Mittwoch, 31. August 2016

Auf die Wunschliste! - Neuerscheinungen im September 2016

Im September erscheinen tolle Bücher! Es sind einige Reihentitel dabei, aber auch erstaunlich viele Einzelbände habe ich gefunden. Nach wie vor sind diese für mich besonders reizvoll. Und da ich gerade fleißig dabei bin, meine "liegengebliebenen" Reihen fertigzulesen, bin ich immer neugierig auf neue Mehrteiler. 11 Bücher wandern im September auf meine Wunschliste.


Fantasy - Dystopie - Mystery

(erhalte genaue Buchinfos mit einem Klick auf das jeweilige Cover)



Godess of Poison: Tödliche Berührung von Melinda Salisbury ... ist meines Wissens ein Trilogiestart und klingt nach jugendlicher High Fantasy (?). Twylla ist die Verkörperung der Großen Göttin und soll eines Tages den Kronprinzen heiraten. Jeden Monat muss sie ein Gift trinken, gegen das sie immun ist. Doch jeder, der Twylla danach berührt, wird infiziert und muss sterben.
Federwelt von Elisabeth Denis ... "Federherz" ist der erste Teil der Dilogie, einer märchenhaft-phantastischen Internatsgeschichte. Zufällig lese ist das Buch gerade. "Federwelt" schließt die Geschichte ab, und obwohl ich noch nicht weiß, wie Band 1 endet, wandert Band 2 auf meine Wunschliste.
Flawed: Wie perfekt willst du sein? von Cecelia Ahern ... ist das erste Jugendbuch der weltbekannten Autorin und gleichzeitig der Start einer dystopischen Dilogie. Celestine lebt in einer perfekten Welt, in der Fehler nicht erlaubt sind. Als sie in einer entscheidenden Situation aus dem Bauch heraus handelt, bricht sie damit alle Regeln.


 

Plötzlich Banshee von Nina MacKay ... klingt irgendwie schräg und lustig, aber auch spannend. Alana ist eine Todesfee der irischen Mythologie - eine Banshee. Und zudem noch recht tollpatschig. Sie kann sehen, wenn Menschen sterben werden, und kreischt los wie eine Sirene, wenn sie jemandem begegnet, dessen Zeit bald abläuft. Als mehrere Leichen auftauchen, gilt es, das Geheimnis einer dunklen Sekte zu lüften.
Stone Rider von David Hofmeyr ... fiel mir wegen des Covers auf. Der Planet ist heiß und trocken, die Luft giftig, das Leben hart und entbehrungsreich. Alle wollen auf die Sky-Base, einen Ort, wo alles anders ist. Man kann sich ein Ticket dorthin verdienen, wenn man das härteste Motorradrennen der Welt überlebt und gewinnt. Klingt nach einer spannenden Dystopie, bzw. Postapokalypse.


Drama - Spannung - Abenteuer - Lovestory

(erhalte genaue Buchinfos mit einem Klick auf das jeweilige Cover)



Für dich soll's tausend Tode regnen von Anna Pfeffer ... Emi ist von Vielem genervt. Vom Umzug, den neuen Schulkameraden, ihrem Vater und Bruder. Jedem wünscht sie in Gedanken eine Todesart. Dann muss sie auch noch eine Strafe mit dem Alphatier der Schule, Erik, ableisten. Sie wünscht ihm tausend Tode an den Hals, bis sie merkt, dass er gar nicht so nervig ist. Das klingt nach viel schräg-schwarzem Humor und einer süßen Lovestory.
Annähernd Alex von Jenn Bennett ... ist eine moderne Verwechslungskomödie à la E-Mail für dich. Minks Erzfeind und der Junge ihrer Träume entpuppen sich als ein und dieselbe Person. "Die Anatomie der Nacht" von derselben Autorin war mir zu kitschig. Aber die Geschichte klingt nett, darum würde ich es gerne nochmals probieren.
Was wäre wenn von Meg Rosoff ... hat den Deutschen Jugendliteraturpreis gewonnen, es ist keine Neuerscheinung, aber eine Neuauflage von FISCHER Taschenbuch. David hat Angst vor dem Schicksal. Er ist sich sicher, dass es irgendwann zuschlagen wird. Also versteckt er sich davor, ändert sogar seinen Namen und verlässt sein Zuhause. Doch so einfach lässt sich das Schicksal nicht austricksen.



Eine Geschichte der Zitrone von Jo Cotterill ... soll laut Verlag eine Hymne auf das Lesen und die Freundschaft sein. Calypsos Dad schreibt ein Buch, und vergisst darüber oft, dass er eine Tochter hat. Umso mehr Zeit Calypso mit der herzlichen Familie ihrer neuen Freundin Mae verbringt, desto staubiger und leerer kommt ihr das eigenes Zuhause vor.
Wolf Moon River von Rainer M. Schröder ... spielt nach einem Flugzeugabsturz in der kanadischen Wildnis und ist ein Abenteuer- und Spannungsroman. Patrick muss sich mit der verhassten Olivia zu Fuß durch die Wildnis schlagen, um Hilfe zu holen.
Worte für die Ewigkeit von Lucy Inglis ... hat ganz hervorragende Kritiken, das Buch wird hochgelobt. Zuerst dachte ich an einen Fantasyroman. Es geht aber um zwei Liebesgeschichten, die in verschiedenen Zeitepochen spielen, aber einen Bezug zueinander haben.


Auf die Wunschliste!

Dienstag, 30. August 2016

Rezension zu "Die (beinahe) größte Liebesgeschichte des Universums" von Sarvenaz Tash



Verlag: Magellan Verlag (Juli 2016)
Originaltitel: The Geek's Guide to Unrequited Love
Übersetzer: Sandra Knuffinke und Jessika Komina
Reihe: - , ab ca. 14-17 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 304 S.
ISBN: 978-3734850271
16,95 € [D]

Genre: Jugendbuch

© Cover- und Zitatrechte: Magellan Verlag


Das Thema
Graham und seine beste Freundin Roxy könnten nicht perfekter zusammenpassen. Das denkt zumindest Graham. Schließlich haben sie exakt dieselben Interessen, verstehen sich ohne Worte und sind beides echte Nerds. Darum sucht Graham auch nach einer guten Möglichkeit, um Roxy seine Liebe zu gestehen. Wie gut, dass in New York die Comic-Convention ansteht, eine Messe, auf die sie sich schon seit Monaten freuen. Und welcher Ort wäre für einen Liebesbeweis besser geeignet? Doch Graham hat seine Rechnung ohne die Gesetze einer nerdigen Convention gemacht ...

Die Rezension

Der Anfang: "Ich weiß, wir sind schon ewig befreundet, Roxana. Ich kann mich an höchstens fünf Jahre meines Lebens ohne dich erinnern. Aber ..." Hier käme jetzt das nächste Panel. Und in einer perfekten Welt würde ich Roxy selbst bitten, mit dabei zu helfen.

"Die (beinahe) größte Liebesgeschichte des Universums" ist gleich doppelt reizvoll. Da wäre zuerst der Umstand, dass sich eine Junge in seine beste Freundin verliebt. Vielen Lesern wird es schon mal ähnlich ergangen sein. Dann sind die beiden auch noch echte Nerds, lieben alles, was mit Comics, Serien und Superhelden zu tun hat. Dass man die Ereignisse einer großen Comic-Messe kaum vorausplanen kann, dürfte klar sein. Ein humorvoll-realistisches Lesevergnügen ist vorprogrammiert.

Ich-Erzähler Graham macht es einem leicht, die Geschichte zu mögen. Er ist Teil einer großen Comic-Szene, und völlig begeistert von einem bestimmen Autoren. Alleine, dass seine beste Freundin Roxy diese Vorlieben teilt, macht sie zu seiner Traumfrau. Nebenbei erfährt man aber auch viel von Grahams Gefühlen, seinen Ängsten und (Wunsch)Vorstellungen. Dadurch nimmt man ihn nicht nur als Nerd, sondern auch als Mensch war. Die Integration einer Comic-Geschichte, und ihre Wirkung auf Grahams Gefühle, ist perfekt.
Von Roxy erfährt man nicht allzu viel, aber genug, um sich ein gutes Bild zu machen. Da sie die Geschichte nicht erzählt, könnte man sie auch als Nebencharakter betrachten. Das wurde sehr geschickt umgesetzt, denn um Graham gruppieren sich im Laufe der Convention-Tage einige Jugendliche, die alle eine besondere Rolle in der Geschichte spielen.

Es ist die Authentizität die von Anfang an fasziniert. Die nerdige Szene rund um eine Comic-Convention ist nicht so leicht einzufangen. Der Autorin gelingt das spielend. Entweder hat sie sehr gut recherchiert oder sie ist selbst ein Fan, und umgeben von echten Nerds dieser Szene. Alles, was auf der Convention passiert - Warteschlangen, Autogrammstunden, Panels, Diskussionsforen, Workshops, ... - spiegelt die Geschichte sehr glaubhaft und lebensnah. Man hat schon fast das Gefühl, zusammen mit Graham und seinen Freunden durch die Hallen zu schlendern. Allerdings ist das Ganze stellenweise fast schon zu ausufernd geraten. Leser, die mit dem Thema Conventions oder Fan-Messen überhaupt nichts anzufangen wissen, könnten sich von den vielen fiktiven Star-Namen und Terminen der Jugendlichen überrannt fühlen.

Die Geschichte liest sich zwar humorvoll, beschränkt sich dabei aber auf einen realistischen Humor, mit Szenen, die zur Geschichte passen. Dadurch ist das Buch vielleicht nicht ganz so lustig wie erwartet, wirkt aber nicht gewollt humorig, sondern bringt durchaus auch Ernsthaftigkeit und viel Gefühl mit. Das macht auch das Ende deutlich, das so gar nicht typisch ist, trotzdem zu positiven Effekten und guten Erkenntnissen führt.

Das persönliche Fazit
"Die (beinahe) größte Liebesgeschichte des Universums" ist ein schönes Buch im Hier und Jetzt mit einer Geschichte voller Nerds, viel Gefühl und realistischen Momentaufnahmen. Die Charaktere sind sehr liebenswürdig und tragen alle zu einem humorvoll-authentischen Lesegefühl bei. Besonders gut gefiel mir der Ausgang der Geschichte, der nicht das typische Happy-End zeigt, und trotzdem genau richtig happy ist. 4 Sterne!


Aufmachung: 4,5 / 5
Handlung: 3,5 / 5
Charaktere: 4 / 5
Lesespaß: 4 / 5
Preis/Leistung: 4 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Samstag, 27. August 2016

Review zu "Mord ist nichts für junge Damen: Ein Fall für Wells & Wong" von Robin Stevens



Knesebeck Verlag (August 2016), Band 1
Hardcover, 288 Seiten,
übersetzt von Nadine Mannchen,
14,95 € [D]


Deepdean-Mädchenschule, 1934. Als Daisy Wells und Hazel Wong ihr eigenes, streng geheimes Detektivbüro gründen, gibt es zuerst gar kein wirklich aufregendes Verbrechen zum Ermitteln. Doch dann entdeckt Hazel die Lehrerin Miss Bell tot in der Turnhalle. Zuerst denkt sie, es sei ein schrecklicher Unfall gewesen. Aber als Daisy und sie fünf Minuten später zurückkommen, ist die Leiche verschwunden. Jetzt sind die Mädchen sicher: Hier ist ein Mord geschehen! Und nicht nur eine Person in Deepdean hätte ein Motiv gehabt ...
Nun haben Daisy und Hazel nicht nur einen Mordfall aufzuklären - zuerst müssen sie beweisen, dass es überhaupt ein Mord war. Fest entschlossen, der Sache auf den Grund zu gehen, bevor der Mörder wieder zuschlagen kann (und bevor die Polizei eingeschaltet wird, natürlich), müssen Hazel und Daisy nach Beweisen suchen, Verdächtige ausspionieren und all ihre Intuition einsetzen. Doch werden sie Erfolg haben? Und wird ihre Freundschaft diese Herausforderung bestehen? (Text-, Cover-  und Zitatrechte: Knesebeck Verlag)


"Da ist sie", sagte ich und zeigte mit dem Finger auf die Stelle. "Ich hab's euch ja gesag-"
Doch als ich an meinem ausgestreckten Arm entlang auf den Boden Blickte, wo - nur Minuten zuvor - Miss Bell gelegen hatte, fehlte von ihr jede Spur. Die Turnhalle war vollkommen leer und ruhig. Nur ein kleiner dunkler Fleck auf den polierten Dielen zeigte, wo sich ihr Kopf befunden hatte.
- S. 30


Meine Meinung
"Mord ist nichts für junge Damen" hatte vom ersten Moment diese magische Anziehung auf mich. Dabei kannte ich weder die Autorin, noch hat dieses brandneue Jugendbuch das kleinste Bisschen mit Magie zu tun. Der Roman sieht besonders aus und er klingt auch sehr besonders, wie eine Art Revival altertümlicher Internats-Krimis. So etwas gab es doch früher, oder? Jedenfalls scheint sich hier der erste Eindruck zu bestätigen. Robin Stevens Debüt ist ein charmantes Lesevergnügen mit einer Geschichte, die aus der Masse heraussticht.

Daisy Wells und Hazel Wong, beide 13-jährige Schülerinnen der Deepdean-Mädchenschule, haben eine Detektei gegründet. Daisy ist die Vorsitzende, Hazel die Schriftführerin. Ihre bisherigen Fälle (heimlich fremde Tagebücher lesen und anderen Schülerinnen hinterherspionieren) waren nicht sehr aufregend. Das ändert sich schlagartig, als Hazel in der Turnhalle die Leiche einer Lehrerin findet ... die nur Minuten später wie vom Erdboden verschluckt ist.
Schon auf den ersten Seiten wird klar, das wird ein entzückendes Lesevergnügen. Die Sprache ist gepflegt, angepasst an Romane der 30er-Jahre, jedoch modern interpretierte und gut verständlich. Auch das Schriftbild wurde authentisch an die Geschichte angepasst. Die schwarz-weiße Übersichtskarte der Schule und einen Auflistung der wichtigsten Personen schmücken das Buch zu Beginn. Hier stimmt alles, und der Roman macht im Gesamtbild einen sehr hochwertigen Eindruck.

Ich-Erzählerin Hazel hat einen tollen, oft trockenen, Humor. Sie ist die Sympathieträgerin der Geschichte. Als Leser erhält man einen guten Einblick in ihre Hintergrundgeschichte, ihre Stärken, aber auch Schwächen und Ängste. Hazel ist Daisy gegenüber sehr ergeben und angepasst. Dagegen wirkt Daisy fast schon zickig und resolut, oft nicht sehr freundlich gegenüber ihrer Freundin. Im Laufe der Geschichte finden beide Mädchen erst richtig zueinander, bis sich am Ende ein liebevoll-respektvolles Miteinander entwickelt. Das wirkt glaubhaft und gut durchdacht.

Der Kriminalfall, bzw. die Spannung, wurde an die Zielgruppe angepasst. So hat die Geschichte auch Passagen, in denen augenscheinlich nicht viel passiert, die Ermittlungen nebensächlich werden. Aber selbst dann ist die Anziehung der Handlung ungebrochen. Gegen Schluss steigert sich die Spannung und die Lösung des Falls wird für viele Leser unerwartet oder überraschend sein. Die Handlung ist für diesen ersten Band abgeschlossen, weitere Folgen werden hoffentlich folgen.

Fazit
"Mord ist nichts für junge Damen", der erste Fall der Detektei Daisy Wells & Hazel Wong, ist ein Highlight im Jugendbuch. Die Geschichte hat eine exzellente gehobene Sprache, die zum Flair einer Mädchenschule der 30er-Jahr passt. Sie liest sich sehr charmant mit einem feinen Humor. Der Kriminalfall ist besonders und unaufgeregt spannend, die beiden jugendlichen Detektivinnen sind eine Klasse für sich. Diese moderne, junge Version eines Agatha Christie-Krimis kann sich äußerlich und innerlich sehen lassen und ist eine große Empfehlung! Ich hoffe auf viele weitere Fälle für Wells & Wong. Für den Reihenstart gibt es von mir 4,5 von 5 Punkte.

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Dienstag, 23. August 2016

Rezension zu "Das Spiel von Liebe und Tod" von Martha Brockenbrough



Verlag: Loewe Verlag (Juli 2016)
Originaltitel: The Game of Love and Death
Übersetzer: Jessika Komina und Sandra Knuffinke
Reihe: - , ab ca. 14-17 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 400 S.
ISBN: 978-3785582626
18,95 € [D]

Genre: Urban Fantasy

© Cover- und Zitatrechte: Loewe Verlag


Das Thema
Seattle, 1937: Henry hat sich Hals über Kopf in Flora verliebt, eine hübsche junge Frau, die davon träumt, eine weltbekannte Pilotin zu sein. Jeden Abend singt sie in ihrem eigenen Nachtclub, den Henry regelmäßig besucht, nur um ihr nahe zu sein. Und auch Flora mag Henry gerne, jedoch wehrt sie sich gegen ihre Gefühle, denn Floras Haut ist schwarz und eine Beziehung mit einem weißen Mann ist in dieser Zeit undenkbar.
Beide wissen nicht, dass sie nur Spielfiguren in einem uralten Spiel zwischen Liebe und Tod sind. Bisher hat immer der Tod gewonnen, doch auch die Liebe setzt alle ihre manipulativen Fähigheiten ein, um das Spiel dieses Mal zu gewinnen.

Die Rezension

Der Anfang: Der Mann im eleganten grauen Anzug materialisierte sich im Kinderzimmer neben dem schlafenden Säugling und zog die süße, milchduftende Nachtluft ein. Er hätte jede Gestalt annehmen können, nach der ihm der Sinn stand ...

Das Thema von "Das Spiel von Liebe und Tod" klingt unheimlich interessant und sehr speziell. Doch sooft man dieses liest, so richtig vorstellen kann man sich unter dem Buch nichts, und umso größer ist die Anziehung. Man will wissen, um was es hier genau geht. In der Geschichte ist es tatsächlich so, dass Liebe und Tod menschliche Gestalt angenommen haben, um ein uraltes Spiel zu spielen, bei dem es jedem der beiden ums Gewinnen geht. Die Spielfiguren sind Menschen, von den Gegnern schon als Säuglinge ausgewählt. Verlieben sich Paare vor dem ausgemachten Termin, hat die Liebe gewonnen. Sollten sie sich trennen, gewinnt der Tod, und einer der beiden Menschen muss sterben. Tod und Liebe scheuen sich nicht davor die Menschen bis zum äußersten zu manipulieren. Denn beiden wollen unbedingt gewinnen.

Ich komme jeden Abend wieder, dachte er. Jeden Abend, einfach nur, um zuzuhören. Er konnte nicht anders. So lange hatte er sich bemüht, sich stets nützlich zu machen pflichtbewusst und anständig zu sein. Aber das ging jetzt nicht mehr. Nicht wenn dieses Mädchen im Spiel war [...]. - S. 55

Henry hat früh seinen Eltern verloren und wächst bei wohlhabenden Freunden seines Vaters auf. Er möchte seiner Adopitvfamilie beweisen, dass er es verdient bei ihnen zu leben, denn ihm geht es gut, im Gegensatz zu vielen anderen Menschen, die nach dem damaligen Börsencrash alles verloren haben.
Auch Flora wurde früh zur Waise und lebt mit ihrer Großmutter zusammen. Ihr geht es den Umständen entsprechend gut. Zwar hat sie als schwarze Frau mit Diskriminierung zu kämpfen, doch ihr Nachtklub läuft, und ein Freund ihres Vaters überlässt ihr sein Flugzeug für ihr liebstes Hobby, das Fliegen. Flora und Henry ahnen nicht, dass sie die Hauptrolle im Spiel von Liebe und Tod spielen, auch nicht, als ihr Leben völlig aus der Bahn gerät, und sie nicht das Geringste dagegen machen können.
Neben den Haupt- und Nebencharakteren, haben auch die Liebe und der Tod diverse Auftritte im Buch, als Menschen oder auch mal in anderer Gestalt. Diese Begebenheiten sind oft sehr speziell, haben etwas leicht Gruseliges oder Unabwendbares an sich. Man wartet richtiggehend darauf, dass die beiden wieder in Erscheinung treten.

"Das Spiel von Liebe und Tod" liest sich sehr ruhig, aber nicht langweilig, und profitiert eindeutig von der Zeitepoche, einem Seattle der 30er-Jahre. Abneigungen gegen Andersdenkende, Homosexuelle oder schwarze Menschen kommen sehr gut beim Leser an. Sehr beeindruckend ist die Implementierung von historischen Begebenheiten in die Geschichte, für die hier meist der Tod verantwortlich gemacht wird. Durch ein noch häufigeres Auftreten von Liebe und Tod hätte die Autorin dem Buch noch etwas mehr Aufregung verleihen können. Gegen Ende münden die Ereignisse in einen bombastischen Schluss, der tief beeindruckt, aufwühlt und anrührt. Es bleibt das Gefühl eines literarischen Kunstwerks.

Das persönliche Fazit
"Das Spiel von Liebe und Tod" ist vor dem Lesen schwer zu fassen, denn die Inhaltsbeschreibung klingt abstrakt. Als dann im ersten Kapitel klar wird, dass hier Liebe und Tod als Menschen gegeneinander ein sehr reales Spiel spielen, war ich sofort gebannt. Die Geschichte ist meisterhaft aufgebaut, oft beeindruckend und tiefgründig. Etwas mehr Spannung und Herzklopfen hätte sie nochmals aufgewertet. Der Schluss ist erstklassig. Er hat mich sehr begeistert, enorm aufgewühlt und zu Tränen gerührt zurückgelassen. Auf jeden Fall im Auge behalten!


Aufmachung: 4 / 5
Handlung: 4 / 5
Charaktere: 4 / 5
Lesespaß: 3,5 / 5
Preis/Leistung: 4 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Donnerstag, 18. August 2016

Buchzugänge vs. Buchabgänge vs. Geflüster im Juli 2016

Die Sommermonate zählen bei mir zu den bücherreichsten Monaten. Woran das genau liegt, ist mir nicht ganz klar. Natürlich erscheinen im Sommer viele tolle Buchneuheiten. Da fällt die Auswahl schwer. Wahrscheinlich liegt es aber auch daran, dass ich den Sommer mit Zeit haben gleichsetze. Sommerferien und Sommerurlaub, das war einfach schon immer Trumpf. Dabei ist es mit Kindern nicht mehr so, dass man im Sommer besonders viel Zeit für sich selbst hat. Im Gegenteil. Trotzdem habe ich im Juli einige neue Bücher ins Regal gestellt.


Meine Buchzugänge im Juli 2016 - 8 Bücher



In einer Sommernacht wie dieser von Tanja Heitmann
... ist ein Sommerthriller mit Lovestory. Das Cover zeigt eine ganz passende Szene aus dem Buch.
Eine Woche voller Montage von Jessica Brody
... hat das Prinzip von Und täglich grüßt das Murmeltier. Ich erwarte viel Pfiff und Humor.
Die (beinahe) größte Liebesgeschichte des Universums von Sarvenaz Tash
... ist hoffentlich sehr nerdig, lustig und süß-romantisch.
Das Spiel von Liebe und Tod von Martha Brockenbrough
... hat eine ganz ungewöhnliche Story, in der die Liebe und der Tod ein perfides Spiel mit einem Liebespaar spielen.
Evolution: Die Stadt der Überlebenden von Thomas Thiemeyer
... ist der Beginn einer neuen Trilogie des Autors. Die Geschichte klang sofort nach Pageturner.
Book of Lies von Teri Terry
... muss man unbedingt besitzen, wenn man die anderen Bücher der Autorin so sehr mochte.
Federherz von Elisabeth Denis
... schon der Klappentext hat mich hier fasziniert. Er klingt so mysteriös und geheimnisvoll.
Mord ist nichts für junge Damen von Robin Stevens
... wurde mir auf einer Kinder- und Jugendbuchmesse in Zürich empfohlen. Es ist ein Kriminalfall in einer Mädchenschule der 30er Jahre.


Buchabgänge - gelesen habe ich im Juli 11 Bücher


      

Die Königin der Schatten: Verflucht von Erika Johansen ... Das Buch ist der zweite Teil einer Trilogie und absolut toll. Diese Mischung aus High Fantasy, Dystopie (und irgendwie Zeitreise) ist so super!
Zum Glück baucht mich niemand von Liv Marit Weberg ... ist der zweite Teil über die schwierig-schüchterne und sehr eigene Hauptprotagonistin Anne Lise. Man kann das Buch (ebenso den Vorgänger "Zum Glück bemerkt mich niemand ... dachte ich") aber auch als Einzelband lesen.
In einer Sommernacht wie dieser von Tanja Heitmann ... war mir etwas zu viel Love und zu wenig Thrill. Trotzdem kann man das Buch gut lesen und die Geschichte hat was.
Evolution: Die Stadt der Überlebenden von Thomas Thiemeyer ... ist ein Buch, das man in einem Rutsch verschlingen kann. Es ist spannend und fesselnd. Zwar wirken einigen Dinge etwas konstruiert, meine Lesefreude hat das aber nicht getrübt.


      

Wie man seine absurd analogen Eltern updatet von Pete Johnson ... Das Kinderbuch ist Teil einer Reihe des Autors, ich habe es ohne Vorkenntnisse gelesen - und es war toll! So lustig und vergnüglich. Dabei hat es eine sehr gute Grundaussage.
Woodwalkers: Carags Verwandlung von Katja Brandis ... ist ein Trilogiestart für Kinder ab 10 Jahren. Das Thema Gestaltwandler ist perfekt und natürlich umgesetzt. Für mich hatte die Handlung etwas zu wenig Spannung, Leser der Zielgruppe könnten das aber anders sehen.
Die Rache der Insel von Manuela Martini ... war ein Buch für meine persönliche Reihenchallenge 2016. Ich war mit dem Abschluss der Dilogie sehr zufrieden. Beide Bücher sind spannend und etwas abgedreht.
Zimt und weg von Dagmar Bach ... ist definitiv ein Juli-Lesehighlight! Das Buch ist so süß-humorvoll, so herzlich und so turbulent, man kann mit dem Lesen einfach nicht aufhören. Für alle Leser, die Kerstin Gier gerne mögen, ist die Geschichte perfekt. Band 2 und 3 folgen bald.


    

Pelle von Pimpernell: Der Geisterhund von Claire Barker ... wird für Leser ab 9 Jahren empfohlen. Die Geschichte ist eine tolle Kombination aus Humor, Warmherzigkeit und Spannung. Ich habe das Buch meinen Kindern vorgelesen, und wir haben jede Seite genossen.
Book of Lies von Teri Terry ... Die Autorin begeistert mich mit ihren Büchern. "Book of Lies" ist ein düsteres, sehr vereinnahmendes Buch, bei dem man am Ende erst mal durchatmen muss. Auch wenn die Charaktere etwas extremer hätte sein dürfen, war die Geschichte sehr klasse.
Solange wir lügen von E. Lockhart ... habe ich mir ganz spontan vom SuB geschnappt. Ich fand es sofort interessant, wusste aber lange nicht, in welche Richtung die Geschichte geht und worauf alles hinauslaufen soll. Bähm! Die Wendung hat mich umgehauen und sehr berührt obwohl das Buch nicht offensichtlich traurig ist. Es ist ebenfalls ein Juli-Lesehighlight.


Geflüster im Juli


Vom alleine Bloggen und vom miteinander Bloggen ...

Wir Buchblogger sind sehr stolz auf unsere Blogs. Das dürfen wir auch sein, denn hier steckt viel Arbeit und Leidenschaft drin. Das sehen und spüren hoffentlich auch unsere Leser. Trotzdem blogg(t)en wir deutschen Buchblogger meist alleine, für uns, jeder für sich. Damit meine ich nicht Blogtouren, Blogvorstellungen, Mitmachaktionen oder Challenges, bei denen sich immer viele Blogs zusammenfinden. Ich will damit auch nicht sagen, dass jeder seine Blogtüren für Gastbeiträge oder Ähnliches öffnen sollte. Es ist nur auffällig, dass es zum Beispiel bei amerikanischen Bloggern ganz natürlich ist, Beiträge anderer Buchblogger zu teilen oder zu verlinken. Somit unterstützen sich die Blogger gegenseitig, sprechen Lob für Lesenswertes aus und machen auf Artikel aufmerksam, die das auch verdient haben. Egal wie groß oder klein der Blog ist. Eine tolle Sache, wie ich finde, für jeden persönlich und die Gemeinschaft mit Gleichgesinnten. Einige deutsche Buchblogger orientieren sich daran, oder haben selbst schon umgedacht, haben einen Anfang gemacht. So langsam kommt auch bei uns Schwung in die Sache.
Eine tolle Möglichkeit zum Miteinander unter Bloggern sind die Sozialen Netzwerke, z.B. Facebook. Fast jeder Blog hat eine zugehörige Facebook-Fanseite. Ich habe im Juli einfach mal den Test gemacht und, neben vielen eigenen, einige lesenswerte Beiträge meiner BloggerkollegInnen bewusst geteilt und verbreitet. Immer mit einem kurzen Statement, warum ich diesen Beitrag empfehle, warum Interessierte hier mal klicken sollten. Das Ergebnis verblüfft. Diese "Gemeinsambeiträge" erhalten viel mehr Aufmerksamkeit als meine eigenen. Der Ursprungsbeitrag erhält durch mich mehr Klicks, mehr Reichweite und mehr Seitenaktivität ... und ich ebenfalls. Davon profitieren der Urheber des Beitrags und ich gleichermaßen.
Täglich lese ich tolle Blogbeiträge, gut geschriebene Artikel mit Themen, die viele Leser interessieren, und das alleine beim Stöbern auf Facebook. Ich habe mir vorgenommen, diese vermehrt über meine Facebook-Fanseite zu teilen, um die Chance auf mehr Aufmerksamkeit zu erhöhen. Für ein wertschätzendes Miteinander unter deutschen Buchbloggern.


Von der Leselust und der Ablenkung ...

Ich habe große Lust zu lesen. Täglich, immer wenn es geht und ich etwas Zeit habe. Leseflauten sind mir fremd, und es macht mich unzufrieden, wenn ich aus Zeitgründen nicht zum Lesen komme. Leider ist es noch immer so, dass ich mich beim Lesen oft und gerne ablenken lasse. Das Problem ist hauptsächlich das Smartphone mit all seinen Vorteilen, Zeitfressern, Sinnvollem und Nutzlosem. Das habe ich erkannt und hier schon mal etwas erläutert, ohne jetzt nochmals allzu tief ins Detail zu gehen. Ich behaupte einfach mal, (fast) jeder kennt dieses Problem.
Lesen ist kein Wettbewerb, kein Massenvergleich, natürlich nicht. Es ist aber mein #1-Hobby, und dieses könnte ich noch ausgeprägter leben, wenn ich mich währenddessen nicht ablenken lassen würde. Ich möchte dahin zurück, dass ich mal eine Stunde durchlese, OHNE auf das Smartphone zu schauen. Dass ich freie Zeit sinnvoll nütze, OHNE mich hinterher zu ärgern, dass ich eine halbe (oder ganze) Stunde sinnlos mit dem Smartphone verbracht habe. Erneut fasse ich den Entschluss, dieses Ziel zu erreichen. Das Problem scheint klein und einfach, ist es aber nicht. Dafür ist es mir schon zu lange bewusst.


Von den Freuden mit Instagram ...

Instagram ist super! Es ist lässig, macht kreativ und unheimlichen Spaß. Unter @damarisliest bin ich dort anzutreffen. Zum Abschluss drei meiner liebsten Insta-Juli-Bilder.



Montag, 15. August 2016

Dieses Buch bleibt im Regal #23

Eine Aktion von Damaris liest.
Es ist Mitte August und somit Zeit für eine neue Dieses Buch bleibt im Regal-Vorstellung. Die meisten Leser sammeln Bücher. Bei manchen bleibt jedes gelesene Buch im Regal, andere behalten nur echte Herzensbücher. Um genau diese Bücher geht es hier. Jeden Monat stelle ich ein Buch vor, das niemals aus meinem Regal ausziehen würde.


Faunblut


"Faunblut" von Nina Blazon - 8,99 € (TB) - HC nicht mehr lieferbar - cbt Verlag

Eine Freundin drückte mir "Totenbraut" von Nina Blazon in die Hand. Seit dem Buch bin ich ein großer Fan der Autorin. Ihr Stil, ihre Art zu erzählen und ihre Geschichten (egal ob historische Romane oder Jugendfantasy) sind einzigartig. Nina Blazons Jugendbücher sind allesamt Einzeltitel, das finde ich sehr klasse. "Faunblut" war das zweite Buch, dass ich von der Autorin gelesen habe. Ich bin völlig darin versunken.

Nach einer kurzen Orientierungsphase ist man mitten im Geschehen des phantastischen Romans. Die Geschichte spielt in einer Stadt, die in zwei Teile gespalten ist. Der bewohnte Teil wird von einer Herrscherin unterdrückt, der andere Teil ist verboten, aus diesem müssen sich die Bewohner fernhalten.
Jade führt mit ihrem Vater ein heruntergekommenes Hotel. In diesem wird Faun einquartiert, der von der Herrscherin für eine geheime Sache engagiert wurde, sehr zum Unmut von Jade.

"Faunblut" hat eine irre gute Story, viel Spannung, Action und etwas (humorvolle) Romantik. Sehr besonders ist, dass man die Zeitepoche des Buches nicht richtig zuordnen kann. Oft denkt man an ein altertümliches Setting (z. B. mit Schiffslieferungen und Tauschhandel), dann gibt es aber wiederum elektrische Aufzüge. Das ist sehr individuell. Mehrere Romane von Nina Blazon sind in dieser Fantasywelt angesiedelt.
Das Buch habe ich als Taschenbuch gelesen. Es hat mir so gut gefallen, dass ich mir die bereits vergriffene Hardcover-Ausgabe bei eBay für mein Regal ersteigert habe. Wer das Buch noch nicht kennt, kann bedenkenlos zugreifen. Eine Review von mir gibt es HIER.






Liebe Blogger, dies ist eine Mitmachaktion von Damaris liest. Du möchtest ebenfalls ein besonderes Buch, das niemals aus deinem Regal auszieht, auf deinem Blog vorstellen und es damit deinen Lesern empfehlen? Dann ...

SEI DABEI!
(die Aktion findet jeweils am 15. des Monats statt)

  • Verwende das Dieses Buch bleibt im Regal-Banner, und verweise damit auf den Ursprungsblog, damit die Aktion Wiedererkennungswert hat.
  • Wenn du magst, hinterlasse mir hier deinen Beitragslink als Kommentar, dann können interessierte Leser und ich zum Stöbern kommen.
  • Mach mit oder auch mal nicht. Am Aktionstag oder später (du hast immer einen ganzen Monat Zeit, bevor die nächste Runde startet) - ganz egal. Die Aktion ist jedes Mal freiwillig. Sie soll gemeinsam Spaß machen und ggf. den Austausch anregen.

Donnerstag, 11. August 2016

Rezension zu "Book of Lies" von Teri Terry



Verlag: Coppenrath Verlag (Juli 2016)
Originaltitel: Book of Lies
Übersetzer: Petra Knese
Reihe: - , ab ca. 14-17 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 400 S.
ISBN: 978-3649667520
17,95 € [D]

Genre: Urban Fantasy

© Cover- und Zitatrechte: Coppenrath Verlag


Das Thema
Quinn wurde als Baby von der Mutter bei ihrer Großmutter zurückgelassen. Das Mädchen hatte keine schöne Kindheit, war ständig den harten Regeln und Bestrafungen der Großmutter, und den seltenen, unterkühlten Besuchen der Mutter, ausgesetzt. Jetzt ist Quinns Mutter tot. Auf der Beerdigung begegnet sie ihrer Zwillingsschwester Piper. Beide Mädchen haben sich noch nie gesehen, sind sich jedoch sehr vertraut. Warum hat die Mutter Quinn abgegeben, während sie Piper mit sich in ein schönes Leben genommen hat? Wer wusste davon? Die Schwestern machen sich auf die Suche nach der Vergangenheit. Piper voller Enthusiasmus, Quinn voller Misstrauen. Sie entdecken ein uraltes und dunkles Familienerbe.

Die Rezension

Der Anfang: Es gibt Dinge, die man lieber nicht tun sollte. Wie auf den Gleisen zu stehen, wenn ein Zug kommt, oder die Hand über eine offene Flamme zu halten.

Autorin Teri Terry wusste schon mit der Gelöscht-Trilogie zu fesseln. Ihr Talent, auf eine sehr ruhige und eindringliche Art, Spannung zu erzeugen, ist sehr faszinierend. Das neueste Jugendbuch "Book of Lies" sollte darum unbedingt auf breites Interesse stoßen. Vergleichen kann man es mit anderen Büchern der Autorin keineswegs (und das soll auch so sein), eines hat das neue Buch mit vorherigen Werken aber gemein - eine Geschichte, der man sich nicht entziehen kann.

Schon der Anfang vereinnahmt komplett. Zwei Zwillingsschwestern treffen nach einem Schicksalsschlag aufeinander. Die eine wusste von ihrer Schwester, die andere nicht. Das dies im Laufe der Geschichte zu Konflikten führt, ist dem Leser ab dem ersten Kapitel klar. Dabei ist man sich anfangs gar nicht sicher, mit welcher Art von Roman man es hier zu tun hat. Zeitgenössisch oder doch Urban Fantasy? Phantastische Elemente streut die Autorin sehr dezent und recht spät. So liest sich das Buch eher wie eine düstere Familientragödie als eine Fantasy-Geschichte. Diese Umsetzung ist perfekt.

Warum sollte mich ihr Tod kümmern? Sie hat sich ja auch nicht um mich gekümmert. Nie war sie bei mir, wenn ich sie gebraucht hätte, wenn ich Angst hatte. [...]
Sie hat mich nie geliebt.
Und was noch schlimmer ist, sie wird mich auch nie mehr lieben. - Quinn, S. 25

Beide Schwestern erzählen die Geschichte aus der eigenen Sichtweise, in sich abwechselnden Kapiteln. Während Piper sofort freundlich und optimistisch erscheint, wirkt Quinn zurückhaltend, etwas verschlagen und misstrauisch. Beide Charakterzüge sind nachzuvollziehen. Und obwohl es sein kann, dass man sofort Sympathien und Antipathien verteilt, wird man einige Meinungen während der Handlung korrigieren oder erweitern müssen. Wer ist die gute Schwester, wer die böse? Oder kann man das vielleicht nie genau definieren?
Obwohl "Book of Lies" von vielen Gänsehautmomenten lebt, hätte die Autorin ihre Charaktere noch etwas offensiver, extremer gestalten können. Das hätte der Spannung gut getan. Doch auch so verfehlt die beherrschte Düsternis ihre Wirkung nicht. Das Lesegefühl ist sehr besitzergreifend.

Gegen Ende spitzt sich die Handlung immer mehr zu, wird dramatisch und fantasylastiger, und hinterlässt ein nachdrückliches Gefühl. Man wird die Geschichte noch eine Weile Revue passieren lassen oder neu bewerten.

Das persönliche Fazit
Uff! Am Ende musste ich mich erst mal sammeln. "Book of Lies" ist ein düsteres, sehr vereinnahmendes Buch. Die Definition von Lügen und deren Auswirkungen auf das Leben der Schwestern Quinn und Piper, ist der Autorin hervorragend gelungen. Das Buch liest sich nicht wie klassische Urban Fantasy, es geht tiefer und hat eine ruhige Dunkelheit, die mich gefangen nahm. Nicht alles ist wie es scheint, gefestigte Meinungen musste ich während des Lesens revidieren. Einige Momente sind wirklich gruselig, und es benötigt Zeit um herauszufinden, mit was man es hier zu tun hat. Das ist sehr fesselnd und unheimlich. 4 Sterne!


Aufmachung: 4,5 / 5
Handlung: 4 / 5
Charaktere: 4 / 5
Lesespaß: 4 / 5
Preis/Leistung: 4,5 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Mittwoch, 10. August 2016

Rezension zu "Angelfall: Nacht ohne Morgen" von Susan Ee



Verlag: Heyne Verlag (August 2016)
Originaltitel: Angelfall
Übersetzer: Kathrin Wolf
Reihe: Band 1/3
Ausführung: Taschenbuch, 400 S.
ISBN: 978-3453315204
9,99 € [D]

Genre: Endzeit, Postapokalypse, Urban Fantasy

© Cover- und Zitatrechte: Heyne Verlag


Das Thema
Vor etwa sechs Wochen wurde die Welt von Engeln angegriffen. Von apokalyptischen Kriegern, welche die meisten Städte zerstört haben und in San Francisco ihr Hauptquartier, den Engelshorst, bezogen haben.
Penryn lebt mit ihrer geisteskranken Mutter und der kleinen Schwester Paige, die nach einem Unfall im Rollstuhl sitzt, im Silicon Valley, einem Ort südlich von San Francisco. Als immer mehr Gangs die zerstörte Stadt unsicher machen, zieht Penryn mit ihrer Familie aus der Wohnung aus, um einen sichereren Ort zu suchen. Auf dem Weg werden sie Zeuge einer Auseinandersetzung unter Engelskriegern, bei der einer der Engel schwer verletzt wird. Paige wird von ihnen entführt und in den Horst geschleppt. Penryns einziges Bestreben, ist es, ihre Schwester zurückzuholen. Dafür benötigt sie ausgerechnet die Hilfe des verletzten Engels Raffe.

Die Rezension

Der erste Satz: Auch wenn es ironisch klingt: Seit den Angriffen sind die Sonnenuntergänge herrlich.

Wenn man das Bedürfnis hat, ein Buch drei Mal zu lesen, dann muss es für den Leser etwas Besonderes sein. Wenn eine Vielleserin (die es seit Jahren nicht geschafft hat, ein einziges ihrer Bücher nochmals zu lesen) dann wiederholt zum selben Buch zu greift, sollte sie dieses definitiv interessierten Lesern weiterempfehlen. So geschehen ist das bei "Angelfall: Nacht ohne Morgen". Dieses Buch begeistert ab der ersten Seite und fesselt bis zur letzten.

Ich lege mein Ohr an die Eingangstür unseres Wohnhauses. Nichts. Kein Wind, keine Vögel, keine Autos, keine Stimmen.  - S. 8

Dabei scheint die Story, wenn man sich rein am Klappentext orientiert, gar nicht so ungewöhnlich. "Angelfall" ist ein Engel-Fantasybuch - und die gibt es ja haufenweise. Trotzdem ist es nicht nur ein Engelbuch. Zum einen geht es hier nicht um leuchtende, (oft) gefallene Heiligenscheinwesen, die auf der Erde ihre liebestrunkene, menschliche Gefährtin finden. Nein. Die Engel in "Angelfall" sind intrigante, rachsüchtige Wesen, die Zerstörung über die Erde gebracht haben und ihre eigenen Machtfantasien ausleben wollen.
Zudem bedient sich Susan Ee in ihrem Debüt an einem genialen Genremix aus Urban-Fantasy, Endzeitroman und Dystopie. Dieser Mix gelingt der Autorin hervorragend und so stolpert man an der Seite von Penryn und Raffe durch eine brutale und postapokalyptische Albtraumwelt.

Hardcover 2013,
Heyne fliegt
Penryn, Hauptprotagonistin der Geschichte, wurde vom Vater verlassen, hat eine schizophrene Mutter und eine kleine Schwester im Rollstuhl. Das macht die 17-jährige automatisch zum Familienoberhaupt. Penryn ist sympathisch-ironisch, sorgsam und sensibel. Und sie ist tough, sehr tough! Manch eine Stelle im Buch muss man gleich mehrfach lesen, weil man ungläubig mit den Augen zwinkert. Dabei kommt ihre oftmals coole Toughness nicht von ungefähr, sondern hat einen ernstzunehmenden Hintergrund. Dies, und die tolle Erzählform (Ich-Form, Präsens), zeigen sie als sehr authentischen und gut ausgearbeiteten Charakter.
Raffe, flügelloser Engel und unfreiwilliger Weggefährte von Penryn, ist ab Beginn eher schweigsamer Natur. Sein trockener Humor und Sarkasmus sorgt für manch lustigen Schlagabtausch zwischen ihm und Penryn. Doch sein Einsatz kommt und das sehr brachial. Raffe ist bildschön, loyal und irgendwie ... unsicher, in Bezug auf Penryn. Er passt perfekt zur Geschichte.
Bedeutend für die Geschichte sind vor allem auch Penryns Mom und die kleine Schwester Paige. Und obwohl sie die meiste Zeit mit Abwesenheit glänzen, haben sie tragende Rollen, die den Leser sprichwörtlich das Fürchten lehren. Zum Gruseln!

Er ächzt, seine Augendeckel klappen zu. Wieder ohrfeige ich ihn, so fest ich kann. 
"Sag mir, wo sie hin sind! Wo bringen sie sie hin?"
Ein Teil von mir hasst diese neue Penryn, die ich geworden bin, hasst das Mädchen, das ein sterbendes Geschöpf ohrfeigt. Doch ich schiebe diesen Teil in eine dunkle Ecke meines Verstands, wo er mich ein anderes Mal piesacken kann, wenn Paige außer Gefahr ist. - S. 31

"Angelfall: Nacht ohne Morgen" ist nicht nur tödlich-spannend und fesselnd, sondern richtiggehend böse. Es gehört zur Kategorie (sehr) harter YA-Fantasybücher. Fraglich ist, ob sich einige Szenen für junge und unbedarfte Leser eigenen. Man sollte vor dem Lesen wissen, dass man hier sehr viel aushalten und (v)ertragen muss. Es geht mitunter sehr blutig und anschaulich zur Sache, inklusive Gänsehaut und Das-ist-jetzt-aber-nicht-wahr!-Szenen.

Oftmals kurze Kapitel mit kleinen Cliffhangern am Ende lassen einen das Buch nur schwer aus der Hand legen. Nachdem man Penryn und Raffe auf ihrer gefährlichen Reise zum Horst der Engel begleitet hat, geht das Buch im letzten Drittel in wahre Schauderszenen über. Hier wird es so rasant und unglaublich nervenaufreibend, dass man davon ausgehen muss, die Autorin habe sich an diverser Horrorliteratur und -filmen orientiert. Man fühlt sich tatsächlich wie in einem Survival-Horror-Videogame mit einer einzigen langen Gruselszene. Für Leser von schauriger Spannung, die einiges aushalten können/müssen, ist die Geschichte perfekt.

So ist es kaum verwunderlich, dass man am Ende nur schwer bis zum nächsten Band warten kann. Die Geschichte endet an einem Punkt, der die Handlung für diesen Band zu Ende, bzw. zu einem Zwischenstand führt. Die Vorfreude auf Band 2 ist unweigerlich vorprogrammiert. Der Folgeband "Angelfall: Tage der Dunkelheit" erscheint im Januar 2017.

Das persönliche Fazit
"Angelfall: Nacht ohne Morgen" ist tatsächlich das einzige Buch der letzten Jahre, das ich mehrmals gelesen habe. Die Story, der Genremix, die Charaktere, die Atmosphäre - wow, ich war wie im Buch gefangen, gebannt und auch verstört. Noch immer sind für mich manche Szenen höchst nervenaufreibend. Ich empfand es als wahninnig gut (und zugleich zum Fürchten krass!). Zuerst selbstverlegt und durch Mund-zu-Mund-Propaganda empfohlen, ist es jetzt endlich auf Deutsch als Taschenbuch erschienen. Lest es! Ihr werdet die Nacht bis zum Morgen durchlesen! 5 Sterne - Lieblingsbuchstatus!


Aufmachung: 4 / 5
Handlung: 4,5 / 5
Charaktere: 4,5 / 5
Lesespaß: 5 / 5
Preis/Leistung: 5 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de



Reiheninfo Angelfall-Trilogie:

Band 1 - Nacht ohne Morgen
Band 2 - Tage der Dunkelheit (Januar 2017)
Band 3 - ?