Freitag, 14. Juni 2019

"Das kalte Reich des Silbers" von Naomi Novik



Das Thema
Mirjem ist die Tochter eines gutherzigen Pfandleihers, der es nicht über sich bringt, Schulden einzutreiben. Als die Familie deshalb bittere Armut leidet, tritt Mirjem an die Stelle ihres Vaters. Unnachgiebig fordert sie zurück, was ihr zusteht. Sie ist erfolgreich, und bald heißt es, sie könne Silber zu Gold machen. Die Kunde davon dringt bis tief in die Wälder, zum gefürchteten Volk der Staryk - magische Wesen, die mehr aus Eis bestehen als aus Fleisch und Blut. Der König der Staryk entführt sie in sein Reich. Dort soll sie für ihn Silber zu Gold machen. Tut sie das nicht, wird der Staryk sie töten. Doch gleichzeitig versinkt die Menschheit nun in Kälte ...

© Klappentext, Cover- und Zitatrechte: cbj Verlag


Denn darum geht es in dieser Geschichte in Wahrheit: wie man es vermeidet, seine Schulden zu begleichen. Das wird normalerweise nicht erzählt. Ich aber weiß genau, wovon ich spreche. Mein Vater war nämliche ein Geldverleiher.
Er war nicht sehr gut darin. Wenn jemand seine Schulden nicht rechtzeitig beglich, dann erwähnte er es ihm gegenüber nicht einmal. Nur wenn unsere Schränke wirklich leer waren oder uns die Schuhe von den Füßen fielen, und wenn meine Mutter leise mit ihm sprach, nachdem wir zu Bett gegangen waren, dann machte er sich auf den Weg. Bedrückt brach er auf und klopfte an einige Türen, und es klang wie eine Entschuldigung, wenn er um einen Teil dessen bat, was man ihm noch zurückzugeben hatte.
- S. 5/6


Das Leseerlebnis
Naomi Novik hat eine ganz spezielle und gute Art, Geschichten zu erzählen. Bei beiden Büchern, die ich bisher gelesen haben, fühlte ich mich wie im Märchen oder an russische Sagen erinnert - sprachlich, sowie durch die Geschichte selbst. "Das kalte Reich des Silbers" ist hier keine Ausnahme. Es ist an das Märchen vom Rumpelstilzchen angelehnt, ausgeführt als historisches Wintermärchen mit Elfenmythos. Ganz, ganz wunderbar! Und obwohl die Geschichte inhaltlich ein ganz schöner Brocken ist, hat sie mich so fasziniert, dass ich mir gleichzeitig wünschte, sie würde noch lange nicht zu Ende gehen.

Mirjem, die Tochter eines jüdischen Geldverleihers, hat es satt, der Ungerechtigkeit zuzuschauen, die ihr Leben bestimmt. Weil ihr Vater ein viel zu gutherziger Geldverleiher ist, geht es der Familie schlecht. Sie kommen kaum über die Runden, sind immer kurz vor dem Verhungern und müssen teilweise betteln. Außerdem ziehen im langen Winter die Staryk, ein Elfenvolk, durch das Land, und rauben alles, was sich die Menschen mühsam angespart haben. Als Mirjem sechzehn Jahre alt wird, nimmt sie sich der Sache selbst an, löst ihren Vater ungefragt ab, und fordert bei allen Gläubigern deren Schulden zurück. Durch ihre Durchsetzungskraft und Kaltherzigkeit ist sie so erfolgreich, dass die Familie plötzlich ein kleines Vermögen anhäuft. Das kommt auch dem König der Staryk zu Ohren. Er verlangt von Mirjem, dass sie für ihn sechs Münzen aus Elfensilber in Goldmünzen verwandelt. Als Mirjem das gelingt, schlägt das Schicksal erneut zu.

Mittwoch, 12. Juni 2019

Buchzugänge vs. Buchabgänge im Mai 2019

Sechs Jugendbücher und zwei Kinderbücher habe ich im Mai geschmökert. Hinzu kamen weitere Kinder- und Bilderbücher, die ich meinen Kindern vorgelesen habe, und die danach bei Damaris liest mini. vorgestellt und rezensiert wurden. Diese zähle ich aber nicht zu meiner Monatsstatistik dazu. Dem gegenüber stehen drei neue Bücher, die ich ins Regal stelle, die bald erscheinen und dementsprechend bald gelesen werden. 


Meine Buchzugänge im Mai - 3 Bücher



Montag, 10. Juni 2019

"Dark Palace: Die letzte Tür tötet" von Vic James



Das Thema
Wer überlebt, und wem kannst du trauen?

Englands magischer Adel schreckt bei seinen Intrigen vor keiner Brutalität zurück. Luke wurde unschuldig verurteilt und ist der Gefangene eines besonders grausamen Lords. Seine Schwester Abi versucht verzweifelt, ihn zu befreien. Wird sie es schaffen, bevor sein Willen vollständig gebrochen ist?

Ein atemberaubender Kampf um die Macht, bei dem unvorhersehbar bleibt, wer welches Spiel spielt und wer gewinnt.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: FISCHER FJB


Das Boot hüpfte wie ein Stein über die Meeresoberfläche. [...]
Ich werde dich zurückholen, Bruderherz, schwor sie sich.
Gischt spritzte ihr ins Gesicht. Aber das war auch das Einzige, das in ihren Augen brannte, das Einzige, was sie schmecken konnte, das Einzige, das über ihre Wangen zu ihren gesprungenen Lippen hinunterlief.
Dann flaute der Wind ab. Die Gischt verschwand.
Der Außenborder erstarb.
Das Boot fuhr nicht mehr weiter.
- S. 35


Das Leseerlebnis
Ganz sicher war ich mir nicht, ob ich nach "Zehn Jahre musst du opfern" die Dark Palace-Reihe weiterlesen möchte. Prinzipiell gefiel mir die Geschichte gut. Allerdings war sie mir teilweise zu verschlungen politisch, damit hatte ich damals nicht gerechnet, und die Lovestory, auch wenn sie eher leicht war, empfand ich als unnötig und nervig. Nun ja, dann gab es aber auch noch die andere Seite der Geschichte; eine unheimlich spannende und nervenaufreibende, die sehr krass und mitreißend war. Der Twist zwischen den normalen Mensch, den Gewöhnlichen und dem magischen Adel Englands, den Ebenbürtigen. Bei "Dark Palace: Die letzte Tür tötet" hat die Autorin zwar vieles beibehalten, ist viele Dinge aber auch von einer anderen, völlig unvorhersehbaren Seiten angegangen. Ich war überrascht wie gut mir das Buch gefiel und wie stark ich an den Seiten klebte.

Abi, eine Gewöhnliche und Sklavin, ist vom Anwesen der herrschenden Ebenbürtigen-Familie, den Jardines geflohen, als sie und ihre Eltern in die Sklavenstadt Milmoor gebracht werden sollten. Nun ist sie auf der Suche nach Luke, ihrem Bruder. Dieser wurde zu unrecht verurteilt und ist nun auf dem Schloss eines besonderes grausamen Ebenbürtigen-Lords gefangen. Luke hat keine Chance zu entkommen und Abi hat keine Chance zu ihm zu gelangen. Sie benötigt die Hilfe des Widerstands aus Gewöhnlichen und Ebenbürtigen. Denn auch wenn der magische Adel Englands vor keiner Intrige und Brutalität zurückschreckt, gibt es darunter Menschen, die beginnen, diese Methoden und das ganze System zu hinterfragen.

Dienstag, 4. Juni 2019

"Blackwood: Briefe an mich" von Britta Sabbag



Das Thema
Stell dir vor, du bekommst einen Brief von deinem zukünftigen Ich. Würdest du ihn lesen?
Für Gesine ist das keine Frage. Natürlich würde sie. Denn nach dem Tod ihrer Mutter muss sie alleine zu einer Verwandten nach Irland ziehen. In dem kleinen, verschlafenen Dörfchen Blackwood hat sie niemanden, mit dem sie so richtig über ihren Kummer sprechen kann. Auch nicht über Arian Mary, den unverschämt gutaussehenden Sohn der örtlichen Butterdynastie. Noch dazu machen sie die Dorfbewohner mit Geschichten über allerlei übernatürliches Zeug verrückt. Alles Quatsch, denkt sich Gesine. Bis sie in einem geheimnisvollen alten Schreibtisch einen Brief von ihrem zukünftigen Ich findet, der ihre Welt ganz schön durcheinanderbringt ...

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: FISCHER FJB


Ich konnte einfach nicht aufhören, ihn anzustarren. Seine weiche, leicht gebräunte Haut war so ganz anders als die typische irische Blässe, und seine Oberlippe war halbherzförmig, so dass sein sinnlicher Mund, der bei diesem Lächeln perfekte, weiße Zähne freigab, mich ganz nervös machte. Er hatte eine feine Nase und besonders ausgeprägte Gesichtszüge mit hohen Wangenknochen.
Der angesichts meiner aktuellen Situation bescheuertste Gedanke von allen schoss mir durch den Kopf: Er war das Schönste, das ich je gesehen hatte.
- S. 51


Das Leseerlebnis
Geschichten mit jungen Mädchen, denen etwas Besonderes oder Magisches passiert, lese ich immer gerne. Wenn dann noch der Humor passt und das Buch einen ganz eigenen Charme versprüht, umso besser. Und das alles trifft auf "Blackwood: Briefe an mich" auch zu. Beste Vorraussetzungen also für ein schönes und humorvolles Leseerlebnis. Und trotzdem wurde ich während dem Lesen zusehends kritischer, nicht, weil mir die Geschichte nicht gefiel, denn da tat sie prinzipiell schon. Es gab nur einige Punkte, die ich hinterfragte und die das Buch für mich nicht zum erwarteten Highlight machten.

Gesines Mutter ist gestorben. Darum wurde verfügt, dass Gesine nach Irland, zu ihrer Tante Wanda ziehen soll. Am Anfang des Buches kommt Gesine also im urigen und etwas speziellen Städtchen Blackwood an. Ihr Start ist nicht einfach, völlig verständlich für mich, nach solch einem traurigen Schicksalsschlag. Allerdings liegt Gesines Anecken nicht an ihrer Trauer, sondern an ihrer Tollpatschigkeit und fehlenden Weitsicht. Zwar versucht sie ziemlich schnell wieder von Blackwood wegzukommen, lässt sich aber aufgrund eines hübschen, wunderschönen und faszinierenden Jungen schnell "überreden" zu bleiben. Und hier kam für mich der erste Kritikpunkt auf, denn ich nahm Gesine ihre Trauer zu keiner Zeit richtig ab. Für mich wirkte der Todesfall der Mutter wie ein Werkzeug, um Gesine an den Handlungsort zu bringen.