Mittwoch, 6. März 2013

Review zu "Escape" von Jennifer Rush



Loewe (Januar 2013), Band 1,
Klappenbroschur, 320 Seiten,
12,95 € [D]


Wer sind die vier jungen Männer, die im Keller von Annas Haus gefangen gehalten werden? Tag für Tag führen Anna und ihr Vater im Auftrag der "Sektion" medizinische Tests mit ihnen durch. Und Nacht für Nacht schleicht sich Anna in den Keller, um sich heimlich mit Sam, dem Anführer, zu treffen. Denn in ihn ist sie verliebt. Niemand weiß, warum die vier für diese Versuche ausgewählt wurden. Am wenigsten sie selbst, denn ihre Erinnerung reicht nur exakt fünf Jahre zurück. Als sich für Sam und die anderen die Gelegenheit zur Flucht ergibt, schließt Anna sich ihnen an. Es beginnt eine atemlose Jagd quer durch die Vereinigten Staaten, immer auf der Suche nach der wahren Identität der vier Jungen. Und die einzige Spur, die sie haben, ist ein rätselhaftes Tattoo auf Sams Rücken. (Text-, Bild- und Zitatequelle: Loewe Verlag)


So war das auch mit der Hoffnung  Man klammerte sich an etwas, von dem man nicht wusste, ob man es jemals erreichen würde. Aber man musste sich trotzdem weiter daran festhalten, denn wo blieb sonst der Sinn? - S. 117


Meine Meinung
Alleine die Idee hat schon was für sich: Ein Mädchen, Anna, entdeckt, dass im Keller ihres Vaters vier Jungen in Einzelzellen gefangen gehalten werden. Im Auftrag einer dubiosen Firma werden mit ihnen medizinische Test durchgeführt. Nach einem Zwischenfall gelingt den Jungen die Flucht und Anna begleitet sie. Von nun an beginnt eine spannende Hetzjagd durch die USA, immer auf der Suche nach Herkunft, Sinn und Zweck der Jungen - und Anna!
Nicht nur die Idee ist äußerst gelungen, sondern auch die Story an sich begeistert. Achtung, hier wird es spannend, rasant und auch sehr brutal. Würde man das Buch ins Filmgenre packen, könnte man es als waschechten Action-Thriller bezeichnen.

In einer ganz einfachen und ansprechenden Sprache erzählt Jennifer Rush die Geschichte von Anna in der Ich-Form. Die Perspektive wechselt nie, da die Geschichte recht linear verläuft und Anna immer mitten im Geschehen dabei ist. Die Autorin hat hat jedem ihrer fünf Hauptprotagonisten bestimmte Eigenschaften und Charaktermerkmale mit auf dem Weg gegeben, dadurch konnte ich sie schnell unterscheiden und immer richtig zuordnen. Auch der Informationsfluss kommt nicht geballt, sondern gleicht eher einem Memory-Spiel, das man Stück für Stück aufdeckt. Gerade das fand ich perfekt, weil man so der Geschichte die volle Aufmerksamkeit schenkt. Warum werden die Jungs in Zellen (ähnlich denen in "Das Schweigen der Lämmer") gefangen gehalten? Warum die medizinischen Tests? Warum können sie sich an ihr früheres Leben nicht erinnern? Und welche Rolle spielt Anna? "Escape" ist zwar der Beginn einer Reihe, doch wird man als Leser bei diesen Fragen nicht im Unklaren gelassen. Sie werden gelöst, verteilt über die ganze Geschichte.

Obwohl das Buch sehr actionreich ist, gibt es natürlich nicht nur rasante Momente. Zwischendurch darf man auch mal Luftholen, weil sich die Beziehungen zwischen den einzelnen Protagonisten weiterentwickelt oder Anna über ihre Situation nachdenkt. Wenn man aber mit Anna und den vier Jungs in eine der vielen Actionszenen schlittert, werden keine Blumen mehr gepflückt, sondern gleich die ganze Wiese gemäht! Es geht mitunter schon sehr hart zu. Ich sag mal so, bevor ein Gegner ausgeknockt wird, wird er vorher erschossen. Das passt zum Buch und zur kompromisslosen Geschichte, etwas überrascht hat mich die bildliche Gewalt aber schon. Ich vertrage das, zimperlich darf man hier als Leser auch nicht sein.

Mir war bis zu diesem Moment nicht bewusst gewesen, wie sehr ich mir wünschte, dass er mir traute. Nach allem, was wir durchgemacht hatten, stand ich noch immer auf seiner Seite. Und dort würde ich auch immer bleiben. Selbst wenn es mich das Leben kostete. - S. 194

Ab dem ersten Kapitel weiß man, dass Anna in den Anführer der Jungen, Sam, verliebt ist. Es ist nicht genau klar, ob Sam diese Gefühle in gleicher Weise erwidert. Die Lovestory entwickelt sich langsam und ist sehr beherrscht und ehrlich. Ich mochte das. Nun gut, einige Phrasen von Anna wirkten dann doch sehr pathetisch (siehe Zitat!), aber irgendwie war das auch süß. Anna hatte für mich die Rolle einer eher neutralen Hauptperson. Ein Bezug zu ihr blieb (für mich) an der Oberfläche. Dem tollen Leseerlebnis schadete das aber überhaupt nicht.
Nach einem letzten Buchdrittel, wie aus einem Actionfilm, ist "Escape" dann leider viel zu schnell zu Ende. Das Buch endet nicht abrupt, bereitet aber den Weg für den Folgeband. Ich bin mir sicher, dass die Fortsetzung, nach diesem absolut gelungen Start, von jedem Leser schnell herbeigesehnt wird.

Fazit
Der deutsche Buchtitel "Escape" (Flucht, Entkommen) passt hier ebenso gut wie der Originaltitel "Altered" (verändert, modifiziert). Beide Begriffe sind Hauptbestandteile der Geschichte. Bis auf ein ganz kleines Sci-Fi Element ist das Buch ein reiner Thriller, ohne Fantasy. Auf interessierte Leser wartet eine spannender, rasanter Thriller mit dem Flair eines Action-Blockbusters. Ich war durchweg neugierig und permanent am Mitfiebern. Band 2 kann für mich gar nicht früh genug erscheinen. Eine klare Leseempfehlung!

© Damaris Metzger, damarisliest.de