Dienstag, 24. April 2012

Rezension zu "Will & Will" von John Green und David Levithan



Verlag: cbt (März 2012)
Originaltitel: Will Grayson, Will Grayson
Übersetzer: Bernadette Ott
Reihe: - , ab ca. 13-16 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 384 S.
ISBN: 978-3570161036
14,99 € [D]

Genre: Jugendroman/Drama


Verlagsinfo/Inhalt
Sie heißen beide Will Grayson, wohnen beide in Chicago, sind beide siebzehn und tragen neben demselben Namen und demselben Alter dasselbe Problem mit sich herum: Aus lauter Angst, das Ding mit der Liebe zu versemmeln, lassen sie sich auf Romantisches gar nicht erst ein. Der eine Will zögert seit Wochen, sich selbst das einzugestehen, was für alle anderen offensichtlich ist: dass er nämlich bis über beide Ohren in seine wunderbare Mitschülerin Jane verliebt ist. Der andere Will flüchtet sich lieber in seine dubiose Online-Beziehung zu einem gewissen Isaac, anstatt sich im real life vor seinen Freunden zu outen. Doch alles ändert sich, als Will & Will eines Abends ganz zufällig aufeinandertreffen … (Text- und Bildquelle: cbt Verlag)

Über die Autoren
Corine-Preisträger John Green ist der der Autor des preisgekrönten Bestsellers "Eine wie Alaska", der u.a. mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde.
David Levithan verfasste bekannte Romane wie "Noahs Kuss ... und plötzlich ist alles anders" sowie den ebenfalls für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominierten Bestsellers "Nick & Norah: Soundtrack einer Nacht".
"Will & Will", der erste Roman, den die beiden zusammen geschrieben haben, stand auf der New York Times-Bestsellerliste und wurde in die Top Ten der romantischsten Bücher des Jahres gewählt.

Rezension

Der erste Satz: Als ich klein war, hat mein Vater immer zu mir gesagt: "Will, du kannst dir deine Freunde aussuchen und du kannst bei dir in der Nase bohren, aber in den Nasen deiner Freunde hat dein Finger nichts zu suchen."

Will Grayson und Will Grayson kennen sich nicht. Sie wohnen beide in Chicago und staunen nicht schlecht, als sie sich unter genauso komischen, wie tragischen Umständen in einem etwas prekären Laden über den Weg laufen. Beide plagen ähnliche Sorgen, auch wenn ihre Lebenssituation und -Ausrichtung komplett unterschiedlich ist. Auch nach dem dem Treffen werden sie nicht direkt Freunde, bzw. sehen sie sich nicht mehr. Und doch beeinflusst jeder Will Grayson das Leben und die Entscheidungen des anderen.

Das Autorenduo Green und Levithan greifen in ihrem Jugenddrama ein allgegenwärtiges und nie abnehmendes Grundsatzthema auf. Das der (ersten) Liebe unter Jugendlichen. Dieses Thema wird bei Jugendlichen immer aktuell sein, und somit treffen Green und Levithan mit ihrer Geschichte den Nagel - wie selbstverständlich - auf den Kopf.
Dabei könnten diesen Liebesgeschichten nicht unterschiedlicher ausfallen. Will #1 kommt aus einer gut situierten Familie mit bodenständigen Eltern und einem vorgefertigten Lebensweg. Er mag Mädchen, geht mit seinen (wenigen) guten Freunden aus und führt das "normale" Leben eines Teenagers. Dabei zählen für ihn im Moment vordergründig seine Auf und Ab-Gefühle für Cliquenfreundin Jane, wobei er sich schön sicher im Hintergrund hält um seinem Lebensmotto 1.) Lass nichts zu nah an dich ran und 2.) Maul halten (S. 9) treu zu bleiben.
Will #2 wohnt bei seiner alleinerziehenden Mutter. Er ist depressiv, nimmt Medikamente dagegen, und hat keine wirklichen Freunde, eher Bekanntschaften. Er mag Jungen, hat sich aber noch nicht geoutet, und sein einziger Lichtblick sind seine stundenlangen Gespräche mit Schwarm und Chatfreund Isaac. Sein Verhältnis zu seiner Mutter gestaltet sich in etwa so:

S. 45
mom: wie war's heute bei dir?
ich: mom, ich schaue fern.
mom: in einer viertelstunde gibt's abendessen.
ich: mom, ich schaue fern!
mom: dann deck doch schon mal den tisch, wenn die werbung kommt.
ich: JAAA.

Die Unterschiede der beiden Wills hätten die Autoren nicht deutlicher darstellen können, auch visuell. In der Ich-Form erzählen beide Will Graysons je ein Kapitel im Wechsel. Dabei wechselt mit jedem Erzähler nicht nur der Sprachstil, sondern auch die visuelle Umsetzung. Während die Kapitel von Will #1 normale Schrift und Kommunikation enthalten, sind die Kapitel von Will #2 komplett in Kleinschrift (Chatschrift) geschrieben. Kommunikation wird erzählt oder findet nach dialogartigem Muster (wie oben mom/ich) statt. Das ist sehr besonders und fordert vom Leser eine kurze Eingewöhnung. Danach kommt man aber schnell zu dem Schluss, dass es genau so perfekt gelungen ist, sich in beide Wills komplett hineinzuversetzen.
Das Hauptaugenmerk des Romans liegt eher auf der Geschichte des schwulen Will Grayson. Zum einen, weil die Handlung über einen gemeinsamen (schwulen) Freund zusammenläuft, zum anderen vielleicht, weil diese Thematik bei Jugendlichen leider immer noch sehr problembelastet ist.

Auch wenn die Erzählungen viel Dramatik und Probleme behandeln, strotzen sie aber gleichzeitig vor sarkastischem Wortwitz und Situationskomik ([...] roger, unser quadratschädeliger chef, erzählt groß rum, dass er und seine frau es sich an diesem wochenende >zu zweit so richtig gemütlich machen wollen< - zwinker zwinker, schnalz schnalz, popp popp, kotz kotz. S. 75/76). Ein echtes charkterliches Original ist Will #1 Freund, Tiny Cooper, den man getrost zur 3. Hauptperson küren könnte. Er sorgt, alleine durch sein Auftreten, für Schmunzler am laufenden Band. Das macht das Lesen, obwohl die Situation beider Wills bedrückend genug ist, leicht und auch sehr spaßig. Will Grayson und Will Grayson kämpfen sich durchs Leben und sind stärker, als sie sich selbst zutrauen.

Am Ende scheint jeder Will seinen Weg in dieser Geschichte gefunden zu haben. Überraschenderweise rückt der Schluss gar nicht mehr so sehr die beiden Will Grayson in den Vordergrund. Dafür ist das Ende sehr originell-lustig, wunderschön und stimmt dabei auch nachdenklich. Eine Leseerfahrung, die man nicht mehr missen möchte.

Persönliches Fazit
"Will & Will" stand zurecht auf der Top Ten Liste für die romantischsten Bücher des Jahres - auf seine Weise! Das Buch ist aktuell, originell und längenlos-alltäglich, ohne erzwungene Action oder falsche Dramatik. Ich fühlte mich oft niedergedrückt von den Gemütszuständen beider Will Grayson, musste aber gleichzeitig ständig schmunzeln und war am Ende seltsam bewegt. Man könnte fast meinen, die Autoren wären selbst noch siebzehnjährig, so authentisch liest sich "Will & Will". Jugendliche und Erwachsene - unbedingt lesen! 5 ge"will"te Sterne!
Handlung: 4 / 5
Charaktere: 5 / 5
Lesespaß: 4,5 / 5
Preis/Leistung: 5 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de