Mittwoch, 2. Mai 2012

Review zu "The Goddess Test" (Das göttliche Mädchen) von Aimée Carter



Mira Ink (September 2011), Band 1,
Kindle E-Book, 298 Druckseiten,
dt. Übersetzung:
Mira Taschenbuch (Juni 2012),
304 Seiten,
9,99 € [D]


It's always been just Kate and her mom - and her mother is dying. Her last wish? To move back to her childhood home. So Kate's going to start at a new school with no friends, no other family and the fear her mother won't live past the fall. Then she meets Henry. Dark. Tortured. And mesmerizing. He claims to be Hades, god of the Underworld - and if she accepts his bargain, he'll keep her mother alive while Kate tries to pass seven tests. Kate is sure he's crazy - until she sees him bring a girl back from the dead. Now saving her mother seems crazily possible. If she succeeds, she'll become Henry's future bride, and a goddess. (Text- und Bildquelle: Amazon)

Freie Übersetzung des Klappentextes:
Immer gab es nur Kate und ihre Mutter - und ihre Mutter stirbt. Ihr letzter Wunsch? In ihre Heimatstadt zurückzuziehen (um dort zu sterben). So beginnt für Kate ein neuer Schulalltag, ohne Freunde, ohne weitere Familienangehörige und immer mit der Furcht, dass ihre Mutter den Herbst nicht überleben wird. Dann trifft sie auf Henry. Dunkel. Gequält. Und hypnotisierend. Er behauptet Hades, Gott der Unterwelt zu sein - und wenn Kate sein Angebot akzeptiert, wird er ihre Mutter am Leben halten, während Kate versucht sieben Tests zu bestehen. Kate ist sich sicher, dass er verrückt ist - bis sie sieht, wie Henry ein totes Mädchen ins Leben zurückholt. Auf einmal scheint es, so wahnsinnig es auch klingt, möglich, ihre Mutter zu retten. Wenn sie Erfolg hat, wird sie Henrys zukünftige Frau und eine Göttin werden.

Englisches Sprachniveau: Soweit ich das beurteilen kann, einfach und flüssig zu lesen. Mit gutem Schulenglisch sollte man bestens zurecht kommen. Nach einer kurzen Einlesezeit hatte ich den Bogen raus und musste nur noch wenige Worte nachschlagen. Gefühlsbeschreibende Verben (missbilligend schauen, stirnrunzeln, schulterzucken, überrascht sein, etc.) wiederholen sich, wie bei deutschen Büchern, ständig und man weiß sie mit der Zeit auswendig. Gegen Ende hatte ich sogar stellenweise das Gefühl auf Deutsch zu lesen.


Meine Meinung
Seit Kate erfahren hat, dass ihre Mutter Krebs hat, gab es für sie nichts anderes, als ihre Mutter zu pflegen und für sie dazusein. Darum kommt sie dem Wunsch der Mutter gerne nach, die zum sterben ihn ihr Heimatdorf Eden zurückkehren will. Laut den Ärzten hat Kates Mutter nicht mehr viel Zeit, und weil die Beziehung der beiden sehr innig ist, weiß Kate nicht, was sie danach mit ihrem Leben anfangen soll. Trotzdem versucht sie den Alltag gut zu bewältigen, geht auf eine neue Schule und findet ein paar neue Freunde.
Eines Nachts trifft sie unter unheimlichen Umständen auf Henry. Er vollbringt nach einem Unfall ein Wunder, verlangt aber dafür von Kate, dass sie während der sechs Herbst- und Wintermonate bei ihm auf seinem Gut 'Eden Manor' lebt. Kate hält sich nicht an die Vereinbarung. Als kurz darauf ihre Mutter ins Koma fällt, und die Chancen schlecht stehen, dass sich Kate noch von ihr verabschieden kann, sucht sie Henry auf. Sie hat die Hoffnung, dass er der Einzige ist, der es ihr ermöglichen kann noch einmal mit ihrer Mutter zu reden.

Das Buch beginnt mit der Fahrt von Kate und ihrer Mutter von New York City nach Eden. Schon vom Klappentext kennt man den Umstand, dass Kates Mutter sterbenskrank ist und dieser Umzug der letzte große Wunsch ist, den Kate ihrer Mutter erfüllen kann. Man spürt sofort die innige Beziehung, die Mutter und Tochter verbindet und fühlt mit Kate, die ihrer Mutter liebvoll pflegt und dabei ihr eigenes Leben komplett hinten anstellt.
Und so stiegen mir schon mitten im ersten Kapitel vor Rührung die Tränen in die Augen, bei vollem Bewusstsein: Hallo? Ich lese das hier in Englisch! Ist ja irre, wie gut ich alles mitbekomme!

Die Atmosphäre zu Beginn ist bedrückend, teils leicht gruselig, was nicht nur an der Krankheit der Mutter liegt. Schon in den nächsten Kapiteln zieht die Spannung dermaßen an, dass ich mich prompt bei einer Bücherfreundin (die das Buch zufällig zur selben Zeit las) versichern musste, ob sie die Handlung auch so unheimlich und spannend findet. Die Antwort kam sofort: Und wie!!
Henrys und Kates erstes richtiges Aufeinandertreffen hat es in sich. So blieb es nicht aus, dass ich wirklich aufmerksam an den Seiten ... äh, am Kindle Display klebte. Da durfte ich kein Wort verpassen, bzw. missverstehen.

S. 106
His fingers brushed against my cheek, lingering. This time I didn't pull away.
"Why the tests?" I said. "Why are they necessary?"
"Because," he said. "The prize is not something we give out lightly, and we need to make sure it ist something you can handle."
"What's that?"
"Immortality."

Henry und Kate sind beides sehr sympathische Charaktere. Die 18-jährige Kate ist sehr liebenswürdig und klug, nicht auf den Mund gefallen und absolut aufopfernd gegenüber anderen Menschen. Dagegen wirkt der (äußerlich) nur wenig ältere Henry sehr reif und überlegt, lässt man mal die Tatsache außer acht, dass er ein ewig lebender Gott der Griechischen Mythologie ist. Schon sprachlich merkt man hier einen Unterschied. Henry drückt sich sehr gewählt und überlegt aus und wirkt so sehr reif, respektvoll und kompetent.
Diese Charaktereigenschaften haben aber auch ihre Schattenseiten. Zum einen kann Kate mit ihrer Rationalität leicht nerven, da sie immer wieder betont, dass sie nur ihrer Mutter wegen auf Henrys Anwesen gezogen ist. Das wird wirklich ständig wiederholt, und Kates eigene Gefühle (Henry gegenüber) werden so stark unterdrückt. Zum anderen wird so die romantische Annäherung der beiden nicht gerade forciert. Kate bremst sich mit ihrer rationellen Denkweise selbst aus, und Henry ist zu reif und zu gütig, und auch zu traurig, um spontan romantisch zu agieren. Darum zieht sich das Buch während Kates Aufenthalt bei Henry auch etwas in die Länge. Romantikfans müssen sich etwas gedulden, bis Gott und eventuelle Göttin sich ihre Gefühle füreinander eingestehen. Dafür sind diese dann wirklich sehr schön zu lesen.

Interessant ist die Handlung trotz kleiner Längen auf  'Eden Manor' allemal, und im letzten Buchdrittel steigert sich dann auch die Spannung wieder um ein vielfaches. Einige Szenen sind abzusehen, andere dagegen sind komplett überraschend, was mir sehr gut gefallen hat. Die verwendete Griechische Mythologie ist einfach gehalten und jederzeit gut zu verstehen. Erwähnenswert ist, dass das Buch als abgeschlossen betrachtet werden kann. "The Goddess Test" ist zwar der Beginn eine Trilogie (?), könnte aber auch gut für sich alleine stehen.

Fazit
Auch "The Goddess Test" (Das göttliche Mädchen) darf sich in die Reihe der ganz typischen YA-Romantasy Bücher stellen. Trotzdessen liest sich das Buch super, macht viel Spaß und ist mit nur ca. 300 Seiten ein Pageturner. Das gewählte Thema der Griechischen Mythologie ist vergleichbar mit Büchern wie "Göttlich verdammt" oder "Ewiglich die Sehnsucht". Wer diese Thematik und schön zu lesende Romantasy (ohne nennenswerten Kitsch und leichte Romantik) mag, kann hier nichts falsch machen.


Im Juni 2012 erscheint dieses Buch unter dem Titel "Das göttliche Mädchen" im Mira Taschenbuch Verlag. Das schöne Cover wurde hier übernommen. Wer sich noch kurze Zeit gedulden kann, und die Luft der Unterwelt auf Deutsch schnuppern möchte, sollte sich diesen Termin schon mal vormerken.

© Damaris Metzger, damarisliest.de