Dienstag, 9. August 2011

Rezension zu "Die Nacht ist dein" von Rebecca Maizel

Verlag: Goldmann (März 2011)
Ausführung: Taschenbuch, 384 Seiten
ISBN: 978-3442474295
8,99 € [D]

Genre: Dark Fantasy


Klappentext
Für sie gab er nicht nur sein Leben, sondern auch seine Unsterblichkeit ...

Lenah Beaudonte ist unsterblich. Sie ist ein Vampir und führt einen der mächtigsten Vampirclans an. Aber es gibt nur eines, was sie sich wirklich wünscht: sterblich zu sein. Ausgerechnet ihr ehemaliger Geliebter Rhode schenkt ihr schließlich, was er ihr einst genommen hat. Das Opfer dafür ist seine eigene Existenz. Doch schon bald muss Lenah ihr neu gewonnenes Leben verteidigen und zwar gegen ihre Vergangenheit. Ihr Vampirclan hat nämlich beschlossen, sie nicht so einfach gehen zu lassen.

Über die Autorin
Rebecca Maizel ist eine junge amerikanische Autorin. "Die Nacht ist dein" ist der Beginn einer Trilogie um die Vampirin Lenah Beaudonte, die mit "Und ewig währt der Tag" fortgesetzt wird. Rebecca Maizel lebt in Rhode Island, USA.

Rezension

Der erste Satz: Ich erlöse dich ...

Die Geschichte beginnt als Einstig mit der Rückverwandlung von Lenah. Aus einer über 500 Jahre alten Vampirin wird wieder ein 16-jähriges menschliches Mädchen.
Lenah Beaudonte ist zwar die Anführerin eines selbst erschaffenen Vampir-Covens, doch alle alten Vampire werden mit der Zeit vom Wahnsinn und von übermächtigen Gefühlen der Ausweglosigkeit befallen. So auch Lenah. Sie wünscht sich nichts sehnlicher, als wieder ein Mensch zu werden. Ihr ehemaliger Weggefährte Rhode erfüllt ihr schließlich diesen Wunsch, durchgeführt mit einem alten Ritual, bei dem selbst sein Leben lassen muss. Nachdem Rhode Lenah noch letzte Anweisungen für ihr wiedergewonnenes, menschliches Leben gegeben hat, stirbt er, und Lenah findet sich in einem Wohnheim mitten auf einer Highschool wieder.
Doch Lenah ist mental noch mit ihrem Vampir-Coven verbunden und immer in Gefahr, dass dieser sie entdeckt und zurückholt ...

Was mit einem vielversprechenden Klappentext beginnt, lässt den Leser nach den ersten Kapiteln schon zwiegespalten die Stirn runzeln.
Die Sprache der Story ist nichts Besonderes, jedoch leicht verständlich. In Verbindung mit moderner Vampir-Fantasy wurden einige Worte etwas altertümlich oder in Dialekt übersetzt (z.B. "Sanka", altes Wort für Sanitätskraftwagen, statt Krankenwagen, "heuer" statt heute), was dem ganzen Schreibstil einen eher überholten Touch verleiht.

Mehr oder weniger alle Charaktere, egal ob Haupt- oder Neben-, sind eher flach und ohne Tiefe ausgearbeitet worden. Der komplette Altersdurchschnitt ist mit 16 Jahren für einen Erwachsenenroman viel zu jung. So fehlt dem Leser die Beziehung zu einigen Personen völlig. Lenah selbst bildet hier keine Ausnahme. Ihre Darstellung vor der Rückverwandlung vom Vampir, entspricht in keinster Weise ihrem Verhalten als Mensch. Ist sie als Mensch eher schüchtern und zurückgezogen, wird durch viele Rückblicke gezeigt, wie blutrünstig und gefühlskalt sie als Vampir war. Und als ob das nicht genug wäre, wiederholt die Autorin in jedem Kapitel zusätzlich, wie oft Lenah in der Vergangenheit brutal getötet hat, bzw. zum töten bereit war. Fast so, als ob ihr brutales Verhalten als Vampir ihren neuen, schüchternen Charakter kompensieren soll.

Stichwort Wiederholungen, diese gibt es im Roman zuhauf. Egal ob die Nennung von Lenahs Kleiderauswahl als Vampir (feinste Seide) oder dass ihr wiederholt auffällt, wie sich der Bizeps einiger männlichen Personen darstellt. Man hat einfach das Gefühl, von Wiederholungen überhäuft zu werden.
Und warum werden einige Personen, darunter ein männlicher Hauptcharakter ständig in Verbindung mit ihrem Nachnahmen genannt? Traut man hier dem Leser nicht zu, sich die Namen einiger weniger Schüler zu merken?

Wenn dann 90 Seiten vor Schluss, endlich Lenahs Vampir-Coven auftaucht, um das Ende gefährlich, spannend zu gestalten, hilft das dem unausgereiften Plot auch nicht mehr auf die Sprünge.
Zugutehalten muss man der Geschichte, dass sie sich relativ kurzweilig und schnell lesen lässt. Verständnisprobleme gibt es keine. Wenn man vor dem Lesen weiß, dass einen hier eine Highschool-Vampir-Fantasy Geschichte erwartet, wird auch dieser Roman sicher seine Anhänger finden.

Persönliches Fazit
Erwartete ich bei "Die Nacht ist dein" einen spannenden Plot, authentische Charaktere und prickelnde Anziehungskraft zwischen den Hauptpersonen, so wurde ich doch eher enttäuscht. Die Story plätscherte dahin, die Charaktere waren mir relativ egal und die Kommunikation zwischen Lenah und ihren Männern verlief teilweise so flach, dass Knisterfeeling, bis auf wenige Ausnahmen, auf der Strecke blieb.
Junge Lesern, denen Vampir-Fantasy in Verbindung mit Highschool Klischees gefällt, könnten an diesem Roman Gefallen finden. Alle sonstigen Fantasy-Liebhaber werden eher enttäuscht sein, hier eignet sich das Buch nur als Not- oder Strandlektüre. 2 Sterne.
Handlung: 1,5 / 5
Charaktere: 2 / 5
Lesespaß: 2 / 5
Preis/Leistung: 3 / 5