Samstag, 25. Februar 2012

Rezension zu "Daughter of Smoke and Bone: Zwischen den Welten" von Laini Taylor



Verlag: FJB (Februar 2012)
Originaltitel: Daughter of Smoke and Bone
Übersetzer: Anna Julia u. Christine Strüh
Reihe: Band 1/3, ab ca. 14-17 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 491 S.
ISBN: 978-3841421364
16,99 € [D]

Genre: Urban Fantasy


Inhalt/Verlagsinfo
Auf der ganzen Welt erscheinen mysteriöse schwarze Handabdrücke an Türen. Geflügelte Fremde, die durch einen Spalt im Himmel geschlüpft sind, brennen sie in Holz und Metall.
In einer düsteren, unterirdischen Werkstatt hortet ein Wunschhändler menschliche Zähne.
In den engen Gassen von Prag füllt eine junge Kunststudentin mit blauen Haaren ihr Skizzenbuch mit Monstern.
In der pulsierenden Altstadt von Marrakesch trifft sie einen Fremden mit feuerfarbenen Augen - und eine Liebe beginnt, deren Wurzeln tief in eine gewalttätige Vergangenheit reichen. (Text- und Bildquelle: FISCHER FJB)

Über die Autorin
Laini Taylor hat bereits drei Romane veröffentlicht. Sie hat Literatur und Kunst studiert und lebt in Portland, Oregon mit Ehemann und Tochter Clementine.

Rezension

Der erste Satz: Als sie über das schneebedeckte Kopfsteinpflaster zur Schule stapfte, hatte Karou keinerlei finstere Vorahnung.

In Prag studiert die 17-jährige Karou an einer Kunstschule. Ihre Freunde und Kommilitonen halte sie für ein ganz normales Mädchen. Ihre azurblauen Haare wirken für alle für einen Modetrend. Die Zeichnungen von lebensechten Monstern, die Karou in ihren zahlreichen Skizzenbücher festhält, werden ihr als besondere künstlerische Begabung ausgelegt. Doch der Schein trügt. Karou ist alles andere als normal. Die blauen Haare sind die Erfüllung eines Wunsches, die skizzierten Monster real. Im Anderswo, einer unterirdischen Werkstatt, wurde Karou von den vier düsteren Gestalten aus ihrem Skizzenbuch aufgezogen. Das Anderswo kann nur von Karou betreten werden, für normale Menschen ist es nicht existent. Für Karou sind diese Umstände Normalität, ihre Zieheltern empfindet sie als ihre Familie. Trotzdem stellt sie sich in letzter Zeit immer mehr Fragen. Wo kommt sie her? Was bedeuten die Tätowierungen in ihren Handflächen? Und was macht ihr Ziehvater Brimstone mit den ganzen Zähnen, die sie in verschiedenen Aufträgen für ihn sammeln muss?
Bei einem dieser Aufträge gerät Karou in einen Kampf mit dem Engel Akiva. Ist es gerade er, der ihr Antworten auf ihre Fragen geben kann?

In diesem Augenblick, in dem er, nur vom Schimmer seiner Schwingen beleuchtet, vor ihr stand, erschien ihr sein Anblick so ... richtig. Er war richtig. Es machte absolut keinen Sinn, aber das Gefühl durchflutete Karou, und was immer es sein mochte - es war so schön wie ein Fleckchen Sonnenlicht auf dem Boden, in dem sie sich am liebsten wie eine Katze zusammengerollt hätte. - S. 256

Es gibt sie noch - All Age-Fantasyromane, die sich bekannter Fantasyelemente bedienen, bei denen man aber das Gefühl hat, etwas vollkommen Anderes, Neues zu lesen. So auch bei "Daughter of Smoke and Bone: Zwischen den Welten".
Denkt man zuerst an einen normalen Urban-Fantasy Roman, spürt man schon nach wenigen Seiten das eigene Flair der Geschichte. Und selbst am Schluss ist man sich sicher, dass hier so einiges besonders war. Ein besonderer Schauplatz und besondere Charaktere machen diesen Roman positiv speziell. Selbst die kurzen Kapitelüberschriften finden sind in jeweiligen Text des Kapitel wortgetreu wieder und fangen die Atmosphäre deutlich ein.

Die Geschichte hat einen eigenen, nicht zu einfachen Schreibstil, der sehr gut zur komplexen Story passt. Anfangs liest sich die Geschichte normal "menschlich", um dann stellenweise sehr märchenhaft zu werden. Türen öffnen sich zu fremden Schauplätzen und Wünsche können mit der Währung von Zähnen gekauft werden. Teilweise sehr schaurig, aber immer spannend. Assoziationen zu Narnia oder Harry Potter drängen sich auf, die Geschichte präsentiert sich jedoch komplett anders.

Erzählt wird der Roman aus der personalen Sicht von Karou, die zwar taff wirkt, durch die vielen Fragen zu ihrer Herkunft aber auch eine gewissen Unsicherheit und Leere in sich trägt. Das spürt der Leser, legt es ihr aber nicht negativ aus. Sie ist eine vorsichtige, aber auch sehr mutige Person, die sich nicht davor scheut, kräftig zuzutreten, falls es die Situation erfordert.
In kürzeren Abschnitten wechselt der Erzählstil zur Sicht von Engel Akiva, dessen Erscheinen in der Geschichte einen ganz besonderen Zweck hat. Das verwendete Engelbild gefällt sehr gut. Denn hier treten Engel als mächtige, furchteinflößende Wesen auf. Dabei sind sie aber nicht unfehlbar, wirken teilweise sehr menschlich und zeigen Gefühle wie Zorn, Schmerz und Liebe.
Ach ja, überirdisch schön sind sowohl Karou, als auch Akiva. Das könnte dem Roman als Klischeeschwäche ausgelegt werden. Die Definition von "schön" wird aber nach einer, mehr oder wenig, überraschenden Wendung als Ansichtssache enden. Und Kitsch geht anders, ist hier also nicht zu finden.

Ihr nahe zu sein war, als würde er über eine schwankende Welt balancieren, um Gleichgewicht ringend, während der Boden unter seinen Füßen bebte und ihn in den Abgrund zu werfen drohte, ein unaufhaltsamer Sturz, der keine Rettung duldete [...]. Doch er wünschte sich nichts sehnlicher als diesen Sturz, diese süße, lockende Tiefe. - S. 241/242

Obwohl der Roman ein bekanntes Fantasyelement enthält, nämlich Krieg zwischen Fantasywesen, wird man als Leser nicht von vielen verschiedenen Kreaturen erschlagen. Laini Taylor beschränkt sich auf genau zwei Fantasyrassen. Auch geht es hier nicht um den Kampf Gut gegen Böse, denn beide Parteien haben keine saubere Weste, sind sehr starrsinnig und eigen in ihrem Denken und Handeln.
Die Handlung ist zwar komplex, aber nicht schwierig. Selbst abstraktere Beschreibungen sind immer gut zu (be)greifen. Dadurch kommt der Roman, trotz bekannter Elemente, sehr frisch und unverbraucht daher. Auch der Buchtitel passt hier perfekt, denn die Protagonistin steckt tatsächlich "Zwischen den Welten". Welche dieser Welten im weiteren Verlauf die entscheidende Rolle spielt, wird der Leser im Folgeband erfahren. In diesem Buch wurden die Grundfragen, Karou und Akiva betreffend, alle geklärt. Der am Ende angedeutete Übergang zum nächsten Band macht jedoch sehr neugierig. Bitte schnell mehr davon!

Persönliches Fazit
"Daughter of Smoke and Bone" war einmal mehr ein Roman, der mich die Welt um mich herum vergessen ließ. Genau so sollte ein guter Urban Fantasy-Roman aussehen. Eine komplexe Geschichte, die mich in den Bann zieht und bei der Charaktere und Handlung einfach stimmen. Nachdem mich dieser erste Band vollkommen zufrieden zurücklässt, freue ich mich jetzt schon auf die Fortsetzung. Denn Zwischen den Welten ist sehr anders, sehr unverbraucht, sehr besonders, sehr empfehlenswert! 5 Sterne!

Aufmachung: 5 / 5
Handlung: 5 / 5
Charaktere: 4,5 / 5
Lesespaß: 5 / 5
Preis/Leistung: 5 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de



Reiheninfo Zwischen den Welten-Trilogie:

Band 1 - "Daughter of Smoke and Bone"