Montag, 3. Januar 2022

"The Girls I've Been" von Tess Sharpe



Das Thema
Rebecca, Samantha, Haley, Katie, Ashley - Nora musste schon viele Mädchen sein. Denn sie ist die Tochter einer Trickbetrügerin, die mit ihrer Hilfe kriminelle Saubermänner ausnimmt. Mit zwölf gelingt Nora die Flucht aus diesem Leben. Doch fünf "normale" Jahre später holt die Vergangenheit sie ein, als sie mit ihren besten Freunden Wes (ihr Ex) und Iris (ihre neue Liebe) in einen Banküberfall gerät. Die brutalen Gangster erwarten keinen Widerstand. Nichts hat sie auf Nora vorbereitet - oder auf die Tricks, die sie und ihre Alter Egos auf Lager haben. Ein raffiniertes Katz-und-Maus-Spiel beginnt.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Carlsen Verlag


"Du bist schon damals witzig und schlau gewesen. Aber auch misstrauisch. Und als ich das Gummiband an deinem Handgelenk gesehen habe ..." Sie schüttelt den Kopf.
Das war einer von Moms Ticks, damit ich keinen Mist baue. Sie hat es immer gegen meine Haut schnappen lassen. Manche Dinge werde ich immer mit diesem Stechen und dem leisen Gummigeruch verbinden. - S. 234


Das Leseerlebnis
Einem guten Jugendthriller bin ich nie abgeneigt. Immer wieder stelle ich fest, wie vielschichtig diese geworden sind, wie gut aktuelle Themen aufgegriffen und mit einem spannenden Plot verwoben werden. Das bringt großen und atemlosen Lesespaß mit sich. Tess Sharpe ist das mit "The Girls I've Been" jedenfalls sehr gekonnt gelungen. Das sorgt dann bei mir definitiv dafür, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Wer gut mit kantigen Hauptcharakteren zurechtkommt, bei einer nervenaufreibenden Handlung gerne mitdenkt und etwas plakativer Gewaltdarstellung nicht abgeneigt ist, der ist bei diesen Buch genau richtig aufgehoben.

Bereits als kleines Mädchen wurde Nora von ihrer Mutter dazu gezwungen, oder dazu erzogen, in verschiedene Mädchenrollen zu schlüpfen. Mithilfe dieses falschen Mutter-und-Tochter-Spiels gelangen ihnen viele Trickbetrügereien. Ihre Schwester stieg schnell aus diesem Spiel aus, und mit zwölf Jahren gelingt auch Nora die Flucht vor ihrer Mutter und dem falschen Leben. Nun ist Nora glücklich mit Iris zusammen, möchte ihr altes Leben komplett hinter sich lassen. Doch ausgerechnet bei einem Banküberfall, in den sie mit Iris gerät, holt sie dieses alte Leben wieder ein. Nora muss eine Entscheidung treffen, die alles verändern wird.

Mittwoch, 22. Dezember 2021

"Off the Record: Unsere Worte sind unsere Macht" von Camryn Garrett



Das Thema
Schreiben ist Josies Leben. In Texten kann sie ihre Gedanken fliegen lassen und ihr inneres Sorgenkarussell anhalten. Als die 17-Jährige einen Schreibwettbewerb gewinnt, darf sie ein Filmteam auf eine Pressetour durch die USA begleiten. Doch auf der Reise erfährt Josie etwas Ungeheuerliches: Ein gefeierter Regisseur belästigt Mädchen und Frauen am Set - und kommt offenbar schon lange damit durch. Schnell wird die ersehnte Reise zu ihrer größten Herausforderung, denn was kann ein Mädchen wie sie schon ausrichten? Es gibt so viele Gründe, zu schweigen. Es gibt so viele Gründe, nichts zu sagen. Und doch muss Josie den Mut finden, den Text zu schreiben, der alles verändern wird.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Arena Verlag


"Es sollte aber nicht die Verantwortung der Mädchen sein, einander zu warnen." Ich lehne mich in meinem Sitz zurück. Ich hasse es, wenn meine Ängste um ein Problem kreisen, das ich nicht sofort lösen kann. "Dieses Ding hier sollte - es sollte einfach nicht passieren."
"Ja",  Alice bleibt für einen Augenblick still. "Vielleicht könntest du darüber schreiben."
"Was?"
"Du schreibst doch die ganze Zeit", erinnert sie mich. "Hilft dir das nicht, dir die Dinge klarzumachen?" - S. 158


Das Leseerlebnis
Die Own-Voices-Autorin Camryn Garrett hat in "Off the Record: Unsere Worte sind unsere Macht" die Erlebnisse, ja fast schon ein Portrait, über das Schwarze Mädchen Josie geschrieben. Schon vor dem Lesen war mir klar, mit was Josie es hier zu tun bekommt, und dass sie auf ihrer Reise als angehende Journalistin all ihren Mut benötigt, um mit Weitsicht Dinge zu verändern. Zusätzlich zu diesem Grundthema präsentiert die Autorin eine Geschichte über ein Mädchen, an der Schwelle zum Erwachsensein. Es geht nicht nur um Familie und (erste) Liebe, sonder auch um Körperwahrnehmung und Selbstbewusstsein und die Unisicherheiten, die daraus resultieren. Das alles in der Geschichte zu verknüpfen, finde ich äußerst gelungen.

Schon immer hat Josie gerne Texte und Artikel geschrieben. Sie ist sehr talentiert und wird von einer Mentorin gefördert, hat sich an ihrer Schule und in kleineren Magazinen schon einen Namen gemacht. Und dann gewinnt sie tatsächlich den Schreibwettbewerb einer großen Zeitung, ihrer Lieblingszeitung. Das bedeutet, dass Josie die Pressetour eines neuen Films begleiten darf, um am Ende ein Portrait über den Hauptdarsteller zu schreiben. In Begleitung ihrer Schwester muss Josie sich nicht nur ihren Ängsten und Unsicherheiten stellen, sie erfährt auch Ungeheuerliches: Einige Mädchen und Frauen vertrauen ihr an, dass sie von einem Star-Regisseur belästigt und missbraucht werden. Josie hat die Gelegenheit, einen großen Hollywood-Skandal aufzudecken. Aber was bedeutet das für ihr Leben, und hat sie wirklich den Mut, mit ihrem Text alles zu verändern?

Sonntag, 19. Dezember 2021

"Bunte Fische überall" von Kathrin Schrocke



Das Thema
Barnies Leben ist alles andere als unkompliziert. Sie wird von zwei Vätern großgezogen, die aus noch erschreckend altmodisch sind. Smartphones & Co. sind absolut tabu. Stattdessen bekommt sie zu ihrem 13. Geburtstag ein schnödes Tagebuch. Darin erzählt sie von ihrem chaotischen Leben, allen voran von dem Baby-Projekt in ihrer Schule. Zusammen mit ihrem Schwarm Sergej kümmert sie sich wie echte Eltern rund um die Uhr um ihre Baby-Puppe Herbie. Dabei stellt sich heraus, dass Papa Sergej doch nicht so cool ist, wie gedacht. Und dann taucht da plötzlich Tore auf ...

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Mixtvision Verlag


Apropos hätte: Hätte ich ein iPad zum Geburtstag bekommen, würde ich jetzt nicht meinem Dad Nachhilfe geben, sondern etwas wirklich Sinnvolles machen. Mit dem digitalen Stift Bilder wie Picasso malen zum Beispiel. Oder ich würde mir selbst auf einer virtuellen Tastatur Klavierspielen beibringen und Mozarts Kleine Nachtmusik klimpern. Meine Väter kapieren überhaupt nicht, dass sie mit der unüberlegten Wahl ihres Geburtstagsgeschenks meine Entwicklung zum Wunderkind ein für alle Mal beendet haben. - S. 11


Das Leseerlebnis
Diverse und queere Jugendbücher war vor einiger Zeit noch absolute Nischenliteratur. Ganz so rar sind sie mittlerweile nicht mehr, haben aber noch lange nicht den Status erreicht, den sie sollten. Denn unser Leben, auch das von Kindern und Jugendlichen, ist bunt und vielschichtig. Dies in Büchern aufzuzeigen sollte die normalste Sache der Welt sein. Was ich vor dem Lesen nicht wusste: "Bunte Fische überall" von Kathrin Schrocke ist eine Neuauflage, die vor einigen Jahren schon mal erschien. Was ich nach dem Lesen weiß: Das Buch ist ganz wunderbar und großartig ... und heute genauso wichtig und richtig wie damals.

Barnie hat zwei Väter, und diese sind auch noch erschreckend kompliziert und altmodisch. Satt des gewünschten iPads bekam Barnie von ihnen zum 13. Geburtstag ein doofes (vor allem sehr nicht-digitales) Notizbuch. Doch das wird nun Barnies Tagebuch. Sie erzählt von ihrem ziemlich witzigen und turbulenten Leben, vom chaotischen Baby-Schulprojekt, bei dem sie sich mit ihrem Schwarm Sergej um eine Baby-Puppe mit Namen Herbie kümmern muss. Und dann erzählt sie auch noch von Situationen, die gar nicht lustig und lässig sind, die Barnie ziemlich an die Nieren gehen. Barnies Familie schwamm noch nie mit der Masse, und das bekommt sie manchmal ganz schön blöd zu spüren.

Montag, 29. November 2021

5 (Bücher) vom SuB #12


2019 startete ich eine persönliche Challenge. Ich hatte mir vorgenommen, endlich meinen Stapel ungelesener Bücher (SuB) in Angriff zu nehmen, bzw. abzubauen. Das braucht Zeit, motivierte mich aber stark, sodass ich die Aktion auch 2020 und 2021 fortführe. Mir ist diese Sache wichtig und rumort mir schon seit Jahren im Magen. Denn meine damals rund 80-100 SuB-Bücher, die wegen Neuerscheinungen und Schnell-mal-eben-Einschüben immer mehr nach hinten rutschten, wollen von mir gelesen werden. Sie sollen nicht ungelesen altern, eventuell sogar aussortiert werden, wenn nach langer Zeit meine Lust darauf verschwunden ist.

Weil ich bei solchen Dingen gerne mein Ziel im Auge behalte, und Leselisten für mich eine feine Sache sind, ist "5 vom SuB" meine Challenge für dieses Jahr. Der letzte Beitrag dazu war 5 (Bücher) vom SuB #11. Ich suche mir fünf Bücher aus, die ich alle lese, bevor dann die nächsten fünf folgen. Zu jedem Buch gibt es eine kurze Info zum Inhalt und meine Meinung. Und damit beende ich diese Aktion nun, bzw. erkläre meinen SuB-Abbau für erfolgreich abgeschlossen. Mit mit diesem Beitrag, also 5 (Bücher) von SuB #12, habe ich ihn um 60 Bücher reduziert.



Das Mädchen, das den Mond trank
von Kelly Barnhill
Jedes Jahr wird das jüngste Kind einer unterdrückten Stadt im Wald ausgesetzt. Und jedes Jahr holt die Hexe Xan dieses Kind, um es zu einer neuen Familie zu bringen, damit es gut versorgt ist. Erzählt wird jedoch etwas anderes, nämlich, dass die Hexe der Stadt die Kinder raubt. Die Geschichte über die böse Hexe ist eine Lüge, ein Mittel, um die Menschen der Stadt gefügig und traurig zu machen. Als Xan eines Tages die kleine Luna aus dem Wald holt, und ihr aus Versehen Mondlicht zu trinken gibt, entwickelt sich alles anders als bisher.

"Das Mädchen, das den Mond trank" gehört zu den Büchern, die ab der ersten Seite faszinieren. Die Geschichte ist ein (dystopisches?) Märchen, voller Magie, Geheimnisvollem und Sonderbarem. Die große Liebe und Zuneigung, die in den Kapiteln mitschwingt, hat mich begeistert. Außerdem hat die Geschichte eine poetische Ader, die wie ein Gedicht auf Leser*innen wirkt. Erst gegen Ende wurde mir diese Welt-Universum-Wirrungen und Alles-ist-eins-Aussage etwas too much. Trotzdem habe ich dieses besondere Buch gerne gelesen.


Der Klang der Täuschung: Die Chroniken der Hoffnung von Mary E. Pearson
Kazi gehört zu einer Einheit königlicher Elitesoldatinnen in Venda. Sie wird von ihrer Königin in ein anderes Königreich auf Erkundungsmission geschickt. Bei einem rebellischen Stamm soll sie herausfinden, ob sich dort ein Verräter und Verbrecher versteckt, der für Großen Krieg Jahre zuvor verantwortlich ist. Dort lernt Kazi auch den Stammesanführer Jase kennen, und plötzlich sind ihre Ermittlungen weitaus komplizierter als gedacht.

Mary E. Pearson hat mich mit ihrer Die Chroniken der Verbliebenen-Fantasyreihe begeistert. "Der Klang der Täuschung" ist der erste von zwei Die Chroniken der Hoffnung-Bänden, eine Art Spin-off, mit anderen Charakteren, eigenständig zu lesen, aber auch mit dem Wiedersehen bekannter Personen. Und auch diese Geschichte hat mich mitgerissen und an die Seiten gefesselt. Sie ist spannend, gerade richtig komplex und romantisch. Ich hatten den Umfang etwas unterschätz, denn dieses erste Buch ist ganz schön lang. Machte aber nichts, es war so richtig schön schmökerig und endete (natürlich) so, dass man sofort weiterlesen möchte/muss. Richtig gut!


Der Ruf der Rache: Die Chroniken der Hoffnung von Mary E. Pearson
Kazi und Jase sollen im Auftrag von Königin Lia nach Torsfeste zurückreisen, damit alle Vorbereitungen getroffen werden, es als vollwertiges Königreich anzuerkennen. Außerdem soll Kazi verschollene Dokumente finden, die mit ihrem Inhalt zu einer Gefahr für alle Königreiche, die ganze Welt, werden können. Doch kurz vor ihrem Ziel werden sie angegriffen und getrennt. Schnell wird klar, dass Torsfeste überrannt wurde und dem neuen Herrscher dazu dienen soll, der mächtigste König überhaupt zu werden.

Ach, das war wieder ein tolles Leseerlebnis! Mary E. Pearson hat es einfach drauf und mich mit viel Spannung, Intrigen und auch Szenen fürs Herz mitgerissen. Auch wenn die Geschichte wieder recht umfangreich ist, habe ich mich keine Minute lang gelangweilt. Die Chroniken der Hoffnung-Dilogie ist eine wunderbare Reihe, die gemeinsam mit Die Chroniken der Verbliebenen im Regal bleiben wird.