Montag, 15. August 2011

Rezension zu "Zweilicht" von Nina Blazon



Verlag: cbt (August 2011)
Ausführung: Hardcover, 416 S.
ISBN: 978-3570161173
18,99 € [D]

Genre: Urban-Fantasy


Klappentext
Erst stiehlt sie sein Herz, dann seine Welt ...
Der 17-jährige Jay ist in der Stadt seiner Träume angelangt – ein Jahr wird er als Austauschschüler in New York, der Heimat seines verstorbenen Vaters, verbringen. Gleich zu Beginn verliebt er sich in die geheimnisvolle Madison mit den Indianeraugen. Doch was er keinem zu erzählen wagt: Hin und wieder taucht ein anderes Mädchen auf, das außer ihm niemand zu sehen scheint. Sie nennt sich Ivy und er kann nicht aufhören, an sie zu denken. Bis sie ihn schließlich in eine verwunschene Welt entführt, die seit Jahrhunderten kein lebender Mensch betreten hat. Als auch im New York der Gegenwart die Geister und Dämonen erwachen, beginnt für Jay ein Kampf auf Leben und Tod. Der Dämon mit dem Herzen aus Eis ist ihm auf der Spur und giert nach menschlichen Seelen. Und Jay muss sich entscheiden – zwischen zwei Mädchen, zwei Leben, zwei Wirklichkeiten.

Über die Autorin
Nina Blazon, geboren 1969 in Koper bei Triest, aufgewachsen in Neu-Ulm, las schon als Jugendliche mit Begeisterung Fantasy-Literatur. Selbst zu schreiben begann sie während ihres Germanistik Studiums, bevor sie den Roman "Im Bann des Fluchträgers" veröffentlichte, der 2004 mit dem Deutschen Phantastik-Preis ausgezeichnet wurde. Inzwischen hat sie zahlreiche erfolgreiche Jugendbücher geschrieben, darunter den großen Fantasyroman "Faunblut". Nina Blazon lebt und arbeitet in Stuttgart.

Rezension

Der erste Satz: "Und er atmet wirklich?", fragte Mo.

Nach dem Tod seines Vaters und einem Streit mit seiner Mutter, ist es Jay nur recht, ein Jahr als Austauschschüler in New York zu verbringen. Hier lebt er bei seinem Onkel Matt und seinem Cousin Aidan. Jay findet in der Schule schnell Anschluss und verabredet sich bald mit Madison, einem Mädchen, für die er schon seit seinem ersten Tag in der in neuen Schule schwärmt. Als er dann dem geheimnisvollen Mädchen Ivy begegnet, die außer ihm niemand sehen kann, zweifelt Jay an seiner Zurechnungsfähigkeit. Und dann verändert ein Sturm über New York sein Leben ...

"Zweilicht" startet nicht unmittelbar mit den Ereignissen um Jay, sondern mit dem Leser unbekannten Wesen. Hat man sich an die wechselnde Erzählperspektive zwischen Jay und den anderen Charakteren gewöhnt, liest sich die Story flüssig und, in bekannter Nina Blazon-Manier, sehr bildlich, fast schon zauberhaft.
Ein hervorstechendes Merkmal des Romans ist diese bildliche Sprache. Die Beschreibungen der Umgebungen, sowie die Gefühle der einzelnen Protagonisten, sind absolut greifbar und gut verständlich. Dabei wirken sie nicht überladen oder vollgestopft.

Eine angenehme Abwechslung ist in diesem Genre ist der männliche Hauptprotagonist Jay. Er ist sehr sympathisch und wirkt souverän, obwohl ihn der Streit mit seiner Mutter und die Vergangenheit seines Vater sehr belasten. Diesen Konflikt spürt man als Leser gut, ohne dass Jay an Authentizität verliert. Die Handlung ist zu keiner Zeit vorhersehbar, alle Charaktere scheinen etwas zu verbergen, ohne dass man dahinter kommt, was es ist. Sehr fein, so gefällt das!

Und so liest man sich fröhlich durch die Kapitel, freut sich an Jay, der Umgebung, der Spannung und meint, die Handlung der Geschichte gut zu verstehen, bis .... ja, bis das selbst konstruierte Verständiskartenhaus an einem Wendepunkt der Geschichte vollständig in sich zusammenfällt. Da steht, bzw. sitzt man nun, starrt das Buch mit einem riesen Fragezeichen im Gesicht an und versucht, die einzelnen Karten neu zu sortieren. Und das Beste, man fühlt sich dabei hervorragend! Diese Wendung gelingt Frau Blazon so gut, dass man sich fast schon verzweifelt fragt, wann ein Buch einen das letzte Mal so überraschen konnte?!

Ab hier geht die Handlung in eine andere Richtung, bleibt dabei aber genau so spannend und unvorhersehbar, wie zuvor. Besonders die weiblichen Charaktere scheinen einfach nicht richtig greifbar, die Sympathien wechseln fast mit jedem Kapitel.
Das Ende kommt nicht abrupt, erstreckt sich über einige Kapitel und ist einer großartigen Fantasygeschichte durchaus würdig. Hier ist jedoch die ganze Vorstellungskraft des Lesers gefragt. Nina Blazon scheint ihrer "Strategie", abgeschlossene Bücher zu schreiben, treu zu bleiben. Dieses, fast schon Phänomen, ist selten geworden. So wirkt der Schluss nicht gehetzt und kann nach dem spannenden Finale langsam ausklingen. Als Leser hat man das gute Gefühl, eine vollständige und runde Geschichte gelesen zu haben, über die man noch etliche Male gerne nachdenken wird.

Persönliches Fazit
"Zweilicht" hat auch für mich gestrahlt - zweifach!! Nicht oft habe ich eine so hervorragend ausgearbeitete Geschichte gelesen. Bei "Zweilicht" scheint alles zu stimmen. Authentische Charaktere, eine fast schon fühlbare Sprache und eine unvorhersehbare Handlung, mit einem großartigen Plot, haben das Lesen für mich zum Vergnügen gemacht. Dazu kommt ein Buchtitel mit Bezug zum Inhalt und natürlich eines der Highlightcover 2011.
Nach der überraschenden Wendung ertappte ich mich immer wieder dabei, nachdenklich in die Luft zu starren, um einzelnen Puzzleteile richtig zusammenzusetzen. So macht das Lesen Spaß!
Und so bleibt nach der Beendigung das Gefühl, dass man das Buch, mit einer wissenden Sicht auf die Handlung, am liebsten gleich noch mal lesen möchte. 5 verdiente Sterne!


Aufmachung: 4 / 5
Handlung: 5 / 5
Charaktere: 4,5 / 5
Lesespaß: 5 / 5
Preis/Leistung: 4 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de