Dienstag, 24. Januar 2012

Rezension zu "Meeresflüstern" von Patricia Schröder


Verlag: Coppenrath (Januar 2012)
Originaltitel: -
Übersetzer: -
Reihe: Band 1, ab ca. 14-17 Jahren
Ausführung: Hardcover mit SU, 416 Seiten
ISBN: 978-3649603191
16,95 € [D]

Genre: Urban-Fantasy, Romantasy


Inhalt/Verlagsinfo
Nach dem Tod ihres Vaters verlässt die siebzehnjährige Elodie ihre Heimatstadt Lübeck, um bei ihrer Großtante auf Guernsey zu leben. Als wenig später auf der Nachbarinsel ein Mädchen tot aufgefunden wird, glaubt sie, dass ihre Ankunft auf der Kanalinsel in irgendeinem Zusammenhang mit dem schrecklichen Vorfall steht. Aber wie ist das möglich? Und wer ist der wunderschöne Junge, dem Elodie in ihren Träumen begegnet? Dann, eines Tages, taucht dieser Junge plötzlich wie ein Geschöpf aus dem Meer vor ihr auf. Geheimnisvoll. Magisch. Betörend. Elodie kann nicht aufhören, an ihn zu denken. Und sie beginnt zu ahnen, welche Geheimnisse der Ozean tatsächlich verbirgt und wie sehr ihr eigenes Schicksal mit den dunklen Legenden der Kanalinseln verknüpft ist. (Text- und Bildquelle: Coppenrath Verlag)

Über die Autorin
Patricia Schröder, 1960 in der Wesermarsch geboren, wohnte viele Jahr in Düsseldorf. Als ihr Kinder zur Welt kamen, zog sie mit ihrer Familie und einem großen Korb voller Katzen ans Meer zurück. Inzwischen gehört sie zu den erfolgreichsten deutschen Kinder- und Jugendbuchautoren.
Die Nähe zum Meer und ihre Reise auf die Kanalinseln inspirierte sie zu Elodies und Gordians Geschichte. Mit "Meeresflüstern" schrieb sie den Auftakt zu einer mitreißenden Meerestrilogie.
www.patricia-schoeder.de
www.meeresfluestern.de

Rezension

Der erste Satz: Eigentlich hatte ich mir meinen letzten Abend in Lübeck ein wenig anders vorgestellt, irgendwie intimer.

Nachdem ihr Vaters vor sechs Wochen bei einem Autounfall gestorben ist, wird Elodie von ihrer Mutter auf die Kanalinsel Guernsey geschickt. Bei ihrer Großtante Grace soll sie sich von dem traumatischen Einschnitt in ihrem Leben erholen. Elodie geht nicht gerne nach Guernsey. Zum einen vermisst sie ihre beste Freundin schon bei der Abreise, und zum anderen fürchtet sie sich, bis hin zur Panik, vor Wasser. Keine guten Vorraussetzungen, um sich auf einer achtundsiebzig Quadratkilometer kleinen Insel eine sechsmonatige Auszeit zu nehmen. Dass das Haus ihrer Großtante direkt oberhalb des Meeres gebaut ist, wird für Elodie zu einem großen Problem. Zum Glück lernt sie schon an ihrem ersten Tag die quirlige Ruby kennen, die sie ihren Freunden in der ortsansässigen Clique vorstellt. Zum Schrecken aller wird schon in der ersten Woche nach Elodies Ankunft ein Mädchen der Clique tot aufgefunden. Sie ist ertrunken, obwohl sie nicht in der Nähe des Wassers lag. Elodie beschleicht immer mehr das Gefühl, dass sie in der Sache tiefer drinsteckt, als ihr lieb ist.

Die Anfangsthematik von "Meeresflüstern" ist nicht neu. Junges Mädchen erleidet Schicksalsschlag und wird in die Fremde geschickt. Das macht aber gar nichts, denn Patricia Schröder gelingt es sehr gut, den Leser mit einem angenehmen Schreibstil an die Seiten zu fesseln. Hier spürt man die Erfahrung der Autorin. Die Sprache ist locker und jugendlich, ohne zu umgangssprachlich zu wirken. Der Schreibstil sehr bildlich, ohne sich in zu ausschweifenden Beschreibungen zu verlieren. Hier wurde alles richtig gemacht und der Einstieg gelingt sehr gut.

Die Geschichte beginnt mit einem geheimnisvollen und leicht gruseligen Prolog. Danach ist man begierig weiterzulesen und begleitet Elodie bei ihrer Eingewöhnung und der ersten Kontaktaufnahme mit der Inselclique. Diese besteht aus sehr vielen Jugendlichen, und rückblickend fragt man sich aber, warum man sich hier so viele Namen merken soll. Zählt man die Personen, die mit der Geschichte aktiv etwas zu tun haben, hätte man die ganze Truppe um ein gutes Drittel reduzieren können. Nun gut, der Hauptkern schält sich bald heraus. Die Personen sind sehr gut charakterisiert. Elodies Wasserphobie nimmt einen Großteil ihres Charakters ein. Wer derartige Probleme nicht hat, könnte sich teilweise leicht von ihr genervt fühlen, ansonsten ist sie eine normale hübsche Teenagerin mit einem etwas kindlichen Touch.
Apropos hübsch. Von Anfang an fällt auf, dass viele der Jugendlichen, bis auf wenige Ausnahmen, ausgesprochen attraktiv sind. Darauf wird man als Leser auch des Öfteren hingewiesen. Der dunkle und schöne Cliquensonderling Cyril bildet da keine Ausnahme. Das führt sich über fast alle Mädchen der Clique fort und zieht sich bis hin zu den interessanten Einblendungen über vier geheimnisvolle Jungen, die den Mädchen den Kopf verdrehen. Der Gipfel der Schönheit ist dann aber eindeutig Gordian, der Junge aus dem Meer, doch dazu später mehr.
Ein schöne Besonderheit gelingt der Autorin, indem sie einen Jungen in die Geschichte einbaut, der am Tourette-Syndrom leidet. Seine Andersartigkeit macht ihn, trotz teils fehlender Körperkontrolle und ungewollten Schimpfwörtern, sehr sympathisch.

Elodie gewöhnt sich recht schnell ein und freundet sich mit Cyril an. Von seiner geheimnisvollen Art fühlt sich sie sich zugleich verunsichert und auch angezogen. Die Geschichte driftet in eine interessante Richtung und die Ereignisse um den Tod eines Mädchens sind spannend. Das Buch liest sich stellenweise wie ein Jugendthriller. Bis schließlich der leicht bekleidete Gordian aus dem Meer steigt! Ab hier, dreht sich die Geschichte um 180 Grad und liest sich nun nach dem bekannten Schema "Mädchen verliebt sich auf den ersten Blick, wirft alle Ängste über Bord und verfällt hoffnungslos einem unbekannten Schönling". Diese Thematik mag einigen Lesern nach wie vor gefallen, andere würden jedoch am liebsten ins Meer abtauchen. Elodie kennt Gordy im Grund gar nicht, empfindet nach zwei Treffen bereits Liebe, und man wird von ihren Attraktivitätsschwärmereien buchstäblich erschlagen. Als sie nach einem Treffen den Verlust von Gordy schlimmer empfindet, als den Tod ihres Vaters, ist das einfach nur unglaubwürdig. In eine Romantasy-Geschichte gehört eindeutig Romantik, aber was zu viel ist, ist zu viel.

Es war unvernünftig, hirnrissig, unlogisch, aber: Ich liebte Gordian. Dass ich ihn kaum kannte, zählte nicht. Ich wollte nie wieder ohne ihn sein. S. 279

Natürlich erfährt man als Leser, welches Geheimnis Gordian umgibt. Die Idee dahinter ist gut, da Jugendromane über Meerwesen den Markt noch nicht übersättigt haben. Das alle Freunde, die Elodie einweiht, ihr sofort, fast ohne Hinterfragung glauben, soll hier nur am Rande erwähnt werden.
Gegen Ende dreht sich alles um Elodie und Gordy. Das letzte Buchdrittel ist spannend, teils unerwartet und vor allem kitschig romantisch. Die Geschichte wurde gut zu Ende geführt, über einige Personen bleibt man aber noch im Unklaren, bzw. wurde diese nur kurz in die Geschichte eingeführt. Das macht aber durchaus Sinn, da diese in den folgenden zwei Bänden sehr gutes Potential für eine spannende Fortsetzung bieten.

Persönliches Fazit
"Meeresflüstern" flüstert einem eines der schönsten Cover zum Jahresbeginn 2012 zu. Außerdem habe ich noch nie ein glitzerndes Lesebändchen gesehen. Ein optischer Hingucker also, der sich sehr flüssig und spannend lesen lässt. Ab der Buchmitte glitzert leider überwiegend Gordians nackte Haut, überschwänglich umschwärmt von einer völlig überdrehten Elodie. Die teils sehr guten Ideen verlieren sich in der stürmischen Verliebtheitsbrandung, lassen aber auf spannende Fortsetzungen hoffen.
Insgesamt könnte "Meeresflüstern" vor allem weiblichen Lesern sehr gut gefallen, die nach wie vor gerne Geschichten über die schwärmende Liebe auf den ersten Blick mit einem geheimnisvollen Jungen lesen. Hier schlagen die Wellen im Liebesmeer definitiv meterhoch. Von mir gibt es für "Meeresflüstern" geflüsterte 3 Sterne.
Handlung: 3 / 5
Charaktere: 3,5 / 5
Lesespaß: 3 / 5
Preis/Leistung: 3,5 / 5