Donnerstag, 1. Juni 2017

"The Distance from me to you" von Marina Gessner



Das Thema
Die siebzehnjährige Kendra hat sich ein besonderes Ziel gesetzt: Gemeinsam mit ihrer besten Freundin will sie den Appalachian Trail erwandern - und der führt 3500 Kilometer quer durch die USA. Als ihre Freundin im letzten Moment einen Rückzieher macht, beschließt Kendra, das gefährliche Abenteuer alleine durchzuziehen.
Auf ihrem Weg trifft sie Sam. Der gut aussehende, aber unnahbare Junge hat es Kendra angetan. Nach und nach entwickelt sich zwischen den beiden eine Liebesgeschichte, die so abwechslungsreich ist, wie der Weg: Sie hat Höhen und Tiefen, wunderschöne Ausblicke und gefährliche Abgründe. Doch als Kendra und Sam die markierten Wege verlassen, begeben sich die beiden in eine Gefahr, bei der schnell nicht nur ihre Liebe, sondern auch ihr Leben auf dem Spiel steht ...

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: bloomoon von arsEdition


Sie wollte Courtneys Eltern möglichst wenig Anlass bieten, ihre Eltern zu kontaktieren. Es musste alles so aussehen, als würde es nach ihrem ursprünglichen Plan verlaufen - dem Plan, dem Kendras Eltern, wenn auch widerwillig, zugestimmt hatten.
Untermalt von einem elektronischen Piepsen schloss sie die Autotür auf. Schon bald würde ihr Leben frei sein von solchen Geräuschen. Nichts als Vogelgezwitscher, Käfer und raschelnde Blätter. Herrlich.
Sie konnte es kaum erwarten.
- S. 16


Das Leseerlebnis
Bei "The Distance from me to you" gefällt mir nicht nur besonders gut, dass der Originaltitel beibehalten wurde, mich hat das Buch vor allem wegen des Themas interessiert, Stichwort Appalachian Trail. Dieses Wandervorhaben der Hauptprotagonistin ist einfach total faszinierend. Menschen die gelegentlich wandern oder auch mal eine anstrengende Bergtour machen, können sich wohl kaum vorstellen, was es heißt, mehrere Monate durchzuwandern. 3500 Kilometer zu Fuß, mit einem sehr schweren Rucksack, durch die USA. Das ist wahrlich beeindruckend! Eine gut umgesetzte und recherchierte Geschichte, eine nachvollziehbare Lovestory und etwas Spannung - genau das erwartete ich. Und genau das bekommt man im Buch.

Kendras Situation ist bescheiden. Da hat sie ewig lange mit ihrer besten Freundin trainiert, damit die Durchwanderung des Appalachian Trails überhaupt möglich ist, und nun sagt Courtney im letzten Moment ab. Sie ist wieder mit ihrem Exfreund zusammen, eine mehrmonatige Trennung will sie nicht riskieren. Da dies die letzte Gelegenheit vor dem Studium ist, lässt sich die Wanderung auch nicht verschieben, und Kendra, die praktisch auf einem gepackten Rucksack sitzt, entschließt sich, den Trail alleine zu bewandern - ohne das Wissen ihrer Eltern.

Was nun folgt ist eine Art gut recherchierter Reisebericht, der von Zuschauern, den Lesern, beobachtet wird. Kendras Wanderung ist frei erfunden, wie die Autorin anfügt, trotzdem liest sich das Buch sehr gut, fast ein bisschen autobiographisch. Das passt wunderbar zur Geschichte. Die Handlung ist ausführlich, aber nicht jede Etappe wird genauestens dokumentiert. Das ist angenehm, ich rauschte förmlich durch die Seiten. Man begleitet Kendra bei Erfolgen und Rückschlägen und natürlich, als sie Sam kennenlernt. Die Lovestory ist authentisch und passt gut zur Geschichte, sie ist absolut nachvollziehbar.
Einige Dinge empfand ich als nicht ganz logisch oder etwas unglaubwürdig. So hat Kendra zum Beispiel an wirklich alles gedacht, sich wunderbar auf den Trail vorbereitet, kann aber nicht mit einem echten Kompass umgehen, ausschließlich mit der App im iPhone (Was ist der Unterschied?). Bei diesem hält der Akku auch niemals so lange durch, wie beschrieben, auch wenn man das Smartphone jeden Tag ausschaltet. Aber das sind Kleinigkeiten, die nicht für jeden Leser relevant sein werden.

Grundsätzlich ist das ganze Buch spannend und interessant, für mich wäre die Extraportion Gefahr im letzten Buchdrittel also nicht unbedingt notwendig gewesen. Kendra und Sam treffen aus dem Bauch heraus eine Entscheidung, die sie in Lebensgefahr bringt. Mit Folgen für die Wanderung und ihre Beziehung.
Der Schluss ist gut gelungen. Genau wie Kendras Wanderung auf dem Appalachian Trail, ist er sehr realistisch und nicht durch die Lovestory abgelenkt oder versüßt. Sehr schön!

Das Fazit
"The Distance from me to you" ist ein Roman, bei dem einen sofort die Wanderlust überkommt, denn die Geschichte hat etwas von einem Reisebericht in Romanform. Kendras Erlebnisse auf dem 3500 Kilometer langen Appalachian Trail sind durchweg interessant und realistisch, ebenso die Liebesgeschichte, die sich fast nahtlos in die Handlung einfügt. Die Geschichte hat das Potenzial am Stück verschlungen zu werden, das Buch liest sich klasse und faszinierend. Für mich wäre es auch ohne die hohe Spannungskurve am Ende absolut lesenswert gewesen. 4 von 5 Sterne gibt es von mir.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


bloomoon von arsEdition (März 2017) - Klappenbroschur, 336 Seiten - 14,99 € [D]
Originaltitel: The Distance from Me to You - Übersetzt von Katrin Behringer - ab 14 Jahren

Kommentare:

  1. Freu mich auch richtig auf das Buch! Bin froh, dass es dir so gut gefallen hat:)

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    1. @Freigeistbloggerin - Ja, es war toll zu lesen. Mit richtig schönem Wanderfeeling :-)

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  2. Hi Damaris. Beim Lesen deiner schönen Rezension kam richtiges Wander- und Aufbruchfeeling bei mir auf. Ich glaube meine Lesewunschliste ist soeben um ein weiteres Buch gewachsen. :-)
    Liebe Grüße

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    1. @Lex - Ich glaube, dieses Wander- und Aufbuchfeeling will das Buch auch bezwecken :-) Es hat mir großen Spaß gemacht. Auch wenn ich mir eine 3500 Kilometer-Wanderung nicht vorstellen könnte ...

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  3. Hallo liebe Damaris,
    meine Eindrücke decken dein Leseerlebnis sehr gut ab.
    Toll, dass man im Jugendbuch auch mal zu solchen kleinen Schätzen greifen kann.
    Ich habe dich bzw. deine Rezension übrigens in meiner verlinkt. Das ist doch okay, oder?

    Liebe Grüße,
    Sandy

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    1. @Sandy - Also eine Verlinkung ist immer okay :-) Da freue ich mich sehr, danke <3
      Ich habe "The Distance from me to you" bisher bei eher wenigen Bloggern gesehen und war überrascht, wie gut es sich doch laß. Für mich war Kendras Wanderung eine tolle Sache und mal eine willkommene Abwechslung im Jugendbuch. Schön, dass wir das Buch ähnlich gut empfunden haben.

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