Donnerstag, 25. August 2011

Review zu "Tales of Partholon 1: Ausersehen" von P.C. Cast



Mira Taschenbuch (Mai 2011), Band 1,
TB, 526 Seiten,
9,95 € [D]


Eben noch in der Highschool und plötzlich in einer Welt, in der Shannon wie eine Göttin behandelt wird.
In Partholon halten sie alle für die Hohepriesterin der mächtigen Göttin Epona. Auch wenn Shannon Parker zunächst nicht begreift, wie sie in diese Welt geraten ist, versucht sie, es mit Humor zu nehmen. Bestimmt ist das alles nur ein Traum Aber nicht einmal im Traum würde sie sich vorschreiben lassen, wen sie heiraten soll! Auch wenn dieser ClanFintan ihr noch so tief in die Augen schaut und sie sich noch so stark zu ihm hingezogen fühlt Erst als Shannon von Visionen heimgesucht wird, beginnt sie zu begreifen, dass sie dazu auserwählt worden ist, Partholon zu retten. Sie muss die Menschen vor grausamen, vampirähnlichen Dämonen beschützen und das kann sie nur mit ClanFintans Hilfe.


Meine Meinung
Shannon Parker ist 35, Lehrerin an einer Highschool und liebt "günstiges verrücktes altes Zeug" für ihr Zuhause und das Klassenzimmer. So ist sie an einem heißen Tag in Oklahoma zu einer Haushaltsauflösung mitten im Nirgendwo unterwegs. Dass diese Spritztour ihr Leben komplett verändert, hätte sie sich bis dato nicht träumen lassen.
Und so findet sie sich auf einmal im Land Partholon wieder. Hier ist sie nicht mehr Shannon, sondern Rhiannon die Geliebte und auserwählte Hohepriesterin der Göttin Epona. Aber Rhiannon wäre nicht Shannon, wenn sie diese Situation, bei allen Gefahren, nicht mit viel Herz und Humor meistern würde.

"Ausersehen" zu beschreiben fällt nicht schwer. Das Buch ist so lustig, auf jeden Fall witzig und dann natürlich auch noch ... genau - lustig! Ab der ersten Seite musste ich nicht nur fortlaufend schmunzeln, sondern vor Vergnügen oft laut lachen oder quietschen (man bedenke den Blick eventueller im Raum anwesenden Personen!)
Die Sprache ist herrlich flüssig und wirklich perfekt übersetzt, ohne Wortwitz einzubüßen oder unfreiwillig komisch zu wirken. Außerdem ist das Buch komplett frei von Rechtschreibfehlern oder fehlenden Satzzeichen. So macht mir das Lesen Spaß (Notiz an mich: Danke an das Lektorat!).

Shannon, bzw. Rhiannon, ist ein Unikat. Zudem war es auch mal schön, von einer 35-Jährigen zu lesen, die nicht dem gerade gängigen Heldinnenbild von Teenie-Mädels entspricht. Zu fast jeder Situation hat sie einen flotten Spruch auf Lager, dabei spricht sie den Leser oft persönlich an, oder drückt ihre Gedanken in Klammern aus. So werden zum Beispiel ihre "Notiz an mich" Gedanken oder Träume, in denen alle möglichen Schauspieler vorkommen, während des Lesens legendär. Viele Gedanken und Gespräche mit ihrem dortigen Ehemann ClanFintan sind wunderbar eindeutig/zweideutig. Dauergrinsen garantiert.

Unsere Blicke hielten einander fest, und ich spürte, dass meine Atemzüge sich beschleunigten.
Gott, er war aber auch groß.
Und muskulös.
Und heiß (in allen Bedeutungen dieses Wortes).
Ich fühlte mich wie ausgehungert (ebenfalls in allen Bedeutungen des Wortes). S. 238/242

Ein weiterer Schwenk nach Westen, und schon ragten die Berge drohend vor rechts von mir auf. Sie gruselten mich, das was seltsam, denn eigentlich mochte ich Berge. (Nein, ich kann nicht gut Ski fahren, aber ich bin perfekt darin, in einer Berghütte zu sitzen und Glühwein zu trinken.) S. 400

Shannon wird in Partholon (zuerst unfreiwillig) mit ClanFintan verheiratet. Die Autorin beschreibt in einem Vorwort, dass sie ihr Buch selbst so sehr liebt, weil sie ihren ewigen Lieblingshelden ClanFintan zum Leben erwecken konnte. Er ist wirklich ein "echter" Held. Stark und sexy, dann aber auch wieder total romantisch und fürsorglich. Er liebt Shannon aus ganzem Herzen. Das machte ihn auch für mich sehr sympathisch und ich mochte ihn sehr gerne. Dabei ist er nicht mal ein "richtiger" Mann (aber mehr wird hier nicht verraten).

Ganz frei von Kritik kann ich allerdings nicht sein. Denn ich verstehe auch durchaus, dass einige Leser bei dem ganzen Wortwitz und Geplänkel, und somit auch von Shannon, mit der Zeit genervt sind. Es ist wirklich schwierig, sich auf eine ernsthafte, spannende Situation zu konzentrieren, wenn man auf der selben Seite 3-5 Mal zum Lachen, Ginsen, Schmunzeln animiert wird. Zur Verdeutlichung gab es eine Szene, in der Shannon "oben ohne" eine Rede vor ihrem Volk hält (sehr befremdlich, ich weiß, aber so machen das Auserwählte einer Göttin in Partholon nun mal). Die Szene schwenkt und wird plötzlich spannend und sehr dramatisch. Shannon hat sich aber zwischendurch nicht umgezogen und man denkt die ganze Zeit "Mein Gott, die springt in dem ganzen Drama oben ohne durch die Gegend!"
Dann ist die Geschichte auch nicht komplett frei von Längen. Diese sind aber nicht sehr störend. Man kann drüber hinwegsehen.

"Ausersehen" war für mich ein sehr vergnüglicher Lesespaß, dazu spannend und sehr romantisch mit einem Hauch Erotik (bis auf eine Szene nur minimalst, könnte also noch als jugendfrei durchgehen). Ihr seht, ich mag dieses "Klammerndings", und so kann ich den Roman allen empfehlen, die märchenhafte, spannende Fantasy, gepaart mit Chick-lit Humor einmal antesten wollen. Mir hat's gefallen!

Ich ... bemerkte mehrere mit Schnitzereien verzierte Kleidertruhen ... . Ein kleines bisschen Stöbern brachte nicht nur Kleidung, sondern sehr viel Kleidung zum Vorschein. Im Ernst, ich fühlte mich wie Barbie. Nicht die einfache Barbie, sondern Ball-Barbie, Sommer-Barbie, Cocktailempfang-Barbie, Verabredung-mit-einem-Arzt/Anwalt/Vorstandsvorsitzenden-Barbie ... und so weiter und so fort. S. 114

© Damaris Metzger, damarisliest.de