Mittwoch, 6. Juni 2012

Review zu "Hana" von Lauren Oliver



Carlsen (Mai 2012),
Kindle E-Book, ca. 72 Druckseiten,
1,99 € [D]


Wilde Partys, laute Musik, Treffen mit Jungs - all das ist verboten. Doch Hana ist das egal. Im letzten Sommer vor der OP, die sie endgültig gegen die Liebe immun machen wird, will Hana nur eins: leben. Dass sie sich dabei immer mehr von ihrer besten Freundin Lena entfernt, nimmt sie in Kauf - bis sie merkt, dass auch Lena ihre gut gehüteten Geheimnisse hat.

Eine Geschichte über Freundschaft, Eifersucht, Hass und Liebe.
Exklusiv: nur als E-Book erhältlich!
Mit Bonus: Leseprobe aus "Delirium" und Vorab-Leseprobe aus "Pandemonium" - erscheint im November 2012.
(Text- und Bildquelle: Carlsen Verlag)


Meine Meinung
Es ist Hanas letzter Sommer vor der OP, die ihr die Veranlagung zur Amor Deliria Nervosa, der Liebe, entfernen wird. Sie hat ihre Evaluierung, das Auswahlverfahren für einen Lebenspartner, schon hinter sich und wurde dem Sohn des Bürgermeisters zugeteilt. Ich zukünftiges Leben scheint geebnet, und Hana weiß, dass sie sich damit glücklich schätzen kann. Sie fühlt sich aber auch immer mehr eingeengt, schleicht sich auf Partys und Treffen der Untergrundbewegung und entfernt sich von ihrer besten Freundin Lena, die Hanas Eskapaden scheinbar missbilligt. Hana ist hin- und hergerissen und dann macht sie auch noch eine Entdeckung an Lena, die ihr antrainiertes Weltbild vollkommen auf den Kopf stellt.

Genauso wenig kann ich ihr erzählen, was ich jetzt fühle: dass mein Leben mich immer mehr einengt, als würde ich durch eine Reihe Zimmer gehen, die immer kleiner werden. (Kindle Pos. 161, 14%)

Mit "Delirium" hat Lauren Oliver einen dystopischen Meilenstein geschrieben. Bevor im Herbst 2012 der zweite Band der Amor-Trilogie "Pandemonium" in Deutschland erscheint, veröffentlichte jetzt der deutsche Verlag eine Kurzgeschichte, die einige der Ereignisse in "Delirium" aus der Sicht von Lenas bester Freundin Hana zeigen. Die Ereignisse spielen zu der Zeit, als Lena und Alex sich kennenlernen. Das weiß Hana, bzw. der Leser aber nicht, und so führt eine Begebenheit zur anderen, bevor sich die Geschichten von Lena und Hana am Ende der Kurzgeschichte treffen.
Man kann die Kurzgeschichte sicher auch einzeln lesen, deutlich mehr Spaß macht es aber, wenn man "Delirium" kennt. Einige Begriffe (die Deliria, das Buch Psst, das System, die Invaliden, der Widerstand, ...) sind in "Hana" natürlich nicht mehr ausführlich erklärt. Es wird ein gewisses Grundwissen aus dem Anfangsband der Trilogie vorrausgesetzt.

Ich habe den ganzen Abend über vermieden, an Steve zu denken, aber jetzt, wo ich näher komme, kann ich nicht anders. Vielleicht ist er ja auch da. Vielleicht, vielleicht, vielleicht. Die Vorstellung - der Gedanke an ihn - ergießt sich in mein Bewusstsein, nimmt Gestalt an. Ich kann es nicht unterdrücken. (Kindle Pos. 184, 16%)

Ich hatte fünf Seiten von "Hana" gelesen und fühlte mich wieder mitten im Geschehen, als hätte ich "Delirium" eben erst beendet. Sofort merkt man der Geschichte an, was Lauren Olivers Romane auszeichnet; einen wunderschönen und eindringlichen Schreibstil, sowie sehr dichte, ungekünstelte Charaktere. So macht man das! Ich fühle mich etlichen Buchcharakteren auch nach 300 Seiten nicht so verbunden, wie Hana schon nach den ersten 10 Seiten.

Hana ist unausgeglichen und rebellisch. Sie hat Ängste, die sie aber niemandem zeigen möchte. Gleichzeitig ist sie sich aber ihrer Zukunft und der unvermeidlichen OP, die die Liebe entfernt, voll bewusst. Sie möchte ihren letzten Sommer in vollen Zügen genießen, am liebsten bei den verbotenen Begegnungen mit Steve, ist aber auch unsicher, wie es nach der OP weitergehen wird, bzw. wie sie dann mit ihrem Leben zurechtkommen wird. Ich empfand sie als unglaublich authentisch und hätte gerne ein ganzes Buch aus ihrer Sicht gelesen.
Auch Personen, die nur kurz in der Geschichte vorkommen, vermitteln einen fast vollständigen Gesamteindruck ihres Charakters, sei es Hanas Mutter (grrrr!) oder ihre Freundinnen Lena und Angelica. Selbst Alex begegnet einem kurz, er sagt kaum 3 Sätze und trotzdem mag ich ihn so, so gerne!
Ich war die ganze Handlung über konzentriert, sie ist sehr ausgewogen, hat ruhige, überlegte aber auch rasant-spannende Situationen. Die Geschichte ist in sich abgeschlossen, gibt am Ende aber Raum für eigene Spekulationen. Es wird sich zeigen, wie sich Hanas Entscheidungen auf die komplette Amor-Trilogie auswirken.

Fazit
"Hana" ist für mich die perfekte Kurzgeschichte. Sie ist voller Gefühl aber auch sehr rasant und spannend. Zudem ist der Schreibstil grandios. Hanas Gefühle gingen mir sehr nahe, und ich habe jede Zeile genossen, mit der ich an Ereignisse aus Lenas Sicht in Band 1 der Amor-Trilogie erinnert wurde. Wer "Delirium" mochte, für den ist "Hana" ein Muss und eine tolle Wartezeitverkürzung auf Band 2 "Pandemonium". Super!

© Damaris Metzger, damarisliest.de


Reiheninfo Amor-Trilogie:
Band 1 - Delirium
(Band 1,5 - Hana, Kurzgeschichte)
Band 2 - Pandemonium
Band 3 - Requiem, Herbst 2013?