Mittwoch, 17. Juli 2019

"Wie man bei Regen einen Berg in Flip-Flops erklimmt" von Carol Weston



Das Thema
Vierzehn zu sein ist hart, findet Sofia. Und es ist noch härter, wenn man gerade seine Mutter verloren hat. Als würde man bei Regen einen Berg in Flip-Flops erklimmen. Aber zum Glück gibt es "Frag Kate", einen Online-Ratgeber, dem Sofia sich anvertraut. Nie hätte sie gedacht, wohin der E-Mail-Austausch führen würde! Sofias komplettes Leben wird auf den Kopf gestellt! Doch Veränderungen können durchaus etwas Positives sein - besonders, wenn man dabei einem süßen blonden Jungen namens Sam begegnet. Und Sofia ist nun auch nicht mehr jeden Tag traurig. Manchmal ist sie sogar richtig glücklich. Und sie begreift: Wenn du immer weiterkletterst, wirst du mit einer atemberaubenden Aussicht belohnt. Du siehst, was hinter dir liegt, was vor dir liegt und: was in dir steckt.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Carl Hanser Verlag


Jedes Jahr Anfang Dezember suchten wir uns auf dem Broadway einen Baum aus und schleppten ihn nach Hause in die 93. Straße. [...] Dann schmückten wir ihn gemeinsam und hörten dabei Weihnachtslieder, von 'Jingle Bells' bis 'Feliz Navidad', während Pepper, unser schwarzer Kater, um uns herumflitzte und mit der Tatze nach den niedrig hängenden, mausgroßen Kugeln schlug.
Das war unsere Familientradition. Ich hatte immer gedacht, es würde ewig so weitergehen.
Aber am 7. April war Mom gestorben, und mit ihr ein Teil von mir.
- S. 16


Das Leseerlebnis
Es gibt Bücher, die gewinnen meine Aufmerksamkeit alleine durch den Titel. Okay, und vielleicht in diesem Fall auch noch durch meine bevorzugte Farbgestaltung (türkis und verspielt). Auf "Wie man bei Regen einen Berg in Flip-Flops erklimmt" traf das vollständig zu. Der Titel klingt fröhlich und beschwerlich, lustig und traurig - machte mich darum sofort neugierig. Die Geschichte ist sehr herzlich und einfühlsam ... und sie zeigt auf, dass tiefe Trauer und persönliches Glück ganz nah beieinander liegen können.

Schon der Anfang berührte mich sehr. Sofia, die fast 15-jährige Hauptprotagonistin spricht ihre Leser*innen direkt an, indem sie darauf hinweist, dass die Geschichte an sich ziemlich traurig ist, anfangs zumindest. Dass das letzte Jahr sehr schlimm und ziemlich hart für sie war.
Sofia ist in New York City aufgewachsen und ihre Kindheit war wundervoll. Bis plötzlich, und völlig unvorhergesehen, ihre Mutter starb. Zwar geht es Sophia mittlerweile wieder besser (sofern es einem innerhalb eines knappen Jahres besser gehen kann), doch die Trauer sitzt tief. Als sie an "Frag Kate", einen Onlineratgeber schreibt, erhält sie prompt Antwort. Sofias Leben ändert sich komplett, und sie erkennt, dass neu nicht unbedingt schlecht bedeuten muss, dass sie trauern und gleichzeitig glücklich sein kann.

Mittwoch, 10. Juli 2019

Buchzugänge vs. Buchabgänge im Juni 2019

Mein Vorsatz, mich 2019 vermehrt meinem SuB, meinen "alten", ungelesenen Büchern, zu widmen, geht nur langsam voran. Aber wie heißt es so schön: Steter Tropfen höhlt den Stein. Ich bleibe also dran. Zum Glück (für mich) lese ich momentan mehr Bücher als neue dazukommen. Das macht es leichter, mein Ziel im Auge zu behalten. Ich habe noch viele schöne Bücher vor mir und kann mich auf einige Schätze freuen. Drei Bücher habe ich im Juni ins Regal gestellt, acht Bücher gelesen.


Meine Buchzugänge im Juni - 3 Bücher



Dienstag, 9. Juli 2019

"Dumme Ideen für einen guten Sommer" von Kiera Stewart



Das Thema
Für die 12-jährige Edie ist die Aussicht auf die Ferien so schlimm wie nie. Mit ihrer peinlichen Familie muss sie in einer Kleinstadt in Florida ausharren, um das Haus der verstorbenen Großmutter Petunia auf Vordermann zu bringen. Ihr einziger Trost: die Gesellschaft ihrer supercoolen Cousine Rae. Als die beiden eine Liste mit Petunias Ideen für den Sommer finden, beschließen sie Punkt für Punkt abzuhaken. Die vermeintlich guten Ideen stellen sich dabei eher als albern und unvernünftig heraus - doch manchmal sind es genau solche, die man für ein Abenteuer braucht.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Carlsen Verlag


Während ich noch über ihre Antwort staune, saust über uns etwas vom Himmel. Blätter rascheln, Äste schwanken und ich erstarre. Eine Fledermaus! Eine Hexe! Hilfe!
"Das war wahrscheinlich eine Eule oder so was Ähnliches", sagt Rae.
Oder so was Ähnliches. Ich wünschte wirklich, sie würde so etwas nicht sagen. Bleiben wir doch einfach bei Eule. Definitiv eine Eule. Ein entzückendes, schuhuendes kleines Ding, das weise und freundlich ist. Damit sind wir auf der sicheren Seite.
- S. 105


Das Leseerlebnis
Ach schön, ein Sommerbuch für junge Leser*innen, das nach großem Lesespaß mit Tiefsinn klingt. Genau so waren meine Gedanken, als ich einen ersten Blick auf "Dumme Ideen für einen guten Sommer" warf. Es geht um Edie, die, an der Schwelle zur Jugendlichen, mitten im Hochsommer nicht nur bildlich über ihren Schatten springt. Das enthält zwar weniger Tiefsinn als gedacht, dafür mehr Nachdenklichkeit und ist herrlich lustig und charmant-verrückt erzählt.

Die fast 13-jährige Edie fühlt sich ohne ihre beste Freundin Taylor als ziemliche Aussenseiterin. Und jetzt fährt Taylor auch noch alleine auf die Sommeranfangs-Zeltparty, für die Edie von ihren Eltern keine Erlaubnis bekam. Stattdessen muss Edie mit ihrer Familie nach Florida fahren, um dort das Haus ihrer verstorbenen Großmutter Petunia zu renovieren. Stinklangweilig! Zum Glück ist auch Rae vor Ort, Edies coole Cousine. Gemeinsam entdecken die beiden eine Liste, auf der Großmutter Petunia Ideen für den Sommer 1962 gesammelt hat. Die beiden Mädchen beschließen die Liste umzusetzen ... und vielleicht wird dieser Sommer ja doch nicht so langweilig, wie Edie gedacht hatte.

Dienstag, 2. Juli 2019

"Die Entflohene" von Violaine Huisman



Das Thema
Ihr Fahrstil war sportlich, mit quietschenden Reifen fuhr sie über jede rote Ampel der Champs-Elysées, in der linken Hand die Zigarette, in der rechten das Steuer, auf dem Rücksitz die beiden Töchter. Catherine konnte ausrasten, ihre Kinder unflätig beschimpfen, um sie gleich danach in Liebe zu ertränken. Die kleine Violaine und ihre Schwester lieben die Mutter abgöttisch, aber sie ist krank, sie ist manisch-depressiv. Mit gnadenloser Aufrichtigkeit und großer Wärme erinnert sich Violaine Huisman an ihre schöne, witzige und widersprüchliche Mutter. Ein temporeicher, aufwühlender Roman über eine sehr unkonventionelle Familie.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: S. FISCHER


Seht zu, wie ihr zurechtkommt!, das war der ewige Refrain ihrer Litaneien, sie sagte, wir sollten uns verpissen und nicht dauernd angeschissen kommen, wir sollten mal damit aufhören, auf die ganze Welt zu scheißen, wir sollten endlich kapieren, dass sie sich einen Scheiß für die Fragen und Sorgen verhätschelter fauler Gören interessierte. Sehr zu, wie ihr zurechtkommt, ihr kotzt mich an mit euren bescheuerten Problemen! Das war aber nicht das Ende von Mamans Beschimpfungen, in der Regel fingen sie so erst an. - S. 12


Das Leseerlebnis
Violaine Huismans Roman "Die Entflohene" war nicht nur eine persönliche Empfehlung an mich, das Buch, bzw. die Geschichte ist zudem ein autobiographisches Debüt, weckte darum sofort mein Interesse. Ich kann kaum ermessen, wie weit die eigenen Erinnerungen zurückreichen, wie stark das Buch die Wirklichkeit wiedergibt. Seine Wirkung verfehlt es nicht. Der Roman ist eine Hommage an die eigene Mutter, die, manisch-depressiv und sehr exzentrisch, einen großen Einfluss auf das Leben ihrer Töchter hatte. Aus der Geschichte spricht ebenso Kritik wie Akzeptanz, Verstörung wie Verherrlichung ... und bedingungslose Liebe.

Der Erzählstil von "Die Entflohene" ist hochwertig und ausdrucksstark, passend zum feudalen Leben von Mutter und Töchtern in einem Frankreich der 1980er Jahre und früher. Dass dies ein eher anspruchsvolles Lesen ist, wird bereits beim ersten Satz klar, der sich verschachtelt über eine vollständige Buchseite zieht. Als Leserin wuchs ich an jeder Seite, lernte die Stimme der Autorin zu deuten und wurde mehr und mehr in die Geschichte gezogen.