Montag, 14. Januar 2013

Review zu "Eve & Caleb: Wo Licht war" von Anna Carey



Loewe (Januar 2013), Band 1,
Taschenbuch, 304 Seiten,
8,95 € [D]


Wie überlebst du, wenn du vor allem fliehen musst, was du kennst? Seit ihre Mutter während der Großen Seuche vor 16 Jahren gestorben ist, lebt Eve in einem Mädcheninternat. Hier wird sie zu einem wertvollen Mitglied der neuen Gesellschaft ausgebildet – glaubt sie zumindest. Als Eve erkennt, wie sehr sie und die anderen Mädchen ausgebeutet werden sollen, flieht sie. Doch auf ein Überleben in der Wildnis und auf die Flucht vor den Soldaten des Neuen Amerikas ist Eve nicht vorbereitet. Unerwartet hilft ihr Caleb, ein junger Rebell. Kann Eve ihm trauen? Sie weiß, die Soldaten werden die Suche nicht aufgeben, und Caleb ist ihre einzige Möglichkeit zu überleben. Sie muss ihr Leben in die Hände eines Fremden legen. (Text- und Bildquelle: Loewe Verlag)


Meine Meinung
"Wo Licht war" hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber manchen seiner Dystopie-Genrekollegen: Es beginnt sauspannend! Eve lebt in einem Mädcheninternat, zusammen mit vielen anderen Mädchen des Neuen Amerika. Alle sind Waisen und haben bei der Großen Seuche ihre Eltern verloren. Eves Leben ist komplett vorgefertigt. Nach der Schule wird sie eine Ausbildung machen und ihre Talente im Neuen Amerika bestmöglich einsetzten. Ihr Leben gerät komplett aus den Fugen, als sie eines Nachts eine grausige Entdeckung macht. Es wird nicht zu viel verraten, wenn man hier den Klappentext aufgreift; Eve flieht. Daraufhin beginnt ein Abenteuer, das sich durch das ganze Buch zieht.

Das alles passiert in den ersten drei (relativ kurzen) Kapiteln. Hier können sich Leser, die gerne von Anfang an informiert sein wollen, nicht beschweren. Der Einstieg fällt einem leicht, man muss sich nicht, wie so oft, in einer fremden, dystopischen Welt zurechtfinden. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt also schon, was mit der Welt geschehen war, wie sie regiert wird und wie die Zukunftsvorstellungen der Regierung, in diesem Fall eine Monarchie, sein werden. Im Laufe der Handlung wird natürlich noch einiges vertieft und man gewinnt neue Erkenntnisse.

Mit Eve wird vielleicht der eine oder andere Leser etwas warm werden müssen. Ich empfand sie zwar nicht als schwierig oder zickig, dagegen ist sie bei aller Gefahr teilweise doch recht leichtsinnig. Wenn man bedenkt, welche Entdeckung sie machen musste und dass sie vor dieser Gefahr geflohen ist, ist das nicht leicht zu verstehen. Dadurch bringt sie sich und andere oft in unnötige Gefahr und das kann teilweise etwas nerven. Sehr gerne mochte ich das Mädchen Arden, eine Nebenrolle der Geschichte. Sie ist ein sehr kantiger Charakter und passt damit hervorragend zur Geschichte. 
Caleb ist ein ruhiger und sehr verlässlicher männlicher Hauptcharakter. Ich hätte ihn mir etwas aussagekräftiger gewünscht, mochte ihn aber trotzdem sehr gerne. Er ist auf jeden Fall ein Ruhepol gegenüber Eves unbedarfter Art. Das ergänzt sich sehr gut.

Anna Carey beschreibt Eves Reise sehr bildlich. Man kann sich wirklich vorstellen, wie sich die Natur nach der Seuche die Straßen und Städte zurückerobert (Film-/Bildvergleich: "I Am Legend" - mit Will Smith). Manchmal haben ihre Beschreibungen fast schon Dokumentationscharakter. Mich hat es nicht gestört, ich fühlte mich beim Lesen sehr wohl. Einige von Careys Ideen, zum Beispiel, dass Amerika von einem König regiert wird und eine diktatorische Monarchie darstellt, wirken frisch und unverbraucht.
Ich bezeichne "Wo Licht war" als klassische Abenteuerdystopie. Die Handlung wechselt relativ konstant zwischen Gefahr - Flucht - Hilfe, ist aber, auch wenn man das meinen könnte, überhaupt nicht vorhersehbar. Der Umstand des Abenteuers, dass es hier zu überstehen gilt, hat eindeutig mehr Gewichtung als die zarte Lovestory - welche mir im Übrigen sehr gut gefiel. Hier haben Eves Erfahrungen, die Schlüsse, die sie daraus zieht und ihr Handeln dann wirklich Hand und Fuß. Die Lovestory ist passend, nicht übertrieben und kitschfrei.

Das Ende war für mich dann unerwartet und überraschend. Und ... ich hatte einen dicken Klos im Hals! Trotz etwas Kritik an den Charakteren sind mir Eve und Caleb sehr ans Herz gewachsen. Einen direkten Cliffhanger gibt es zwar nicht, aber nach diesem Ende MUSS man einfach wissen, wie es mit diesem Abenteuer weitergeht. "Wo Licht war" ist der Beginn der Eve & Caleb-Trilogie. Die Folgebände "In der gelobten Stadt" (Bd. 2) und "Kein Garten Eden" (Bd. 3) erscheinen in kurzer Veröffentlichungsreihenfolge im Herbst 2013 und Frühjahr 2014.

Fazit
"Wo Licht war" ist genau das richtige Buch für alle, die Abenteuerdystopien mögen und den Fokus gerne auf eine spannende Handlung legen. Ich fühlte mich beim Lesen teilweise wie in einem Film. Die Lovestory gehört zur Handlung, drängt sich aber nicht auf. Mir gefielen die einfachen, aber nicht oberflächlichen, Strukturen und die gut verständliche Ist-Situation der dystopischen Welt von Anna Carey. Am Ende war ich dann sowohl überrascht, als auch sehr berührt. Für mich geht es mit Eve & Caleb definitiv weiter!

© Damaris Metzger, damarisliest.de