Freitag, 31. März 2017

"Der Koffer" von Robin Roe



Das Thema
"Wie viele Sterne?", hat Julians Vater immer gefragt, wenn er ihn abends ins Bett brachte. Zehntausend-Sterne-Tage waren die besten überhaupt. Doch Julians Eltern sind tot. Seit er bei seinem Onkel wohnt, ist ihm ist nichts geblieben als Geheimnisse und ein Koffer voller Erinnerungen. Als Julian seinem Pflegebruder Adam wiederbegegnet, ist er zunächst voller Glück. Adam, der so nett ist und so tollpatschig und trotzdem zu den Coolen gehört. Doch es ist schwierig Vertrauen zu fassen. Und je mehr Vertrauen Julian fasst, desto mehr kommt Adam hinter seine Geheimnisse. Das bringt sie beide in große Gefahr.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Königskinder Verlag


Verrückt, auf wie viele verschiedenen Arten man Menschen vermissen kann. Man vermisst all die Dinge, die diese Menschen getan haben. Man vermisst die Menschen an sich. Und man vermisst die Bedeutung, die man selbst für diese Menschen gehabt hat. Weil damals, als sie noch da waren, alles, was du gesagt oder getan hast, toll und lustig und interessant war. Du vermisst, wie wichtig du diesen Menschen warst. - S. 118


Das Leseerlebnis
"Der Koffer" strahlt etwas aus. Eine düstere oder geheimnisvolle Anziehungskraft, die ich aber vor dem Lesen nicht richtig greifen konnte. Auch nicht in Verbindung mit dem Klappentext, bzw. der Buchbeschreibung. Und es könnte durchaus sein, dass das Buch an mir vorbeigegangen wäre, wäre es nicht eine persönliche Empfehlung gewesen und hätte ich mich nicht zusätzlich anhand der englischsprachigen Meinungen schlau gemacht. Zum Glück habe ich es gelesen! Wow! Robin Roes Debütroman ist ein Juwel. Mit einer Intensität, die ihresgleichen sucht.

Es dauerte kaum fünf Seiten, da war ich im Buch versunken und ihm völlig verfallen. Vordergründig, weil Hauptprotagonist Julian mir so leid tat, aber natürlich hauptsächlich, weil "Der Koffer" etwas ausstrahlt, dem man sich nicht entziehen kann. Ist es Empathie oder Freude? Trauer oder Hoffnung? Wahrscheinlich von jedem etwas. Und diese Attributen zu einem Gesamtwerk zu verbinden, ist eine Herausforderung, die der Autorin hervorragend gelungen ist.
Es gibt zwei Hauptcharaktere, aus deren Sicht die Geschichte auch erzählt wird - Julian (14) und Adam (18). Wobei ich behaupten möchte, dass der Fokus ein klein wenig mehr auf Julian liegt, im Grunde ist es seine Geschichte. Die beiden Jungen, laufen sich nach fünf Jahren wieder über den Weg. Sie kennen sich aus der Zeit, als Julian der Pflegebruder von Adam war. Jeder der Jungen hat ein Päckchen, oder besser ausgedrückt, Paket (!) zu tragen. Und auch hier würde ich sagen, dass Julians Last schwerer ist. Es ist so wunderbar, das beide Jungen weit abseits aller Klischees dargestellt sind. So hat Adam z.B. ADHS. Das Krankheitsbild wird oft gleichgesetzt mit Unruhe, Anspannung und Störenfrieden, dabei ist Adam wohl einer der bemerkenswertesten und liebenswertesten Buchhelden, über die ich je gelesen habe. Er wird für Julian, dessen Eltern gestorben sind und der bei seinem Onkel wohnen muss, zum sprichwörtlichen Rettungsanker.

Julian hat Bindungsängste, diverse Lernschwächen und ist sehr kindlich in seiner Entwicklung. Wenn man das Buch liest, weiß man auch, warum das bei ihm so ausgeprägt ist und wie es dazu kam. Er ist nicht ganz einfach, manchmal sogar stur, dann wieder völlig unsicher, gehört aber zu den Charakteren, die man ganz stark ins Herz schließt und nie wieder daraus entlassen will. (Gerade ist er übrigens wieder da, der dicke Klos im Hals, den ich während des Lesens kaum herunterschlucken konnte.)
Schon nach dem ersten Kapitel konnte ich mit etwas Vorstellungskraft erahnen, dass das Buch eine Tragik entwickelt, die sehr schwer auf die Seele drücken wird. Kaum ermessen ließ sich allerdings, welche Ausmaße das Ganze annehmen würde. Für den normaldenkenden Menschen sind manche Szenen kaum auszuhalten. Zum Glück gibt es immer wieder schöne Momente, sogar Humor und Hoffnungsinseln, auf denen sich Leser und Charaktere erholen können.
Eine Überlegung meinerseits, ist, ob eine dramatische Begebenheit am Ende wirklich hätte sein müssen, ob man die Szene nicht auch weniger actiongeladen hätte lösen können. Die Spannung steigerte sich hier nochmals enorm, schlussendlich beurteilt das jeder Leser wohl individuell. An der hohen Qualität des Buches ändert sich dadurch nichts. Man darf auch ruhig erwähnen, dass die Geschichte sehr passend und gut-hoffnungsvoll beendet wird. Hier wurde alles richtig gemacht!

Das Fazit
"Der Koffer" steht nicht nur symbolisch für Julians Erinnerungen, auch jeder Leser dieses Buches wird sich sein Leben lang an die Geschichte erinnern. Es ist ein Buch, bei dem man manchmal am liebsten wegsehen würde, es aber zum Glück nicht darf. Ein Buch, das für Liebe, Hilfsbereitschaft und Hoffnung steht, und sich weit weg von oberflächlichen Klischees bewegt. Die Charaktere begeistern allesamt, die Geschichte schreibt sich tief ins Herz. 5 von 5 Sterne gibt es von mir - oder wie Julian sagen würde: "Zehn Millionen Sterne."


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


Königskinder Verlag (März 2017) - Hardcover mit Schutzumschlag, 416 Seiten - 19,99 € [D]
Originaltitel: A List of Cages - Übersetzt von Sonja Finck - ab 16 Jahren

Mittwoch, 29. März 2017

Auf die Wunschliste! - Neuerscheinungen im April 2017

Sehr ruhig wird es bei den Buchneuerscheinungen im April nicht. Während einige Verlage mir eine Atempause gönnen, geht es bei anderen munter weiter. Zwar ist es nicht ganz so überladen wie noch im März, aber ich habe bei meiner Auswahl auch nicht so penibel selektiert, und einfach mal alle Bücher rausgesucht, die mich ansprechen und interessieren. Das sind genau 12, oder besser 10 - denn eine Kurzgeschichtenreihe ist auch dabei.


Fantasy - Magie - Götter

(erhalte genaue Buchinfos mit einem Klick auf das jeweilige Cover)


  

Auf immer gejagt von Erin Summerill ... klingt nach toller High Fantasy und wird mindestens eine Dilogie. - Magie ist in Malam verboten. Tessa wird nur geduldet, weil ihr Vater der Kopfgeldjäger des Königs ist. Als Tessas Vater getötet wird, muss sie im Auftrag des Königs dessen Mörder jagen - den Jungen, den sie heimlich liebt.
Der Prinz der Elfen von Holly Black ... interessiert mich als Einzelband, und weil Holly Black sehr spannende Fantasy-Bücher schreibt. - Der Ort Fairfold grenzt an das magische Elfenreich. Mitten im Wald steht dort ein gläserner Sarg, in dem ein Elfenprinz schläft. Bis er eines Tages erwacht ...
Feuer und Feder von Kathy MacMillan ... ist ein Reihenstart und klingt nach High Fantasy, bzw. Götter-Fantasy. - Die Sklavin Raisa lernt mit Kronprinz Mati die schwierigen Zeichen der Hohen Schrift, obwohl Lesen und Schreiben im Königreich nur der Oberschicht vorbehalten ist. Mit dieser Sprache kann man mit den Göttern in Verbindung treten.


  

Magonia von Maria D. Headley ... fällt schon alleine wegen des besonderen Covers ins Auge. Es ist (meine ich) der Start einer Dilogie. Es geht um Magonia, ein Reich in den Wolken. Dort findet sich Aza wieder, gesund und stark, nicht mehr kränklich wie noch auf der Erde. Als ein Kampf zwischen Magonia und der Erde heraufzieht, liegt das Schicksal aller in Azas Händen.
Vier Farben der Magie von V. E. Schwab ... ist der Start einer Trilogie über den Weltenwanderer Kell und die Diebin Delia. Es gibt vier Farben der Magie: Rot, Weiß, Grau und Schwarz. Jede Farbe bedeutet ein anderes London und andere Gegebenheiten.
Royal Blood: Göttertochter von Eleanor Herman ... ist der zweite Band der Royal Blood-Reihe. Es geht um eine phantastische Neuerzählung der Geschichte von Alexander dem Großen.


Liebe - Drama - Zeitgenössisch - Humor

(erhalte genauer Buchinfos mit einem Klick auf das jeweilige Cover)


  

Dear Summer von Ruby Baker ... ist eine neue E-Book-Kurzgeschichtenreihe, bestehend aus 6 Bänden (mit je etwa 50 Seiten, Band 1 bis dato gratis, alle weiteren Bände für 0,99 €). Band 1-3, "Plötzlich warst du wieder da", "Unser erster Kuss" und "Heimlich denke ich nur an dich", erscheint im April, Band 4-6 folgt dann im Mai. Es geht um Polly, die seit kurzem mit Adrian zusammen ist. Doch plötzlich steht Vic vor ihr, ihr bester Freund aus Kindertagen - heißer wie sie es jemals für möglich gehalten hätte. - Ich habe alle Bände schon vorbestellt. Sie fallen auch nur in mein Beuteschema, weil ich weiß, dass sich hinter dem Pseudonym Ruby Baker eine meiner Lieblingsautorinnen verbirgt, nämlich Patrycja Spychalski (z.B. "Bevor die Nacht geht"). Die Bücher sollen ganz typisch für sie sein, etwas mehr in Richtung New Adult gehen.


  

Ana und Zak von Brian Katcher ... finde ich schon vom Cover her ganz reizend. Das Buch klingt nach einer nerdigen Contemporary-Story. - Ana und Zak müssen Anas kleinen Bruder auf einer Sci-Fi-Convention finden, auf der dieser entwischt ist. Unbedingt bis zum Morgengrauen. Eine verrückte Nacht, in der Ana und Zak sich so sehen, wie sie wirklich sind.
Das Glück hat vier Farben von Lisa Moore ... reizt mich aufgrund der Thematik sehr. - Flannery hat für ein Schulprojekt eine Geschäftsidee. Sie fertigt farbige Liebestränke für ihre Mitschüler an. Diese werden zum Hype, denn das Gerücht geht um, dass die Mixuren tatsächlich wirken.
Girls in the Moon von Janet McNally ... handelt von Phoebe, die Tochter zweier Rocklegenden, die ihre Schwester in New York besucht. Deren Band steht kurz vor dem Durchbruch. Doch Phoebe möchte auch eine Versöhnung ihrer zerstörten Familie. Und sie will den Jungen treffen, dem sie seit Monaten heimlich schreibt. - Klingt einfach gut!


Auf die Wunschliste!

Dienstag, 28. März 2017

"Das Jahr, in dem ich lügen lernte" von Lauren Wolk



Das Thema
Annabelle und ihre Familie leben in einem beschaulichen Dorf in Pennsylvania. Die Wege zu den Nachbarn und zur Schule sind weit, und auf der Farm der Familie gibt es immer viel zu tun. Doch alle kennen sich und helfen einander.
Eines Tages wird das Mädchen Betty aus der Stadt zu ihren Großeltern ins Dorf geschickt, ab da ist es mit der Idylle vorbei. Betty ist böse und grausam, sie beginnt Annabelle zu terrorisieren. Als Betty falsche Anschuldigungen und Vorurteile gegen den Toby, einen ruhigen Außenseiter des Dorfes, in die Welt setzt, möchte Annabelle ihm helfen. Denn sie kennt Toby, der zwar etwas wunderlich ist, aber niemandem etwas zuleide tut. Und plötzlich wird das Lügen für Annabelle zur Notwendigkeit.

© Cover- und Zitatrechte: Carl Hanser Verlag


Ich hatte genug von ihren Drohungen, den blauen Flecken und armen toten Wachteln.
Ich wollte nichts zu tun haben mit einem Menschen, der lächelnd seinen Finger um den Hals eines Vogels schließen und zudrücken konnte.
Ich wollte, dass Betty dahin verschwand, wo sie hergekommen war.
Ich wollte die Uhr zurückstellen, zurück zu der Stunde, bevor Betty zu uns kam. Ich wollte alles rückgängig machen, alles aus meinem Gedächtnis streichen.
- S. 62


Das Leseerlebnis
Lauren Wolk hat ihr Buch "Das Jahr, in dem ich lügen lernte" in eine Zeit geschrieben, in der man noch besonders viel Wert auf Gemeinschaft und gesellschaftliche Werte legte. Zusammenhalt, Loyalität und Ehrlichkeit waren wichtige Grundvoraussetzungen, um das damalige Leben zu meistern. Die Diskrepanz, die entsteht, wenn diese Werte gestört werden, und das durch einen einzelnen Menschen, ist ein interessanter Punkt und zog mich sofort in die Geschichte. Hier zeigt sich mal wieder, dass ein Buch auch dann sehr gut sein kann, wenn man persönlich andere Erwartungen an das Ende hatte. Der hochwertige Stil des Buches ist die reine Lesefreude, man versinkt sofort darin, auf eine eindringliche und ruhig-spannungsgeladene Art.

Die Geschichte spielt zur Zeit des Zweiten Weltkrieges, aber nicht um oder in Deutschland, sondern in den USA, in einer sehr ländlichen Gegend Pennsylvanias. Doch auch dort hatten die Menschen Angst vor der Zukunft. Viele Familien hatten im Ersten und Zweiten Weltkrieg Väter und Söhne verloren, das Leben war nicht sehr komfortabel und arbeitsreich dazu. Trotzdem wächst die 12-jährige Annabelle in ihrer Familie behütet auf. Sie hat Vertrauen zu ihren Eltern, die zu ihren Kindern sehr gut und gerecht sind.
Die Vertrautheit ändert sich, als die ältere Betty beginnt Annebelle zu belästigen, zu erpressen und zu verletzen. Diese Begebenheiten unter Kindern sind schlimm, und ich las mit wachsendem Entsetzen und Entrüstung, die zu einer großen Wut im Bauch wurde. Annabelles Gefühle kommen ungeschönt beim Leser an. Sie schwankt lange zwischen Unverständnis und Mitmenschlichkeit. Erst als sie nicht mehr weiterweiß, vertraut sie sich ihren Eltern an. Aber jetzt muss sich die Sache doch klären lassen - dachte ich. Ich selbst fühlte mich hilflos, als Betty beginnt auch noch Toby, eine wunderlichen aber freundlichen Kriegsveteran, zu beschuldigen und zu verleumden.

Menschen streben nach Gerechtigkeit. Wahrscheinlich ist das sogar eine Art Grundbedürfnis von mir. Und so war es mein sehnlichster Wunsch für Annabelle (und alle Betroffenen), dass Bettys Machenschaften aufgedeckt werden, vielleicht sogar, dass sie sie ändert, Einsicht zeigt oder, ich gebe es zu, gerecht bestraft wird. Doch es kommt anders. Obwohl dieses Anders sehr drastisch ist, stellte es mich nicht komplett zufrieden, entsprach nicht meinem Gerechtigkeitssinn. Leider sind Geschichten kein Wunschkonzert, genauso wenig wie das Leben selbst. Mir ist bis jetzt auch nicht ganz klar, was mir die Geschichte sagen möchte und was das Lügen schlussendlich für eine Rolle spielte. Unbestritten ist die Geschichte jedoch außergewöhnlich gut. Hier übe ich mich gerne in der Fähigkeit, sie einfach so stehenzulassen und das Ende nicht zu durch persönliche Wünsche zu werten.

Das Fazit
"Das Jahr, in dem ich lügen lernte" ist ein hochwertiges Buch, dessen Geschichte mich sofort für sich vereinnahmte. Die eindringliche und ruhig-spannende Atmosphäre lassen nicht los, und die Charaktere sind hervorragend dargestellt. Während des Lesens erlebte ich eine große Bandbreite von Gefühlen, wollte eine Richtigstellung, eine guten Ausgang für Annabelle, ihre Familie und Freunde. Das Ende hat mich überrascht, für mich war es unerwartet und auch etwas verunsichernd. Die Kraft, mit der die Geschichte nachwirkt, ist enorm. Sie beschäftigt mich sehr. 4 von 5 Sternen gibt es von mir.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


Carl Hanser Verlag (Januar 2017) - Hardcover mit Schutzumschlag, 272 Seiten - 16,00 € [D]
Originaltitel: Wolf Hollow - Übersetzt von Birgitt Kollmann - ab 12-15 Jahren

Montag, 27. März 2017

Aktion Stempeln - Wie gut kann ich mich an meine gelesenen Bücher erinnern?


Die famose Idee zur "Aktion Stempeln" entstand bei Aisling Breith bereits im Jahr 2013 und wurde 2014 von Favolas Lesestoff übernommen. Und da man als Blogger von ständigen Veränderungen lebt, darf ich die Mitmachaktion nun als neue Gastgeberin übernehmen. Ich freue mich, wenn du dich mir anschließt und wir gemeinsam einen monatlichen Rückblick auf unsere gelesenen Bücher werfen.


Die Aktion ...

Wie gut kann ich mich eigentlich an meine bereits gelesenen Bücher erinnern? Diese Frage stellt sich fast jeder Leser über kurz oder lang. Hier sind nicht die Bücher des letzten Monats gemeint, sondern der Blick kann durchaus auch mal weiter in die Ferne schweifen. Kenne ich noch den Inhalt der Bücher, die ich vor einem Jahr gelesen habe? Oder vor zwei, sogar drei Jahren? Die meisten Buchblogger haben durch Monatsrückblicke oder -statistiken eine sehr gute Übersicht über ihren Lesestoff. Nun ist interessant zu erfahren, an welche Geschichte ich mich noch gut erinnern kann und welche für mich nicht mehr so präsent ist. Dazu werden ich nun einmal im Monat stempeln.


 


Stempeln heißt, ich drücke Büchern, die ich vor drei Jahren gelesen habe, einen Stempel auf. Es gibt zwei Möglichkeiten: IM KOPF GEBLIEBEN! und NICHT MEHR PRÄSENT? An Geschichten, die ich mit dem türkisfarbenen Stempel versehe, kann ich mich noch sehr gut, vielleicht sogar im Detail erinnern. Bücher, die den roten Stempel erhalten, sind mir leider nicht mehr gut im Kopf geblieben. In einem monatlichen Aktion Stempeln-Beitrag gehe ich auf die einzelnen Bücher genauer ein.


Du magst mitmachen?

Super! Genau das ist der Sinn der Aktion. Erinnere dich mit mir gemeinsam an deine gelesenen Bücher und zeige sie deinen Lesern. Am 3. April 2017 starte ich mit dem ersten Stempel-Beitrag. So geht's ...


  • Jeweils am Monatsanfang startet hier bei Damaris liest. die "Aktion Stempeln". Um teilzunehmen, verfasse einen eigenen Aktion Stempeln-Beitrag auf deinem Blog.
  • Die Form des Beitrags bleibt dabei völlig dir selbst überlassen, hier findest du ein Beispiel. Wie lange du auf deine Bücher zurückschaust ist egal, mindestens ein Jahr sollte es aber sein (ich selbst entscheide mich für drei Jahre).
  • Du darfst das monatliche Aktionsbanner und die beiden Stempel natürlich gerne verwenden, damit die Aktion Wiedererkennungswert hat.
  • Hinterlasse mir deinen Link zur Aktion als Kommentar unter meinem Monats-Beitrag. Dann füge ich dich meinem Post hinzu und interessierte Leser können bei dir vorbeischauen.
  • Du kannst dich innerhalb eines Monats jederzeit anschließen oder auch mal aussetzen. Die Teilnahme unterliegt keinem Zwang und soll Spaß machen.

Donnerstag, 23. März 2017

"Überlieben in 10 Schritten" von Rachel McIntyre



Das Thema
Nachdem die Beziehung von Daisy und ihrem Freund in die Brüche ging, möchte Daisy einen Neuanfang wagen. Sie will ein anderes College besuchen. Weg von den Erinnerungen, weg von den gut gemeinten Ratschlägen ihrer Freundinnen.
Doch ganz so einfach funktioniert der Start am College dann doch nicht. Zum Glück ist da noch Toby. Er ist nicht nur der hübscheste Typ weit und breit, und so charmant, er interessiert sich ausgerechnet für Daisy. Bald möchte er immer wissen, wo sie gerade steckt und mit wem (bitte mit Selfiebeweis), taucht plötzlich wie aus dem Nichts auf, um sie zu überraschen, oder schickt ihr Blumen. Eigentlich findet Daisy das ja ganz süß. Oder eventuell doch ein bisschen übertrieben?

© Cover- und Zitatrechte: Magellan Verlag


"Mum, ganz ehrlich. Findest du dieses Kleid zu, äh, aufreizend?"
Überrascht erwiderte sie: "Nein, überhaupt nicht. Du siehst toll aus."
"Danke. Find ich nämlich auch", pflichtete ich ihr grinsend bei. [...]
"Jetzt erzähl schon. Wo wart ihr?", drängte Mum.
"Im Blanco."
"Oha, wie nobel. Und wie war Toby so?"
"Ach, nett", sagte ich. Und gut aussehend. Witzig. Interessant. Klug.
Schwierig.
- S. 100


Das Leseerlebnis
Beziehungen sollten nicht nur von gegenseitiger Zuneigung geprägt sein, sondern auch von Respekt und Vertrauen. Dass das leider nicht immer der Fall ist, ist kein Geheimnis. "Überlieben in 10 Schritten" hat genau das zum Thema: Ein Mädchen, das in eine ungesunde, berechnende und manipulative Beziehung rutscht. Die Art, mit der Rachel McIntyre die Geschichte schreibt, empfinde ich als sehr besonders und reizvoll.

Eigentlich hätte ich bei diesem schwierigen Thema ein ernstes und eindringliches Buch erwartet. Doch es kam ganz anders. Es ist nämlich unglaublich witzig und pfiffig. Hauptprotagonistin Daisy, die die Geschichte erzählt, macht das auf solch humorvolle und lustige Weise, dass ich ein paar Seiten benötigte, um mich daran zu gewöhnen. Der Witz steckt hier (fast) in jeder Zeile. Ehrlich, so kommt es einem vor. Manchmal grenzt das schon an Albernheit, inklusive jugendlichen Schwärmereien und Gefühlsduseleien. Hier konnte ich es aber ganz gut nachvollziehen, denn man kauft Daisy ihr Verhalten und ihr Handeln wirklich ab. Sie ist nämlich ganz und gar nicht auf den Mund gefallen, handelt überlegt und ist sehr schlagfertig. Definitiv ist sie kein schüchtern-naives Pflänzchen.

Trotz dem stark herausstechenden Humor, gelingt es dem Buch beim Thema manipulative Beziehung zu überzeugen. Toby erscheint auf der Bildfläche. Ein fast schon unwirklich schöner (schockschön, nennt es Daisy) Junge, der auch noch lustig, charmant und zuvorkommend ist. So scheint es zumindest, denn natürlich fiel mir sofort auf, dass mit ihm etwas nicht stimmt. In einer Beziehung entwickelt er sich zum Kontrollfreak. Das wird schon anhand der ersten berechnenden Fragen klar, die er Daisy stellt. Ich wurde hellhörig. Aber wäre ich das auch in einem Alter von sechzehn geworden? Sicher nicht. Daisy ist jedoch ziemlich cool. Auch sie findet ihn oft komisch und aufdringlich, sagt ihm manchmal ganz schön die Meinung. Aber sie ist auch verliebt und verfällt seinem lässigen Charme, lässt sich immer wieder von ihm um den Finger wickeln. Bis ...

... die Geschichte genau richtig endet. Die Message kommt an und ich konnte das Buch mit einem zufriedenen Gefühl zuklappen. (Obwohl, Toby hätte, wenn es nach mir ginge, ruhig noch so richtig feste eines auf den Deckel bekommen können!) Gleichzeitig war "Überlieben in 10 Schritten" ein richtig großer Lesespaß.

Das Fazit
"Überlieben in 10 Schritten" hat ein ernstes und wichtiges Thema, ist aber gleichzeitig so humorvoll-witzig, dass es manchmal fast etwas überdreht wirkt. Diesen Stil muss man mögen, er passt jedoch hervorragend zu Protagonistin Daisy, ihrer Schlagfertigkeit und ihrer Entwicklung. Damit gelingt dem Buch der Spagat zwischen großem Lesespaß und thematischem Anspruch. Die Geschichte ist süß und bitter, amüsant und tragisch. Eine sehr gute Kombination! 4 von 5 Sternen vergebe ich hierfür.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


Magellan Verlag (Januar 2017) - Hardcover mit Schutzumschlag, 304 Seiten - 17,00 € [D]
Originaltitel: The Number One Rule for Girls - Übersetzt von Jessika Komina u. Sandra Knuffinke - ab 13-16 Jahren

Dienstag, 21. März 2017

"Angelfall: Tage der Dunkelheit" von Susan Ee



Das Thema
Die Rebellen haben den Engelshorst angegriffen, er wunde vollständig zerstört. Zwar befinden sich die Menschen im Krieg mit den Engeln, doch diese verfolgen eigene Pläne, die noch nicht komplett durchschaubar sind. Da Raffe davon ausgeht, dass Penryn tot ist, ist er nun alleine auf der Suche nach seinen gestohlenen Flügen.
Doch Penryn ist nicht tot. Gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer Schwester Paige ist sie auf einem Stützpunkt der Rebellen untergekommen. Dort ist es nicht sicher. Die Menschen sind der entstellten Paige gegenüber misstrauisch, und es erfolgen Angriffe seitens Engeln oder ihren gezüchteten Monstern. Bei einem dieser Angriffe verschwindet Paige erneut. Penryn sucht ihre Schwester - unter ständiger Lebensgefahr.

© Cover- und Zitatrechte: Heyne Verlag


Ich halte in der Menge hinter Beliel nach Raffe Ausschau, doch ich kann ihn nirgendwo entdecken.
Ehrlich gesagt bin ich so enttäuscht, dass ich am liebsten losheulen würde.
Ich muss von hier verschwinden.
Alleine.
Alle sind abgelenkt. Das ist gut.
Überall laufen blutrünstige Engel herum. Das ist schlecht.
Weiter schafft es mein vor Entsetzen gelähmtes Gehirn einfach nicht.
- S. 334/335


Das Leseerlebnis
Ich bin ein riesengroßer Fan des ersten Bandes der Angelfall-Trilogie. "Angelfall - Nacht ohne Morgen" ist bis dato das einzige Buch, das ich auf Englisch und nach dem Erscheinen hierzulande bereits zwei Mal auf Deutsch gelesen habe. Es hat mich völlig gebannt, ist nervenaufreibend und sehr krass, aber auch humorvoll und megacool. Ein Lieblingsbuch! Und nun, endlich, ging es mit Teil 2 "Angelfall - Tage der Dunkelheit" weiter. Diese kribbelige Vorfreude war sofort wieder da, dieser Drang lesen zu müssen! Und so waren auch ruckzuck die ersten 200 Seiten verschlungen.

Die Geschichte geht nahtlos vom Vorgängerband weiter. Kleinigkeiten werden von der Autorin wiederholt, ohne das es zu viel wird (bis auf die Schwert-Ausnahme, dazu komme ich gleich). So hat man im Prinzip keine Schwierigkeiten der Geschichte zu folgen, denn das Buch liest sich super. Ein bisschen wie nach Hause kommen ... und so soll das bei Reihentiteln ja auch sein. Ich war selbst überrascht, wie schnell und aufmerksam ich vorankam.
Penryn, eine wirklich taffe Kick-ass-Heldin, hat es wieder faustdick hinter den Ohren. Ihre Priorität gilt dem Schutz ihrer Familie, auch wenn sie Engel Raffe vermisst, der alleine auf der Suche nach seinen Flügeln ist. Gleichzeitig fürchtet sich Penryn aber vor ihrer entstellten und veränderten Schwester Paige und auch etwas vor der geisteskranken Mutter. Dennoch möchte sie die Familienbande aufrecht erhalten. Das zeigt eine fürsorgliche, weiche Seite an ihr, die ganz im Gegensatz zu ihrer sonstigen Härte steht.

Aber mit fortschreitender Handlung wurden Dinge zu Störfaktoren, die ich vorher vielleicht mit einem Schulterzucken abgetan hätte. Das klingt jetzt hart, denn Buch begann seinen Zauber, und damit mich als Fangirl, zu verlieren.
Zuallererst fehlt Raffe! Die Geschichte IST die Kombination der beiden Hauptcharaktere Penryn und Raffe. Dass einer der beiden auch mal abwesend sein kann, ist legitim, hier hat es aber nicht gut funktioniert oder war nicht gut ausgearbeitet. Da nur Penryn erzählt, wirkt die Handlung eingleisig. Ab und zu sieht man Raffe zwar auf einem Computermonitor einer Überwachungskamera oder Penryn beobachtet ihn irgendwo, aber er bleibt dem Leser fern, als wäre er für die Handlung fast schon irrelevant. Stattdessen erinnert sich Raffes Schwert, das in Penryns Besitz ist, an alte Situationen mit ihm und übermittelt diese Penryn in ihren Träumen. Das war für mich langweilig und völlig unnötig für die Handlung. Sollte so Raffes Abwesenheit ausgeglichen werden? 
Die Angelfall-Bücher sind gewalttätig, dass sollte nach dem ersten Band klar sein. War ich damals noch geschockt und gebannt, wirkt die Gewalt in "Tage der Dunkelheit" eher abgeklärt und verpuffend. Außerdem fielen mir einige Situationen auf, die einfach nur sinnlos waren und jeder Logik entbehrten. So freut sich zum Beispiel Penryn, dass bei einem Polizeiwagen, in dem sie über Nacht gefangen ist, das Blaulicht ausgeschaltet ist. Der Wagen ist nur Mittel zum Zweck, der parkt da verlassen am Straßenrand. Nach dem Zusammenbruch der Welt gibt es keine Polizei mehr. Warum sollte da das Blaulicht eingeschaltet sein? Oder sie selbst vermöbelt einen Mitgefangenen mit aller Härte, zuckt aber voller Mitgefühl zusammen, als drei Sätze weiter ein Wärter ihn ebenfalls schlägt. 
Dass sich das Buch von apokalyptischer Engelsfantasy zu vordergründiger Monsterfantasy entwickelt, mag Geschmacksache sein. Aber gerade für einen Mittelband hätte ich mir mehr Überblick und Antworten gewünscht. Warum das Ganze? Was haben die Engel und sonstigen Bösewichte genau vor? Was ist mit den Skorpionengeln, und warum werden diese auf einmal Heuschrecken genannt? Es gab ein paar Informationen, aber nur sehr vage oder nicht klar umrissen.

Das war jetzt ein großer Abschnitt mit Kritik, und so gerne ich sie mir schönreden möchte, ich kann nicht davon abrücken. Erst nachdem Penryn und Raffe (fast am Ende des Buches) wieder aufeinandertreffen, blitzt etwas der alten Stärke der Geschichte durch. Da ist sie wieder, die Coolness, der sarkastische Humor und die gegenseitige Anziehung des ungleichen Duos, das für den ganz besonderen Kick der Reihe sorgt. Eine Weile darf mit beiden in einem spannenden Finale verweilen, bevor die Geschichte in eine neue Richtung geführt wird und relativ offen endet. Der Abschlussband wird (hoffentlich) Klärung bringen. Ich hätte noch so viele Fragen!

Das Fazit
"Angelfall: Tage der Dunkelheit" liest sich fast schon süffig und viel zu schnell weg. Darum bleibe ich auch an der Reihe dran. Persönlich bin ich jedoch enttäuscht. Eine Story, die von Lieblingsbuchstatus auf Mittelfeld rutscht, ist für mich bitter. Die Geschichte entwickelt hier aber einfach nicht mehr die Klasse und Atmosphäre des Vorgängers. Die Handlung ist vage und abgeklärt, manchmal unlogisch, und geht in eine komische Richtung mit teils unnötigen Passagen. Leider erreichen auch die Charaktere nicht die Stärke, die sie gemeinsam, als Duo, haben. Es bleibt die Hoffnung auf den Abschlussband. Für mich reicht es nur für 3 von 5 Sterne.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


Heyne Verlag (Januar 2017) - Band 2/3 - Taschenbuch, 448 Seiten - 9,99 € [D]
Originaltitel: World After - Übersetzt von Sonja Rebernik-Heidegger



Reiheninfo Angelfall-Trilogie:

Band 2 - Tage der Dunkelheit
Band 3 - ?

Donnerstag, 16. März 2017

"Das dunkle Herz des Waldes" von Naomi Novik



Das Thema
Agnieszka lebt im Tal und sie liebt es. Sie mag das einfache, beschauliche Leben im Dorf, die Verbundenheit mit Familie und Nachbarn. Gäbe es da nicht den Dunklen Wald, in dem das Böse zu Hause ist, der seine Schatten immer weiter nach dem Tal ausstreckt und es zu verschlingen droht.
Nur der Drache, ein Zauberer, kann mit seiner Macht das Tal beschützen und den Dunklen Wald unter Kontrolle halten. Dafür wählt er sich ein Mädchen aus dem Tal aus, das ihm zehn Jahre lang dienen muss, danach seiner Familie für immer entfremdet ist. Die Wahl naht und alle sind sich sicher, dass der Drache Kasia wählt, Agnieszkas beste Freundin und das schönste Mädchen weit und breit. Doch als der Drache kommt, wählt er nicht Kasia. Er wählt Anieszka.

© Cover- und Zitatrechte: cbj Verlag


Es stimmt nicht, dass der Drache die Mädchen, die er sich holt, verspeist. [...] Er mag ein Magier und unsterblich sein, aber er ist und bleibt ein Mann. Abgesehen davon würden sich unsere Väter zusammentun und ihn töten, wenn er alle zehn Jahre eine von uns verschlingen würde. Er verteidigt uns gegen den Dunklen Wald und wir sind ihm dankbar dafür - aber so dankbar nun auch wieder nicht. - S. 5


Das Leseerlebnis
"Das dunkle Herz des Waldes" war wieder so ein Buch, das durch sein fantastisches Cover meine Aufmerksamkeit erregte. Das ganze Buch wirkt gigantisch. Optisch und durch seinen Umfang. Im Nachhinein passt das hervorragend zur Geschichte. Auch die Beschreibung der Fantasygeschichte sprach mich an, obwohl ich mir nichts Konkretes darunter vorstellen konnte. Ein Drache (der eigentlich kein Drache ist, sondern ein Mann), der sich alle paar Jahre ein Mädchen aus dem Tal holt? Und warum nochmal genau? Und das war auch gut so, denn ich wurde von der Geschichte tatsächlich überrascht.

Die Idee des Buches hatte mich sofort in ihrem Bann und ich war ab Beginn von der Geschichte angetan. Der Dunkle Wald bedroht die Dörfer des Tals und damit alle Menschen, die dort leben. Er breitet sich nicht nur immer weiter aus, droht somit das Tal zu verschlingen, es geht auch etwas Böses im Wald um, eine dunkle Macht. Menschen und Tiere werden mit dem Übel des Waldes befallen, und nicht selten schickt der Wald schreckliche Wesen, die Menschen oder Kinder verschleppen. Einzig der Drache, ein Zauberer, kann die Menschen des Tals beschützen und den Dunklen Wald in Schach halten. Im diese Grundidee strickt die Autorin eine Geschichte, die nicht nur sehr reizender Lesestoff ist, sie ist auch noch völlig unvorhersehbar. Ich wusste wirklich nie, auf was das Ganze hinausläuft und was mich im Laufe der Handlung erwartet.

Erzählt wird die Geschichte ganz linear von Agnieszka, die vom Zauberer-Drachen ausgewählt wird, ihm zu dienen und zu helfen. Das Buch ist sehr hochwertig geschrieben, es ist ausführlich und hat ein düster-magisches Lesefeeling mit einem historischen, altertümlichen Setting. Es gab im Mittelteil eine kleine Durststrecke, die man aber aufgrund des umfangreichen Fantasyschmökers gut verkraften kann. Hier hinein passt die Magie, die in der Geschichte praktiziert wird, natürlich perfekt. Agnieszka entwickelt sich zu einer Zauberschülerin, einer Hexe, wirkt gemeinsam mit dem Drachen durch Zaubersprüche und Tränke, um den Dunklen Wald zu bekämpfen oder Menschen zu helfen. Das ist sehr plausibel und gut vorstellbar. Einzig gegen Ende wurde die magische Komponente etwas abstrakter und war mir persönlich zu viel und zu dick aufgetragen.

Im Gesamtbild ist "Das dunkle Herz des Waldes" völlig stimmig und wird nach einem turbulenten Schluss auf eine gute, runde Art beendet. Nicht zu schnell, sehr passend. Die Geschichte ist abgeschlossen. Am Ende wird man das Buch zufrieden und mit einem guten Gefühl zuklappen.

Das Fazit
"Das dunkle Herz des Waldes" ist für mich eine große Fantasy-Überraschung, die mein Herz nicht dunkel gemacht, dafür umso mehr begeistert hat. Die düster-historische Stimmung, der hochwertige, gut zu lesende Stil und die prägnanten Charaktere sind vom Feinsten. Die völlige Unvorhersehbarkeit der Handlung und die magische Komponente ein Fest für jeden Fantasyleser. Die ein oder andere Länge konnte ich gut so stehen lassen, denn das Buch ist ein Schmöker, in dem man einfach versinken muss. Und wunderbar abgeschlossen noch dazu. Dafür gibt es von mir 4 von 5 Sterne.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


cbj Verlag (November 2016) - Hardcover mit Schutzumschlag, 576 Seiten - 17,99 € [D]
Originaltitel: Uprooted - Übersetzt von Marianne Schmidt - ab 13 Jahren

Mittwoch, 15. März 2017

Dieses Buch bleibt im Regal #30

Eine Aktion von Damaris liest.
Fast alle Büchersüchtigen sammeln ihre Bücher. Die Regale werden voller, der Platz immer weniger. Einige können sich von keinem Buch trennen, andere geben ihre Bücher auch gerne mal weiter. Zu letzterer Sorte gehöre ich. Natürlich gibt es aber Bücher, die für immer in meinem Regal bleiben. Entweder, weil sie echte Herzensbücher sind, und ich sie (theoretisch) auch mehrfach lesen würde, oder, weil sie für mich einen ideellen Wert haben, ich mich darum niemals trennen mag. Eines dieser Bücher möchte ich hier - ein Mal im Monat - vorstellen. Denn sie verdienen eine besondere Beachtung.


Glücksdrachenzeit


"Glücksdrachenzeit" von Katrin Zipse - 16,95 € (HC) - Magellan Verlag

"Glücksdrachenzeit" war das erste Buch, das ich 2014 vom gerade gegründeten Kinder- und Jugendbuchverlag Magellan in den Händen hielt. Es ist nicht nur äußerlich ein Zuckerstückchen, sondern bekam vom mir nach dem Lesen die Bewertung Lieblingsbuch. Meine komplette Meinung findest du hier.

Nellies Ein und Alles ist ihr älterer Bruder Kolja. Als dieser mitten in der Nacht nach Frankreich abhaut, fühlt sich Nellie alleingelassen. Er verlässt die Familie, weil er nicht das Gefühl hat, der Sohn zu sein, den sich die Eltern wünschen. Nellie, die sonst zu Hause keine Bezugsperson hat, beschließt ihrem Bruder nachzureisen.
Sofort fesselte und begeisterte mich die Geschichte durch den sehr speziellen Schreibstil und den Ausdruck der Autorin Katrin Zipse - ich liebe diese Art! Die Geschichte ist eine Mischung aus Roadtrip, Familiengeschichte und Spannung. Wahnsinnig gut, auch das Ende.

Mein Fazit: Ich lese wirklich viel und vieles gefällt mir! Und dann gibt es da noch diese Bücher, die nicht nur äußerlich zucker sind (hey, Rot/Weiß-gepunktet!), sondern deren Inhalt mich so verzückt, dass mein Herz vor Freude hüpft. "Glücksdrachenzeit" hat einen einzigartigen Stil, die Geschichte ein unvergessliche und ergreifende Handschrift. Dieses gewisse Etwas, das dieses Buch erstklassig macht. Am Ende möchte man es, mit der Kenntnis, die man während des Lesens erlangt, sofort noch mal von vorne lesen.






Liebe Blogger, dies ist eine Mitmachaktion von Damaris liest. Du möchtest ebenfalls ein besonderes Buch, das niemals aus deinem Regal auszieht, auf deinem Blog vorstellen und es damit deinen Lesern empfehlen? Dann ...

SEI DABEI!
(die Aktion findet jeweils am 15. des Monats statt)

  • Verwende das Dieses Buch bleibt im Regal-Banner, und verweise damit auf den Ursprungsblog, damit die Aktion Wiedererkennungswert hat.
  • Wenn du magst, hinterlasse mir hier deinen Beitragslink als Kommentar, dann können interessierte Leser und ich zum Stöbern kommen.
  • Mach mit oder auch mal nicht. Am Aktionstag oder später (du hast immer einen ganzen Monat Zeit, bevor die nächste Runde startet) - ganz egal. Die Aktion ist jedes Mal freiwillig. Sie soll gemeinsam Spaß machen und ggf. den Austausch anregen.

Montag, 13. März 2017

"Diabolic: Vom Zorn geküsst" von S. J. Kincaid



Das Thema
Nemesis ist eine Diabolic, sie wurde vom Imperium gezüchtet, um stark zu sein, keine Gefühle und vor allem kein Mitleid zu kennen. Ihre einzige Aufgabe ist es, den Menschen zu beschützen, für den sie erschaffen wurde. Schon in jungen Jahren wird Nemesis auf das Mädchen Sidonia geprägt, gehört seitdem zur Dienerschaft der Familie und ist für Sidonias Sicherheit zuständig.
Mit den Jahren erfährt Nemesis, dass das Imperium auf Lügen, Machtspiele und Intrigen aufgebaut ist. Und sie stellt fest, dass sie nicht gefühllos ist. Dies könnte ihr zum Verhängnis werden, als sie an den Imperialen Kaiserhof reisen muss und dort der Grausamkeit der Herrscherfamilie ausgesetzt ist.

© Cover- und Zitatrechte: Arena Verlag


"Sie wird mich mögen?"
"Schon heute Abend ist sie deinen beste Freundin."
"Und dann ist sie nicht mehr so zornig?" fragte Sidonia mit leiser Stimme.
"Nun ja, den Diabolics ist eine erhöhte Aggression eingepflanzt - die Nemesis aber nicht mehr gegen dich richten wird. Bald bist du der der einzige Mensch im großen, weiten Universum, den sie jemals lieben wird. Aber sollte dir jemand wehtun wollen ... der muss sich vorsehen."
- S. 15


Das Leseerlebnis
"Diabolic: Vom Zorn geküsst" kann sich sehen, bzw. lesen lassen! Das Buch ist so nervenaufreibend und spannend, dass ich es kaum zur Seite legen wollte. Zum Glück hatte ich die Buchbeschreibung vor dem Lesen wieder vergessen. Sie hätte mir einiges der Lesefreude genommen. Denn leider, und das muss ich anfügen, nimmt der Klappentext viel zu viel der Spannung vorweg, propagiert außerdem eine zu erwartende und präsente Lovestory, wo es vielmehr um Macht und Intrigen geht. Die Handlung verliert ihr großes Plus, die Unvorhersehbarkeit. Also bitte, lies dieses Buch, ohne dich von der Beschreibung beeindrucken zu lassen. Lies sie nicht, denn die Handlung ist großartig!

Die Galaxie, die die Autorin hier erschaffen hat, hat einiges zu bieten. Sie ist umfassend und komplex. Das ist zwar ganz typisch für einen Science-Fiction-Roman, für ein Jugendbuch benötigt es doch eine Weile, bis man einen Überblick hat, die Imperialen Strukturen, Religionen und Machtverhältnisse kennt. Trotzdem kann man sich kaum von den Seiten lösen, da die Geschichte ab Beginn ultimativ spannend ist. Ich war gleichermaßen fasziniert sowie erschrocken vom System, der Hinterhältigkeit und Brutalität der Imperialen Galaxiebewohner und ihrem Kampf um Macht. Mitten hinein gerät Nemesis, eine Diabolic, die eigentlich nicht mehr existieren dürfte und menschliche Gefühle entwickelt, die sie normalerweise nicht haben dürfte. Sie ist eine Waffe, tödlich und gefährlich, schwebt aber selbst immer in unmittelbarer Gefahr. Das verspricht Spannung auf jeder Seite, und so ist es auch.

"Diabolic" ist zwar ein Jugendbuch, liest sich aber nicht sehr jugendlich. Ich hatte zu keiner Zeit das Gefühl eine Geschichte mit minderjährigen Hauptcharakteren zu lesen, obwohl sie das laut Handlung sind. Seitens Gewalt legt das Buch die Messlatte enorm hoch, es ist brutal und geht körperlich und gefühlsmäßig hart zur Sache. Dass Nemesis als Diabolic sehr gefährlich ist und jederzeit töten oder verletzten kann (wird!), erfährt man gleich zu Beginn des Buches. Etwas störend empfand ich, dass das laufend wiederholt wird, und Nemesis sich in fast jedem Kapitel zum Töten bereit macht, sobald sie nur schief angeschaut wird. Als müsste ich ständig daran erinnert werden wie gefährlich sie ist. Das wirkt künstlich und wäre angesichts der eindrücklichen Handlung nicht nötig gewesen.

Falls das überhaupt möglich ist, steigert sich die Spannung zum Ende nochmals enorm. Es wird überaus aufregend und völlig unvorhersehbar. Das ist psychologisch so gut ausgearbeitet, so voller Überraschungen und Wendungen, dass man sich nie sicher sein kann, ob die Situation so bestehen bleibt oder man beim eigentlichen Ende angekommen ist. So geht Lesespaß hoch zehn!

Das Fazit
"Diabolic: Vom Zorn geküsst" ist mega spannend, voller Intrigen und Machtspiele, und damit nervenaufreibend-unvorhersehbar (wenn man den Klappentext nicht kennt!). Die Handlung ist auffallend und individuell, der galaktische Weltenentwurf sehr gut und komplex ausgearbeitet. Wer einen Roman mit Anspruch, eindrücklichen Charakteren und hohem Suchtpotenzial sucht, und dazu eine gewalttätige Handlung nicht scheut, kann hier gar nichts falsch machen. Von mir gibt es 4 von 5 Sterne.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


Arena Verlag (Januar 2017) - Hardcover mit Schutzumschlag, 488 Seiten - 18,99 € [D]
Originaltitel: The Diabolic - Übersetzt von Ulrich Thiele - ab 14-17 Jahren

Donnerstag, 9. März 2017

Buchzugänge vs. Buchabgänge vs. Geflüster im Februar 2017

Im Februar war allerhand los. Ich konnte viel lesen (darunter absolute Wow-Bücher!) und habe tolle neue Bücher ins Regal gestellt. Ein gutes Gefühl ... und doch für mich mit einem Magengrummeln. In den letzten Wochen und Monaten ist mein SuB wieder über meine persönliche Schmerzgrenze gestiegen. So hoch, dass ich reagieren will. Am liebsten würde ich sofort zu jedem Buch greifen, und viele müssen einfach zu lange warten. Wenn Verzicht nur nicht so schwer wäre ...


Meine Buchzugänge im Februar - 12 Bücher



Mein Freund Pax von Sara Pennypacker ... wird herzerwärmend?
Überlieben in 10 Schritten von Rachel McIntyre ... ist sicher bezaubernd.
Als ich dich suchte von Lauren Oliver ... von einer Lieblingsautorin.
Teestunde mit Todesfall: Ein Fall für Wells & Wong von Robin Stevens ... hat definitiv Charme!
Schattenkrone: Royal Blood von Eleanor Herman ... ist hoffentlich episch.
Zimt und zurück von Dagmar Bach ... hat einen süßen Humor.
Alba & Seven: Vertraue niemals der Erinnerung von Natasha Ngan ... macht mich neugierig.
Zwischen dir und mir die Sterne von Darcy Woods ... ist für die S. Fischer-Challenge.
Sturmflimmern von Moira Frank ... wird kontrovers diskutiert.
Und in mir der unbesiegbare Sommer von Ruta Sepetys ... ist ungelesen ein Herzensbuch!
Fast eine Familie von Bill Clegg ... war eine persönliche Empfehlung.
Paper Princess: Die Versuchung von Erin Watt ... muss alleine wegen des Hypes sein.


Buchabgänge - gelesen habe ich im Februar 9 Bücher


    

Ich gebe dir die Sonne von Jandy Nelson ... wurde unweigerlich ein Lieblingsbuch! Es ist ein Drama zum Wohlfühlen (das geht!) und ist mit einem Ausdruck erzählt, wie ich ihn selten erlebt habe. Unbedingt lesen!
Sweetgirl von Travis Mulhauser ... ist der Debütroman des Autors und hat mich sehr positiv überrascht. Die Story spielt in den verschneiten Bergen von Michigan, ist etwas schräg, mit ausdrucksstarken Charakteren, und gleichzeitig auch berührend. Man kann das Buch in einem Rutsch lesen.
Rat der Neun: Gezeichnet von Veronica Roth ... hat mir gleich zu Beginn das Lesegefühl von etwas Großem vermittelt. Es ist kein Instant-Lesen und braucht etwas Eingewöhnung, hat mich aber sofort vollständig für sich eingenommen. Die Handlung ist völlig unvorhersehbar. Klasse!


  

Salz für die See von Rutha Sepetys ... empfinde ich als Pflichtlektüre für alle, die eine großartige Geschichte lesen wollen, die zutiefst bewegt und für immer nachklingt. Das Buch ist so grandios! Ich hatte vor dem Lesen viel Respekt, bin aber so froh, dass ich diese Geschichte kenne. Lesen!
Lockwood & Co.: Das Flammende Phantom von Jonathan Stroud ... sollte der letzte Band der Lockwood & Co.-Reihe sein. Es folgt nun aber noch mindestens ein weiterer. "Das Flammende Phantom" war unglaublich stark, wie die ganze Serie. Die Bücher sind einfach fantastisch.


      

Kasimir Karton: Mein Leben als unsichtbarer Freund von Michelle Cuevas ... ist ein Kinderbuch ab 8 Jahren, für dieses Alter aber recht anspruchsvoll. Es ist die total lustige und auch poetische Selbstfindung eines unsichtbaren Freundes, der gerne ein richtiger Junge wäre. Sehr besonders!
Zimt und zurück von Dagmar Bach ... hat mir genau das gegeben, was ich erwartete. Es ist wunderbar herzlich und humorvoll zu lesen und hat eine ganz süße Story. Mit dem Mittelband ist die ZIMT-Trilogie für mich jetzt schon ein Klassiker.
Club der Heldinnen: Entführung im Internat von Nina Weger ... ist der Reihenauftakt einer neuen Kinderbuchreihe ab 9. Die Zielgruppe sind Mädchen, die schlaue und pfiffige Internatsgeschichten mögen. Sie werden von den Seiten gar nicht mehr loskommen.
Witch Hunter: Johns Geschichte von Virginia Boecker ... ist eine Short-Story als E-Book. Ich musste dazu greifen, nachdem ich die Witch Hunter-Dilogie total begeistert beendet hatte. "Johns Geschichte" spielt während der Ereignisse in Band 1 und ist ebenso wunderbar zu lesen. Jetzt hätte ich gerne sofort "Skylers Geschichte", die zweite Short-Story der Reihe.


Geflüster im Februar


Viele Neuigkeiten gibt es von mir im Februar nicht. Ich hatte vielmehr das Gefühl permanent beschäftigt gewesen zu sein. Trotzdem konnte ich einige Bücher lesen, gerade in den Winterferien, was außergewöhnlich ist. (Während der Ferien ist für eine Mama die Lesezeit normalerweise eher rar.)

Ein großer Punkt war das Blogspecial zu "Der Kuss der Lüge", Band 1 der Chroniken der Verbliebenen. Eine Blogtour oder ein Blogspecial ist immer eine Herausforderung. Zusätzlich zum Lesen und Rezensieren eines Buches, man will es ja schließlich vielen Lesern empfehlen, kommt noch die umfangreiche Planung diverser Blogbeiträge - Themen, die direkt mit dem Buch zu tun haben. Ich bin immer dankbar für eine kreative und zuverlässige Tourgruppe, denn dann macht die aufwändige Gruppenplanung auch richtig viel Spaß. Und den hatten Sabrina, Steffi, Lena, Kate und ich auf jeden Fall! Das Buch "Der Kuss der Lüge" können wir alle empfehlen ... und die Geschichte geht bald weiter.

Im Februar erschien ein weiteres, sehr einzigartiges Buch. "Ich wollte nur, dass du noch weißt ..." ist die wunderbare Sammlung nie verschickter Briefe. Das Gesamtpaket - die großartige Gestaltung in Verbindung mit den Gedanken aus anonymen Briefen - ist so klasse, dass das Buch für mich ein Schatz geworden ist, in dem ich noch oft blättern werde. Bis zum kommenden Sonntag läuft noch ein Gewinnspiel, in dem du das Buch + Zugaben gewinnen kannst. Außerdem stelle ich das Buch nochmals im Detail vor.


          

Mittwoch, 8. März 2017

"Zimt und zurück" von Dagmar Bach



Das Thema
Vicky kann in Parallelwelten springen. Wie genau das funktioniert, weiß sie nicht. Nur, dass es losgeht, wenn es plötzlich nach Zimtschnecken duftet. Dann landet sie im Körper einer Parallelwelt-Vicky, völlig unsicher, in welch verrückte Situation sich sich damit hineinmanövriert. Ebenso geht es ihrer Doppelgängerin, die Vickys Platz einnimmt, während sie weg ist. Chaos pur!
Im Moment ist das Vicky jedoch so ziemlich egal. Sie ist mit Konstantin zusammen und bis über beide Ohren verliebt. Aber warum stellt sie sich mit dem Küssen immer so furchtbar ungeschickt an, und wie ist das überhaupt mit der ganzen Zweisamkeit? Die 15-Jährige fühlt sich leicht überfordert. Sie beschließt, während ihrer Parallelwelt-Sprünge etwas mutiger zu Werke zu gehen ... und erlebte eine große Überraschung.

© Cover- und Zitatrechte: FISCHER KJB


"Ja, das stimmt", sagte Claire und nahm mit spitzen Lippen einen Schluck von ihrem Earl Grey. Vermutlich, um ihren korallefarbenen Lippenstift nicht zu verwischen. Oder weil sie beim Trinken ihren Unmut über unsere kindischen Teetassen kundtun wollte, das machte sie schon seit dem ersten Tag ihres Praktikums. (Heute hatte sie die Tasse mit: HAT DIE BLUME EINEN KNICK, WAR DER SCHMETTERLING ZU DICK.) - S. 284


Das Leseerlebnis
"Die vertauschten Welten der Victoria King" oder auch die ZIMT-Triogie hat sich schon im Sommer 2016 in mein Herz geschrieben. Mit Band 1 "Zimt und weg" war mir klar, dass die Folgebände ein Lesemuss werden. Mit der herzlich-süßen und turbulenten Geschichte hat man einfach allerschönste Lesestunden. Und der Humor ist wie die Füllung einer Zimtschnecke - köstlich!
Nun sind wir also schon beim zweiten Buch "Zimt und zurück". Mittelbände haben ja oftmals schon zu Beginn einen etwas schwereren Stand. Dieser nicht. Ein erneut wunderbares Buch! (Ich lache übrigens vor mich hin, seit ich mit obigem Zitat die Story Revue passieren lasse.)

Ich möchte jetzt nicht behaupten, dass man "Zimt und zurück" als Einzelband lesen kann. Das nicht. Aber Dagmar Bach macht es ihren Lesen wirklich extrem leicht in die Handlung zurückzufinden. Das liegt auch daran, und darüber habe ich mich sehr gefreut, dass der "Parallelweltfall" aus dem Vorgängerband sozusagen abgeschlossen ist. Vicky trifft hier nicht mehr auf ihre bekannte Doppelgängerin Tori, sondern auf eine neues Parallelwelt-Ich, nämlich Victoria. Das gibt jedem Band eine eigenständige Storyline innerhalb der Trilogie. Sehr klasse! Handlungsrelevante Dinge, an die man sich als Leser erinnern sollte, werden unaufdringlich in die Geschichte gewoben. Ich hatte niemals das Gefühl etwas vergessen zu haben.

Die Parallelweltsprünge, das Zeitreiseelement der Geschichte, ist wunderbar in die Handlung integriert und nicht kompliziert oder technisch. Durch den Zimtschneckengeruch hat dieser Aspekt etwas Einzigartiges, sehr Individuelles. Obwohl die Geschichte turbulent ist, entsteht keine Hektik durch die Parallelwelt. Diese ergänzt die Handlung im Hier und Jetzt, ist nicht überladen oder dauerpräsent.

Vicky wird in diesem Buch fünfzehn Jahre alt. Sie rutscht von einer lustigen Szene in die nächste, ist oft unfreiwillig komisch. Sie muss nicht nur mit dem Leben ihrer Doppelgängerin klarkommen, und sorgt bei dieser für eine Menge Wirbel, sondern ist auch noch unsicher verliebt. Ein unausstehlicher Gast im heimischen Bed & Breakfast und ein Schülerpraktikum garantieren Dauergrinsen. Die Geschichte ist jugendlich-humorvoll, sehr herzlich und originell. Die Atmosphäre hat mich so vereinnahmt, dass ich auch dieses Buch nicht aus der Hand legen wollte. Das Lesen ist angenehm und vergnüglich. Einfach herrlich!

Das Fazit
"Zimt und zurück" ist wohl eines der süßesten Mittelband-Zimtschneckchen des Jugendbuches. Total lustig, äußerst herzlich und ganz und gar köstlich. Die Handlung ist sehr jugendlich, manchmal augenzwinkernd und wohldosiert überzogen. Sie spielt innerhalb der Trilogie, wirkt aber so eigenständig, dass die Geschichte fast für sich alleine stehen könnte. Genau so geht ein humorvolles Jugendbuch! Unbedingt reinschauen - für mich ist die Reihe mit diesem zweiten Band schon ein Klassiker. 4,5 von 5 Sterne gibt es dafür.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


FISCHER KJB (Februar 2016) - Band 2/3 - Hardcover mit Schutzumschlag, 368 Seiten - 16,99 € [D]
- ab 12 Jahren



Reiheninfo ZIMT-Trilogie:

Band 1 - Zimt und weg
Band 2 - Zimt und zurück
Band 3 - Zimt und ewig, erscheint im Herbst 2017