Dienstag, 6. September 2011

Rezension zu "Sieben Minuten nach Mitternacht von Patrick Ness & Siobhan Dowd

Verlag: cbj (August 2011)
Ausführung: Hardcover, 216 Seiten
ISBN: 978-3570153741
16,99 € [D]

Genre: Jugendbuch


Inhaltsinfo/Pressetext
Das Monster tauchte kurz nach Mitternacht auf. Wie Monster das so machen. Conor war wach, als es kam. Er hatte einen Albtraum gehabt. Na gut, nicht irgendeinen. Den Albtraum. Den einen, den er in letzter Zeit ziemlich oft hatte. Den mit der Dunkelheit und dem Wind und dem Schrei. Den mit den Händen, die er irgendwann nicht mehr festhalten konnte, egal wie sehr er sich bemühte.
Den, der immer damit endete, dass ...

Glaubwürdig, herzzerreißend und unendlich tröstlich - dieses Buch lässt keinen mehr los.

Der 13-jährige Conor hat jede Nacht einen furchtbaren Albtraum, von dem er niemandem erzählen kann und will. Da erscheint eines Nachts ein Monster vor seinem Schlafzimmerfenster. Aber es ist nicht der Schrecken aus seinen Träumen. Dieses Wesen ist uralt, wild und weise - es ist das Leben selbst. Und es ist gekommen, um dem Jungen zu helfen.

Über die Autorin/den Autor
Patrick Ness wuchs in den Vereinigten Staaten und auf Hawaii auf. Seit Ende der 90er-Jahre lebt er in London und ist dort als Dozent für kreatives Schreiben und Literaturkritiker für die Tageszeitung The Guardian tätig. Für seine Kinder- und Jugendbücher wurde er mehrfach ausgezeichnet, er gewann unter anderem den renommierten Costa Children's Book Award und war auf der Auswahlliste für die Carnegie Medal.
In »Sieben Minuten nach Mitternacht« schreibt Patrick Ness eine Idee seiner mit der Carnegie Medal und dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichneten Schriftstellerkollegin Siobhan Dowd weiter. Ihr früher, tragischer Krebstod verhinderte die Umsetzung ihrer Idee in eine eigene Geschichte.

Rezension

Der erste Satz: Das Monster tauchte kurz nach Mitternacht auf. Wie das bei Monstern eben üblich ist.

Conors Mama ist krank. Schwerkrank. Und im Grunde weiß Conor auch, was das Resultat dieser Krankheit sein wird. Doch er spricht es nie aus. Versucht stattdessen seiner Mama die Arbeit abzunehmen, für die sie zu schwach geworden ist. So macht er sich selbst sein Frühstück, räumt Haus und Küche auf und kümmert sich um die Wäsche. Er möchte stark sein, sich nichts anmerken lassen. Vor allem nicht vor seinen Klassenkameraden und seinen Großmutter, die sowieso ganz anders ist, wie Großmütter normalerweise sind.
Und so darf auch niemand von dem schrecklichen Albtraum wissen, der Conor fast jede Nacht heimsucht. In ihm erfährt Conor das Schlimmste, was er sich vorstellen kann. Das er lieber verdrängen, wie aussprechen möchte.
Eines Nachts, um sieben Minuten nach Mitternacht, kommt ihn ein Monster besuchen, das Conor die nächsten Tage in seinem Alltag begleitet. Was das Monster ihm zeigen will, warum es immer sieben Minuten nach Mitternacht auftaucht und der Sinn seines Besuchs, erschließen sich Conor erst ganz zum Schluss.

Ich bin nicht gekommen, um sie zu heilen, sagte das Monster. Ich bin gekommen, um dich zu heilen. S. 181

"Sieben Minuten nach Mitternacht" ist etwas Besonderes. Besonders verpackt, besonders geschrieben und besonders berührend.

Die Aufmachung ist eine Augenweide (in Anlehnung an den Eiben-Baum im Buch könnte man auch "Augeneibe" sagen). Vom Cover bis zur illustrieren Innengestaltung ist die Optik rundum gelungen. Sie ist recht düster gehalten und passt so hervorragend zur Thematik der Geschichte.
Kinder-, bzw. Jugendbuch typisch, ist der Schreibstil. Einfach, gut verständlich und doch sehr eingängig erlebt der Leser den Alltag von Conor, seiner kranken Mutter und den nächsten Angehörigen. Der personale Erzähler folgt während der ganzen Geschichte nur Conor, lässt einen das Geschehen aus seinem Blickwinkel heraus erleben. So kann man sich ab dem ersten Kapitel komplett in Conor hineinversetzten.
Da verwundert es nicht, dass man den Jungen bald so gut kennenlernt, dass man von seinen Handlungen und Gedanken besonders be-und gerührt wird.

Conor ist ein normaler junger Teenager, der sich, vom Schicksal arg gebeutelt, in sein Schneckenhaus zurückgezogen hat. Für seine engsten Familienangehörigen ist es schwierig zu ihm durchzudringen, für seine Klassenkameraden fast gänzlich unmöglich. Deren Hänseleien und Schikanen lässt er einfach über sich ergehen, nur um ja keine Gefühle zu zeigen.
Das ändert sich erst, als Conor das Monster kennenlernt. Dieses erzählt ihm drei Geschichten und hilft Conor so, sich über seine Gefühle klar zu werden. Überraschenderweise bestehen diese nämlich nicht nur aus Trauer und Niedergeschlagenheit, sondern auch aus Enttäuschung und Wut. Handlungen von Conor, die der Leser erst als impulsiv und unberechenbar empfindet, ergeben im Laufe der Geschichte einen Sinn. Man fühlt sich dem Jungen unheimlich verbunden!

Wenn du die Wahrheit aussprichst, flüsterte das Monter ihm ins Ohr, wirst du allem ins Auge blicken können, egal, was passiert. S. 212

Das Buch ist ein Jugendbuch und beschäftigt sich mit einer schwierigen Thematik. Trauer, Loslassen und Respekt sind Themen, bei denen sich viele Menschen, genau wie Conor, in ihr Schneckenhaus zurückziehen. Die Geschichte um Conor, seine Mama und das Monster ist ernst und doch auch einfühlsam und liebevoll - ohne den zurechtweisenden Zeigefinger zu erheben. So wird diese Geschichte nicht nur die Seele von Kindern und Jugendlichen berühren, sondern auch bis ins Herz von Erwachsenen durchdringen. Und nochmal:

"Sieben Minuten nach Mitternacht" ist etwas Besonderes. Besonders verpackt, besonders geschrieben und besonders berührend!

Persönliches Fazit
Es ist schwierig ein Buch in eine Punktescala zu packen, dass so außerhalb eines Bewertungsschemas liegen sollte wie "Sieben Minuten nach Mitternacht". Die Geschichte hat mein Herz berührt und ich war während des Lesens und am Ende sehr bewegt. Sie regt zum Nachdenken an und wirkt wie Balsam für die Seele. Prädikat: Besonders wertvoll!!