Donnerstag, 2. Februar 2017

"Witch Hunter: Herz aus Dunkelheit" von Virginia Boecker



Das Thema
Elizabeth hat den Kampf mit ihrem ehemaligen Lehrmeister Blackwell nur knapp überlebt. Blackwell hat sich als Hexenmeister zu erkennen gegeben, der ganz Anglia unter seine Herrschaft bringen will. Dafür kämpft er mit allen Mitteln gegen die Reformisten, denen Elizabeth nun angehört. Elizabeth möchte kämpfen, hat aber beim letzten Kampf ihr Stigma - das sie beschützt und heilt - an ihren Freund John übertragen. Nun bleiben ihr nur ihre eigenen Kräfte als Kämpferin. Darüber hinaus muss sie zusehen, wie das Stigma immer mehr von John Besitz ergreift und ihn Stück für Stück verändert ...

© Cover- und Zitatrechte: dtv Verlagsgesellschaft


[...] und wieder einmal verlangt man von mir, dass ich Blut vergieße, um Frieden zu finden. Ich schaue John an. Er hält meinem Blick stand und seine Augen sagen mir genug. Er will, dass ich ablehne, dass ich mich weigere, dass ich ins Exil geschickt werde und wir gemeinsam Anglia verlassen und irgendwo hingehen können, wo wir in Sicherheit sind.
Aber ich habe noch nie auf das gehört, was andere wollen.
"Also schön", sage ich. "Ich werde für euch kämpfen. Ich werde ..." Ich halte inne und sammle meine Kraft für das, was ich sagen will: "Ich werde ihn töten."
- S. 42


Das Leseerlebnis
"Witch Hunter" hatte den Charme eines großen historischen Romans mit einer tollen Fantasykomponente. Ich habe die spannende, beständig zu lesende Geschichte sehr genossen. Da war es ganz logisch, dass ich den Abschlussband der Dilogie, "Witch Hunter: Herz aus Dunkelheit", stark herbeisehnte. Er gefiel mir noch etwas besser als der Vorgänger.
Die Geschichte startet an einem Punkt, an dem man gut in die Handlung zurückfindet. Existenzielle Punkte werden so wiederholt, dass man sich schnell erinnert. Eine gute Erinnerung an die Charaktere ist von Vorteil, da hier manches ausgebaut wird.

Elizabeth ist eine starke Protagonistin, mit der ich mich gerne durch die Seiten schmökerte. Sie ist freundlich und lustig, kann aber auch sehr stur und direkt sein. Das macht sie zu einem kantigen Charakter, der symbolisch für diese Geschichte ist. Elisabeth lebt in einer Art Gewissenskonflikt. Einerseits ist sie ist froh, dass sie mit ihrem Stigma John helfen konnte. Aber nun hat er den Schutzzauber, der immer für ihre Stärke und Unverwundbarkeit verantwortlich war. Sie hätte das Stigma gerne zurück, aus Eigennutz, und auch, weil sie sieht, wie es Johns Charakter verändert. Aus dem ruhigen und mitfühlenden Heiler wird ein kalter und unbarmherziger Kämpfer, der Elizabeth weit überlegen ist. Ich mochte den Konflikt, der sich zwischen den beiden anbahnt. Das geht am Anfang des Buches zügig vonstatten, hält die ganze Handlung über an und wird am Ende etwas schnell gelöst. Ein paar Aneckungspunkte hätte es ruhig noch geben dürfen. Trotzdem gefiel mir gerade dieser Part außerordentlich gut.
Der düster-gefährliche Widergänger Skyler bekommt hier eine weitaus größere Rolle, als noch im ersten Band. Er ist zwar nicht mehr ganz so bedrohlich (obwohl, wenn ich's mir recht überlege, er ist schon zum Fürchten!) wie zuvor und wirkt fast schon sympathisch mit seinen flotten Sprüchen. Skyler steht mit seinem Bösewicht-Charme auf der richtigen Seite. Von mir aus hätte er eine eigene Geschichte verdient.

Während des Lesens ertappte ich mich öfter bei dem Gedanken: Mensch, ist das gut! Die Geschichte ist sehr spannend und reißt mit - die Schurken sind schön böse -, hat aber immer noch diesen unaufgeregten Touch. Eine hochwertige Sprache passt zur Zeitepoche des 16. Jahrhunderts in England, ist aber gleichzeitig modern ausgelegt. Das Thema der Magie und Zauberei harmoniert wirklich wunderbar mit dem historischen Lesegefühl. "Witch Hunter: Herz aus Dunkelheit" ist ein Buch, in das man völlig eintauchen kann und das sehr zufriedenstellend abgeschlossen ist. Schade, dass die Reihe schon zu Ende ist!

Das Fazit
"Witch Hunter: Herz aus Dunkelheit" ist ein großartiges Buch! Es übertrifft den sehr guten Vorgänger nochmals um ein Stück und macht die Dilogie zu einer unbedingten Leseempfehlung für alle Leser historischer Fantasy. Es geht (fast) nicht besser. Tolle Charaktere, ernsthafte Bösewichte, Spannung, Magie, Kampf und Liebe - das alles verbindet sich mit einem äußerst angenehmen Lesegefühl von gleichbleibender Intensität. Ich bin beeindruckt!


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


dtv Verlagsgesellschaft (November 2016) - Band 2/2 - Hardcover mit Schutzumschlag, 384 Seiten - 17,95 € [D]
Originaltitel: The King Slayer - Übersetzt von Alexandra Ernst - ab 14 Jahren



Reiheninfo Witch Hunter-Dilogie:

Band 1 - Witch Hunter
Band 2 - Witch Hunter: Herz aus Dunkelheit

Kommentare:

  1. Na das sind doch gute Nachrichten, dass es auch noch Mehrteiler gibt, die sogar gegen Ende hin NOCH BESSER werden!
    "Witch Hunter" steht bei mir zuhause auch schon länger rum, da ich ja für den dtv testlese. Gelesen habe ich es aber noch nicht.
    Lg Lili

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. @Lili - Du kannst dich sehr auf das Buch freuen, die Reihe wurde damit ganz toll abgeschlossen. Lies es bald :-)

      Löschen

Du möchtest mir etwas zu diesem Beitrag mitteilen? Dann los ... Gerne als Kommentar oder mit dem Kontaktformular am Ende der Seite.