Montag, 22. Oktober 2012

Rezension zu "Flammen über Arcadion" von Bernd Perplies



Verlag: Egmont LYX (Sept. 2012)
Originaltitel: -
Übersetzer: -
Reihe: Band 1/3
Ausführung: Hardcover/SU, 525 S.
ISBN: 978-3802586378
19,99 € [D]

Genre: Dystopie

© Cover- und Zitatrechte: Egmont LYX Verlag


Das Thema
Carya lebt in Arcadion, einer Stadt die von dem religiösen Orden des Lux Dei regiert wird. Der Lux Dei sorgt für die Stadtbewohner und garantiert für ihre Sicherheit, verlangt aber dafür auch absolute Treue und Loyalität. Fast alle Bewohner Arcadions leben ziehen nicht mal in Erwägung, dass die Lehren des Lux Dei ein Irrglaube sein könnte. Außerhalb der Mauern Arcadions leben nur wilde Banden oder missgestaltete Mutanten.
Carya kommen erste Zweifel an der Absicht des Lux Dei als sie mitbekommt, wie der Geliebte ihrer besten Freundin von der Inquisition des Lux Dei gefangengenommen und gefoltert wird. Tobyn ist ein Invitro, ein künstlich gezeugter Mensch. Diese Form der Menschen ist dem Lux Dei ein ständiger Dorn im Auge. Durch ihren Einsatz für Tobyn gerät Carya selbst ins Fadenkreuz der Inquisition. Sie muss fliehen und erhält unerwartete Hilfe von Jonan, einem jungen Templersoldaten aus der Eliteeinheit des Lux Dei.

Die Rezension

Der Anfang: Niemand weiß genau, warum es damals geschah.

Wenn man diverse Rezensionen zu Dystopien verfolgt, wird ganz klar deutlich, dass Leser oftmals unzufrieden sind, wenn die vorherrschenden Umstände der fiktiven Welt nicht ausreichend erklärt sind. Viele Leser können nicht gut mit Ist-Situation umgehen, wollen vielmehr erfahren, warum sich die Welt so entwickelt hat, wie sie sich im Roman darstellt.
Alle Leser, die sich hier wiederfinden, werden an "Flammen über Arcadion" großen Gefallen finden. Bernd Perplies präsentiert uns hier eine Welt, die er dem Leser fast vollständig erklärt, somit sehr nahe bringt. Es gab einen Sternenfall und die darauf folgenden Dunklen Jahre, aus denen der Lux Dei sein Anhänger in die Sicherheit von Arcadion geführt hat. Was dieser Sternenfall war, kann man sich im Verlauf der Handlung denken. Perplies stellt die Struktur- und Machtverhältnisse deutlich dar, und zeigt durch Namensgebung und kleine Andeutungen sogar sehr genau, in welchem Land die Handlung spielt. Dadurch entsteht während dem Lesen das Gefühl eines fast filmreifen Settings.
Schon im Vorfeld wird dieses Gefühl durch ein Cover unterstütz, dass einen tatsächlichen Bezug zur Handlung hat. Eine malerische Gestaltung der ersten beiden Innenseiten sorgt dafür, dass man sich die Welt, in der die Geschichte spielt sofort auch bildlich vorstellen kann.

"Und genau deshalb möchte ich dich warnen. In Systemen wie dem Lux Dei gibt es nur zwei Sorten von Menschen: Herrscher und Diener. Die Herrscher verfügen über eine Macht, die sie vor vielem beschützt, das einem normalen Menschen zum Problem werden könnte. Die Diener dagegen sehen sich der ständigen Gefahr ausgesetzt, zum Opfer zu werden, wenn das System Opfer fordert. [...]" - S. 48

Charaktere gibt es viele, einige treten jedoch nur kurz, als Nebenpersonen, in Erscheinung. Manch einer wird sich fragen, ob diese Personen für die Wirkung der Geschichte nötig gewesen wären. Vielleicht spielen sie in den Folgebänden noch eine Rolle? Sehr gut gefällt die Mischung von natürlich gezeugten Menschen und künstlich geborenen, den Invitros. Diese Kombination bietet viel Potenzial für einen spannende Fortführung der Reihe.

Beide Hauptcharaktere, Carya, wie auch Jonan, passen sehr gut zur Geschichte und sind sympathische Protagonisten. Aber, und leider, haben sie auf den Leser eine eher neutrale Wirkung. Man verfolgt ihr Handeln zu sehr von außen, sie sind einem oft nicht wichtig genug. Das gibt der ganzen Geschichte einen etwas distanzierten Touch, wodurch sie, trotz guter Ausarbeitung, manchmal nicht richtig packen kann. Genauso verhält es sich auch mit Caryas und Jonans erheiternder Fluchtbegleitung, dem Jungen Pitlit (übrigens ist dieses "Hauptpersonen + besonderer Begleitung" auch ein sehr gerne eingesetztes Stilelement bei Flucht-Szenen). Der lustige Junge sorgt für manchen Spaß, richtig greifen kann man ihn aber nicht.
Die aufkommenden Gefühle zwischen Jonan und Carya sind dann, wie die Personen selbst, nüchtern und knisterfrei. Romantik hat in dieser Geschichte eindeutig keinen hohen Stellenwert, die Gewichtung liegt woanders. Man hätte diesen Gesichtspunkt auch komplett außen vor lassen können.

Seinen Plot gestaltet der Autor nach mehr oder weniger bekannten Mustern. Gefahr - Flucht - Überleben - Showdown. Ungewöhnlich ist die Gestaltung stellenweise trotzden. Der Roman vereint das Lesegefühl mehrere Genre. Anfangs noch sehr dystopisch mit altertümlichen Elementen, meint man später einen Abenteuerroman mit dem Flair der Mad Max-Filme zu lesen. Auch Stammesleben mit Gottheitenverehrung in der Wildnis sowie eindeutige Science-Fiction Elemente finden sich in der Handlung. Eine ungewöhnliche Mischung, die nicht jeden Geschmack treffen wird. Passend ist diese Mischung aber trotzdem. Einzig am Ende geht das große Finale etwas schnell vonstatten. Hier wirkt die Handlung dann teils gehetzt und wie aus einem Action-Film. Manche Leser werden um das berühmte Stirnrunzeln, inklusive ja, klar!-Gedanken, nicht herumkommen.

Das persönliche Fazit
"Flammen über Arcadion" ist definitiv sehr lesenswert. Der Roman ist mustergültig ausgearbeitet und sehr gut geschrieben. Lesern von dystopischen Abenteuerromanen könnte das Herz aufgehen. Mein Herz ist allerdings nicht komplett für die Geschichte entflammt. Der Hauptgrund ist für mich die etwas distanziert wirkenden Charaktere, weswegen mich die Geschichte nicht vollständig fesseln konnte. Trotzdem hat "Flammen über Arcadion" mit dem Ende ein gutes Zwischenziel erreicht, das neugierig auf die Fortsetzung macht. 3 Sterne.
Handlung: 4 / 5
Charaktere: 3 / 5
Lesespaß: 3,5 / 5
Preis/Leistung: 3 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de



Reiheninfo zur Trilogie:
Band 1 "Flammen über Arcadion"
Band 2 "Im Schatten des Mondkaisers" (März 2013)
Band 3 folgt