Donnerstag, 29. November 2012

Rezension zu "Libellenfänger" von Katja Brandis



Verlag: ivi (Oktober 2012)
Originaltitel: -
Übersetzer: -
Reihe: - , ab ca. 14-17 J.
Ausführung: Klappenbroschur, 368 S.
ISBN: 978-3492702768
14,99 € [D]

Genre: Jugendthriller

© Cover- und Zitatrechte: ivi Verlag


Das Thema
Ricky wächst bei ihren Großeltern auf, und das hat einen ganz bestimmten Grund. Ricky wurde im Mutter-Kind-Trakt eines Gefängnisses geboren und kam als kleines Kind zu ihren Großeltern, während ihre Mutter noch die restliche Haftstrafe absitzen musste. Zu ihrer Mutter hat sie regelmäßigen, aber nicht besonders guten, Kontakt. Ricky hütet dieses Geheimnis gut, sie schämt sich für ihre Vergangenheit, und darum weiß auch niemand ihrer Schulfreunde über ihre Familiensituation Bescheid. Als bei einem Discobesuch eine Schulfreundin von Ricky stirbt, glaubt diese nicht an einen natürlichen Tod. Das Verhalten von Antonia, kurz vor ihrem Tod, spricht dagegen. Und was bedeuten die Libellenflügel, die im Zusammenhang mit Antonias Tod an verschiedenen Orten auftauchen? Ricky möchte Licht ins Dunkel bringen, doch umso intensiver sie dabei mit ihren Freunden zusammenarbeite, umso wahrscheinlicher ist es, dass diese hinter Rickys eigenes Geheimnis kommen.

Die Rezension

Der Anfang: Sie war ein herrliches Geschöpf, ein Stück des Himmels.

Thriller gehören zum beliebtesten Buchgenre. Gerade darum sind Thriller oder Krimis für Jugendliche ein echter Trend und werden gerne gelesen. Mit "Libellenfänger" kam jetzt ein besonders ansprechendes Exemplar auf den Markt. Mit dem gelb-pinken Äußeren und der großen schwarzen Libelle ist das Buch ein echter Eyecatcher und schreit förmlich danach, sofort gelesen zu werden. Auch an einen Jugendthriller hat man bestimmte Erwartungen, was die Spannung anbelangt. Diese muss keinesfalls mit haufenweise Leichen oder viel Blut erzeugt werden, aber eine spannende, gruselige Atmosphäre muss vorhanden sein. Hier kann "Libellenfänger" nicht komplett punkten. Der Roman ist gut durchdacht und schlüssig, die Spannung bleibt über einen langen Mittelteil teilweise auf der Strecke. Dafür rücken persönliche Probleme und Beziehungsgeschichten der Hauptprotagonistin in der Vordergrund.

Es war so unerwartet. Im ersten Moment wusste ich gar nicht, wovon er sprach. Dann traf es mich wie ein Schlag in den Magen.
"Das geht dich nichts an", sagte ich, stellte die volle Kaffeetasse auf seinen Schreibtisch und ging hinaus, durch den Flur, aus der Wohnung, aus dem Haus. - S. 61

Ricky ist nach außen hin sehr tough und oft um keine bissige Antwort oder Gedanken verlegen. Sie lässt sich nicht schnell von ihrem gewählten Weg abbringen und geht auch den kleinsten Hinweisen nach. Das macht sie zu einer Hauptprotagonistin, die man gerne liest. Zudem hat sie auch eine sehr gefühlvolle, verletzbare Seite. Diese zeigt sie nach außen hin aber nicht, weil sie immer in Sorge lebt, dass ihre Freunde hinter ihr Familiengeheimnis kommen könnten. Darum wirkt sie sie auf ihre Freunde und Bekannten auch oft verstockt und bockig. Durch ihrer Gefängnisvergangenheit hat sie einige sehr ungewöhnlich, fast schon skurrile, Bekanntschaften. Diese geben der Geschichte aber einen reizvollen Pep.
Kriss, Rickys beste Freundin, nimmt eine Nebenrolle in der Geschichte ein. Man lernt sie nicht gut genug kennen, um sich ein vollständiges Bild von ihr zu machen oder sie für die Geschichte sehr wichtig zu nehmen.
Die zweite Hauptperson ist Marek, ein sehr cooler Junge, der seine Haare, in leuchtenden Farben färbt. Mal Azurblau, Grün oder Orange. Das entscheidet er je nach Situation oder Stimmung. Er wirkt sehr lässig und cool, kann aber auch ernsthaft und hilfsbereit sein. Mareks Person gefällt sehr gut. Während ihren Ermittlungen kommen Ricky und Marek sich näher. Die Lovestory verläuft aber nicht ohne Komplikationen. Ob diese für die Geschichte nötig gewesen wären? Wahrscheinlich nicht.

"Libellenfänger" startet mit einem echten Gänsehautprolog, der dem Namen des Buches alle Ehre macht. Sehr gruselig, sehr spannend, sehr dicht. Auch während der gesamten Story wird man immer wieder gekonnt in die Irre geführt. So ist man sich nie sicher, ob Personen auch wirklich das darstellen, was sie vorgeben. Nach dem Todesfall zu Beginn nimmt die Spannung leider ab. Das liegt vor allem an Rickys Ermittlungen, oft im Alleingang und nicht immer auf Tatsachen gestützt. Manchmal ermittelt sie rein nach Vermutung oder nach einer Einschätzung, die sie von unbeteiligten Personen erhalten hat. Die Auflösung gegen Ende ist dann eine kleine Überraschung und hier steigt die Spannung auch wieder an. Am Schluss ist man dann sehr zufrieden, weil wirklich alle aufgekommenen, Fragen geklärt sind.

Das persönliche Fazit
Meine Augen fing "Libellenfänger" sofort ein, das auffällige Cover spricht einfach für sich. Insgesamt war die Geschichte für mich etwas zu unspannend. Obwohl Ricky verbissen ein Verbrechen aufklären will und fleißig ermittelt, war mir der Mittelteil zu gewollt auf Ermittlungsarbeit getrimmt. Auch habe ich mich manchmal gefragt, ob alle vorkommenden Personen für die Handlung nötig gewesen wären. Richtiges Thrillerfeeling bekommt man dann im letzten Buchdrittel. Für junge Krimifans ist "Libellenfänger" schon wegen der toller Idee und der wirkungsvollen Sprache mehr als einen ersten Blick wert. 3 Sterne gibt es von mir.


Aufmachung: 4 / 5
Handlung: 3 / 5
Charaktere: 3,5 / 5
Lesespaß: 3 / 5
Preis/Leistung: 3,5 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de