Mittwoch, 6. Juli 2011

Umfrage - Welchen Erzählstil, bzw. Zeitform, mögt ihr bei Romanen am liebsten?

Alle Romane, die wir lesen, zeichnen sich nicht nur durch die Geschichte, den Plot und die Charaktere aus, sondern wurden meist in einem der folgenden Haupt-Erzählstile und einer passenden Zeitform (Präteritum/Vergangenheit oder Präsens/Gegenwart) geschrieben.
Wenn wir ein neues Buch anfangen, so haben wir uns meistens in den Stil des Vorgängers so eingelesen, dass wir oft ein paar Seiten "Einlesezeit" benötigen.

Mich würde interessieren, welcher Erzählstil euch besonders gut gefällt und warum? Mögt ihr lieber eine sprachliche Vergangenheitsform oder kommt ihr auch gut mit dem Präsens (Gegenwarts-Form) zurecht?
Teilt mir doch eure Meinung in einem Kommentar mit. Ich bin gespannt.


Auktorialer Erzählstil
Ganz einfach ausgedrückt, hier weiß der Erzähler alles! Er kennt die Vergangenheit und Zukunft eines jeden Charakters, weiß über die Gefühle jedes Einzelnen Bescheid und kann vermitteln, was jede seiner Personen in bestimmten Situationen denkt.

Beispiel Präteritum: Als Ingas Kinder nach Hause kamen, bekam sie es sofort mit der Angst zu tun. Jonathan öffnete die Haustür und musste seine Mutter nur anschauen um zu wissen, dass etwas nicht stimmte. Sofort wurde ihm kalt und er begann zu zittern. Kerstin schaute zu ihrem Bruder und bereute es sofort, nicht länger auf der Party geblieben zu sein.
Beispiel Präsens: Als Ingas Kinder nach Hause kommen, bekommt sie es sofort mit der Angst zu tun. Jonathan öffnet die Haustür und muss seine Mutter nur anschauen um zu wissen, dass etwas nicht stimmt. Sofort wird ihm kalt und er beginnt zu zittern....

Buchbeispiele: "Red Riding Hood" und "Göttlich verdammt" (lt. Izzy von Storytime)

Mit diesem Erzählstil kann ich mich am wenigsten anfreunden. Oft erscheint er mir etwas oberflächlich und sprunghaft (man muss sich immer wieder auf die Gefühle einer neuen Person einstellen). Da alle Charaktere beleuchtet werden, lernt man die Hauptpersonen oft nicht so gut kennen, oder es fällt einem schwer sich in sie hineinzuversetzen.


Personaler Erzählstil
Beim personalen Erzählstil berichtet der Erzähler über eine Hauptperson, kennt deren Gefühle und die Vergangenheit zu dieser Person. Alle weiteren Charaktere werden meist aus der Sicht der Hauptperson gesehen, die somit nur beschreibend wiedergeben kann, wie sich die andere Person wohl fühlt oder aussieht.

Beispiel Präteritum: Jonathan öffnete die Hautür. Seine Mutter stand bleich und zusammengesunken im Flur. Sofort wurde ihm kalt und er begann zu zittern. Als er den Blick von Kerstin suchte, schaute sie sofort weg, doch Jonathan bemerkte, dass auch ihre Hände zitterten.
Beispiel Präsens: Jonathan öffnet die Hautür. Seine Mutter steht bleich und zusammengesunken im Flur. Sofort wird ihm kalt und er beginnt zu zittern. Als er den Blick von Kerstin sucht, schaut sie sofort weg....

Buchbeispiele: "Nachtlilien" und "Faunblut"

Diesen Erzählstil kenne ich schon, seit ich lese und mag ihn besonders gerne. Da es meist eine Hauptperson gibt, und ihre Gefühle und Handlungen synchron beschrieben werden, kann man sich gut in diese Person hineinversetzten. Nebencharaktere sieht man meist so, wie der Hauptprotagonist sie wahrnimmt und kann so schnell über Sympathie oder Antipathie entscheiden.


Ich-Erzählstil
Ganz groß in "Mode" ist zur Zeit der Ich-Erzählstil. Viele Jugendbücher sind im Ich-Erzählstil geschrieben. Der Erzähler beschreibt die Geschichte so, als wäre er selbst die Hauptperson. Diese kennt er komplett, von der Vergangenheit bis jetzt. Handlungen und Gefühle dieser Person werden dem Leser direkt übermittelt.

Beispiel Präteritum: Ich öffnete die Haustür und sah meine Mutter bleich und zusammengesunken im Flur stehen. Sofort bekam ich eine Gänsehaut und begann zu zittern. Als ich Kerstins Blick suchte, schaute sie sofort weg, aber ich bemerkte, dass auch ihre Hände zitterten.
Beispiel Präsens: Ich öffne die Haustür und sehe meine Mutter bleich und zusammengesunken im Flur stehen. Sofort bekomme ich eine Gänsehaut und beginne zu zittern. Als ich Kerstins Blick suche, schaut sie sofort weg...


Kaum zu glauben, aber die Ich-Form in Büchern fand ich früher doof. Den Grund kann ich auch nicht richtig sagen, wahrscheinlich, weil diese Form in meiner Jugend einfach selten als Erzählform gewählt wurde. Heute liebe ich sie! Bei der Ich-Form kann man sich meiner Meinung nach am besten in die Hauptperson einfühlen (oder auch nicht), weil Gefühle direkt bei einem ankommen.

Zur Zeitform: Früher mochte ich nur die gängige Präteritum-Zeitform/Vergangenheit. Heute kann ich auch mit der Präsens-Zeitform/Gegenwart gut anfreunden. Viele Autoren wählen eine Zeitform, die so gut zur Geschichte passt, dass sie einem nach den berühmten "ersten Seiten" sowieso nicht mehr auffällt.