Dienstag, 19. Juli 2011

Review zu "City of Bones" (Chroniken der Unterwelt 1) von Cassandra Clare



Arena (Januar 2008), Band 1,
gebunden, 512 Seiten,
17,95 € [D]


Die fünfzehnjährige Clary lebt mit ihrer Mutter in New York. Als diese entführt wird, lüftet Clary das Familiengeheimnis: Ihre Mutter gehörte einst der Bruderschaft der Shadowhunter an, einer Gruppe, die seit über tausend Jahren Dämonen jagt. Nach und nach beginnt auch Clary in diese Welt einzudringen. Doch die Welt der Dämonenjäger ist zerrissen. Werden Clary und ihre Freunde es schaffen, ihre Mutter zu retten?


Meine Meinung
Manchmal gibt es Bücher, bei denen sich eine ungewöhnliche Lesemacke von mir zeigt. Vor lauter Spannung oder bei sehr aufgewühlten Szenen, unterbreche ich das Lesen, um einige Runden planlos durchs Haus zu laufen. Wahrscheinlich mache ich das, um meine Aufregung runterzufahren oder einfach, damit mein Gehirn das Gelesene kurz verarbeiten kann. "City of Bones" darf sich jetzt in die Reihe der Bücher einreihen, die diesen Effekt bei mir ausgelöst haben.

Clary und Jace. Mal wieder ist es einer Autorin gelungen, zwei Hauptcharaktere zu erschaffen, denen es gelingt mich voll und ganz zu überzeugen.
Es ist bekannt, dass ich weibliche Protagonisten mit Mumm mag, viel lieber als verunsicherte, ständig errötende Mäuschen. Clary trifft bei mir da voll ins Schwarze. Sie ist schlagfertig, klug und freundlich. Dabei zeigt sich aber auch, dass sie verletzbar und unsicher sein kann. Doch geht das nie so weit, den Leser zu nerven. Am Anfang der Geschichte ist sie erst 15 und erfreulich reif. Lange nicht so kindlich, wie schon haufenweise gelesen.
Und Jace? Nun, Jace ist ... hmm, speziell. Und heiß!! Er ist wahnsinnig düster und arrogant und sich seines Auftretens stets bewusst. Er bringt das aber immer so cool rüber, dass er von Beginn an alle meine Sympathien hatte.

"Die Mädchen da drüben starren dich die ganze Zeit an."
Jace setzte eine selbstzufriedene Miene auf und lächelte milde. "Natürlich tun sie das", sagte er. "Schließlich bin ich unglaublich attraktiv".
"Hat dir schon mal jemand gesagt, dass Bescheidenheit eine attraktive Eigenschaft ist?"
"Ja", räumte Jace ein, "aber nur hässliche Leute. Die Sanftmütigen mögen die Erde erben, aber in der Zwischenzeit gehört sie den Eitlen, und damit mir". Er zwinkerte den beiden Mädchen zu, die daraufhin kicherten und sich hinter ihren Haaren versteckten. - S. 94

Solche Beispiele gibt es in jedem Kapitel, die Auswahl fiel mir schwer. Am Besten lässt sich Jace' Charakter wohl mit "harte Schale, weicher Kern" beschreiben. Denn bald spürt man, dass seine Selbstverliebtheit auch einen Schutz für ihn darstellt.

Der Humor ist das Beste! Und der wird in diesem Buch ganz groß geschrieben. Manchmal habe ich Abschnitte mit einem Dauergrinsen gelesen, oder musste bei vielen Szenen laut lachen. Spätestens wenn Clary Jace Sätze wie "Sarkasmus ist der letzte Ausweg der Fantasielosen" um die Ohren haut, ist es um einen geschehen.

Das Buch hat neben dem herrlichen Humor aber auch einen sehr ernsten und düsteren Touch. Als Leser darf man sich nicht durch die vielen Namen der Unterweltgeschöpfe verunsichern lassen. Denn hier ist wirklich alles vertreten, was man irgendwo in Fantasygeschichten schon einmal gelesen hat. Schattenjäger, Schattenwesen, Dämonen, Halbdämonen, Lichtes Volk, Engel, Vampire, Feenwesen, Liliths Kinder, Hexenmeister, Nephilim, Selkies, Meerjungfrauen, .... soll ich weitermachen? Aber keine Sorge, man muss sich hier nichts merken, die Bezeichnungen fließen so in die Geschichte ein, dass es kein Problem ist, sich zu orientieren.

Das Ende hat eine Wendung, die mich buchstäblich umhaute, und ich überlege immernoch, wie ich damit leben kann, will, soll... Die nächsten Bände werden es zeigen. Dieses Buch hat alles, was ein gutes Buch für mich haben muss: Action, Humor und Romantik. Kurz, ein rundum gelungenes Buch. Ich habe nichts daran auszusetzen. Meine allergrößte Empfehlung!

© Damaris Metzger, damarisliest.de