Mittwoch, 19. April 2017

"Als ich dich suchte" von Lauren Oliver



Das Thema
Die beiden Schwestern Nick und Dara sind grundverschieden und doch unzertrennlich. Bis Dara Nicks besten Freund Parker küsst. Bis zu dem Autounfall, bei dem Dara im Gesicht verletzt wird. Seitdem sprechen die Schwestern nicht mehr miteinander. Als Dara an ihrem Geburtstag spurlos verschwindet, glaubt Nick zuerst an einen dummen Scherz. Doch Dara ist schon das zweite Mädchen, das in der Gegend verschwunden ist. Nick spürt, dass ihre Schwester in großer Gefahr ist und dass sie sie finden muss - bevor es zu spät ist.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Carlsen Verlag


So ist das mit Dara und mir: Wir sind uns ähnlich und doch trennen uns Welten. Wie Sonne und Mond oder Seestern und Stern: irgendwie verbunden, klar, aber gleichzeitig absolut und vollkommen unterschiedlich. Und Dara ist immer diejenige, die fürs Glänzen zuständig ist. - Nick, S. 66


Das Leseerlebnis
Seit der Amor-Trilogie ("Delirium") gehört Lauren Oliver zu meinen liebsten Autorinnen. Zur damaligen Zeit setzte sie mit der Dystopie Maßstäbe. Auch ihre weiteren Jugendromane, die jeweils völlig anders und überhaupt nicht dystopisch waren, rührten etwas in mir an. Einfach waren sie nie, aber sehr vereinnahmend. Jetzt dreht sich in meinem Kopf alles um "Als ich dich suchte", die neueste Romanveröffentlichung der Autorin. Das Buch mit der schwierigen Schwesternbeziehung hat mich völlig verblüfft.

Dass die Schwestern Nick und Dara sehr unterschiedlich sind, merkt man als Leser sofort. Wo Nick zurückhaltend ist, ist Dara offensiv. Nick beschreibt sich als durchschnittlich, Dara ist eine Schönheit. Obwohl das Buch aus der Sicht beider Mädchen geschrieben ist, empfand ich Nick als die Hauptperson. Denn sie ist es auch, die das Rätsel um Daras späteres Verschwinden aufdecken will. Zuerst lernt man die Mädchen aber sehr gut kennen. Und damit meine ich wirklich gut! Die Geschichte wechselt zwischen verschiedenen Zeitebenen ab, immer wieder gibt es ein "Vorher" zur aktuellen Storyline. Daran musste ich mich etwas gewöhnen und sehr konzentriert lesen, denn es macht die Geschichte komplex (aber sehr, sehr gut lesbar - der Stil ist toll!). Dafür bekam ich ein recht vollständiges Bild der Gefühlswelt beider Schwestern. Nick und Dara sind nicht nur Schwestern, sondern auch beste Freundinnen, obwohl beide meinen im Schatten der jeweils anderen zu stehen. Man hat tatsächlich das Gefühl, ihre Gedanken greifen zu können.

Umso weiter die Geschichte fortschreitet, desto öfter hatte ich bei manchen Szenen das Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Richtig greifbar ist das nicht. Man denkt nur ab und zu: Was ist denn hier los?! Eigene Erklärungen für die seltsamen Vorkommnisse sind jedoch schnell gefunden, allzu viele Gedanken machte ich mir nicht. Alles ist so spannend, so treibend, manchmal regelrecht düster, dass ich das Buch nicht weglegen wollte. Und dann kommt es ganz anders als gedacht ...

Denn plötzlich - WOW - gelangt man zu Erkenntnissen, die mich völlig verblüfften. Die Geschichte hat einen genialen Twist, eine Wendung, die es in sich hat. Im Nachhinein muss ich mir eingestehen, dass diese Art der Wendung für mich nicht neu ist. Ich kenne sie aus Thrillern. Hätte ich sie voraussehen müssen? Vielleicht. Trotzdem kam sie für mich sehr unerwartet, mit entsprechendem Aha-Erlebnis. Ich habe zurückgeblättert, Abschnitte und Ungereimtheiten nochmals gelesen, mir einen neuen Überblick verschafft. Und ja, alles macht Sinn, wird logisch. Am liebsten hätte ich das Buch mit dem Wissen am Ende gleich nochmals gelesen. Es ist klasse!

Das Fazit
Wenn man ein Buch, nachdem man am Ende die letzte Seite zuschlägt, am liebsten nochmals lesen möchte, dann wurde für mich alles richtig gemacht. "Als ich dich suchte" ist ein düster-atmosphärisches Leseerlebnis, das ungemein fesselt und vereinnahmt. Die Charaktere sind Spitzenklasse, die Story sehr perfekt. Das Buch hält für den Leser eine Wendung bereit, einen Wow-Effekt, der unglaublich verblüfft und alles meisterhaft verbindet. Genial gemacht, unbedingt lesen! 4,5 von 5 Sterne vergebe ich.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


Carlsen Verlag (Februar 2017) - Hardcover mit Schutzumschlag, 368 Seiten - 19,99 € [D]
Originaltitel: Vanishing Girls - Übersetzt von Katharina Diestelmeier - ab 13 Jahren

1 Kommentar:

  1. Hallo Damaris,

    nach deiner tollen Rezension wird das Buch dann wohl doch auf meiner Wunschliste landen.

    Eigendlich dachte ich mir: "Nein Julia! Du besitzt vier Bücher der Autorin und alle sind noch ungelesen! Lies erst einmal die!" - Aber nach dieser Rezension möchte ich das Buch doch so gerne selbst lesen ...

    Liebe Grüße
    Julia von LubaBo

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