Montag, 19. Juni 2017

"The Sun is also a Star: Ein einziger Tag für die Liebe" von Nicola Yoon



Das Thema
Schicksalsfäden einer großen Liebe! Wie viele Dinge müssen geschehen, welche Zufälle passieren, damit sich die Wege zweier Menschen kreuzen?
Als Daniel und Natasha in New York aufeinander treffen, verguckt er sich sofort in das jamaikanische Mädchen. Die zwei teilen einen Tag voller Gespräche über das Leben, ihren Platz darin und die Frage: Ist das zwischen uns Liebe? Doch ihr Schicksal scheint bereits festzustehen, denn Natasha soll noch am selben Abend abgeschoben werden.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Dressler Verlag


Abgesehen davon, dass ich heute abgeschoben werde, bin ich wirklich kein Mädchen, in das man sich verlieben sollte. Zum einen mag ich nichts, war vorübergehend und nicht messbar ist, und romantische Liebe ist beides: vorübergehend und nich messbar. - Natasha, S. 97


Das Leseerlebnis
'Ein einziger Tag für die Liebe' heißt der Untertitel des zweiten Buches von Nicola Yoon "The Sun is also a Star". Deutschsprachige Leser sollen damit wahrscheinlich auf richtige Fährte gebracht werden. Und es stimmt auch, denn im Buch geht es um zwei Jugendliche, die sich an einem einzigen Tag ineinander verlieben. Inklusive spezifischer Schicksale und Theorien über den Zufall. Klingt das nicht kitschig? Ja tut es, ist aber hier ganz sicher nicht so! Das Buch liest sich perfekt. Dazu ist es äußerst intelligent und sehr romantisch - ganz ohne oberflächliches Drama.

Daniel ist der Sohn koreanischer Einwanderer, Natasha kommt ursprünglich aus Jamaika. Beide haben das Gefühl sich dem Wunsch oder Willen ihrer Eltern beugen zu müssen. So soll Daniel nach der Meinung seiner Eltern, die sich das Beste für ihren Sohn wünschen, unbedingt Arzt werden. Dabei weiß er selbst noch nicht so genau, wohin er mit seinem Leben möchte. Bei Natasha sieht das Ganze noch etwas dramatischer aus, denn ihre Familie lebt illegal in New York und alle müssen am Abend in ein Flugzeug Richtung Jamaika steigen - sie werden abgeschoben. Während Daniel sich vor einem Vorstellungstermin einfach mal durch New York treiben lassen möchte, unternimmt Natasha einen letzten Versuch, um in den USA bleiben zu dürfen. Dabei laufen sie sich zufällig über den Weg, verbringen, anfangs eher unfreiwillig, einen gemeinsamen Tag zusammen ... und irgendetwas (Das Schicksal? Der Zufall?) zieht sie zueinander hin, obwohl sie völlig unterschiedliche Ansichten vom Leben haben: Daniel, der romantische Träumer und Natasha, die nüchtern-intelligente Realistin.

Obwohl Natasha und Daniel nur einen einzigen Tag zusammen haben, ist das Buch nicht oberflächlich oder schwarz-weiß. Im Gegenteil, die Geschichte leuchtet in allen Farben und die Charaktere könnte nicht besser dargestellt sein. Die Handlung wird abwechselnd von beiden Protagonisten erzählt, und die Kapitel sind jeweils recht kurz und herrlich-spaßig-luftig zu lesen. Nach wenigen Kapiteln waren beide Hauptcharaktere für mich so real, als würde ich sie schon immer kennen. Ab und zu gibt es im Buch Szenen, die nur indirekt mit Daniel und Natasha zu tun haben. Aber alle vorkommende Personen haben einen Anteil an der Begegnung der beiden, spielen eine Rolle bei ihrem Schicksal. Das können die Eltern sein oder auch mal eine Sicherheitsbeamtin oder ein Autofahrer. Manchmal wird auch eine kleine Nebengeschichte erzählt oder ein Begriff näher erklärt. Dieser Mix, der sich zu einem großen Ganzen zusammenfügt, ist wirklich fantastisch geschrieben.

Irgendwie hoffte ich immer, dass es für Daniel und Natasha gut ausgeht, dass ihre Beziehung eine Chance bekommt. Doch wie definiert man gut oder schlecht? Und gibt es sie wirklich, die Liebe auf den ersten Blick? Und egal wie die Antwort aussieht, das Buch fesselt ungemein und ist während und nach dem Lesen sehr authentisch. Ich hatte niemals das Gefühl, so etwas könne nicht passieren.
Sehr berührt hat mich dann das Ende, denn was die Autorin daraus gemacht hat, ist einfach nur groß. Ganz wunderbar!

Das Fazit
Ich wusste es schon nach dem ersten Buch der Autorin, aber nach "The Sun ist also a Star: Ein einziger Tag für die Liebe" ist mir klar, dass ich jedes Buch von ihr lesen würde. Sie hat eine unheimlich große Begabung für Geschichten, die nicht an der Oberfläche bleiben, die tief gehen und sich mit existenziellen Fragen der Menschheit beschäftigen. So bunt und vielschichtig wie ein Regenbogen. Dabei sind die Charaktere perfekt, die Stimmung genial und der Stil so leicht, romantisch und humorvoll, dass das Lesen eine Freude ist. Einzigartig gut und ein Highlight! 5 von 5 Sterne dafür.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


Dressler Verlag (März 2016) - Hardcover mit Schutzumschlag, 400 Seiten - 19,99 € [D]
Originaltitel: The Sun Is Also a Star - Übersetzt von Susanne Klein - ab 14 Jahren

Kommentare:

  1. Hallo Damaris,

    eine wundervolle Rezension von dir :-). Ich hätte eine kitschige Geschichte erwartet und aus dem Grund habe ich die Finger vom Buch gelassen. Wie ich merke, war das wohl ein Fehler ;-). Das was du beschrieben hast, klingt nämlich richtig gut.
    Liebe Grüße,
    Vanessa

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    1. @Vanessa - Oh wie lieb, danke! "The Sun is also a Star" ist gar nicht kitschig. Kitsch an sich ist für mich ein rotes Tuch und ich bin froh, dass das Buch so wunderbar war. Es ist großartig, du MUSST es lesen :-)

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  2. Hallo Damaris,

    du bringst es auf den Punkt. :) Ich war genauso begeistert von der Geschichte wie du und nach dem Buch stand für mich ebenso fest, dass von nun an jedes Buch der Autorin gelesen gehört. :)

    Alles Liebe,
    Anna

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    1. @Anna - Das ist schön, wenn wir der gleichen Meinung sind :-) Ich fand schon das erste Buch von Nicola Yoon "Du neben mir ..." ganz, ganz klasse. Es wird definitiv eine Autorin, bei der ich zu jedem Buch greifen werde!

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  3. Ich hätte das Buch wahrscheinlich nie näher in Betracht gezogen, weil es für mich nach einer sehr kitschigen Geschichte klang. Aber deine Rezension klingt so wunderbar, dass ich meine Meinung wohl überdenken werde :)
    Liebe Grüße
    Saskia

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    1. @Saskia - Ich kann dir garantieren, das "The Sun is also a Star" überhaupt nicht kitschig ist. Die Geschichte klingt wirklich so, so mit Liebe auf den ersten Blick. Aber ganz so ist es dann nicht. Das Buch ist wirklich wunderbar.

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