmreifem Mord und Totschlag scheut, empfehlen.

© Damaris Metzger, damarisliest.de