Mittwoch, 26. Februar 2020

"Es war die Nachtigall" von Katrin Bongard



Das Thema
Ökoaktivisten gegen Jäger, Weltoffenheit gegen Tradition, zwei unversöhnliche Lager und eine große Liebe. Die 16-jährige Marie kämpft mit einer Gruppe von Freunden für den Tierschutz und gegen den Klimawandel. Sie will etwas verändern. Bei einem Konzert ihrer Lieblingsband trifft sie ausgerechnet auf Ludwig von Brockdorff, einen leidenschaftlichen Jäger. Obwohl beide vom ersten Moment an eine starke Verbindung zueinander spüren, prallen zwei gegensätzliche Welten frontal aufeinander. Können eine selbstbestimmte Umweltaktivistin und ein traditionsbewusster junger Jäger zusammen sein, trotz aller Vorurteile und der Hindernisse, die die gegnerischen Familien und das Umfeld bedeuten?

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Carl Hanser Verlag


Meine Pläne muss ich nicht aufgeben, mein Engagement, meine Ziele. Aber meine Ansichten werden sich vielleicht ändern. Über Jäger, über den Wald und das Wild darin. Vielleicht verstehe ich alles besser, die Zusammenhänge, die Probleme, vielleicht werde ich mehr Verständnis für Jäger haben. Das Risiko muss ich eingehen, denn sonst bin ich nicht besser als die Menschen, die ich wegen ihrer Ignoranz verurteile. - Marie, S. 256


Das Leseerlebnis
Für eine Vielleserin wie mich gibt es innerhalb der Buchgenres kaum echte neue Themen. Das macht aber nichts, denn schließlich kommt es auf die Umsetzung an. Es bedarf nicht unbedingt eines neuen Themas, um ein mitreißendes Leseerlebnis zu haben. Bei "Es war die Nachtigall" habe ich allerdings aufgehorcht. Ein Liebe zwischen einem jungen Jäger und einer erklärten Öko-Aktivistin und Naturschützerin - das hatte ich als Buchthema noch nie. Natürlich gibt es viele Lovestorys, in denen Welten aufeinanderprallen, die Protagonisten unterschiedliche Zielsetzungen und Hintergründe haben (die dann schlussendlich doch verbinden). Doch hier verspricht die Handlung besonders konfliktbelastet zu sein. Und genau das, und wie die Autorin gedenkt, das zu lösen, interessierte mich stark. Am Anfang dachte ich noch "Huch", und am Ende wusste ich nicht, was ich mit mir anfangen soll.

Marie und Ludwig kommen aus komplett unterschiedlichen Welten. Ludwig aus einem wohlhabenden Elternhaus voller Traditionen und Verpflichtungen. Unter anderem der als Landbesitzer und Jäger. Vor kurzen hat Ludwig seinen Jagdschein erhalten. Er darf nun offiziell jagen, Tiere töten, um damit aktive Forstwirtschaft zu betreiben und für ein ökologisches Gleichgewicht zu sorgen. Völlig anders sieht das Marie, die sich bei Greenpeace engagiert, für Natur- und Umweltschutz steht und natürlich vegan lebt. Als die beiden sich treffen, stimmt die Chemie zwischen ihnen sofort. Aber kann eine Beziehung mit solch unterschiedlichen Lebenseinstellungen funktionieren? Gleichzeitig beginnen beide, ihre eigenen Sichtweisen zu hinterfragen.

Montag, 17. Februar 2020

Buchzugänge vs. Buchabgänge im Januar 2020

Der Januar ist bei mir ein Monat, der nach dem eher hektischen Jahresende gefühlt nicht enden will. Trotzdem kam es mir nicht so vor, als hätte ich besonders viel Zeit zum Lesen gehabt. Und dann waren es am Ende dann doch 10 Bücher. Sehr schön! Mein Highlight war auf jeden Fall der zweite Band der Strange the Dreamer-Reihe, doch auch der letzte Dark Palace-Band war toll! "Die Wiege aller Welten" hat mich total überrascht, im positiven Sinn. Es lief insgesamt gut, und es war in Januar kein Buch dabei, das ich überhaupt nicht mochte. Außerdem habe ich fünf neue Büchern ins Regal gestellt.


Meine Buchzugänge im Januar - 5 Bücher



Samstag, 15. Februar 2020

"You are (not) safe here" von Kyrie McCauley



Das Thema
Tausende Krähen belagern die Kleinstadt Auburn, Pennsylvania, und es werden immer mehr. Alle Einwohner empfinden dies als Bedrohung - alle außer der 17-jährigen Leighton und ihren beiden jüngeren Schwestern. Denn die größte Gefahr lebt in ihrem Zuhause: ihr Vater, der immer wieder gewalttätig wird - und ihre Mutter, die schweigt und ihn nicht verlässt. Und die Nachbarn, die konsequent wegschauen. Leighton würde nichts lieber tun, als der Stadt den Rücken zu kehren, aber sie kann und will ihre Schwestern nicht zurücklassen. Denn eins ist klar: Irgendwann wird die Situation eskalieren ...

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: dtv Verlagsgesellschaft


Ich höre es erneut: ein tiefes Grummeln. Aber das täuscht, das ist kein Donner. Seine Stimme ist so laut wie die Stimme Gottes und so böse wie die des Teufels. Ich versuche, sie auszublenden, doch dann höre ich das leise Tappen kleiner Füße auf dem Teppich im Flur. Im nächsten Moment geht die Tür auf und die Mädchen kommen herein. Wir drei setzen uns unter das Fenster - die eine Schwester links, die andere recht unter meinen Armen zusammengekauert. - S. 9


Das Leseerlebnis
Aufgrund des Buchtitels und den schwarzen Krähenfedern auf dem Cover, dachte ich bei "You are (not) safe here" zuerst an einen Jugendthriller. Und obwohl das Buch einiges an Spannung (und mehr) zu bieten hat, ist es vielmehr ein Drama als ein Thriller. Es geht um häusliche Gewalt und die Auswirkung derer auf eine ganze Familie. Und es geht um eine komplette Kleinstadt, die wegschaut. Stattdessen bevölkern immer mehr Krähen - Tausende - die Stadt. Was das mit der Geschichte zu tun hat? Ja, das fragte ich mich auch. Kyrie McCauley gelang es mit ihren Debütroman, mich ab der ersten Seite zu fesseln und mitzureißen. Ich war schockiert von den Umständen und fasziniert von der Ausführung. Das liegt sicher auch an der hervorragenden Übersetzung. Einmal begonnen fällt es schwer, das Buch wieder aus der Hand zu legen.

Eigentlich hat Leighton nur noch ein Jahr Schule vor sich, bevor sie auf die Uni gehen kann. Doch sie hat keine Ahnung, wie sie dieses Vorhaben in die Tat umsetzten soll. Vielmehr fühlt sich Leighton verantwortlich für ihre jüngeren Schwestern, verantwortlich dafür, dass ihnen nichts passiert und dafür, ihnen ein kleines bisschen Sicherheit zu vermitteln. Denn zu Hause wartet der Vater, der die Familie einschüchtert und immer wieder gewalttätig wird. Ihre Mutter hat keine Kraft, ihn zu verlassen, und alle Nachbarn und Bekannten, die wissen, was vor sich geht, schauen weg. Leightons Ängste und Sorgen werden immer größer, und mit ihnen steigt auch die Zahl der Krähen, die sich in der Stadt niederlassen. Tausende sind es schon, und es werden immer mehr. Die Menschen empfinden die Vögel zunehmend als Bedrohung, anders Leighton, die sich mit den Krähen verbunden fühlt.

Dienstag, 11. Februar 2020

5 (Bücher) vom SuB #6


Weil mich meine 2019-Challenge, den SuB abzubauen, motivierte und großen Spaß machte, geht es auch 2020 damit weiter. Ich habe mir vorgenommen, endlich meinen Stapel ungelesener Bücher (SuB) in Angriff zu nehmen. Das ist mir wichtig und rumort mir schon seit Jahren im Magen. Denn meine damals rund 80 SuB-Bücher, die wegen Neuerscheinungen und Schnell-mal-eben-Einschüben immer mehr nach hinten rutschen, wollen von mir gelesen werden. Sie sollen nicht ungelesen altern, eventuell sogar aussortiert werden, wenn nach langer Zeit meine Lust darauf verschwunden ist.

Weil ich bei solchen Dingen gerne mein Ziel im Auge behalte und Leselisten für mich eine feine Sache sind, ist "5 vom SuB" meine persönliche Challenge für dieses Jahr. Der letzte Beitrag dazu war 5 (Bücher) vom SuB #5. Ich suche mir fünf Bücher aus, die ich alle lese, bevor dann die nächsten fünf folgen. Zu jedem Buch gibt es eine kurze Info zum Inhalt und meine Meinung. Willst du dich mir anschließen? Jederzeit gerne. Und jetzt weiter mit #6 ...


Apple und Rain von Sarah Crossan
Als kleines Kind wurde Apple von ihrer Mutter verlassen, bei der Großmutter zurückgelassen, die sich seither um sie kümmerte. Jetzt, elf Jahre später, ist die Mutter zurück, und Apple zieht begeistert bei ihr ein. Ist ihre Mum doch so viel cooler und lockere als die strenge Oma. Doch die Frage, warum sie von ihrer Mum verlassen wurde, nagt an Apple. Denn die Wahrheit schmeckt bitter.

Von Sarah Crossan habe ich bisher nur Bücher gelesen, die herausstachen. Durch die Geschichte und den einzigartigen Stil in Gedichtform. "Apple und Rain" ist ein stilistisch normaler Roman und geht doch so tief und mir beim Lesen sehr zu Herzen. Ich hatte nicht selten Tränen in den Augen. Es ist eine tragische Familiengeschichte, ein Schicksal, das man keinem Kind wünscht. Die Autorin scheut sich hier nicht vor großen Konflikten, sie lässt ihre jungen Protagonistinnen am Ende aber nicht alleine. Man hat das Gefühl, das es gut wird. Für Apple ... und für Rain.


Die Welt, wie wir sie kannten von Susan Beth Pfeffer
Miranda führt mit ihrer Familie ein normales Leben in den USA. Sie alle fiebern einem großen Ereignis entgegen, das von der Erde aus gut zu sehen ist: ein Meteorit soll auf dem Mond einschlagen. Doch danach verändert sich das Leben komplett, denn der Mond wurde durch den Einschlag aus seiner Umlaufbahn geworfen. Die Welt gerät aus den Fugen. Plötzlich müssen Miranda und ihre Familie jeden Tag aufs Neue ums Überleben kämpfen.

"Die Welt, wie wir sie kannten" erschien bei uns 2010, also schon vor geraumer Zeit. Es ist ein Endzeit-/Katastrophenroman. Als mein Sohn das Buch vor einiger Zeit abbrach, gab er als Grund an, nicht alles gut zu verstehen. Vielleicht war es ihm auch einfach zu nervenaufreibend, und es ist gut, dass er es zur Seite legte, mit seinen 12 Jahren ist er dafür noch eindeutig zu jung. Denn die Handlung ist schlimm und heftig. Ich habe das Buch in zwei Tagen kaum aus der Hand gelegt. Bis zum Schluss war ich völlig gebannt und mitgerissen, hatte während des Lesens einen ständigen Knoten im Magen. Bin sehr gespannt, wie es in Band 2 und 3 weitergeht.