Freitag, 15. März 2013

Rezension zu "Dark Destiny" von Jennifer Benkau



Verlag: script5 (März 2013)
Originaltitel: -
Übersetzer: -
Reihe: 2/2
Ausführung: Hardcover/SU, 464 S.
ISBN: 978-3839001455
18,95 € [D]

Genre: Dystopie

© Cover- und Zitatrechte: script5 Verlag


Das Thema
Hilflos musste Joy mit ansehen, wie Neél von ihren eigenen Leuten gefangen genommen und gefoltert wurde. Ihre große Liebe, all ihre Hoffnungen und Zukunftspläne zersplittern zu einem Scherbenhaufen, als sie schließlich von Neéls Tod erfährt. Trotz ihrer unendlichen Trauer fasst Joy einen folgenschweren Entschluss: Sie will nicht länger zu Matthials Clan gehören. Also macht sie sich allein und schlecht ausgerüstet auf den Weg durch Bomberland und von feindlichen Clans besetztes Gebiet. Es ist eine Suche nach Antworten: Wie starb Neél? Und warum? Doch es ist auch eine Suche, an deren Ende Hoffnung steht. Hoffnung auf eine zweite Chance. (Klappentext: script5 Verlag)

Die Rezension

Der Anfang: Ich hatte immer gedacht, der erste gewonnene Gerichtsprozess würde meine Zweifel verstummen lassen.

Wie grausam! Man wollte aufschreien beim Lesen der letzten Zeilen des Vorgängerbandes "Dark Canopy". Und mit der Ankündigung des Dilogieabschlusses "Dark Destiny" präsentierte der Verlag einen Klappentext, der noch zusätzlich Salz in die Wunden der geschundenen Leserherzen streute. Eines ist sicher; Jennifer Benkau präsentiere dem Leser in Band 1 wohl einen der fiesesten Cliffhanger überhaupt. Und jetzt sollen wir beim Abschlussband alle Hoffnungen auf ein Happy-End begraben? "Dark Destiny" darf man sich nicht entgehen lassen, es ist (wieder) einmalig. Darum konzentriert sich diese Rezension auch NICHT auf Neél, den Mann, bzw. Percent, des allgemeinen Interesses. Wie es der Autorin gelingt, trotz anderweitigen Leserwünschen, ein perfektes Buch zu schreiben, davon sollte sich jeder "live" überzeugen.

Ich konnte an nichts anderes als an Neél denken. - Joy, S. 44

Verständlich sind sie, Joys Gedanken. Und verständlich ist auch, dass sie es bei ihrem Clan, vor allem Clanführer Matthial, nicht mehr aushält. Sie macht sich alleine, mitten im Winter, auf den Weg, um Antworten zu finden. Dafür ist ihr keine Gefahr zu groß. Joy hat mit einem schweren Schicksalsschlag zu kämpfen und um mit diesem Leben zu können, ist ihr kein Winter zu kalt und kein Weg zu weit.
Joy war noch nie ein friedfertiger und einfacher Hauptcharakter. Sie hat eine sehr kantige Persönlichkeit, an deren scharfen Ecken sich so mancher Leser schneiden dürfte. Eine ganz besondere junge Frau. In "Dark Destiny" hat sich Joy jedoch etwas verändert. Sie wirkt weicher, viel feinfühliger. Außerdem ist sie sehr sensibel und weint viel (mehr) als bei ihrer harten Ausbildung zum Chivvy. Aber gebrochen ist sie nicht. Nach wie vor kann sie verbal und körperlich wunderbar austeilen. Ob in Verhandlungen mit einem Clanführer oder gegenüber einem Percent-Rüpel in einer Bar, Joy scheut keinen Konflikt. Ihre mentale Stärke erstaunt.

Ich fühlte mich unberechenbar, fürchtete, jegliche Kontrolle über mich zu verlieren, als säße in meiner Brust ein wildes, zorniges Tier, das meine Schwäche ausnutzen wollte, um aus mir herauszubrechen. Mir war klar, dass Rachsucht ein vernichtendes Gefühl war und zu nichts führte. [...] Das Tier dagegen schrie nach Rache. - Joy, S. 38

Geschrieben ist das Buch gewohnt erstklassig. Der Stil hat eine ganz eigene Dynamik und wirkt sehr emotional. Spannende Stellen gibt es zuhauf, gleichzeitig gibt es aber auch viele nachdenkliche, ruhigere Parts. Der Fokus der dunklen Geschichte liegt sicher nicht auf Humor und Heiterkeit, auch wenn es einige Stellen gibt, die den Leser schmunzeln lassen oder man echte Freude verspürt. Eine Vorliebe der Autorin für Metaphern und Vergleiche lässt sich auch hier erkennen. So ist nicht nur die Umgebungsbeschreibung sehr bildlich, auch die Gefühlswelt der Protagonisten geht tief (und oft ans Herz!).

Bei vielen Büchern dieses Genre, egal wie die Bewertung ausfällt, ähnelt sich der Plot in dem Sinne, dass die Handlung in einem großen Finale (oft sehr actionreich und spannend) endet. "Dark Destiny" ist eines der wenigen Bücher, die hier von der Norm abweichen. Ja, auch hier gibt es gegen Ende viel Action und nicht weniger Dramatik. Doch schlägt das Buch dann nochmals eine andere Richtung ein, die man so nicht erwartet, die aber Antwort auf so manche Schauplatz- und Was-ist-eigentlich-mit-der-Welt-passiert?-Frage klärt. In "Dark Destiny" fühlt man sich im letzten Buchdrittel nicht, wie so oft, gehetzt oder durch die Geschichte gejagt. Jede Sequenz hat genau die richtige Länge. Der Spagat zwischen Information und Lesefluss gelingt sehr gut!

Nur kurz zum Ende. Die Dilogie ist abgeschlossen, das Buchende somit endgültig. Es ist anders. Es ist hoffnungsvoll. Es ist nicht schmerzfrei. Es ist perfekt!

Das persönliche Fazit
Dark Canopy ist eine Maschine, die Dark Destiny ist Joys Schicksal! Und was soll ich da jetzt sagen? "Dark Destiny" ist ein überragendes, großartiges Buch. Darüber zu schreiben ist sehr emotional und aufwühlend. Bewundern muss ich, dass es der Autorin gelingt, den Schluss so zu gestalten, dass man zufrieden ist und ein gutes Gefühl hat, obwohl man das bei DIESEM Ende so gar nicht erwarten würde. Es passt einfach. Das Setting, die Charaktere und der Stil - alles qualitativ erstklassig! Darum auch 5 schicksalsträchtige Sterne!


Als Gesamtpaket gesehen gehören "Dark Canopy" und "Dark Destiny" zweifellos zu den besten dystopischen Geschichten überhaupt (auch international!). Ein Muss für Fans dieses Genre!

Aufmachung: 4,5 / 5
Handlung: 5 / 5
Charaktere: 5 / 5
Lesespaß: 5 / 5
Preis/Leistung: 5 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de



Reiheninfo der Dark Canopy-Dilogie

Band 1 - Dark Canopy
Band 2 - Dark Destiny