Dienstag, 31. Mai 2011

Review zu "Tote Mädchen lügen nicht" von Jay Asher



cbt (Oktober 2010),
Klappenbroschur, 288 Seiten,
9,99 € [D]


Als Clay Jensen aus der Schule nach Hause kommt, findet er ein Päckchen mit 13 Kassetten vor. Er legt die erste in einen alten Kassettenrekorder, drückt auf „Play“ – und hört die Stimme von Hannah Baker. Hannah, seine ehemalige Mitschülerin. Hannah, für die er heimlich schwärmte. Hannah, die sich vor zwei Wochen umgebracht hat. Mit ihrer Stimme im Ohr wandert Clay durch die Nacht, und was er hört, lässt ihm den Atem stocken. Dreizehn Gründe sind es, die zu ihrem Selbstmord geführt haben, dreizehn Personen, die daran ihren Anteil haben. Clay ist einer davon ...


Meine Meinung
Vorneweg muss ich sagen, dass man das Buch kaum aus der Hand legen möchte. Jay Asher schreibt jugendlich flott und so eindringlich, dass einem bei manchen Situationen wirklich ein Schauer über den Rücken läuft. Die Geschichte wirkt sehr real, aber dann auch wieder so ungeheuerlich, dass sie einen noch eine Weile verfolgen wird.

Clays Rolle im Buch ist eine ganz besondere. Doch das ahnt er am Anfang natürlich nicht. Als Clay das Paket mit den Kassetten von Hannah erhält, fragt er sich natürlich, welche Rolle er bei ihrem Selbstmord gespielt hat. Er ist sich keiner Schuld bewusst. Doch während er Hannah Stimme zuhört, fängt er an, jedes Verhalten von sich, gegenüber Hannah, zu hinterfragen. Er wird immer unsicherer und verzweifelter. Das kommt im Buch super rüber. Mir tat er stellenweise echt leid!

Die Geschichte des Buches, dass sich Hannah umgebracht hat und nun 13 Menschen direkt die Gründe vor Augen führt, ist schon etwas gruselig. Diese können an der Situation nach dem Selbstmord nichts mehr ändern und werden teilweise ziemlich hart bloßgestellt. Jeder muss für sich damit klarkommen, dass er einer der Gründe für Hannahs Tod war, aber immer in dem Wissen, dass es noch 12 "Mittäter" gibt, die eingeweiht sind.

Kleine Bedenken hatte ich bei der "Botschaft" des Buches. Ist es wirklich für Jugendliche so ersichtlich, wenn ein Mitschüler vorhat sich das Leben zu nehmen? Indirekt wird der Leser dazu aufgefordert, auf Anzeichen zu achten. Aber gerade Jugendliche, die oft selbst mit vielen Problemen zu kämpfen haben, kann man da meiner Meinung nach nicht in die Verantwortung nehmen.
"Tote Mädchen lügen nicht" weist den Leser unterbewusst darauf hin, was mit der Seele eines Menschen passieren kann, wenn dieser gemobbt, angelogen, missbraucht (seelisch und körperlich) und ausgenutzt wird. Ob ein Fehlverhalten von Jugendlichen ihren Mitschülern gegenüber diesen immer so klar ist, wage ich zu bezweifeln. Hier kann das Buch vielleicht etwas die Augen öffnen.

Ein spannendes, einfühlsames Buch, das wirklich unter die Haut geht!

© Damaris Metzger, damarisliest.de