Dienstag, 13. Juni 2017

"Infernale: Rhapsodie in Schwarz" von Sophie Jordan



Das Thema
Seit Davy positiv auf das Mördergen (HTS) getestet wurde, hat sie alles verloren: ihre Familie, ihre Freunde, ihre Zukunft - und was am schlimmsten ist, sich selbst. Denn obwohl sie verzweifelt dagegen angekämpft hat, ist sie doch zu dem geworden, was sie nie sein wollte: eine Mörderin. Eine Widerstandsgruppe und ihr Anführer Caden geben ihr ein neues Ziel. Und Caden weckt Gefühle in ihr, zu denen sie glaubte, nie mehr fähig zu sein. Aber die Schuldgefühle lassen Davy einfach nicht los ...

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Loewe Verlag


Unfähig, ihn länger zu betrachten, unfähig, die Erinnerung länger zu ertragen, wende ich mich ab.
Denn das ist Sean für mich geworden. Eine Erinnerung an den schlimmsten Moment meines Lebens. Ich bereue es nicht, ihn verschont zu haben. Trotzdem ändert das nichts daran, dass ich jetzt eine Mörderin bin.
- S. 12


Das Leseerlebnis
"Infernale" war ein tolles Leseerlebnis, ein spannender Roman, der mich oft schockiert und sprachlos gemacht hat. Der Folgeband "Infernale: Rhapsodie in Schwarz" war folglich ein Lesemuss. Jetzt, nach dem Lesen bin ich überrascht, wie anders der zweite Teil, im Gegensatz zum Vorgänger, daherkommt. Und genau das mag ich sehr gerne, denn das bringt Individualität mit sich und lässt die Geschichte nicht auf der Stelle treten. Ich kann mir jedoch aber auch vorstellen, dass einige Leser eine ähnliche Geschichte erwarten, wie zu Beginn der Reihe. Sieht man beide Bände jedoch als Einheit, kann man damit durchaus zufrieden sein.

Davy und ihren Freunden ist die Flucht aus Mount Haven, dem Ausbildungslager für Mördergen-Träger (HTS), gelungen. Nun warten sie auf eine Gelegenheit, die Grenze nach Mexiko zu überqueren. Dort erhoffen sie sich, selbst als gezeichnete Träger, ein neues, selbstbestimmtes Leben. Bis dahin ging die Geschichte nahtlos vom Vorgängerband über. Doch man merkt sofort, dass Davy sich verändert hat. Sie distanziert sich von ihren Freunden, wird gepeinigt von den letzten Ereignissen im Ausbildungslager. Das bekommt vor allem Sean zu spüren, Davys Freund. Leser müssen sich darauf einstellen, dass er in "Rhapsodie in Schwarz" keine tragende Rolle mehr spielt. Das empfand ich zwar als sehr natürlich, dem Lauf der Dinge angemessen, aber persönlich auch schade. Seans Rolle mochte ich, trotz einiger Klischees, in "Infernale" sehr gerne.
Bei der versuchten Grenzüberquerung wird Davy von ihren Freunden getrennt, und ab hier geht die Geschichte einen anderen Weg, den ich persönlich sehr mochte. Davy stößt auf den Widerstand, eine Gruppierung, die vordergründig HTS-Trägern Schutz und Hilfe bietet. Hier trifft Davy dann auch auf deren Anführer Caden, und, man ahnt es, daraus entwickelt sich eine neue Liebesgeschichte. Das möchte ich auch gar nicht kritisieren, denn nach Davys bisherigen Erlebnissen, empfinde ich das sogar als plausibel. Leider hat es die Autorin nicht geschafft, mir Caden als Person besonders nahe zu bringen. Besser hätte sie auf die wiederholte Beschreibung körperlicher Vorzüge verzichtet und ihm mehr Persönlichkeit verliehen.

Während sich Davy entscheiden muss, ob sie beim Widerstand bleibt oder ihren Freunden nach Mexiko folgt, spielen sich im Hintergrund Dinge ab, welche die gespaltene Gesellschaft einen, bzw. die politische Lage im Land zum Guten ändern soll. Das wird durch kurze Textsequenzen verdeutlicht, die Hauptgeschichte bleibt bei Davys Erlebnissen. Am Ende erscheint mir die Zeitachse der Ereignisse rund um das Mördergen HTS dann doch etwas kurz. Ein gespaltenes Amerika, geteilt in normale Menschen und HTS-Träger, mit Internierungslagern und einer Behörde, die ein Land in dystopische Zustände gestürzt hat - das alles benötigt sicherlich ein längeres Zeitfenster als mehrere Monate. Dafür wurde die Geschichte jedoch schlüssig und mit konfliktreichen Entscheidungen zu Ende gebracht.
Kategorisieren lässt sich das Buch nicht eindeutig. Es ist keine reine Dystopie, eher ein Jugendthriller. Vielleicht eine Zukunftsvision, eine Studie von einer Gesellschaft, die sich dystopisch entwickelt, bei der man am Ende jedoch hoffnungsvoll in die Zukunft schauen kann.

Das Fazit
"Infernale: Rhapsodie in Schwarz" legt den Fokus nicht mehr so deutlich auf Schockmomente, sondern begleitet die Mördergen-Trägerin Davy bei weitreichenden Entscheidungen für sich selbst und für Menschen, die ihr nahestehen. Die vorhandene Lovestory ist plausibel, aber eher oberflächlich und damit schlussendlich Geschmacksache. Wenn man sich an einer recht kurzen Zeitspanne, in der sich eine Gesellschaft dystopisch (und wieder zurück) entwickelt nicht stört, bekommt man eine lesenswerte Geschichte, die nahegeht und mitreißt, auf die man am Ende zufrieden zurückblicken kann. 3 von 5 Sterne vergebe ich für den Abschlussband.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


Loewe Verlag (März 2017) - Band 2/2 - Hardcover mit Schutzumschlag, 384 Seiten - 18,95 € [D]
Originaltitel: Unleashed - Übersetzt von Ulrike Brauns - ab 14 Jahren



Reiheninfo Infernale-Dilogie:

Band 1 - Infernale
Band 2 - Infernale: Rhapsodie in Schwarz

Kommentare:

  1. Huhu Damaris,

    mir hat das Ende der Dilogie auch nicht wirklich gefallen. Ich hatte so auf eine Rebellion gehofft und nicht auf Davys persönliche Probleme und deren ausschweifende Aufarbeitung. Das Ende war mir auch ein wenig zu gezwungen.

    Liebe Grüße
    Sandra

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    1. @Sandra - Ich habe "Infernale 2" gerne gelesen, merkte aber, dass Davys ständige Antihaltung nicht sehr zielführend war. Außerdem war die ganze HTS-Zeitschiene sehr kurz fand ich. Dass Davy sich in jemand anderen verliebt, fand ich noch ganz okay, nur war es mir persönlich mit zu vielen kitschigen Attributen versehen (Muskeln, Shirt, ...) und ich wurde trotzdem nicht richtig warm mit Caden. Und klar, dann hat die Autorin Sean natürlich gleichziehen lassen :-) Das eigentliche Ende fand ich wieder ganz gut, ein richtiger Abschluss eben.

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