Freitag, 26. Mai 2017

"Ein bisschen wie Unendlichkeit" von Harriet Reuter Hapgood



Das Thema
Als die Ferien anfangen, möchte Gottie eigentlich nur unter dem Apfelbaum liegen, in die Sterne schauen und über das Universum nachdenken. Sie kennt jede Theorie zu Raum und Zeit und kann alles mit einer Formel erklären.
Außer, warum ihr bester Freund Thomas, der vor einigen Jahren weg­gezogen war, plötzlich wieder auftaucht. Warum niemand ihre Verzweiflung über den Tod ihres Großvaters Grey versteht. Und warum sie in Flashbacks ganze Szenen ihres Lebens erneut durchlebt. Verliert sie den Verstand oder wird sie wirklich in die Vergangenheit versetzt? Und wie kann sie in der Gegenwart bleiben - bei Thomas, dessen Küsse ihr Universum verändern?

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: FISCHER KJB


Ohne ihm weiter zuzuhören, verlasse ich die Küche. Ich habe die Schere gefunden und schlage mich, wild auf die Sträucher einhackend, durch den nassen Garten zu meinem Zimmer durch. Ich will alles Los sein: Haare, Party, Garten, Jason, Wurmlöcher, Zeit, Tagebücher. Tod - besonders den Tod, ich habe lebenslang genug davon. - S. 184


Das Leseerlebnis
Völlig unvoreingenommen habe ich "Ein bisschen wie Unendlichkeit" gelesen, hatte aber immer im Hinterkopf, dass das Jugendbuch etwas außergewöhnlich sein soll und Details der Physik/Mathematik und des Universums thematisiert. Für mich klang das sehr ambitioniert ... und ich fand es toll! Das Buch ist klasse geschrieben, für ein Debüt grandios. Und gerade das Zusammenspiel von Schmerzverarbeitung mit einer jugendlichen Liebesgeschichte wurde hier wunderbar umgesetzt.

Gottie ist ein Genie - ein Mathe- und Physikgenie. Alles, was mit Zahlen, Statistiken und Berechnungen zu tun hat, fällt ihr leicht. Leider kann man das eigene Leben nicht berechnen, und Gotties derzeitiges Leben ist voller Schmerz. Sie ist ohne Mutter aufgewachsen, hat das Gefühl, sich zu Hause um alles kümmern zu müssen, weil ihr Papa meist gedanklich abwesend ist und ihr Bruder sein Ding durchzieht und in den Tag hineinlebt. Dann trauert sie ihrem Exfreund nach, und seit ihr Großvater Grey vor fast einem Jahr gestorben ist, ist für Gottie nichts mehr wie es war.

Der Schmerz, mit dem Gottie lebt, war für mich sofort spürbar, aber, und das fand ich super, nur zwischen den Zeilen. Oberflächlich gesehen, verhält sich Gottie recht normal. Ein bisschen nerdig zwar, aber nicht verschlossen oder depressiv. Trotzdem schottet sie sich von Freunden und Familie ab und lebt in ihrer eigenen Welt. In dieser wird sie immer wieder in sogenannte Wurmlöcher hineingezogen und erlebt Passagen aus der Vergangenheit nochmals oder ihr aktuelles Leben in einer (eher mehreren) Parallelwelt(en). Zuerst ging ich davon aus, dass diese Wurmlöcher Gotties Kopf entspringen, eine Art Ventil sind, um mit dem Schmerz fertigzuwerden. Aber ganz so einfach ist es nicht. Die Wurmlöcher scheinen nicht nur erdacht, sondern echt zu sein. Damit enthält die Geschichte, neben dem eigentlichen Realismus, auch noch eine Portion Science Fiction. Dennoch ist es schwer, sich hier festzulegen. Für die Handlung und Entwicklung von Gottie sind die Erlebnisse in den Parallelwelten auf jeden Fall wichtig und zielführend. Das ist es auch, was den Roman zuweilen etwas "schwierig", nicht ganz einfach zu lesen, macht.

Eine große Rolle in Gotties Leben spielt Thomas, ihr ehemals bester Freund aus Kindertagen. Und Gottie ist überhaupt nicht begeistert, als er den Sommer bei ihrer Familie verbringt. Thomas ist so anders als früher und gibt Gottie dennoch ein Gefühl von Vertrautheit und Ankommen. Einfach wird es zwischen den beiden nicht, aber sehr realistisch und wirklich süß.
Wenn man sich auf dieses besondere Jugendbuch einlässt, und bereit ist, Gottie in ihrem ereignisreich-charmant-unendlichen Sommer zu begleiten, bekommt man ein ausgezeichnete Geschichte serviert. Sie ist konfliktreich, hat aber dennoch Wohlfühlcharakter. Es lohnt sich, sie auszuprobieren.

Das Fazit
"Ein bisschen wie Unendlichkeit" ist ein ganz feines Jugendbuch, das nicht immer einfach zu lesen ist, von dem ich aber völlig hingerissen war. Es ist ein Buch über Gottie, ein Mädchen mit einem tiefsitzenden Schmerz, das diesen jedoch zu akzeptieren lernt, um die Schönheiten des Lebens zu genießen. Wunderbare schrullig-einzigartige Charaktere und ein Thema, bei dem man trotz Sci-Fi-Elementen unbedingt mitfühlen wird, sind für ein ganz besonderes Leseerlebnis verantwortlich. Das Buch ist definitiv fast ein bisschen perfekt!


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


FISCHER KJB (Februar 2017) - Hardcover mit Schutzumschlag, 384 Seiten - 16,99€ [D]
Originaltitel: The Square Root of Summer - Übersetzt von Susanne Hornfeck

Montag, 22. Mai 2017

Auf die Wunschliste! - Neuerscheinungen im Juni 2017

Die Leipziger Buchmesse gibt das Startsignal für das Herbst-/Winterprogramm der Verlagswelt. Die meisten Verlage habe ihres bereits veröffentlicht, und so beginnt für mich das große Stöbern für die zweite Jahreshälfte. Zuvor scheint der Juni mir aber noch eine kleine Ruhepause zu gönnen. Gut so, denn ungelesene Bücher habe ich viele. Sechs Juni-Neuerscheinungen wandern trotzdem auf meine Wunschliste.


(High) Fantasy - Dystopie - Liebe - Spannung

(erhalte genaue Buchinfos mit einem Klick auf das jeweilige Cover)


  

Die Königin der Schatten: Verbannt von Erika Johansen ... ist der Abschlussband über Kelsea Glynn, die Herrscherin von Tearling, die sich nun in der Hand ihrer größten Feindin befindet. Die High-Fantasy-Geschichte mit dystopischen Wurzeln ist wirklich großartig, Band 3 darum auch ein Muss!
Glücksspuren im Sand von Rachel Bateman ... klingt wie eine schöne und ergreifende Sommergeschichte. - Anna findet eine Liste ihrer verstorbenen Schwester Storm, mit Dingen, die sie in einem perfekten Sommer unbedingt tun soll. Immer dabei ist Cameron, der Nachbarsjunge, und ehemals bester Freund von Storm. Ist er der Schlüssel zu Annas neuem Glück?
Die Seele meiner Schwester von Trisha Leaver ... Ich habe den Eindruck, dass Bücher über Schwestern immer wieder gut ankommen und sich jenseits jedem Trend positionieren. Auch ich mag diese Geschichten sehr. - Die Zwillinge Ella und Maddy sind äußerlich völlig gleich, innerlich aber grundverschieden. Nach einem Streit ereignet sich ein tragischer Unfall, Maddy stirbt. Ella erwacht im Krankenhaus und wird von allen für Maddy gehalten. Um niemanden zu enttäuschen, nimmt sie deren Identität an.


  

Nemesis: Geliebter Feind von Anna Banks ... ist der Starttitel einer romantischen Fantasy-Dilogie. Es geht um Prinzessin Sepora, die auf der Flucht ist, weil ihr Vater, mithilfe ihrer einzigartigen Gabe, der Alleinherrscher über alle Königreiche sein will. Sie gibt sich als Dienerin an einem feindlichen Königshof aus ... und verliebt sich in den jungen König Tarik. Kling gut!
Sakura: Die Vollkommenen von Kim Kestner ... erschien bereits als Digi:tales-E-Book und ist im Juni nun auch als Hardcover verfügbar. - Juri will die dunkle Höhle, in der sie ihre Leben lang hausen musste, um jeden Preis verlassen. Als der Kaiser zur "Blüte" aufruft, schmuggelt sie sich, als Junge verkleidet, und obwohl sie nicht makellos genug für eine Teilnahme ist, unter die Probanden. Doch der Sohn des Kaisers wird auf sie aufmerksam.
Was andere Menschen Liebe nennen von Andrea Cremer und David Levithan ... interessiert mich, alleine weil David Levithan auf dem Cover steht. - Der 16-jährige Steven ist seit Geburt unsichtbar, weil ein Fluch auf ihm lastet. Er lebt ganz alleine in einem Hochhaus in New York City. Plötzlich zieht dort Elizabeth mit ihrer Familie ein, und es passiert etwas unglaubliches. Elizabeth kann ihn sehen.


Auf die Wunschliste!
<<< Mai 2017 ----- Juli 2017 >>>

Sonntag, 21. Mai 2017

"Fast eine Familie" von Bill Clegg



Das Thema
Am Morgen der Hochzeit ihrer Tochter geht June Reids Haus in Flammen auf und reißt ihre ganze Familie in den Tod. Nur June überlebt. Taub vor Schmerz, zieht sie sich in ein kleines Motel an der Westküste zurück. Während das Kleinstadtgerede, das June hinter sich lässt, langsam die Wahrheit über das verheerende Feuer hervorbringt, spannt sich unter June unbemerkt ein Netz wahrer Mitmenschlichkeit - es könnte sie auffangen und zurück ins Leben holen.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: S. FISCHER


Sie wird gehen. In ihren Subaru Kombi steigen und die kurvigen Landstraßen mit den vielen Schlaglöchern entlangfahren, bis zum Highway, dann weiter, nach Westen, weg von hier. Sie wird so lange und so weit fahren, wie sie kann, ohne Pass, denn ihren Pass gibt es nicht mehr. Den Führerschein auch nicht. Alles, was sich im Haus befunden hat, gibt es nicht mehr. - June, S. 14


Das Leseerlebnis
Nachdem ich den Klappentext von "Fast eine Familie" gelesen hatte, war es um mich geschehen. Ich musste dieses Buch lesen! Bei der Geschichte, einer Tragöde, interessierte mich vor allem die Umsetzung. Und doch war es ein Zitat von Anne Enright, das mir die Erzählung schon vor dem Lesen näherbrachte. Sie bescheinigt dem Buch Optimismus und viel Mitgefühl, deren Macht aus den Trümmern des Schicksals herausziehen kann. Diese Kombination aus Drama und Einfühlungsvermögen fesselte mich dann auch an die Seiten.

June Reid würde sich selbst wohl als die unfreiwillige Hauptperson des Romans bezeichnen. In einer einzigen Nacht, der Nacht vor der Hochzeit ihrer Tochter, verliert sie ihre ganze Familie. Ihren Lebensgefährten, den Exmann, ihre Tochter und den zukünftigen Schwiegersohn. Alle waren im Haus, als es in Flammen aufging, einzig June war im Garten. Doch warum? Das ist anfangs nicht so wichtig. Fakt ist, dass June die Anteilnahme, die neue Lebenssituation - vor allem aber den Schmerz - nicht mehr ertragen kann. Sie setzt sich in ihr Auto, fährt bis ans westlichste Ende des Landes und quartiert sich dort in einem Motel ein. Sie spricht (fast) nichts, isst (fast) nichts, verliert sich selbst komplett in ihrem Schmerz. Zum Glück wird ihr von jemandem die Hand gereicht, von dem sie es überhaupt nicht erwartet hätte.

Von Bill Cleggs Art zu schreiben, war ich tief beeindruckt. Er hat ein Mitempfinden in seinem Stil, ein Einfühlungsvermögen, das ich nur erwarten würde, wenn jemand eine solche Tragödie schon selbst erlebt hat. Dabei wirkt seine Erzählweise eher nüchtern, kommt ohne Kitsch und Pathetik aus.

Die Geschichte selbst ist nicht linear angelegt, vielmehr ist sie ein Puzzle aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Manche Personen treten häufiger in Erscheinen, andere nur ein Mal. Dadurch erfährt man gegen Ende, was sich tatsächlich ereignet hat. Vorher gilt es aber noch diverse Personen zu sortieren und ihr Leben oder Sicht der Dinge zu einem großen Ganzen, das natürlich mit June und ihrer toten Familie zusammenhängt, zusammenzusetzen. Da der Autor hier auch bezüglich Kleinigkeiten sehr ins Detail geht, erschienen mir einige Kapitel etwas lang, vielleicht sogar manchmal zu informativ. Andererseits ist das Buch sehr umfassend. Am Ende war ich vom Gesamtbild, das sich ergab, sehr ergriffen.

Das Fazit
Das Drama "Fast eine Familie" hat mich durch die einfühlsame Erzählung, die komplett ohne pathetischen Kitsch auskommt, berührt und nicht mehr losgelassen. Durch viele verschiedene Sichtweisen, die sich wie einzelne Puzzleteile zusammensetzen, entsteht eine umfassende Geschichte. Zuweilen erscheint sie etwas zu detailliert, zu hintergründig informativ, entwickelt aber eine Dynamik, die bei aller Tragödie ein optimistisches Mitgefühl ausstrahlt, mit dem sich am Ende bei mir eine hoffnungsvolle Zufriedenheit einstellte. 4 von 5 Sterne gibt es dafür.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


S. FISCHER (Februar 2017) - Hardcover mit Schutzumschlag, 320 Seiten - 22,00 € [D]
Originaltitel: Did you ever have a family - Übersetzt von Adelheid Zöfel

Mittwoch, 17. Mai 2017

"Das Buch der Gefühle" von Tiffany Watt Smith



Das Thema
Endlich haben wir Worte für all unsere Emotionen
Manche Gefühle sind überwältigend, der Schrecken, wenn das Auto ins Schleudern gerät, oder die Euphorie, wenn man sich verliebt hat. Andere sind flüchtiger. Wenn Sie eine Überraschung für einen geliebten Menschen planen, empfinden Sie Vorfreude, aber auch eine leichte Angst. Was, wenn das Geschenk nicht gefällt? Oder: das kurze Behagen, wenn wir im Supermarkt nach einer vertrauten Ware greifen. Und dann gibt es Gefühle, vor denen wir am liebsten davonlaufen würden: die Eifersucht, die einen dazu bringt, die Taschen des Partners zu durchwühlen, oder die Scham, die sich zur Selbstzerfleischung steigern kann.

Eine weltweite Suche
Viele Hirnforscher meinen, dass sich die menschlichen Gefühle auf sechs oder acht Empfindungen reduzieren lassen. Das ist viel zu wenig, meint Tiffany Watt Smith. Und so geht sie weltweit auf Suche. Plötzlich bekommen auch bei uns unbenannte Emotionen einen Namen und eine Geschichte.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: dtv Verlagsgesellschaft


AMAE - Die meisten von uns möchten sich gern von Zeit zu Zeit in die Arme eines geliebten Menschen werfen, um sich verwöhnen und trösten zu lassen. Dieses zeitweilige Sich-Fallenlassen in absoluter Sicherheit ist unglaublich belebend und wichtig. Das Gefühl, das es uns verschafft, ist in unserer Sprache nicht mit einem Begriff zu beschreiben, aber Japaner kennen es als amae (ausgesprochen: ah-ma-eh). - S. 35


Das Leseerlebnis
Ein Sachbuch liest sich oft interessant, aber auch recht trocken und nüchtern. Dementsprechend waren meine Erwartungen, als ich zum ersten Mal "Das Buch der Gefühle" in der Hand hielt. Autorin Tiffany Watt Smith widmet sich hier ganz den menschlichen Gefühlen - sehr bekannten, uns vertrauten, aber auch solchen, von denen die meisten garantiert noch nie gehört haben. Aus anfänglichem zaghaften Blättern, wurde bei mir schnell echtes Interesse, das kurz darauf in Begeisterung umschlug. "Das Buch der Gefühle" ist ein Sachbuch und gleicht einer Enzyklopädie -einem Nachschlagewerk -, liest sich aber wie ein Roman. Es ist informativ, amüsant und qualitativ hochwertig.

Das Buch ist wie ein Nachschlagewerk aufgebaut. Zu allererst findet man ein Register, ein alphabetisches Inhaltsverzeichnis mit allen thematisierten Gefühlen. So findet man auch später ganz leicht die gesuchte Emotion. Auffällig ist hier, dass uns bekannte oder gängige Gefühle (z.B. Freude, Neid, Kränkung, Liebe, ...) normal geschrieben sind, während fremde Gefühle, oder solche für die es in unserer Sprache keine Bezeichnung gibt (z.B. Amae, Malu, RingxietyWarm Glow, ...), in Kursivschrift dargestellt sind.
Die Autorin erzählt in einer Einleitung von Emotionen im Allgemeinen, und dem Sammeln derselben. Dass es gar nicht so leicht ist, Emotionen in Kategorien zu quetschen. Sie erhebt bei diesem Buch kein Anspruch auf Vollständigkeit. Mir selbst würde aber keine einziges Gefühl, keine noch so kleine Emotion, einfallen, die in diesem Buch nicht erwähnt ist. Der Gebrauch ist ganz einfach. "Das Buch der Gefühle" kann von vorne bis hinten, also in alphabetischer Reihenfolge, gelesen werden. Oder man blättert durch das Buch und liest den Eintrag, den man entdeckt und der gerade interessiert. Über Querverweise lernt man Gefühle kennen, die mit den bereits gelesenen verschmelzen oder sich überschneiden.

Die Sammlungen der einzelnen Gefühle sind als kurze Geschichten, Essays oder Anekdoten angelegt. Mit diesen wird die entsprechende Emotion, ihre Herkunft, und vor allem Bedeutung, verdeutlicht. Das ist nicht nur herrlich informativ und interessant, es macht unheimlich viel Spaß, sich durch die verschiedensten Gefühle zu lesen. Ich habe keines entdeckt, das uninteressant oder trocken erklärt wurde. Jeder weiß, was Dankbarkeit, Entzücken oder Wut bedeutet - und wird während des Lesens trotzdem noch viel Neues über diese Emotionen entdecken. Besonders interessant sind jedoch die Gefühle, für dir wir in unseren Sprachraum keine eigenes Wort kennen ...

Ringxiety
... ist ein eingebildetes Handyklingeln. Ein Angstgefühl, das und glauben lässt, unser Telefon habe geklingelt, was jedoch nicht der Fall ist.

Warm Glow
... ist das Gefühl, das spontane Nettigkeiten anderen gegenüber verschaffen, eine Art Selbstzufriedenheit oder ein Gefühl der Solidarität (-> einer Mutter mit Kinderwagen helfen, jemandem eine Einkaufstüte tragen, usw.)

Mudita
... bezeichnet das Erleben von Freude, nicht von Neid oder Groll, wenn man vom Glück anderer hört. Es ist also eine Art Empathie.

Das Fazit
"Das Buch der Gefühle" ist ein Sachbuch, mit dem ich mich rundum wohlgefühlt habe. Nicht nur, weil es sich liest wie ein Roman, es ist dazu noch unglaublich informativ, stellenweise sehr erheiternd oder einfach nur beeindruckend. Es ist ein umfassendes Nachschlagewerk, das man am Stück verschlingen kann oder nach Lust und Laune einzelnen Gefühlen auf den Grund geht. Und dabei lernt man auch noch eine Menge über sich selbst. Für mich wurden Gefühle und Emotionen nie deutlicher dargestellt. 5 von 5 Sterne gibt es dafür!


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


dtv Verlagsgesellschaft (April 2017) - Sachbuch - Hardcover, 384 Seiten - 22,00 € [D]
Originaltitel: The Book of Human Emotions - Übersetzt von Birgit Brandau

Dienstag, 16. Mai 2017

"Das Reich der sieben Höfe: Dornen und Rosen" von Sarah J. Maas



Das Thema
Sie hat ein Leben genommen. Jetzt muss sie mit ihrem Herz dafür bezahlen.

Die junge Jägerin Feyre wird in das sagenumwobene Reich der Fae entführt. Nichts ist dort, wie es scheint. Sicher ist nur eins: Sie muss einen Weg finden, um ihre Liebe zu retten. Oder ihre ganze Welt ist verloren.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: dtv Verlagsgesellschaft


Ich hatte mich heute weiter von zu Hause entfernt, als ich es sonst wagte. Das lag am Hunger. Im Winter war es hart, da zogen die Tiere sich tief in den Wälder zurück, wohin ich ihnen nicht gefahrlos folgen konnte. Mir waren nur die Nachzügler geblieben, die ich erlegte, einen nach dem anderen, in der Hoffnung, uns auf diese Weise bis zum Frühjahr durchzubringen. Eine vergebliche Hoffnung. - S. 9


Das Leseerlebnis
Sarah J. Maas' Das Reich der sieben Höfe-Serie ist ihre aktuelle High-Fantasy-Reihe und gefühlt in aller Munde. Geplant sind sechs Bände, und "Dornen und Rosen" macht den Anfang. Ja, ich war gespannt wie Feyres Bogen auf diesen ersten Band ... und schon während der ersten Kapitel überzeugt. Das Buch ist wirklich ein Fantasyepos für Jugendbuchleser und hat auch mir, vor allem zum Schluss, ein bisschen sehr den Atem geraubt.

Die 19-jährige Feyre (sprich Fey-ruh) hat ein Leben, von dem sie nichts geschenkt bekommt. Die Mutter ist tot, die Familie - Vater und zwei Schwestern - verarmt und dazu ständig vom Hungertod bedroht. Einzig Feyre sichert mit ihren gefährlichen Jagdausflügen in den winterlichen Wald das Überleben ihrer Angehörigen. Dazu wird das Reich der Menschen auch noch ständig von den Fae bedroht, machtvollen Wesen, deren Reich zwar auf der anderen Seite der Mauer liegt, die aber alleine der Gerüchte und Erzählungen wegen, für Angst und Schrecken sorgen. Als Feyre im Wald eine Wolf tötet, kommt einen dieser berüchtigten Fae über die Mauer, um den Wolf zu rächen. Doch statt Feyre zu töten, nimmt er sie mit in sein Reich ...

Diese kleine Zusammenfassung der anfänglichen Ereignisse musste jetzt einfach sein, denn die Story ist klasse! Bis dahin hatte ich gefühlt schon eine ganze Weile gelesen. Die Handlung ist umfangreich und lässt, was viele schöne Schmökerstunden betrifft, keine Wünsche offen. Enorme Spannung, ständige Abwechslung mit viel Humor und oftmals Gänsehaut - es ist alles vorhanden. Dabei weckt die Geschichte durchaus Assoziationen mit Die Schöne und das Biest und das Reich der Fae kann man mit einem Feenreich vergleichen. Alles wirkt märchenhaft. Durch den hervorragend gestalteten und beschriebenen Weltenentwurf (inkl. toller Karte) und großem Ideenreichtum ist das Lesen die pure Freude.
Diese trübte sich für mich leider im Mittelteil etwas. Hier wurde mir die Handlung zu überschäumend-glitzernd-dumdidei, zu kitschig. Als würden alle singend im Kreis tanzen. Feyre, sonst sehr tough und schlagfertig, wird ein traumtänzerisches Mädchen, das vor lauter Liebesglück nicht weiß, wo hin. Und Tamlin, ein mächtiger und respekteinflößender Fürst der Fae, verhält sich plötzlich wie ein verliebter Teenager. Eigentlich unnötig für diese coole Geschichte. Nun gut, das glitzernde Gastspiel ist zum Glück - gemessen an der komplexen Geschichte - kurz, und danach ist die Spannung unschlagbar hoch.

Es ist erstaunlich wie viel Handlung die Autorin in die Geschichte gepackt hat. Das letzte Buchdrittel könnte fast für sich alleine stehen. Ich war komplett gebannt und wegen der gewalttätigen Spannung auch erschrocken und fasziniert gleichermaßen. Ein Weglegen des Buches wird schwer. Einige Passagen sind nichts für schwache Nerven und setzen den Grundkonflikt des Buches konsequent um. Der Folgeband wird von mir sehnlichst erwartet, denn gegen Ende werden einige neue Fäden geknüpft, die auf eine konfliktreiche und aufwühlende Fortsetzung schließen lassen. Für diesen Band wird die Handlung zu einem Zwischenabschluss gebracht. Einen direkten Cliffhanger gibt es nicht.

Das Fazit
"Das Reich der sieben Höfe: Dornen und Rosen" macht unheimlich viel Spaß und ist ein Buch mit Schmökergarantie. Die Geschichte, samt Weltenentwurf, ist ausgezeichnet. Die Charaktere sprühen nur so vor Originalität und Eigenheiten. Ein kurzes, aber unnötiges (Kitsch)-Tief im Mittelteil lässt sich verschmerzen, denn die Handlung ist sonst kaum zu bremsen und endet in einem überaus spannenden Showdown. Leser von jugendlich-mitreißenden High-Fantasy-Geschichten werden diesen Roman feiern! Von mir gibt es für den Serienstart 4 von 5 Sterne.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


dtv Verlagsgesellschaft (Februar 2017) - Band 1/6 - Hardcover mit Schutzumschlag, 480 Seiten - 18,95 € [D]
Originaltitel: A Court of Thorns and Roses - Übersetzt von Alexandra Ernst - ab 14 Jahren

Montag, 15. Mai 2017

Dieses Buch bleibt im Regal #32

Eine Aktion von Damaris liest.
Wir lesen unsere Bücher und dann stellen wir sie normalerweise ins Regal. Aber nicht jeder hat die Möglichkeit, unendlich viele Bücher zu sammeln. Meist fehlt es an Platz. Manche Leser entscheiden sich irgendwann, nur Herzensbücher zu sammeln - oder auch gar keine Bücher mehr zu behalten (für mich unvorstellbar!). Hier geht es jeden Monat um ein Buch, das für immer im Regal bleibt und das es wert ist, nochmals in besonderem Maße vorgestellt zu werden.


Die Auswahl: Cassia & Ky


"Die Auswahl: Cassia & Ky " von Ally Condie - 16,95 € (HC) - FISCHER FJB

Als ich Anfang 2011 mit dem Bloggen begann, war "Die Auswahl" bei den Jugendbuchlesern in aller Munde. Ich möchte sogar behaupten, dass das Buch mitverantwortlich ist (inkl. der Panem-Trilogie) für den Dystopien-Trend bei Jugendbüchern im deutschsprachigen Raum. Weil danach das beliebte Schema bei Dystopien - ein Leben in einer unterdrückten Gesellschaft, gegen das ein Mädchen rebelliert - vielfach verwendet wurde, weiß ich nicht, ob "Die Auswahl" heute noch die Begeisterung hervorrufen würde wie damals. Ich selbst empfinde die Geschichte als erschreckend und höchst berührend, vor allem durch die Gedichte von Dylan Thomas, die eine große Bedeutung für die Handlung haben. Damals war mir die Lovestory zu sacht und zu wenig präsent. Heute würde ich sie wahrscheinlich als perfekt empfinden. Sie ist genau richtig! Meine Rezension (sehr lang und ungeübt) zum Buch findest du hier.

Es geht um die 17-jährige Cassia, der vom System der ideale Partner zugewiesen werden soll. Mit 21 soll sie diesen dann heiraten. Cassia hat sich freiwillig für die Paarung gemeldet, um nicht alleine alt zu werden. Und glücklicherweise wird für sie Xander ausgewählt, ihren besten Freund. Als sich Cassia später auf dem ihr überreichten Mikrochip alle Informationen über Xander ansehen will, erscheint dort das Gesicht von einem anderen Jungen - das von Ky. Das setzt eine Reihe von Ereignissen in Gang, aufgrund derer Cassia immer mehr beginnt, das System in Frage zu stellen. Sie beginnt zu rebellieren.




Liebe Blogger, dies ist eine Mitmachaktion von Damaris liest. Du möchtest ebenfalls ein besonderes Buch, das niemals aus deinem Regal auszieht, auf deinem Blog vorstellen und es damit deinen Lesern empfehlen? Dann ...

SEI DABEI!
(die Aktion findet jeweils am 15. des Monats statt)

  • Verwende das Dieses Buch bleibt im Regal-Banner, und verweise damit auf den Ursprungsblog, damit die Aktion Wiedererkennungswert hat.
  • Wenn du magst, hinterlasse mir hier deinen Beitragslink als Kommentar, dann können interessierte Leser und ich zum Stöbern kommen.
  • Mach mit oder auch mal nicht. Am Aktionstag oder später (du hast immer einen ganzen Monat Zeit, bevor die nächste Runde startet) - ganz egal. Die Aktion ist jedes Mal freiwillig. Sie soll gemeinsam Spaß machen und ggf. den Austausch anregen.

Samstag, 13. Mai 2017

Buchzugänge vs. Buchabgänge vs. Geflüster im April 2017

Mit jedem Monat habe ich das Gefühl, dass die Zeit schneller rast. Haben wir nicht erst Neujahr gefeiert? Nicht mehr lange, und 2017 ist schon ein halbes Jahr alt. Außerdem habe ich dieses Jahr die Vermutung, nein die Gewissheit, dass mein SuB in ungeahnte Höhen schießt.


Meine Buchzugänge im April - 10 Bücher



Der Prinz der Elfen von Holly Black ... kam durch eine schöne Elfenaktion des Verlags zu mir.
Ewig und ein Sommer von Kerstin Arbogast ... Ich finde die Geschichten der Autorin wunderbar.
Vier Farben den Magie von V.E. Schwab ... hat im Original viele begeistert Stimmen.
Das Glück hat vier Farben von Lisa Moore ... klingt nach einer tollen Coming-of-Age-Geschichte.
Das Buch der Gefühle von Tiffany Watt Smith ... ist ein Sachbuch mit dem Unterhaltungswert eines Romans.
Fangirl von Rainbow Rowell ... erscheint im Sommer und war Überraschungspost des Verlags.
Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow von Rainbow Rowell ... ist die Geschichte in der Geschichte von "Fangirl".
Soul Beach: Schwarzer Sand und Salziger Tod von Kate Harrison ... machen die Reihe vollständig.
Auf immer gejagt von Erin Summerill ... ist der Start eine neuen High-Fantasy-Trilogie für Jugendliche.


Buchabgänge - gelesen habe ich im April 7,5 Bücher


      

Als ich dich suchte von Lauren Oliver ... hat mal wieder bestätigt, dass die Autorin absolut zu fesseln weiß. Ich habe das Buch verschlungen. Es hat einen Wow-Effekt am Ende und war für mich ein Überraschungs-Hit.
Jeder Tag kann der schönste in deinem Leben werden von Emily Barr ... ist eine besondere und gleichzeitig ermutigende Geschichte über ein Mädchen, dass sich nichts mehr im Kurzzeitgedächtnis merken kann. Flora ist eine schwierige Protagonistin, die beeindruckt. So etwas mag ich sehr.
Schattenkrone: Royal Blood von Eleanor Herman ... war für mich ein opulenter und schmökeriger Reihenstart. Die Autorin verbindet Antike und Magie, erzählt damit die (Fantasy)-Geschichte von Alexander dem Großen.
Schicksalsbringer: Ich bin deine Bestimmung von Stefanie Hasse ... erscheint offiziell im Juli, ich habe es bereits lesen dürfen - schon zwei Mal. Zuerst in der Rohversion, als Testleserin, und nun in der Endfassung für ein finales Feedback und zur Auffrischung für den Folgeband "Schicksalsjäger" der Dilogie. Es ist für mich irre spannend den Werdegang eines Buches mitzuerleben (und richtig viel Arbeit für alle Beteiligten).


    

Dear Summer (Band 1-3): Plötzlich warst du wieder da - Unser erster Kuss - Heimlich denke ich nur an dich von Ruby Baker ... Die Dear Summer-Reihe besteht aus sechs E-Book-Geschichten, die gemeinsam ein komplettes Buch ergeben. Ein schönes Sommerlesen. Hinter dem Pseudonym verbirgt sich die Autorin Patrycja Spychalski, deren Bücher zu meinen Favoriten zählen. Die Bände 4-6 erscheinen im Mai, ich freue mich schon jetzt aufs Lesen!


    

Paper Princess von Erin Watt ... empfand ich als unterhaltsam und sehr fesselnd. Ich konnte das Buch kaum zur Seite legen. Richtig gut ist es aber nicht. Ganz typisch für das Genre New Adult, spielen die Autorinnen mit fast allen bekannten Klischees. Die Folgebände werde ich nicht mehr lesen.
All die verborgenen Dinge von Sarah Moore Fitzgerald ... ist eine recht kurze Geschichte über eine Freundschaft, die sich allen Vorurteilen entgegenstellt. Manchmal wirkt sie etwas seltsam, hat aber etwas an sich, das noch lange nachwirkt.
Teestunde mit Todesfall: Ein Fall für Wells & Wong von Robin Stevens ... hat mich wieder einmal begeistert. Der zweite Band der charmanten Jugendkrimi-Reihe mit Agatha-Christie-Flair gefiel mir noch besser als der Serienstart - und der war schon grandios. Das Buch ist spannend von vorne bis hinten und dabei pfiffig-humorvoll und atmosphärisch. Unbedingt lesen!


Geflüster im April


Fünf Bloggerinnen haben im April an einer Blogtour zum Buch "Der Koffer" teilgenommen, bei der wir das Buch interessierten Lesern genauer vorstellen wollten. Als Vorbereitung haben wir es natürlich alle gelesen und eine große Bandbreite an Gefühlen erlebt. Ich konnte das Buch wirklich kaum zur Seite legen, habe mit Hauptprotagonist Julian gelitten, mich gefreut und war voller wütender Trauer, aber auch Empathie. Es ist ein ganz wunderbares Buch und ich kann es dir sehr empfehlen, wenn du zu Herzen gehende Geschichten liebst. Eine Rezension zu "Der Koffer" gibt es natürlich auch.

Im Moment ist es wieder so, dass mich mein hoher Stapel ungelesener Bücher gedanklich sehr stresst. Kannst du dich noch daran erinnern, wie es war, als man immer erst ein Buch gelesen hat und dann erst ein bis zwei neue kaufte? Bei mir ist das sehr lange her.
Mit etwa 80 Büchern ist mein SuB, verglichen mit anderen Buchliebhabern, zwar nicht allzu hoch, aber ich möchte mich auch gar nicht ständig vergleichen, denn mich belastet der Umfang. Viele Leser haben sich mit ihrem SuB arrangiert oder die Menge der ungelesenen Bücher ist ihnen schlicht egal. Andere betonen ständig, dass ihr SuB viel zu hoch ist. Man könnte meinen, so langsam ist das Thema ausgelutscht, am ewigen Gejammer mancher Buchblogger ändert sich sowieso nichts. Trotzdem bin ich immer bestrebt, die Bücher, die ich mir so sehnlichst gewünscht haben, auch alle zu lesen. Ein Traumziel wäre, meinen SuB bei etwa 20 Büchern zu halten. So bliebe genug Auswahl, ich verliere aber kein Buch aus den Augen und habe das Gefühl, Zeit für jedes einzelne zu haben. Das sollte im Prinzip auch funktionieren, doch die einzige Möglichkeit, dieses Ziel zu erreichen, heißt Verzicht.
Jeden Monat erscheinen neuen Bücher. Jeden Monat stellen ich davon einige ins Regal, und die vorhanden rutschen immer weiter nach hinten. Oder es entsteht eine Diskrepanz zwischen der Zahl an Neuzugängen und der vorhandenen Lesezeit. Ja, es ist schon eine Art Suchtverhalten, das sich beim Thema Bücher zeigt. Nach wie vor ist mein Geist willig, aber das Fleisch ... du kennst das eventuell. Ich bin ständig am überlegen, wie ich mein Ziel erreichen könnte. Vorschläge sind jederzeit willkommen.


          

Donnerstag, 11. Mai 2017

"Teestunde mit Todesfall: Der zweite Fall für Wells & Wong" von Robin Stevens



Das Thema
Daisy und Hazel verbringen die Ferien bei Daisys Familie in Fallingford. Zu Daisys Geburtstag reist die gesamte Verwandtschaft an - von der exzentrischen Tante Saskia bis zum schneidigen Onkel Felix. Nur der zwielichtige Mr Curtis passt nicht so recht ins Bild. Er scheint etwas im Schilde zu führen.
Doch als Mr Curtis vor den Augen aller vergiftet wird, ist klar, dass einer der Gäste der Mörder ist. Während ein Sturm die Verdächtigen im Haus und die Polizei draußen hält, ermittelt Detektei Wells & Wong in ihrem zweiten Fall, diesmal im Kreis der eigenen Familie. Bei so vielen dunklen Geheimnissen wirkt Fallingford auf einmal gar nicht mehr so heimelig.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Knesebeck Verlag


Daisy schwieg. Dann seufzte sie. "Mist", fluchte sie. "Von mir aus. Aber ihr seid nur vorübergehende Mitglieder unserer Detektei. Ihr dürft nur Assistenten sein."
"Assistenten!" rief Kitty und verzog das Gesicht. [...]
"Ach, na schön, wenn ihr unbedingt wollt, dürft ihr euch Geheimagenten nennen. Trotzdem seid ihr eigentlich nur Assistenten."
Das war die Art von Daisy-Kompromiss, die eigentlich gar keiner war.
- S. 122


Das Leseerlebnis
Es war unbedingt an der Zeit für den zweiten Ermittlungs-Fall der Schülerinnen Daisy Wells und Hazel Wong. Das Buch ist wieder Spitzenklasse! Die Reihe hat etwas ganz Eigenes, einen Charme, den moderne Jugendbücher oft vermissen lassen, und dazu noch sprachliche Feinheiten und das Ambiente der 30er Jahre. Für mich war Band 2 ein rundum gelungenes Leseerlebnis. Aber von vorne ...

Diesmal ermitteln die 14-jährige Daisy und ihre Freundin Hazel nicht in ihrer Mädchenschule, sondern bei Daisy zu Hause, wo sie deren Geburtstag mit Familie und Gästen feiern. Aber eher unfreiwillig, denn Hazel fühlt sich auf dem heruntergekommenen Landsitz nicht so recht wohl, und auch Daisy muss erkennen, dass hier nichts mehr so ist wie früher. Das ist vor allem für sie sehr schmerzvoll, denn als sich die Ereignisse überschlagen, seltsame Dinge vor sich gehen und schließlich sogar jemand ermordet wird, müssen die beiden Freundinnen sogar im engsten Familienkreis ermitteln.

Es ist ja schon irgendwie niedlich, denn obwohl die selbstgegründete Detektei der jungen Mädchen einem Hobby entstammt, nehmen die beiden ihren Detektivjob todernst - im wahrsten Sinne. So ernst, dass sogar die richtige Polizei davon profitieren kann. Daisy ist schon ein ganz eigenes Kaliber, ein echtes Original; sehr forsch und etwas hochnäsig. Hier ist Hazel der Gegenpool, erkennt aber auch die weiche Schale unter Daisys hartem Kern. Die beiden Freundinnen ergänzen sich wunderbar. In diesem Buch wird die Detektei (vorübergehend?) auf vier Mitglieder erweitert. Denn zwei Freundinnen der Mädchenschule zählen zu den Geburtstagsgästen und werden kurzerhand ins Ermittlerteam geholt. Ein echter, und nicht selten amüsanter, Zugewinn.

Obwohl "Teestunde mit Todesfall" vor Humor und schräg-charmanten Szenen nun so sprüht, ist es vor allem eines - spannend! Und das tatsächlich durchgehend, von der ersten Seite bis zum Schluss. Manchmal wird es sogar richtig unheimlich und, dem Zielgruppenalter angepasst, auch etwas makaber. Die Autorin legt überall Spuren aus, es gibt massenhaft Hinweise, viele merkwürdige Vorkommnisse und fragwürdige Situationen. Die Atmosphäre ist vom Feinsten. Irgendwann ist fast jeder mehr oder minder verdächtig. Ob man die Auflösung nun schon vorher erraten hat oder nicht ist zweitrangig. Man hat selten so viel unterhaltsamen und spannenden Spaß beim Lesen. Bitte schnell mehr von der Detektei Wells & Wong!

Das Fazit
"Teestunde mit Todesfall" ist ein herausragender zweiter Fall für die Detektivinnen Daisy und Hazel und legt die Messlatte, nach einem wunderbaren Reihenstart, auf die höchste Position. Das Rätseln macht so großen Spaß, die Geschichte ist so charmant-spannend, dass ich mich am liebsten selbst dem pfiffigen Mädchen-Ermittlerduo angeschlossen hätte. Zum Lachen, Schaudern und Fingernägelkauen. Das Buch gehört auf die Muss-Leseliste aller Jugendbuchfans. Es ist eine hinreißende Besonderheit! 5 von 5 Sterne gibt es dafür.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


Knesebeck Verlag (Februar 2017) - Band 2/6? - Hardcover, 288 Seiten - 14,95 € [D]
Originaltitel: Arsenic for Tea - Übersetzt von Nadine Mannchen - ab 12 Jahren



Reiheninfo Wells & Wong-Serie:

Band 2 - Teestunde mit Todesfall
Band 3 - Mord erster Klasse, Sept. 2017

Dienstag, 9. Mai 2017

"All die verborgenen Dinge" von Sarah Moore Fitzgerald



Das Thema
Unten am Fluss liegt das Glück. Genauer gesagt im Wohnwagen am Flussufer. Er ist einer dieser wenigen Orte auf der Welt, wo man sagen kann, was man denkt und sich nicht verstellen muss. Dort wohnt Ned. Er ist neu an Mintys Schule und so ganz anders als alle anderen. Die Mitschüler finden ihn seltsam, wollen nichts mit ihm zu tun haben. Aber Minty ist fasziniert. Ned traut sich, ganz er selbst zu sein, egal, was andere denken. Im Gegensatz zu Mintys Eltern, die sich gerade getrennt haben und so gar nicht sie selbst sind. Durch ihre Freundschaft zu Ned sieht Minty, was so vielen verborgen bleibt: Wir entscheiden selbst, wie wir die Welt sehen. Glück ist kein Wunder, wir haben es selbst in der Hand.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: FISCHER KJB


Er ging mir ständig durch den Kopf. Der Junge, der im Wohnwagen lebte. Der Junge mit den Pferden. Der Junge, der um Mitternacht ein großes Feuer machte und auf einem Autoreifen über den Fluss schwang, vor und zurück, und dabei laute, unverständliche Schreie ausstieß. Dieser Junge, von dem alle sagten, er tauge nichts. - S. 32


Das Leseerlebnis
Sarah Moore Fitzgerald hat mich mit ihrem liebevollen Roman "Das Apfelkuchenwunder" völlig verzaubert. Da war es für mich nur logisch, dass ich auch ihren neuesten Roman lesen wollte. Auch in "All die verborgenen Dinge" geht es um Freundschaft - um eine sehr besondere, etwas ungewöhnliche Freundschaft. Dennoch sollte man sich unvoreingenommen auf die Geschichte einlassen, nur dann entfaltet sie ihre einzigartige Aussagekraft.

Im Buch geht es um Minty, ein Mädchen, das in Irland lebt. Mich hat der Ort sehr vereinnahmt, denn die Atmosphäre ist speziell. Mintys führt ein recht normales Leben, in einer normalen Schulklasse mit normalen Freunden. Doch in letzter Zeit verstehen sich ihre Eltern nicht mehr so gut, und das setzt Minty mehr zu als sie sich selbst eingestehen mag.
Dann gibt es da noch diesen Nachbarort, abseits aller Normalität. Jedes Kind wird davor gewarnt, sich dort aufzuhalten, denn Nettlebog wirkt mystisch und entwickelt eine ganz starke Anziehungskraft. Genau da, am Fluss unter alten Bäumen, steht ein Wohnwagen. Dort wohnt Ned mit seiner Großmutter und seinen zwei Pferden. Ned ist neu an Mintys Schule und gilt als Sonderling; als Rüpel, der es wagt, mit seinem Pferd über den Schulhof zu galoppieren, und sich auch sonst nicht um Ordnung und Konventionen schert. Doch Minty gibt nichts auf all die (Vor)Urteile und Meinungen, sie hält zu Ned und ist auch irgendwie fasziniert von ihm. Außerdem ist er eine willkommene Zuflucht vor ihren Problemen zuhause. Bald entsteht zwischen ihnen eine zaghafte Freundschaft.

Ich weiß nicht so richtig, wie ich es beschreiben soll, denn die Geschichte von Minty und Ned erschien mir so losgelöst von jeder anderen Geschichte, die ich bis dato gelesen hatte. In einem direkten, ursprünglichen Stil geschrieben, wirkt sie fast etwas unwirklich, poetisch und nicht fest in Zeit und Raum verankert. Das meine ich jetzt tatsächlich positiv, denn "All die verborgenen Dinge" spielt im Hier und Jetzt. Manchmal war ich überrascht, wenn sich Elemente der Geschichte als zeitgenössisch herausstellten. Ich konnte nie recht nachvollziehen, warum sich manche Menschen im Buch so sehr an Ned und seinen Pferden stören. Er ist einfach weit entfernt vom Spießbürgertum und zieht damit wohl jedes Vorurteil an. Das empfand ich als sehr aufwühlend.

Solch eine Geschichte auf gerade mal 230 Seiten zu erzählen, erfordert einiges an Fingerspitzengefühl. Und davon hat die Autorin eine Menge. Es ist eine eindrücklich erzählte Geschichte über den Mut der Freundschaft, vor allem, wenn man sich damit gegen die Masse stellen muss. Einzig einem großen Ereignis am Ende, hätte noch mehr Raum eingeräumt werden können, bzw. hätte man das letzte Kapitel meiner Meinung nach streichen können. Auch ohne dieses wäre die Geschichte vollständig gewesen.

Das Fazit
"All die verborgenen Dinge" ist eine Geschichte über eine besondere Freundschaft. Über Zusammenhalt, über Naturverbundenheit und Ursprünglichkeit, auch wenn man sich damit gegen so manche Konvention stellen muss. Es ist eine einfache und sehr klare Geschichte, die gerade dadurch bewegt, und deren Poesie und Tiefgang erst nach einiger Zeit an die Oberfläche drängt. Obwohl sie recht kurz erzählt ist, wirkt sie nach dem Lesen noch lange nach. 4 von 5 Sterne gibt es dafür von mir.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


FISCHER KJB (März 2017) - Hardcover mit Schutzumschlag, 240 Seiten - 14,99 € [D]
Originaltitel: A very good Chance - Übersetzt von Adelheid Zöfel - ab 12 Jahren

Mittwoch, 3. Mai 2017

Aktion Stempeln - Rückblick auf den Mai 2014

Eine Aktion von Damaris liest.


Im Mai 2017 schaue ich auf den Mai 2014 zurück. Drei Jahre in die Vergangenheit, um herauszufinden, welche meiner gelesenen Bücher mir IM KOPF GEBLIEBEN! sind und welche leider NICHT MEHR PRÄSENT? sind. Diese Bücher bekommen von mir einen entsprechenden Stempel verpasst. Neun Bücher habe ich damals im Mai gelesen ...


     

 

Zwei in einem Zelt von Annette Roeder ist mir noch sehr gut im Kopf geblieben, weil mich damals die Beschreibung zwar ansprach, ich aber mehr oder weniger überraschend zum Buch gegriffen habe. Es ist ein Buch, das man lückenlos genießen kann. Herrlich sommerlich und turbulent, anrührend und witzig. Es hat einen wunderbaren männlichen Hauptprotagonisten, und ich habe die Geschichte inhaliert.

Die Bestimmung-Trilogie von Veronica Roth hat eines der konsequentesten Enden des Jugendbuches. Wahrscheinlich kann ich mich darum noch so gut an Die Bestimmung: Letzte Entscheidung erinnern. Der Abschlussband bekam einiges an Kritik. Ich fand das Buch weltklasse, habe die Verfilmung der Reihe aber nach Band 2 beendet.

Eine Bad Boy-Lovestory mit deutschen Wurzeln ist Ach wie gut, dass niemand weiß ... von Alexa Hennig von Lange. Ich kann mich erinnern, dass ich das Buch ab der ersten Seite super fand und davon überzeugt war, dass die Geschichte genial wird. Es wurde dann aber einfach nur übertrieben und kitschig-schwülstig. Obwohl das Buch gewiss nicht schlecht war, war ich irgendwann nur noch genervt.

An jedes Gedicht aus Eines Tages, Baby von Julia Engelmann kann ich mich natürlich nicht mehr erinnern. Ich weiß aber noch, dass das Büchlein, dass aus einem Poetry-Slam-Auftritt der Autorin hervorging, bei mir während des Lesens ständiges Kopfnicken hervorrief. So viel Wahrheit! Ich konnte mich vollständig damit identifizieren.

Als Opapi das Denken vergaß von Uticha Marmon ist ein Kinderbuch und thematisiert die Krankheit Altersdemenz. Die Geschichte war sehr einfühlsam geschrieben, und ich empfand sie als besonders wertvoll, weil die Demenz der Großeltern viele Kinder betreffen kann. Es war das erste Kinderbuch, das ich dazu gelesen habe.


      

Viele Leser waren sehr begeistert von Das Lied der Träumerin von Tanya Stewner. Ich mochte das Buch nicht leiden. Die Story war hart, ich weiß sie nicht mehr in Detail, was mir normalerweise keine Probleme bereitet. Die Message dahinter und das Ende empfand ich als grenzwertig und für junge Leser (es ist ein Jugendbuch) nicht zu empfehlen.

Die Bestimmung: Tödliche Wahrheit von Veronica Roth ist der Mittelband der Die Bestimmung-Trilogie. Und während ich mich an die Geschichte von Band 1 und Band 3 noch gut erinnern kann, habe ich bei Band 2 große Lücken im Gedächtnis. Dabei weiß ich noch, dass mir das Buch supergut gefiel.

Ich mochte Liberty Bell von Johanna Rosen gerne, weiß aber nicht mehr viel von der Geschichte. Sie handelt von einem wilden Mädchen aus dem Wald, und es kommen schreckliche Dinge ans Licht - soviel weiß ich noch. Auch, dass sich das Buch sehr sonderbar, aber auch mit Sogwirkung und viel Spannung lesen lässt.

Toter Sommer von Kat Rosenfield ist mir überhaupt nicht im Gedächtnis geblieben - und damit meine ich wirklich null. Ohne jetzt meine Review zum Buch anzuschauen, und damit wird es nicht besser, weiß ich nicht mal mehr, um was es in der Geschichte ging, bzw. wie das Lesegefühl für mich war. Schade.



Meine Mitstempler ...

... ein Klick auf das Bloglogo bringt dich zum aktuellen Stempel-Beitrag.













Du magst bei der "Aktion Stempeln" teilnehmen und dich mit mir zusammen an deine gelesenen Bücher erinnern? Dann verfasse einen eigenen Beitrag auf deinem Blog und melde mir den Link dazu in einem Kommentar. Die Hintergründe zur Aktion, bzw. wie es genau funktioniert, erfährst du hier.