Samstag, 21. April 2018

High Five - 5 Sätze/5 Adjektive zu "Die Legende von Shikanoko: Fürst des schwarzen Waldes" von Lian Hearn



FISCHER Sauerländer (Februar 2018), Band 2,
Hardcover/SU, 528 Seiten,
übersetzt von Sibylle Schmidt,
19,99 € [D]


Inmitten eines mystisch-mittelalterlichen Japans lebt Shikanoko, das Kind des Hirsches, zurückgezogen im Schwarzen Wald – voller Trauer um die umgekommene Prinzessin Aki. Um ihn herum wird das Land von Katastrophen heimgesucht, und der unerbittliche Kampf um den legendären Lotusthron erreicht seinen Höhepunkt. Diejenigen, die nach Macht dürsten, schrecken vor nichts zurück. Nur die Krönung des rechtmäßigen Thronfolgers Yoshimori kann dem Töten ein Ende bereiten. Doch dieser lebt weiter im Verborgenen. Es bedarf Shikanokos magischer Fähigkeiten, Yoshimoris Existenz aufzuspüren, seine Feinde zu besiegen und das gesamte Reich vor dem sicheren Untergang zu bewahren. (Text-, Cover- und Zitatrechte: FISCHER Sauerländer)


"[...] Ich war sehr dankbar und vor allem erleichtert, denn ich habe nie etwas anderes gewollt, als Akrobat und dein Mann zu sein, nach den Lehren des Geheimen zu leben und mit dir ein Kind zu haben. Wenn jemand meine wahre Herkunft erfährt, wird man mich töten. Die Miboshi haben ihren eigenen Kaiser, meinen Onkel Daigen. Nach meinem Tod währe er der rechtmäßige Erbe des Kaiserthrons."
Kai zog Yoshi an sich. "Dann werden wir niemandem auch nur ein Sterbenswörtchen verraten und beten, dass der Himmel uns weiterhin übersieht. [...]"
- Yoshimori, der Verborgene Kaiser, S. 189/190


5 zusammenfassende Sätze/Punkte zum Buch

  1. Der erste Band der Shikanoko-Dilogie hatte es mir nicht einfach gemacht. Er war besonders, aber auch sehr eigenen geschrieben und ausgeführt. Ungewöhnlich für Leser aus unseren Kulturkreisen. Wahrscheinlich war das Buch dann schlussendlich so faszinierend, dass der Abschlussband "Fürst des schwarzen Waldes" ein Lesemuss wurde. Die Handlung knüpft direkt an der vom Vorgängerband an, und es war für mich erstaunlich, wie leicht mir der Einstieg fiel.
  2. Entgegen aller Vermutung und obwohl das Buch seinen Titel trägt, hat Shikanoko eine eher kleine Rolle im Buch. Er ist viel weniger präsent als in der ersten Geschichte. Es ist jedoch so, dass über den Titelhelden alle wichtigen Fäden im Buch zusammenlaufen. Dabei ist Shikanoko aber eine Person, die nicht durchweg sympathisch oder gut ist. Er ist sehr komplex, und das macht ihn so interessant.
  3. Im Grunde geht es in "Fürst des schwarzen Waldes" um das Finden und Ernennen des Wahren Kaisers Yoshimori, der versteckt als Akrobat unter normalen Leuten lebt. Wäre sein Aufenthaltsort bekannt, würde er sofort von seinen viele Feinden umgebracht. Die ganze Handlung ist auf dieses Ziel - Yoshimori zu finden - ausgelegt. Dazu sind viele verschlungene Wege nötig und die Autorin setzt Personen ein, von denen man nicht erwartet, das sie etwas dazu beitragen könnten.
  4. Ich empfand diesen zweiten Band als ein einfacheres und zuträglicheres Lesen als noch Band 1. Es ist nach wie vor kein easy reading, hat viel Handlung, und kann den Leser ganz schön herausfordern. Trotzdem konnte ich hier ununterbrochen am Ball bleiben, empfand keine Längen o. Spannungseinbrüche. Die Handlung kann teilweise ganz schön hart sein. Leser vom ersten Band durften das schon ausführlich erfahren.
  5. Die große Stärke des Romans sind wohl die Charaktere, jeder (ganz unabhängig von Shikanoko selbst) ist sehr vielschichtig und oftmals alles in einem: gut und böse, freundlich und eigennützig. Man kann kaum eine Person nur auf eine Eigenschaft reduzieren. Schon in der Mitte des Buches fragte ich mich, wie es der Autorin wohl gelingen würde, alle Fäden miteinander zu verknüpfen. Da werden sie dann perfekt. "Fürst des schwarzen Waldes" hat ein gutes Ende und lässt den Leser mit dem Gefühl zurück, etwas Großes geschafft zu haben.

5 Adjektive, die mir spontan zum Buch einfallen

durchdacht, vielschichtig, umfangreich, anschaulich und mystisch-historisch



Zusammengefasst vom Fazitbär:
"Die Legende von Shikanoko: Fürst des schwarzen Waldes" schließt die Reihe so gut ab, das wirklich keine Wünsche offen bleiben. Der Roman ist extrem gut durchdacht und hat mich dadurch stark beeindruckt. Es bleibt vielleicht ein spezielles, eigenes Leseerlebnis, dessen Erfahrung sich aber lohnt. Sind es nicht manchmal gerade die ungewöhnlichen Bücher, die am meisten faszinieren? Am Ende war ich rundum zufrieden und hatte das Gefühl, etwas Umfangreiches gemeistert zu haben. Sehr gut!


© Damaris liest.



Reiheninfo Die Legende von Shikanoko-Dilogie:

Band 1 - Herrscher der acht Inseln
Band 2 - Fürst des schwarzen Waldes

Donnerstag, 19. April 2018

"Young Elites: Die Herrschaft der Weißen Wölfin" von Marie Lu



Das Thema
Adelina ist endlich an ihrem Ziel angelangt: Sie sitzt auf dem Thron von Kenettra. Ihre Herrschaft als Weiße Wölfin ist grausam. Erbarmungslos rächt sie sich an ihren Widersachern. Als jedoch eine Gefahr auftaucht, die das Leben aller Begabten bedroht, ist Adelina gezwungen, mit ihren Feinden zusammenzuarbeiten. Mit der verhassten Gemeinschaft der Dolche macht sie sich auf eine riskante Reise, um sich selbst, ihre Schwester und ihr Königreich zu retten. Doch die widerwillig geschlossene Allianz und Adelinas stetig zunehmende innere Dunkelheit scheinen die Mission zum Scheitern zu bringen ...

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Loewe Verlag


Die Frau vor mir windet sich, ihr Blick zuckt wild umher, als sie Ungeheuer sieht, die nur in ihrem Geist existieren. Dunkelrote Tropfen fliegen ihr von den Lippen. Ich trete einen Schritt zurück, damit das Blut nicht den Saum meines Gewands besudelt.
Schließlich wird die Frau bewusstlos und bleibt reglos liegen.
Ruhig wende ich mich wieder dem Rest unserer Gefangenen zu, die wie zu Statuen erstarrt dastehen. Die Furcht hängt so dick in der Luft, dass ich sie mit meinem Dolch zerteilen könnte. "Noch jemand?", gellt meine Stimme über den Platz. "Nein?" Es herrscht weiter Schweigen.
- S. 23


Das Leseerlebnis
Die Young Elites-Trilogie war für mich ab dem ersten Band etwas Besonderes. Vor allem lag das wohl an der Hauptprotagonistin Adelina, die sich von einem verängstigten Mädchen, zu einer düsteren und rachsüchtigen jungen Frau entwickelt. Anfangs kann man das noch wie nebenbei miterleben, spätestens im zweiten Band wird jedem Leser klar, was aus Adelina geworden ist - eine böse Schurkin, sozusagen eine Antiheldin. Wie die Autorin die vielen Konflikte im Abschlussband "Die Herrschaft der Weißen Wölfin" lösen würde, das war für mich die spannende Frage. Es war definitiv ein tolles Leseerlebnis, sehr spannend und hitzig. Und am Schluss so mutig und konsequent, dass es mich sehr anrührte, fast ein bisschen überwältigte.

Dienstag, 17. April 2018

Buchzugänge vs. Buchabgänge im März 2018

Es gab eine Zeit, da habe ich monatlich mal gut und gerne zwölf bis fünfzehn Bücher gelesen. Das war damals schon viel für mich, und ich ertappe mich immer wieder dabei, dass ich mit dieser Zahl "rechne". Folglich hinke ich gefühlt etwas hinterher, bei Büchern, die ich bis Anfang des Jahres gelesen haben wollte. Lesen ist kein Wettbewerb, soll es auch nie sein. Ich bin heute sehr glücklich, gerade mit drei Kindern, durchschnittlich zwischen sechs und neun Bücher pro Monat zu lesen. Trotzdem muss ich mich bei den eigenen Leseerwartungen an mich selbst immer bremsen. Das bringt das öffentliche Bloggen über Bücher wohl so mit sich. Hier jetzt also alle neuen März-Bücher und alle, die ich im vergangenen Monat gelesen habe.


Meine Buchzugänge im März 2018 - 7 Bücher



Montag, 16. April 2018

Dieses Buch bleibt im Regal #43

Eine Aktion von Damaris liest.

Schon zum dreiunsvierzigsten Mal stehe ich nun vor meinem Regal, um ein besonderes Buch vorzustellen, das niemals bei mir ausziehen wird. Da ich, schon alleine aus Platzmangel, nur Bücher behalte, die mir sehr am Herzen liegen, die emotional waren, mich begeistert und mitgerissen haben, oder einfach die, mit denen ich eine bestimmte Begebenheit verbinde, fällt mir die Auswahl nicht sehr schwer. Im Prinzip hätten es (fast) alle Bücher verdient, nochmals separat gezeigt zu werden. Im Moment fällt mein Blick aber eher auf diese, die ich schon vor einiger Zeit gelesen habe. Wahrscheinlich erinnere ich mich einfach gerne daran zurück.


Godspeed: Die Reise beginnt


"Godspeed: Die Reise beginnt" von Beth Revis - 19,95 € (HC) - Dressler Verlag

Dienstag, 10. April 2018

"Eine Handvoll Lila" von Ashley Herring Blake



Das Thema
Lila lackierte Fingernägel sind das Markenzeichen von Grace und ihrer Mutter Maggie. Dabei könnten sie sonst nicht unterschiedlicher sein: die ehrgeizige Grace will nach der Schule Musik studieren, denn sie ist eine begabte Pianistin. Ihre Mutter dagegen ist das personifizierte Chaos und stolpert von einer schlechten Entscheidung in die nächste, ohne zu verstehen, was sie ihrer Tochter damit antut. Erst als Eva in ihr Leben tritt, glaubt Grace, sich mit ihrer Hilfe endlich aus den Fängen ihrer Mutter und der engen Kleinstadt befreien zu können. Doch als Maggie immer mehr an Bodenhaftung verliert, steht auch die Zukunft der beiden Mädchen auf dem Spiel. Jetzt ist es an Grace, sich und Eva zu retten, und endlich zu lernen, wie man liebt und wie man loslässt.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Magellan Verlag


"Warum Lila?", fragt sie.
Mir schnürt es reflexartig die Kehle zu. "Hat Maggie dir das etwa nicht erzählt?"
Eva schüttelt den Kopf, und ich bin seltsam erleichtert, dass Mom das nicht preisgegeben hat.
"Lila ist schon immer unsere Farbe", antworte ich leise, während Eva weiter mit Daumenkuppe über jeden meiner Finger streicht. "Meine und Moms. Sie fing schon an, mir die Nägel lila zu lackieren, als ich noch ganz klein war."
"Und warum?"
Da erzähle ich ihr von der Sache mit dem Wünschen. Dass Mom immer sagte, wir wünschen uns etwas von unseren Fingerspitzen und greifen nach dem, was wir wollen. Egal, was es ist.
- S. 220/221


Das Leseerlebnis
So ungewöhnlich ist es gar nicht, die Handlung klingt eigentlich sogar ganz nett. Eine Mutter lackiert sich und ihrer Tochter, schon seit deren Kindheit, die Fingernägel in der gleichen Farbe. Warum? Um ihre Verbundenheit auszudrücken, ihre Einheit als Mutter und Tochter. Und auch als eine Art Ritual, kombiniert mit dem Traum, dass damit ihre Wünsche in Erfüllung gehen. Die Realität sieht aber so aus, dass die Beziehung zwischen Grace und ihrer Mutter Maggie nicht wirklich als gut bezeichnet werden kann, Grace sogar erkennen muss, dass es nötig werden könnte, sich vom Leben der Mutter zu lösen. Ob und wie ihr das gelingt, thematisiert Ashley Herring Blake in "Eine Handvoll Lila". Eines gelang der Autorin jedoch auf Anhieb; ich konnte mich kaum von den Seiten lösen.