Sonntag, 27. August 2017

"Amrita: Am Ende beginnt der Anfang" von Aditi Khorana



Das Thema
Dein Schicksal ist ein Buch, das du selbst schreibst!
Das Leben von Amrita, 16-jährige Prinzessin des Königreichs Shalingar, ändert sich auf einen Schlag, als der Despot Sikander Shalingar erobert. Gemeinsam mit der Sklavin und Seherin Thala gelingt Amrita die Flucht und beide machen sich auf den Weg, die 'Bibliothek aller Dinge' zu finden, um das Schicksal der Welt zu ändern und schließlich zurück in die Vergangenheit zu reisen: an den Punkt, wo das Unheil begann. Doch was, wenn der einzige Weg, ihren Vater und ihr Land zu retten, bedeutet, dass Amrita sich selbst und ihre große Liebe opfern muss?

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Dressler Verlag


"Ich habe es dir bereits gesagt: Was geschehen ist, kann ungeschehen gemacht werden."
Ich fuhr herum. "Das ist doch Zauberei!"
Sie zögerte, dann sah sie mich eindringlich an. "Hast du je von der 'Bibliothek des Seins' gehört?"
Ich schüttelte den Kopf, doch über meine Arme kroch eine Gänsehaut. "Eine Bibliothek?"
Sie senkte die Stimme. "Meine Tanten haben mir von diesem Ort erzählt", sagte sie. "[...] Für jeden Menschen, der je geboren wurde, gibt es ein Buch, in dem die Geschichte seines Lebens geschrieben steht. Und diese Bücher werden in der 'Bibliothek des Seins' verwahrt. [...]"
- S. 133


Das Leseerlebnis
"Amrita: Am Ende beginnt der Anfang" hat ohne Zweifel eine der hübschesten Gestaltungen überhaupt. Für den Inhalt sollte das zwar nicht relevant sein, ist es aber schlussendlich doch, denn bei mir liest das Auge immer mit (da kann und will ich gar nichts dagegen tun). Und mit dem unglaublich aufwendigen und schimmernden Cover sticht das Buch einfach sofort aus der Masse heraus. Genau so startete dann auch mein Leseerlebnis - herausstechend und sehr atmosphärisch. Wenn es doch nur so geblieben wäre ...

Die Geschichte beginnt mit dem Flair zentralasiatischer Antike. Ich empfand das als sehr atmosphärisch und opulent, später auch gefährlich, und hatte großen Spaß an der Geschichte. Ebenfalls ist die Sprache im Buch so gut und hochwertig gewählt, dass sie dieses tolle Lesegefühl vollständig unterstützt.
Amrita lebt als Prinzessin im Palast ihres Vaters, dem Herrscher über ein kleines Reich. Als dieses Reich an den kaiserlichen Unterdrücker Sikander zu fallen droht, ist Amrita bereit, diesen zu heiraten, um die Bevölkerung zu schützen. Ich konnte mich gut in Amrita hineinversetzen und mochte sie sogar gerne. Doch es kommt für ihr Leben anders. Sikander übt Verrat an Amritas Vater und das Mädchen muss fliehen. Danach hatte ich leider das Gefühl in einer völlig anderen Geschichte gelandet zu sein.

Denn jetzt gleicht die Handlung einem Theaterstück, einem vorgefertigten Konstrukt mit einem Weg von A nach B über C. Das alles mit geplanten Dialogen und vorgegebenen Problemen, die ich nicht ernst nehmen konnte. Vorhersehbarkeit in Bestform also. Dazu kamen Dinge, die mir für die Handlung nicht relevant erschienen. Sogar die zentralisierte "Bibliothek des Seins" wird zur Requisite. Und Amrita, das sympathische Mädchen vom Anfang, wird wankelmütig, unsicher und naiv-egoistisch. Plötzlich kann sie sich nicht mehr entscheiden zwischen unglaubwürdigem Streit mit ihrer Begleiterin Thala oder einer mehrfach überzogenen Sorge um diese. Meine Sympathien schwanden mit jeder Seite, ich war von ihr genervt. Ab dem Fluchtzeitpunkt fühlte ich zu keinem der Charaktere eine plausible Verbindung.

Und was war das denn für eine Lovestory? Da erkennt Amrita so ziemlich zu Beginn, dass sie ihren Palast- und Jugendfreund Arjun schon immer liebt. Beide gestehen sich das ein, beginnen eine Beziehung und planen ihre Flucht für ein gemeinsames Leben. Klingt gut. Und plötzlich spielt dieser Arjun, diese große Liebe, in Amritas Leben überhaupt keine Rolle mehr? Beim ersten fremden Jungen, der ihr über den Weg läuft, fühlt sie "eine unerklärliche Verbindung"? Also bitte. Natürlich spielt dieser Junge dann eine Rolle in der Geschichte, wenn auch für mich keine nachvollziehbare oder anziehende, das hätte ausgebaut werden müssen. Es wäre plausibler gewesen, wenn die Liebe zwischen Amrita und Arjun komplett weggelassen worden wäre.

Am Ende hat die Geschichte zu viel gewollt und zu wenig gegeben. Ganz abgesehen davon, dass Amritas Werdegang und ihre schlussendliche Bestimmung, nicht meinen Geschmack traf, empfand ich die Aussage dahinter als abgehoben, zu umfassend und esoterisch. Es ist immer schade, wenn sich anfängliche Begeisterung am Ende revidiert.

Das Fazit
"Amrita: Am Ende beginnt der Anfang" ist unbestritten ein richtig gut geschriebenes Buch, das mit seinem traumhaften Äußeren eine ebensolche Geschichte verspricht. Leider entpuppt sich diese nach einem atmosphärisch gelungenen Start - mit allem, was eine gute Geschichte ausmacht - als vorhersehbares Handlungskonstrukt. Die Charaktere wissen genauso wenig zu überzeugen wie die vielen Ideen und Bestandteile der Geschichte. So mancher Sinn bleibt fraglich. War ich Anfangs noch sehr angetan, änderte sich das nach dem ersten Drittel deutlich. Ganz sicher ist das Buch nicht schlecht zu lesen, meinen Geschmack hat es verfehlt, und ich empfand es weit entfernt von gut. 2,5 von 5 Sterne gibt es von mir.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


Dressler Verlag (August 2017) - Hardcover mit Schutzumschlag, 336 Seiten - 17,99 € [D]
Originaltitel: The Library of Fates - Übersetzt von Peter Klöss - ab 14 Jahren

Kommentare:

  1. Hi Damaris!

    Mir ist das Buch auch schon wegen des schönen Covers aufgefallen, sowohl dem deutschen als auch englischen. Aber die meisten Stimmen zeigen sich ebenso enttäuscht wie du, weswegen ich lieber die Finger davon lasen werde. Schade, weil so viel Potenzial darin steckte.

    Dafür war deine Rezi sehr unterhaltsam und hat mich zum Schmunzeln gebracht.:)

    LG
    Effi

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    1. @Effi - Oh ja, das (deutsche) Cover ist wunderschön! Es schimmert komplett und hat dazu noch einzelne hervorgehobene Akzente. Echt gut gemacht. Ich empfinde die meisten Stimmen zum Buch als sehr positiv, darum war ich selbst überrascht, als ich nach dem ersten Buchdrittel enttäuscht wurde. Schön, wenn dich die Rezension trotzdem unterhalten hat :-)

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  2. Ich habe das Buch letztes Wochenende gelesen. Deine Kritikpunkte sind mir auch aufgefallen, haben mich aber nicht so sehr gestört, sodass ich das Buch im Gesamtfazit doch sehr mochte. Das ist bei mir immer stimmungsabhängig, in zwei Wochen würde ich es vielleicht auch schlechter bewerten...

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    1. @Aglaya - Ich freue mich, dass dir das Buch - trotz Kritik - im Gesamten dann doch gut gefiel. Jeder empfindet ja anders und ich konnte über meine Kritik nicht hinwegsehen. Aber darum sind Bücher ja für viele Geschmäcker da :-)

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  3. An diesem Buch scheint man im Moment gar nicht vorbei zu kommen. Ich habe es in letzter Zeit wirklich sehr oft gesehen. Auch auf meiner Wunschliste ist es inzwischen gelandet. Allerdings höre ich oft gespaltene Meinungen. Die einen scheinen es zu lieben, die anderen eher weniger. Lesen möchte ich es dennoch mal, um mir eine eigene Meinung darüber bilden zu können.

    Alles Liebe
    Maddie
    https://daydreamer4you.blogspot.de/

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    1. @Maddie - Du hast recht, das Buch sieht man gerade überall :-) Ich würde dir auch empfehlen, es selbst zu lesen, es gibt nämlich auch ganz viele begeisterte Meinungen und vielleicht ist es ja genau deine Geschichte.

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  4. Ich bin so froh, dass du das schreibst - es ging mir nämlich haargenau wie dir (was dich nicht überraschen dürfte) und ich habe sogar die selbe Bewertung vergeben ;) Ich dachte schon, ich bin mit dieser Meinung allein, denn in der Leserunde, bei der ich teilgenommen habe, waren alle total begeistert.

    Ich hatte das Gefühl, dass die Autorin sehr stark durch ihre Geschichte gehetzt ist und deswegen einfach keine Zeit für eine gute Ausarbeitung blieb. Insbesondere die Liebesgeschichte hat mich auch total genervt und keine der "Bedrohungen" war auch nur ansatzweise gefährlich für die Figuren. Sehr schade bei der Idee und dem fabelhaften Setting. Deiner Rezension schließe ich mich jedenfalls in allen Punkten an ;)

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    1. @Sonne - Oh ja, hier decken sich unsere Meinungen komplett. Und stimmt, es hätte mich gewundert, wenn es dir anderes ergangen wäre. Ich war auch erst irritiert, weil fast alles Stimmen so begeistert waren, aber die wenigen kritischen (z.B. bei A....) deckten sich eben komplett mit meinem Empfinden. Dabei fand ich das Buch bis zur Flucht aus dem Palast noch richtig gut und hätte auch mit Lovestory Amrita-Arjun leben können, wäre sie fortgeführt worden. Danach, nein, einfach nur nein. Und genau, die Gefahren und Bedrohungen waren für mich keine, ich hatte nie das Gefühl, dass sie echte Probleme darstellten. Alles wirkte so konstruiert, wie ein Theaterstück. Schade. Aber wir sind mir unserer Meinung wirklich nicht alleine :-)

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  5. Hallo Damaris,

    die Idee der Handlung hätte im Prinzip aufgeteilt auf mehreren Teilen richtig gut werden können, auch nachvollziehbar in ihrem Verlauf oder?
    Liebe Grüße Cindy

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    1. @Cindy - Ja, vielleicht wäre die Geschichte plausibler geworden, wenn die Handlung auf mehrere Teile ausgelegt worden wäre. Sicher auch nachvollziehbarer. Wobei manches auch einfach nicht meinem Geschmack entsprach (z.B. die Sache mit der Göttin).

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  6. Wir haben einfach den gleichen Geschmack. Mich würde interessieren, ob du noch eine Rezi zu den Perfekten machst. Bittbitte! Will unbedingt wissen, wie du es findest. :)
    Liebe Grüße, Timo

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    1. @Timo - Es ist immer schön, wenn Leser ein Buch ähnlich empfinden. Aber ich verstehe natürlich auch, wenn "Amrita" für viele ein tolles Leseerlebnis ist. Das Lesen/Rezensieren von "Die Perfekten" habe ich zur Zeit nicht geplant. Es gibt schon einige (begeisterte) Stimmen dazu :-)

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