Montag, 16. Juli 2012

High Five - 5 Sätze/5 Adjektive zu "Wired" von Robin Wasserman



script5 (September 2011), Band 3,
Hardcover mit SU, 384 Seiten,
16,90 [D]


Vor einem Jahr starb Lia Kahn.
Nur wenige Tage später wachte sie auf.
In einem neuen, künstlichen Körper.
Sie hatte eine neue Familie: Mechs wie sie. Und ein neues Leben – eines, das für immer währen sollte.
Das dachte sie zumindest ...
Doch nun stellt sich alles, was man ihr erzählt hat, als Lüge heraus. Jemand beginnt, die Mechs zu zerstören, sie einen nach dem anderen auszulöschen. Lia geht jedes Risiko ein, um sich selbst und die zu schützen, ohne die sie nicht sein kann. Aber sie muss sich der Wahrheit stellen: Alle kann sie nicht retten.
(Text- und Bildquelle: script5 Verlag)


Ich hatte mir nie viele Gedanken darüber gemacht, wie man plötzlich, auf wundersame Weise, die Grenzen künstlicher Intelligenz durchbrochen hatte. Denn es hatte nichts mit mir zu tun. Ich war künstlich, ich war intelligent, ich war eine Maschine, klar. Aber ich war anders. Ich war ein Überbleibsel von etwas Menschlichem; ich hatte mein Leben als etwas anderes begonnen. - S. 170


5 zusammenfassende Sätze/Punkte zum Buch

  1. Lia ist wieder am Ausgangspunkt ihrer Geschichte angelangt, nämlich zu Hause, bei ihrer menschlichen Familie. Aber nicht, weil Lia das selbst möchte, sondern weil ihr Vater es von ihr verlangt, nachdem er ihr einen großen Wunsch erfüllt hat. Hier konnte ich als Leserin Lia wieder vollkommen zustimmen, ihre Familie und sie haben sich entfremdet. Der Vater ist neutral, ihre Mutter redet nur gekünstelt mit ihr und Zoie, ihre Schwester, hat die Kommunikation fast vollständig eingestellt und geht ihre eigenen Wege. Auch hier ist aber nicht alles, wie es scheint. Man sollte sich auf einige Überraschungen gefasst machen.
  2. Der persönliche Spießrutenlauf gegen Lias neue, künstliche Lebensform ist in "Wired" kein Thema mehr, vielmehr hat die Gesellschaft deutliche Grenzen zwischen Mensch und Mech gezogen. Mechs werden immer mehr geächtet. Lia versucht sogar, dem entgegenzuwirken, indem sie mit ihrer Schöpferfirma BioMax zusammenarbeitet. Sie will darauf aufmerksam machen, dass Mechs fühlende "Personen" sind, mit denen eine normale Interaktion möglich ist. Genauso weiß Lia auch, dass eine völlige Angleichung der Lebensformen unmöglich ist.
  3. "Wired" ist anspruchsvoll und keine Entspannungsliteratur. Neben einem sehr eindringlichen Schreibstil enthält das Buch (ebenso seine Vorgänger) viele komplexe Gedankengänge und Gefühle der Hauptprotagonistin. Es regt zum Nachdenken an und wirft immer wieder die Frage auf, wie Lia als künstlich geschaffene Person leben kann. Man sollte meinen, nach den zwei Vorgängerbänden "Skinned" und "Crashed" hat man es so langsam intus. Aber nein, auch "Wired" schlug mir wieder sehr aufs Gemüt (positiv!).
  4. Oberflächlich betrachtet, und durch den sehr gefühlsbetonten Schreibstil, wirkt die Handlung eher ruhig. Es wird viel erzählt, die Geschichte wirkt wieder unterschwellig. Tatsächlich wird man aber mit allerhand Spannung und einigen unerwarteten Ereignissen konfrontiert. Einige davon sind wirklich hart und traurig. Ich habe festgestellt, dass es für mich kaum möglich ist, die Gedankengänge der Mechs nicht als menschlich einzustufen. Man vergisst das regelrecht, wird aber durch verschiedene (körperliche und technische) Interaktionen immer wieder daran erinnert, dass sie eben keine Menschen mehr sind. Ich habe mich während der ganzen Trilogie nicht daran gewöhnt. Ein Computergehirn ist und bleibt einfach eine gruselige Vorstellung.
  5. Bei einem solchen Leseerlebnis, wie man es mit der Skinned-Trilogie hat, macht man sich natürlich schon lange vor Schluss Gedanken, wie die die Autorin die Geschichte zu Ende bringen wird. Dass sie hier nicht den einfachen Weg wählt (überzogenes Beispiel: Lia wird wieder normal, bzw. ein Mensch), war mir von Anfang an klar. Einige Fäden sind tatsächlich noch nicht vollständig aufgewickelt, der Leser darf sich hier seine eigenen Gedanken machen. Für mich war das völlig okay. Das Ende traf mich dann aber wie ein Vorschlaghammer - mit aller Wucht und so unerwartet wie es nur sein kann. Die schriftliche Umsetzung/Beschreibung ist ein Kunstwerk, die Möglichkeiten, die sich aus dem Ende ergeben fast nicht zu begreifen. Mein menschliches Gehirn kam an seine Belastungsgrenze, weil ich den Schluss immer wieder gedanklich durchgespielt habe. War das jetzt gut? Wow, definitiv JA!

5 Adjektive, die mir spontan zu diesem Buch einfallen

anspruchsvoll, nachdenklich, traurig, stark und gewaltig


Zusammengefasst vom Fazitbär:
"Wired" wird nicht jeden Nerv treffen, für mich war das Buch aber der perfekte Abschluss einer kontrastreichen Geschichte. Es ist erstaunlich wie tiefgründig eine Science Fiction-Story sein kann. Wäre mein Gehirn ein Computer, hätte ich nach DIESEM Ende dringend das Bedürfnis für eine Neustart gehabt. Die Abschlussinfo will erst mal zugeordnet und verdaut werden. "Wired" verdrahtet genau die richtigen Gefühlssteckplätze.
Meine Synapsen erkennen diese Reihe als hochwertige, krasse und ausdrucksstarke Trilogie. Jeder der gerne 'etwas anderes' liest, sollte sich "Skinned", "Crashed" und "Wired" nicht entgehen lassen!


© by Damaris liest.



Band 1 "Skinned"
Band 2 "Crashed"
Band 3 "Wired"