Dienstag, 17. Juli 2012

Nina Blazon liest aus "Zweilicht" - ein Lesungsbericht aus dem Stuttgarter Literaturhaus



Es fing 2010 an, als mir eine Freundin "Totenbraut" in die Hand drückte, mit den einfachen Worten: "Das ist ein Vampirbuch und echt super!" Gut, dachte ich mir, Vampire lesen sich meist bissig und außerdem ist das Cover toll. Das lese ich. "Totenbraut" wurde für mich zum Pageturner, obwohl das Vampirbuch gar nicht der aktuellen Vampirliteratur entsprach. Es ist nämlich historisch, Vampirismus wird hier von einer ganz anderen Seite betrachtet. Zusätzlich zum wunderbaren Schreibstil enthält das Buch einen originellen Hauch düstere und spannende Fantasy. Absolut lesenswert!
Es folgten bald "Faunblut" (hach, schön!), "Zweilicht" (grandios!), "Wolfszeit" (bestialisch!) und zuletzt "Ascheherz" (einzigartig!). Heute gehört Nina Blazon für mich zur deutschen Autorenelite. Ihr Stil ist eindrucksvoll, und ich warte ungeduldig auf jedes ihrer Jugend- bzw. Young-Adult Bücher. Und noch eine Besonderheit finde ich sehr erwähnenswert, weil es im Lesezeitalter der Serien und Reihen immer seltener wird: Alle von mir genannten Romane sind Einzelbände.

Als mich dann Bloggnachbarin und (Bücher)Freundin Anka auf eine Lesung der Autorin in Stuttgart hinwies, war der Termin ruckizucki ein fester Eintrag im Kalender. Und dass das Buch der Lesung "Zweilicht" sein sollte, ein ganz besonderer Bonus.

An einem strahlenden Sonnensonntag im Juli 2012 machten ich mich auf den Weg ins ca. 100 Kilometer entfernte Stuttgart, wo ich mich mich Anka direkt am Lesungsort, dem Literaturhaus Stuttgart/Stadtmitte treffen würde. Die Fahrt verlief staufrei, das Auto stand bald im kühlen Parkhaus und wir hatten noch eine Stunde Zeit um bei Milchkaffee und Saftschorle die neuesten Blog- und Booknews auszutauschen. Anka und ich kennen uns von mehreren Lesungen, Messebesuchen und der Kommunikation auf den Blogs auch privat, und es ist jedes Mal schön wie wohl wir uns miteinander fühlen. Gerade weil wir uns ja nicht monatlich über den Weg laufen.


Um Punkt 15 Uhr ging's los, und wir steuerten zielstrebig unsere bevorzugen Plätze an - ganz vorne, in der ersten Reihe. Merkt euch, wenn möglich, bei einer Autorenlesung euch immer ganz nach vorne zu setzten. Erstens beißt kein Autor (anderweitige Erfahrung dürfen mir gerne mitgeteilt werden *g*) und zweitens sieht und hört man einfach am besten. Letzteres ist ist besonders wichtig, wenn die Lesung ohne Mikrofon stattfindet.

Nina Blazon traf zusammen mit Constantin Schnell ein. Herr Schnell führte als Gesprächspartner durch die Lesung und stellte vorab und zwischendurch einige interessant Fragen. So habe wir erfahren, dass Nina Blazon schon als Kind auf phantastische Geschichten wie "Momo" und "Die Unendliche Geschichte" geprägt wurde. Auch "Der Herr der Ringe" gehört für sie zur ganz großen Literatur.
Privat liest Frau Blazon sehr gerne Fach- und Sachliteratur, aus der sie sich auch Anregungen für ihre eigenen Projekte holen kann. "Die Welt ohne uns: Reise über eine unbevölkerte Erde" von Alan Weisman hatte zum Beispiel großen Einfluss auf ihr Lesungsbuch "Zweilicht".
Anfangs schrieb Frau Blazon neben ihrem eigentlichen Beruf (Journalistin), aber bald nahmen die Recherchen, vor allem für ihre historischen Romane, so viel Raum ein, dass das Schreiben bald den Hauptberuf überlagerte. Mittlerweile ist sie vollberuflich Autorin für Kinder - und Jugendbücher. Dabei ist es meist so, dass sie abwechselnd einen historischen und einen phantastischen Roman schreibt, weil historische Romane einfach mehr Recherchezeit benötigen. Für die Zukunft könnte sie sich vorstellen, auch mal einen Krimi für erwachsene Leser zu schreiben.




Aus "Zweilicht" las Nina Blazon dann drei spannende Abschnitte, nach denen ich das Buch am liebsten gleich nochmal gelesen hätte. Ohne Übertreibung gehört "Zweilicht" für mich zu den YA-Büchern mit einem der am besten ausgearbeiteten Plots, die ich kenne. So überrascht wurde ich von einer Story selten. Auf Nachfrage teilte mir die Autorin auch mit, dass solch ein Plot schon von Anfang an feststeht, er entwickelt sich also nicht beim Schreiben. Sie musste hier die Storyline genau planen, Irrwege und Verwicklungen einbauen, damit man als Leser so überrascht wird, wie es bei mir der Fall war.
Frau Blazon erzählte auch, dass "Zweilicht" ein kleinen Wagnis, bzw. ein Experiment war. Das Buch wird unter dem Genre Fantasy verkauft, beinhaltet aber auch dystopische Elemente und eine Lovestory, die sich aber dann ganz anders entwickelt, als der Leser es erwartet. Das kam bei vielen sehr gut an *Hand heb*. Einige Leser, die eine "normale" Jugendfantasy-Lovestory erwartet hatten, wurde aber auch etwas enttäuscht oder haben die Geschichte nicht komplett verstanden.

Nach der Lesung konnten noch einige Fragen von den Zuhörern gestellt werden, die Nina Blazon sehr herzlich und sympathisch beantwortet hat. Viel zu schnell war diese schöne Stunde vorbei, wir hätten noch ewig zuhören können. Im Anschluss hat sich Anka blitzschnell "Zweilicht" vom Verkaufstisch geschnappt, und Frau Blazon hat uns unsere Bücher dann sehr gerne signiert. Ich selbst hatte natürlich das Lesungsbuch sowie meinen ersten Roman der Autorin "Totenbraut" mitgebracht.
Danach haben Anka und ich den Nachmittag nochmals in einem Café ausklingen lassen. Ankas tollen Bericht zur Lesung gibt es übrigens HIER.

Schön war's! Bis zur nächsten Lesung von Nina Blazon!




Jugend- und Young Adult-Bücher der Autorin (in Erscheinungsreihenfolge):



"Faunblut" von 2008, mittlerweile mit neuem Cover - Sehr spannend und romantisch, ein absoluter Favorit! (HIER geht's zur Review)
"Totenbraut" von 2009 - Mein erstes Buch der Autorin. Düster, historisch und einfach lesenswert. Die Verknüpfung von Historie und Fantasy ist super!




"Ascheherz" von 2011 - Habe ich ganz aktuell gelesen. Eine filmreife Story mit dem einzigartigen Setting der Welt aus "Faunblut" (die Geschichten sind voneinander unabhängig). Wunderschön!
"Zweilicht" von 2011 - Ich habe selten ein überraschenderes Buch gelesen, bei dem fast nichts so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Nach Beendigung wollte ich es sofort nochmals lesen. Ein perfekter Plot und einfach grandios! (HIER geht's zur Rezension)



"Wolfszeit" von 2012 - Ein historischer Roman mit einer hohen Grundspannung. Nie war die Geschichte über die Bestie von Gévaudan lesenswerter. (HIER geht's zur Rezension)
"Laqua: Der Fluch der schwarzen Gondel" erscheint im August 2012 - Eine spannende Geschichte mit Phantastikelementen und düsteren Rätseln in den Gassen Venedigs. Für junge Leser ab ca. 10-12 Jahren.