Donnerstag, 31. März 2016

Rezension zu "Die Seiten der Welt: Blutbuch" von Kai Meyer



Verlag: FJB (März 2016)
Originaltitel: -
Übersetzer: -
Reihe: Band 3/3
Ausführung: Hardcover/SU, 528 S.
ISBN: 978-3841402264
19,99 € [D]

Genre: Urban Fantasy

© Cover- und Zitatrechte: FISCHER FJB


Das Thema
Der Untergang des Sanktuariums, dem Machtzentrum der Adamitischen Akademie, war für den Widerstand ein großer Erfolg. Seitdem jedoch ist Furia verschwunden. Sie wurde von den Ideen verschlungen. Keiner weiß, ob sie noch lebt, was Isis nicht davon abhält, Furia zu suchen. Ungeachtet dessen machen sich die Ideen selbstständig und verschlingen ein Refugium nach dem anderen. Sollte es nicht gelingen sie aufzuhalten, möchte die Adamitische Akademie die Tore zu den Refugien versiegeln und damit die Exlibri sich selbst überlassen.

Die Rezension

Der Anfang: Die Geister der Bücher bevölkerten den leeren Saal. Ihr Duft war längst verflogen, doch selbst nach Jahren hallten die Echos ihrer Geschichten flüsternd zwischen den kahlen Wänden wider.

"Die Seiten der Welt" sind ein Phänomen, eine Geschichte, angesiedelt in der Buchwelt, wie man sie bis dato noch nicht gelesen hat. Folglich, und völlig zu Recht, kommt man auch kaum daran vorbei. Mit "Blutbuch" ist nun der Trilogie-Abschlussband erschienen. Er sorgt für Gänsehaut und Überraschungen, macht die Reihe unvergesslich.

Es ist nicht zu viel verraten, und Leser der Reihe wissen es natürlich, dass Furia nicht völlig von der Bildfläche verschwunden ist. Für den Moment ist sie unabkömmlich. Nicht erreichbar für den Widerstand und ihre Freunde, die nach ihr suchen. Dafür verfolgen diverse Personen eigene Interessen und hoffen, Furia für ihre Zwecke einsetzen zu können. Doch die Zeit läuft allen davon. Sprichwörtliche Ideen werden zu einer realen Gefahr, steigen immer höher auf und drohen, die gesamte bibliomantische Welt zu verschlingen.

"Es geht nicht um blindwütige Zerstörung", sagte er, "sondern um Erneuerung. Um Veränderung. Darum etwas Besseres zu erschaffen. [...] Die Chance hast du jetzt auch, Furia. Schreibe etwas in den Büchern der Schöpfung um, und du veränderst die Vergangenheit. Und mit ihr die Gegenwart und Zukunft. Furia, du hast die Macht [...]. Wer schlägt so eine Chance aus?"
"Ich", sagte sie. "Ich muss nicht mal darüber nachdenken." - S. 78/79

Es sind die Ideen an sich, die diese Reihe zu etwas Einzigartigem machen. "Blutbuch" steht seinen Vorgängern hier in nichts nach. Manche der Ideen rund ums Buch sind so einfach, so natürlich, dass sie umso mehr verblüffen, den Leser zum Schmunzeln bringen oder einfach nur Spaß machen. Andere sind gewaltig und für das Gänsehautgefühl beim Lesen verantwortlich. Der größte Coup ist wohl der, dass Kai Meyer den Ideen in der Geschichte ein Gesicht verleiht, sie als eigene Charaktere, bzw. Wesen mitspielen lässt.

Wie schon zuvor wird die Geschichte aus der Sicht vieler Charaktere erzählt. Einzelne melden sich nur kurz zu Wort, bringen neue Erkenntnisse oder Spannungsspitzen. Teilweise ist es so, dass die Gefühlswelt mancher Personen etwas außen vor bleibt. Zu diesen kann man als Leser keine intensive Beziehung aufbauen, die Erzählweise und der Buchumfang setzen hier Grenzen. Trotzdem fehlt es nicht an Spannung. "Blutbuch" ist kein Buch, bei dem man mal eben fünf Seiten liest, die Geschichte entfaltet ihre Wirkung in der Kontinuität. Praktisch, dass die meisten Kapitelenden zum sofortigen Weiterlesen zwingen.
Die Handlung ist bewundernswert komplex. Sie beeindruckt und weckt den Wunsch, die Geschichte am Ende nochmals zusammenhängend zu lesen. Es ist zu verschmerzen, dass einige Aufgaben sehr plötzlich erledigt sind, oder Gegner recht einfach aus dem Geschehen entfernt werden. Der Schluss ist mutig, absolut stimmig und garantiert ein zufriedenes Wow-Lesegefühl.

Das persönliche Fazit
Nach dem Lesen von "Die Seiten der Welt: Blutbuch" war ich fast etwas traurig. Traurig, dass diese besondere Reihe abgeschlossen wurde, und traurig, dass ich mich von der Geschichte lösen musste. Zu tief steckte ich in den Ereignissen und habe mich von den Ideen der bibliomantischen Welt begeistern lassen. Kleine Kritikpunkte hätten wohl nur durch einen nochmals höheren Buchumfang gelöst werden können. Das Buch ist, wie die Vorgänger, eine einzige große Besonderheit. Ich sage es wie es ist: Wer Bücher liebt, kommt an dieser Reihe nicht vorbei!


Aufmachung: 5 / 5
Handlung: 4 / 5
Charaktere: 4 / 5
Lesespaß: 4 / 5
Preis/Leistung: 4,5 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de




Reiheninfo Die Seiten der Welt-Trilogie:

Band 2 - Nachtland
Band 3 - Blutbuch

Dienstag, 29. März 2016

Auf die Wunschliste! - Neuerscheinungen im April 2016

Im April erscheinen bei einigen Verlagen neue Bücher, doch es sind weniger als in den Vormonaten. Bald startet das aktuelle Herbstprogramm, dann wird es wieder voll, ganz sicher. Sechs potenzielle Wunschlistenbücher habe ich für den April erstöbert. Priorität haben aber nicht alle. Dennoch interessieren sie mich.


Mystery - Contemporary - Lovestory - Drama

(erhalte genaue Buchinfos mit einem Klick auf das jeweilige Cover)



Wenn wir fallen von Jennifer Benkau ... ist das Buch mit der für mich höchsten April-Prio. Es klingt nach einer Mischung aus Mystery-Thriller und Lovestory. Liz träumt von einem schönen Jungen und plötzlich steht er vor ihr ... und er ist Mitglied einer gefährlichen Gang. Laut Autorin soll das Buch sehr anders sein, gegenüber ihren bisherigen Veröffentlichungen.
Der eine Andere von Catharina Clas ... Emmy hat sich mit dem besten Freund ihres Freundes getroffen, muss ständig an ihn denken und hat sich sogar von ihm küssen lassen. Ist die Liebe zu ihrem festen Freund überhaupt noch etwas wert?
Heat of the Moment von Lauren Barnholdt ... interessiert mich, weil ich bereits "Love Trip: Bitte nicht den Fahrer küssen!" der Autorin gelesen habe und sehr mochte. Das neuen Buch ist der Beginn der Moment-Trilogie und eine Contemporary Geschichte. Die Bücher erscheinen im monatlichen Abstand.



Der Soundtrack meines Lebens von Jessi Kirby ... ist Roadtrip und Drama gleichermaßen. Das Buch erscheint bei Carlsen als deutsche Neuauflage. Seit sich "Mein Herz wird dich finden" von Jessi Kirby in mein Herz geschrieben hat, möchte ich weitere Bücher der Autorin lesen.
Der Vergissmeinnicht-Sommer von Leila Howland ... handelt von drei Schwestern, die in den Sommerferien zu ihrer Tante in ein verschlafenes Küstenstädtchen geschickte werden. Ohne Handyverbindung, Internet und TV. So hatten sich die L.A.-Girls ihren Sommer nicht vorgestellt. Klingt toll!
Den Sternen so nah von Mareike Allnoch ... Nina begleitet den angehenden Musikstar Jai als Background-Tänzerin auf seiner Amerika-Tour. Bald fliegen zwischen dem bodenständigen Mädchen und dem herablassenden Star die Fetzen. Aber es knistert auch. Ich liebe das Cover! Und der Klappentext klingt nach viel Lesespaß.


Auf die Wunschliste!

Donnerstag, 24. März 2016

Rezension zu "Die Diamantkrieger-Saga: Damirs Schwur" von Bettina Belitz



Verlag: cbt (Februar 2016)
Originaltitel: -
Übersetzer: -
Reihe: Band 1/3, ab ca. 14 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 448 S.
ISBN: 978-3570164174
17,99 € [D]

Genre: Urban Fantasy

© Cover- und Zitatrechte: cbt Verlag


Das Thema
Sara hat eine besondere Gabe. Sie kann den Klang von Diamanten hören. Da das Verhältnis zu ihrer Mutter zerrüttet ist, verdient sie sich ihren Lebensunterhalt als Meisterdiebin, stiehlt Diamanten aus diversen Villen. Dass sie sich dafür mit der Gangster- und Untergrundszene der Stadt einlassen muss, nimmt sie in Kauf. Das ändert sich, als ein geheimnisvoller Krieger in den Katakomben erscheint. Es werden Ereignisse losgetreten, die Saras bisheriges Leben komplett verändern.

Die Rezension

Der Anfang: Ich erkannte bereits an Marias Gesicht, dass der Anfall immer noch nicht vorüber war.

Erscheint ein neuer Roman von Bettina Belitz, setzt die bekannte Vorfreude ein. Vorfreude auf ein Leseerlebnis, das ganz sicher unkonventionell ist, beeindruckt und tiefer geht, als erwartet. Denn genau diese Eigenschaften zeichnen die Autorin aus. "Damirs Schwur" ist der erste Band der neuen Trilogie Die Diamantkrieger-Saga, einem persönlichen Herzensprojekt der Autorin.

Es ist dieses düstere Milieu, in dem sich Hauptprotagonistin Sara bewegt, das sofort an die Seiten fesselt. Die erste Bekanntschaft mit der Untergrundszene der Stadt, lässt dem Leser die Haare zu Berge stehen. Man weiß sofort, es wird spannend ... hier tun sich wahre Abgründe auf. Allgemein ist die Umgebung der Geschichte sehr faszinierend. Zwar ist die Stadt (gewollt) nicht zuzuordnen und auf den ersten Blick erscheint alles recht normal, durch einige Hinweise weiß man aber schnell, dass die Geschichte wahrscheinlich in einer nahen Zukunft spielt. Die Spanne zwischen Arm und Reich ist sehr groß, Ärzte haben Security-Personal und es hat eine gewisse Verrohung und Verwahrlosung stattgefunden, wodurch etwa Adoptionen bei Kindern sehr leicht vonstatten gehen. Außerdem ist die Gangster- und Drogenszene abgedrehter als man sich das vorstellen mag. Das Setting verfehlt seine Wirkung nicht und Schreibstil könnte nicht besser sein.

Dort hinein passt Sara sehr gut. Durch eine unglaublich schlimme Kindheit, hat sie persönliche Schutzmauern um sich errichtet. Sie ist kaltschnäuzig, schlagfertig (mit den Fäusten und der Zunge) und sehr mutig. Auch geht sie Kompromisse ein, um ihre Ziele zu erreichen. Leider verrennt sie sich ab der Begegnung mit Damir in Spekulationen, die sie weitaus schwächer und unsicherer darstellen als zu Beginn. Zwar sind ihre Gedanken plausibel, sie hält am verinnerlichten Gangsterdenken fest, jedoch ist der Leser ihr immer einige Schritte voraus und Saras Gedankenspirale beginnt leicht zu nerven.
Eine Lovestory gibt es nicht, nicht im konventionellen Sinn. Eher auf einer erweiterten, spirituellen Ebene, die sich nicht jedem erschließt und für die nicht jeder Leser zugänglich ist. Damir, der geheimnisvolle Krieger, und Saras Anziehungspunkt, bleibt von Anfang bis Ende undurchsichtig, fast schon blass, und nicht greifbar. Die wenigen Worte, die er spricht, erscheinen wie nicht von dieser Welt, immer mehrdeutig, außerhalb eines Zusammenhangs. Dass selbst Sara sich hier die Haare rauft - verständlich.

Die Geschichte hat einen roten Faden, eine Entwicklung, die man gut nachvollziehen kann. Einige Szenen sind sehr hart, grausam-exzentrisch und absonderlich - ein düsterer Gegenpol auf Saras Weg zu mehr Weisheit und Erkenntnis. Dennoch liest sich das komplette Buch wie eine große Einleitung, durchsetzt mit Saras altem und neuem Lebenswandel und seitenlangen metaphysischen Erfahrungen ihrerseits. Erst ganz zum Schluss erfährt man eine Auflösung, die Sache, mit der Sara es tun hat (und die der Leser schon ahnte). Und hier wird sich die Meinung spalten, denn die esoterische Ausrichtung des Buches wird gefallen, oder eben nicht.

Das persönliche Fazit
"Die Diamantkrieger-Saga: Damirs Schwur" hatte für mich zwei sehr deutliche Eigenschaften. Das Buch hat mich eingesaugt und gleichzeitig befremdet. Die Atmosphäre der "weltlichen" Geschichte, die zwischenmenschlichen Konflikte und konsequenten Darstellungen machten es zu einem Pageturner. Auf der anderen Seite war mir die Mystik- oder Meta-Ebene, die Entwicklung und Verwirrung Saras, sowie die Verbindung mit Damir, zu erkennbar esoterisch und wenig prickelnd. Hier fehlte es lange an Handfestem, an Biss. Es ist ein sehr individuelles Leseerlebnis - 3 Sterne.


Aufmachung: 4 / 5
Handlung: 3 / 5
Charaktere: 3,5 / 5
Lesespaß: 3 / 5
Preis/Leistung: 3 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Montag, 21. März 2016

Review zu "Gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance" von Estelle Laure



FISCHER KJB (März 2016),
Hardcover/SU, 256 Seiten,
übersetzt von Sophie Zeitz,
14,99 € [D]


Eigentlich hat Lucille Wichtigeres zu tun, als sich ausgerechnet in den vergebenen Zwillingsbruder ihrer besten Freundin zu verlieben. In ihrer Familie ist sie die Einzige, die die Dinge in die Hand nimmt: Geld verdienen, Rechnungen bezahlen, sich um ihre kleine Schwester kümmern. Da bleibt keine Zeit für große Gefühle. Aber wer kann sich schon wehren, wenn die wahre Liebe vor der Tür steht? Denn gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance. (Text-, Cover- und Zitatrechte: FISCHER KJB)


Ich bin im Park. Es ist ein wunderschöner Tag. Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern eine kühle Brise weht. Ein Tag, wie er bei uns nur selten vorkommt, nicht zu schwül, nicht zu kühl, ein Traum von einem Tag. Einfach perfekt. Nur schade, dass mein Inneres schlottert und ich kaum Luft bekomme.
Wir haben fast nichts mehr zu essen.
- S. 25


Meine Meinung
Es klingt schon fast abgedroschen, aber Lucilles Leben, und das ihrer kleinen Schwester Wren, wurde vom Schicksal arg gebeutelt. Das darf man hier ruhig laut sagen, denn die beiden Mädchen sitzen richtig in der Patsche. Nach einem Vorfall wohnt ihr Vater schon längere Zeit nicht mehr zu Hause, und jetzt wurde es auch noch ihrer Mutter zu viel. Sie braucht einen Pause - von allem, besonders von den Mädchen ... und verschwindet. Als sie nach den versprochenen zwei Wochen nicht zurückkommt, sieht Lucille die allergrößten Probleme vor der Haustüre stehen, denn die 17-jährige ist nun für alles alleine verantwortlich. 

So beginnt "Gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance". Und tatsächlich ging es mir so, dass ich den beiden Schwestern Lucille und Wren gleich zu Anfang eine gehörige Portion Glück wünschte. Die Situation, in der sich die Mädchen befinden, ist für mein Mutterherz kaum auszuhalten. Und mit jeder Seite wächst meine Wut. Auf die Umstände, mit denen junge Mädchen niemals alleine zurecht kommen sollten, und vor allem auf die Mutter, die ihre Kinder so schamlos im Stich lässt. Wäre da nicht Lucille, ihre beste Freundin und ein geheimnisvoller "guter Geist", der für einige Lichtblicke und Hilfe sorgt, wäre die Situation beinahe ausweglos.
Dabei ist gerade Lucille anfangs recht schwer einzuschätzen. Das Mädchen ist schüchtern, fast verschlossen, aber sehr verantwortungsbewusst. Sie realisiert bald, dass sie aktiv werden muss, und vor allem ehrlich sein muss, damit sie und ihre Schwester überhaupt eine Chance haben. Es gab Situationen, das hat sie mich richtig überrascht. Dass sie sich in dieser Lage auch noch ernsthaft verliebt, mag für die Geschichte nicht unbedingt von Bedeutung sein, es ist aber ehrlich und alltäglich und nimmt somit genau den richtigen Raum ein.

Die Sprache des Buches ist einfach und und offen, hat innerhalb dieser Einfachheit einen solch gewaltigen Ausdruck, dass man einige Szenen erst einmal verinnerlichen muss. Es ist nicht so, dass man das Buch mit einer ständigen Fassungslosigkeit liest, selbst im Leben der beiden Schwestern gibt es Lichtblicke und Hoffnung. Trotzdem ist es so, dass auf die gerade mal 256 Seiten sehr viel Drama und Schmerz gepackt wird. Lucille hatte, auch wenn sie oft verzweifelt ist, meinen allergrößten Respekt. Momentan frage ich mich noch, ob es wirklich nötig war, dem Unglück am Ende noch die Krone aufzusetzen. Im Zusammenhang gesehen ist es für das Ende jedoch eine gute Lösung. Denn manchmal sollte das Schicksal unbedingt durch etwas Glück verbessert werden.

Fazit
"Gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance" ist ein Roman über das Erwachsenwerden - auf eine harte Art, die sich niemand persönlich wünscht. Die Charaktere sind echte Originale. Zwischen all die ehrliche Dramatik streut die Autorin viel Erfahrung, etwas Liebe, ein wenig Vertrauen und am Ende ganz viel Glück. Das Buch gehört zu den kleinen Highlights, die manche Jugendbücher zu etwas sehr Besonderem machen. Dafür 4,5 von 5 Punkte von mir.

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Freitag, 18. März 2016

High Five - 5 Sätze/5 Adjektive zu "Als wir unendlich wurden" von Carrie Firestone



Arena Verlag (März 2016),
Hardcover, 384 Seiten,
übersetzt von Ulrike Köbele,
14,99 € [D]


Maddies To-Do Liste vor dem College ist endlos. Erst als sie erfährt, dass ihre geliebte Grandma Astrid sterben wird, kommt alles zum Stillstand. Aber Astrid wäre nicht Astrid, wenn sie nicht mit einem großen Knall aus dem Leben gehen wollte, und sie lädt prompt die gesamte Patchworkfamilie zu einer Kreuzfahrt-Weltreise ein. Doch die "Wishwell" ist kein normales Schiff … und ihre Passagiere keine Pauschaltouristen. Und Maddie bleibt genau ein Sommer, um zu lernen, wie man einem geliebten Menschen für immer Lebwohl sagt. (Text-, Cover- und Zitatrechte: Arena Verlag)


Gram kehrt auf ihren Platz hinter dem Schreibtisch zurück und räuspert sich. "Okay, wo war ich?", sagt sie. "Ach ja richtig: Ich werde sterben. Und ich will euch auf eine Kreuzfahrt mitnehmen. Keine Sorge, das ist keines von diesen billigen Dingern mit All-you-can-eat-Büffett. Es ist ein wirklich schönes Schiff, tipptopp und hochmodern. Und alle Passagiere dort sind entweder Leute, die bald sterben, oder deren Begleitung."
"Das ist ja furchtbar, Astrid", bemerkt Tante Rose. - S. 26


5 zusammenfassende Sätze/Punkte zum Buch

  1. Das Thema 'Sterben nach Wunsch' oder auch 'Sterben mit Würde' in ein Jugendbuch zu packen, hat mich polarisiert, seit ich den Klappentext las. Es gibt bereits Romane darüber, das Ganze aus Sicht einer Jugendlichen - Maddie - zu lesen, und ihre Gefühle mitzuerleben, war mir jedoch völlig neu. Außerdem gefiel mir die Idee der letzten Kreuzfahrt - als Metapher für das Leben -, und ich hegte sofort Sympathien für die toughe Großmutter, die ihre Familie auf dieser letzte Reise um sich haben will.
  2. Das Buch macht Spaß! Das mag angesichts des aufwühlenden Themas abwegig klingen, aber es ist so. Die Geschichte steckt voller Humor und besonderer (auch skurriler) Momente. Man muss ständig lächeln oder freut sich an den Dingen/Stationen, die Gram Astrid sich für ihre Familie ausgedacht hat. Diese ist ein bunter Haufen unterschiedlichster Charaktere und bring viel Pfiff und Schwung in die Handlung. Doch nicht alle respektieren Astrids letzten Wunsch und kommen nicht mit auf Kreuzfahrt. Wie die Großmutter damit umgeht hat mir sehr imponiert. Gefühle wie Freude, Trauer, Verlustangst und Akzeptanz kommen sehr gut beim Leser an.
  3. Allgemein wirkt die Geschichte etwas übertrieben, auf eine gute Art und Weise, denn das verstärkt die Aufmerksamkeit. Die Wishwell, das Sterben-in-Würde-Kreuzfahrtschiff, ist natürlich fiktiv, ebenso die Organisation dahinter. Außerdem ist Gram Astrid, bzw. die ganze Familie, unfassbar reich. Sie schwelgen nur so in Luxus und Möglichkeiten, die normale Menschen nicht haben. (Nur reiche Menschen können sich diese spezielle Kreuzfahrt, und somit auch ein selbstbestimmtes Sterben, leisten. Ein fraglicher Ansatz, wo doch die Organisation der Kreuzfahrt so bemüht um die Selbstbestimmung todkranker Patienten ist und trotzdem nicht jedem diese Möglichkeit offen steht.)
  4. Es gab aber auch zwei hauptsächliche Punkte, bei denen ich mich sehr über das Buch geärgert habe. Da war zum einen die Sache, dass Maddie und ihre Cousine so verwöhnt sind, dass ihr Verhalten oftmals von Oberflächlichkeit durchzogen ist. Hallo?! Sie sind mit ihrer todkranken Oma auf Abschiedsreise, und es wird zum Thema gemacht, wer das wertvollere Andenken (Diamant-Ohrringe oder Saphir-Ring) bekommen hat, bzw. wer dabei "besser weggekommen" ist. Bei solchen Szenen konnte ich nur mit dem Kopf schütteln, geschweige denn Humor dahinter erkennen. Der andere Punkt war, dass ich das Buch zu sexualisiert empfand. Nicht auf einer jugendlich-süßen Ebene, sondern vordergründig und stets präsent. Das wirkte beim Hauptthema des Buches fast schon deplatziert, ebenso die Lovestory von Maddie, ohne diese hätte die Geschichte genauso gut funktioniert, und ich konnte nicht nachvollziehen, was an dem Jungen, den sie sich ausgeguckt hatte, so toll war.
  5. Einige Stellen in "Als wir unendlich wurden" sind sehr traurig und berühren das Herz. Bei manchen der Kreuzfahrt-Patienten erspart die Autorin dem Leser einen allzu harten Abschied, bei einigen muss man jedoch richtig loslassen. Das Ende des Romans fällt aus wie erwartet. Ich bin mir sicher, man wird nach der Geschichte einiges überdenken oder Dinge mit anderen Augen sehen.

5 Adjektive, die mir spontan zum Buch einfallen

lebenslustig, skurril, luxuriös, übertrieben und gegensätzlich



Zusammengefasst vom Fazitbär:
"Als wir unendlich wurden" löst während und nach dem Lesen ganz unterschiedliche Gefühle aus. Das Buch ist humorvoll, äußerst unterhaltsam, auch informativ, und hat eine sehr gute Art, mit einem anspruchsvollen Thema umzugehen. Einige Charaktere agieren jedoch sehr widersprüchlich und ihr Benehmen ist nicht immer verständlich. Manche Erfahrungen im Buch sind schmerzhaft und berühren. Empfehlenswert für alle Leser, die etwas Besonderes suchen.




© Damaris liest.

Mittwoch, 16. März 2016

Blogtour - Über das Leben nachdenken - Tag 2: "Als wir unendlich wurden"


Ein herzliches Willkommen allen Lesern, die ich bei einer ganz besonderen Blogtour begrüßen darf. Schön, dass ihr vorbeischaut. Meine Tour-KollegInnen und ich stellen euch diesmal nicht nur eines, sondern gleich drei Bücher näher vor. Jedes dieser Bücher beinhaltet ein Thema, das uns animiert über das Leben nachzudenken. Gleichzeitig sind die Romane spannend, lustig oder einfach speziell. Gestern, zum Tourstart, hat Nicole bei About Books mit "Das Spiel der Wünsche" begonnen. Ich stelle euch heute den Roman "Als wir unendlich wurden" vor.


 
"Als wir unendlich wurden" von Carrie Firestone - Hardcover, 384 Seiten, 14,99 € [D] - Arena Verlag


Eine Familie, eine Weltreise und ein ungewöhnlicher Wunsch ...


Maddie, die Hauptprotagonistin der Geschichte, hat ihren Highschool-Abschluss in der Tasche. Ihre einzige Sorge, ist, dass sie in ihrem letzten Sommer vor dem College nicht genug erlebt und mit ihren Freundinnen die beste Zeit verpasst. Ihre touge und aktive Großmutter Astrid ist Maddies Anlaufstelle und Erdung, ihr zweites Zuhause. Als Maddie völlig unvorbereitet erfährt, dass ihre Gram todkrank ist, kommt alles zum Stillstand. ...


... Doch Gram Astrid ist niemand, der mit seinem Schicksal hadert. Obwohl sie nicht mehr viel Zeit hat, ordnet sie für ihre gesamte Familie eine Weltreise an, auf der Wishwell, einem Kreuzfahrtschiff. Und sie macht keinen Hehl daraus, dass die Wishwell kein normales Schiff ist. Auf dieser Kreuzfahrt werden Wünsche erfüllt, genauer gesagt: letzte Wünsche. Nicht ganz legal und im Geheimen, denn die Wishwell nimmt die Passagiere mit auf eine "Sterben-mit-Würde-Kreuzfahrt". Nachdem die todkranken Patienten alles erlebt haben, was sie sich wünschen, legen sie den Zeitpunkt ihres Todes selbst fest. Friedlich und selbstbestimmt. ...


... Maddie und ihre Familie (zumindest die meisten davon) lassen sich auf den ungewöhnlichen Wunsch ihrer Gram ein. Manche sofort, anderen ist die Sache nicht ganz geheuer.
Dann sticht die Wishwell in See und läuft die Ziele an, die sich Gram Astrid für ihre letzte Reise ausgesucht hat. Für Maddie und ihre Familie beginnt eine unvergleichliche Zeit. Zeit, in der sie besonders viele Erinnerungen an ihre Großmutter sammeln will und in der sie ein emotionales Auf und Ab erlebt. ...


... Denn irgendwann neigt sich selbst die lustigste, bedeutungsvollste und skurrilste Kreuzfahrt dem unweigerlichen Ende zu.

Ich persönlich kann euch versprechen, dass man manche Dinge nach dem Lesen von "Als wir unendlich wurden" überdenkt. Das Buch ist humorvoll und liebevoll -auf seine Art-, aber es erscheint zugleich etwas abwegig und fordert den Leser heraus. Genau das ist meiner Meinung nach der Sinn dahinter.

Morgen geht die Über das Leben nachdenken-Blogtour bei The Wonderland Books Station machen. An Tag 3 der Tour stellt Yvonne das Buch "Alba & Seven" vor.


Gewinnspiel

Das Gewinnspiel ist beendet! Steffi E. ist die Gewinnerin von "Als wir unendlich wurden".
Herzlichen Glückwunsch!


Im Rahmen dieser speziellen Blogtour verlose ich mein eigenes Buch "Als wir unendlich wurden". Der Gewinner darf dann mit Maddie und ihrer Großmutter auf diese besondere Weltreise gehen. Um teilzunehmen, möchte ich eure Meinung wissen (diese hat natürlich keinen Einfluss auf die Gewinnchance). Kommentiere diesen Beitrag und beantworte mir folgende Frage:

Was denkst du über das Thema "Selbstbestimmtes Sterben - Sterben mit Würde". Sollte man im Alter, z.B. bei unheilbarer Krankheit, selbst entscheiden dürfen, wann man sein Leben beenden möchte? Oder sollte man das alleine dem Lauf des Lebens überlassen?


Ich freue mich auf eure Antworten und wünsche viel Glück!


Das Kleingedruckte: Jeder kann mitmachen. Durch die Teilnahme wird bestätigt, 18 Jahre alt zu sein oder das Einverständnis eines Erziehungsberechtigten zu haben. Jeder darf ein Mal teilnehmen. Die Gewinner werden nach Ablauf des Gewinnspiels per E-Mail benachrichtigt (bitte Kontaktmöglichkeit im Kommentar hinterlassen, falls anonym kommentiert wird) und hier im Beitrag genannt. Gewinne von Damaris liest. werden nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz versandt. E-Mail Adressen und genannte Versandadressen werden sofort nach Beendigung gelöscht. Reine Gewinnspielblogs sind von der Teilnahme ausgeschlossen. Die Auslosung erfolgt über Random.org. Teilnahmeschluss ist Dienstag, der 29.03.2016.

Dienstag, 15. März 2016

Dieses Buch bleibt im Regal #18

Eine Aktion von Damaris liest.
Bei dieser Aktion stelle ich ein Mal im Monat ein Buch vor, das für immer einen Platz in meinem Regal hat. Regalplätze sind bei mir (leider!) begrenzt und bei jedem Buch wäge ich ab, ob ich es behalte, oder ob es einen anderen Leser glücklich machen darf. Persönliche Buchschätze, an denen ich emotional hänge, mit denen ich besondere Erinnerungen verbinde, behalte ich.


Kirschen im Schnee


"Kirschen im Schnee" von Kat Yeh - 16,95 € (HC) - Magellan Verlag

"Kirschen im Schnee" ist ein absolut wunderbares Buch! Es hat bei mir Lieblingsbuchstatus.
GiGi wird von ihrer älteren Schwester DiDi großgezogen. Von der toten Mutter ist den Schwestern nichts geblieben, außer ein besonderes Rezeptbuch. Die Rezepte im Buch integrieren sich perfekt in die Handlung, die sehr liebevoll, sehr anders und sehr rührend ist. Es geht darum seinen eigenen Weg zu finden, auch wenn dieser sehr steinig ist. Meine Rezension zu "Kirschen im Schnee" stellt das Buch genauer vor.

"Schon nach dem ersten Buchdrittel hatte ich die leise Ahnung, dass dieses Buch steil auf Lieblingsbuchkurs ist. Die Ahnung bestätigte sich. Bei "Kirschen im Schnee" stimmt alles - außen wie innen! Charaktere und Plot sind wunderbar. Das Buch ist so herzlich, so freundlich, so unerwartet und so besonders, dass es hier keinen Sinn macht, denn Inhalt zu zerreden oder weiter zu analysieren. Man muss das Buch einfach lesen und liebhaben. Am Ende habe ich mir die Rührungstränen aus den Augen gewischt. Ein Lesehighlight 2015 und Lieblingsbuchstatus, aber sowas von!"






Liebe Blogger, dies ist eine Mitmachaktion von Damaris liest. Du möchtest ebenfalls ein besonderes Buch, das niemals aus deinem Regal auszieht, auf deinem Blog vorstellen und es damit deinen Lesern empfehlen? Dann ...

SEI DABEI!
(die Aktion findet jeweils am 15. des Monats statt)

  • Verwende das Dieses Buch bleibt im Regal-Banner, und verweise damit auf den Ursprungsblog, damit die Aktion Wiedererkennungswert hat.
  • Wenn du magst, hinterlasse mir hier deinen Beitragslink als Kommentar, dann können interessierte Leser und ich zum Stöbern kommen.
  • Mach mit oder auch mal nicht. Am Aktionstag oder später (du hast immer einen ganzen Monat Zeit, bevor die nächste Runde startet) - ganz egal. Die Aktion ist jedes Mal freiwillig. Sie soll gemeinsam Spaß machen und ggf. den Austausch anregen.

Montag, 14. März 2016

Für alle, die die Schule überlebt haben - "Morgens leerer, abends voller" von Tobias Keller


Meist mache ich mir bei neuer Lektüre Gedanken darüber, was im Buch auf mich zukommt, mit was ich zu rechnen habe. Dann gibt es aber auch Momente, da lese ich völlig ohne Intention. Gerne humoristisch und übertrieben lebensnah. Manchmal läuft einem ein Buch über den Weg, das genau in dieses Schema passt und darum sofort anspricht. So geschehen bei "Morgens leerer, abends voller", bei dem ich schon beim Klappentext lachen musste. Außerdem ist die dicke, rote Katze - sorry, Kater - auf dem Cover der absolute Hit.

Wir alle waren (oder sind) in der Schule. Und ja, dort gab es einiges zu erleben, aber auch zu überleben. Nicht nur für die Schüler, insbesondere auch für manchen Lehrer. Ihr erinnert euch? Genau davon handelt das Buch.



Die Mitwirkenden
(längst nicht alle, in zufälliger Reihenfolge und ohne jede Wertung)

Fabian
Von Beruf 28-jähriger Junglehrer, liebt seinen Job (manchmal) und ist sich sicher, diesen noch lange zu behalten (nicht wirklich). Privat ist er mit Tine liiert, ob glücklich weiß er nicht so genau, und fährt als Auto den Weißen Horst. Leider hat Fabian im Vollsuff mit seinem Lehrerkollegen und Erzfeind Frühling gewettet und befindet sich derzeit in einer äußerst prekären Lage.

Tine
Ist Fabians Freundin, schon seit 7 Jahren. Doch nach einigen "neuen Ebenen der Beziehung" verlangt es sie nach eine Auszeit. Ihre Idee, ein Jahr raus in die weite Welt fahren - und zwar nach Mexiko. Drei Monate früher als geplant kommt Tine nun zurück von ihrem Selbstfindungstrip: als radikale Weltverbesserin, mit radikalem Kurzhaarschnitt und als Radikal-Veganerin.

Poseidon
Ein arroganter, fetter Kater, den Tine ohne Absprache mit Fabian ins Haus geholt hat - manchmal schnurrt er auch.

Die Klasse 9a
Fabians schwierige - äh, besondere - Klasse, seine Neuner. Und die einzigen, die ihn nach der Wette mit seinem Lehrerkollegen noch retten können. Denn von der Mitarbeit dieser Klasse hängt alles ab.


Ich bin sehr neugierig auf das Buch, vor allem auf Kater Poseidon, und bin überzeugt, dass es die perfekte Wochenendlektüre ist. Voller Lacher, mit viel Augenzwinkern und ebenso vielen Erinnerungen. Denn eigentlich mochte ich sie sehr gerne, die Schulzeit.



Samstag, 12. März 2016

Review zu "The Returned: Die Vergangenheit kehrt zurück" von Seth Patrick



script5 (März 2016), Band 1,
Klappenbroschur, 480 Seiten,
übersetzt von Bea Reiter,
14,95 € [D]


In einer idyllischen Kleinstadt in den französischen Alpen kehren plötzlich längst verstorbene Bewohner zurück. Allerdings nicht als blutrünstige Zombies, sondern als scheinbar ganz normale Menschen - unverändert, seit sie gestorben sind. All diese Wiederkehrer wissen zunächst nicht, dass sie gestorben sind und wollen nun ihr altes Leben wieder aufnehmen. Das es so jedoch nicht mehr gibt.

Die 15-jährige Camille erwacht frierend und allein in den Bergen. Sie weiß nicht, wie sie hierhergekommen ist - und dass sie vier Jahre zuvor bei einem Busunfall gestorben ist ...
Simon, der am Tag seiner Hochzeit ums Leben gekommen ist, kehrt in die Stadt zurück und muss feststellen, dass seine Verlobte inzwischen mit einem anderen Mann zusammen ist. Eifersucht und Wut machen sich in ihm breit ...
Victor, ein kleiner Junge, der vor 35 Jahren von Einbrechern ermordet wurde, irrt völlig verloren durch die Stadt und wird von der alleinstehenden Julie aufgenommen. Doch der rätselhafte Junge weigert sich zu sprechen ... (Text-, Cover- und Zitatrechte: script5/Loewe Verlag)


Anton starrte auf den See hinaus und dachte an das, was darunter verborgen lag. Dachte an das, was man ihm erzählt hatte, und an das, was er in den letzten Monaten gehört hatte - Gerüchte, die sich widersprachen. Er dachte an das, was er glaubte.
Ein Schauder lief ihm über den Rücken. Dann machte er sich an den Abstieg. - S. 10


Meine Meinung
"The Returned: Die Vergangenheit kehrt zurück" basiert auf der gleichnamigen TV-Serie, bzw. auf deren ersten Staffel. Ich muss zugeben, dass ich bei Büchern, die nachträglich zur Serie erscheinen von vornherein kritisch bin. Zu schlecht sind meine Leseerfahrungen, zu sehr lasen sich die Geschichten wie ein Drehbuch. In diesem Fall wurde ich von Seth Patricks Umsetzung überrascht. "Die Vergangenheit kehrt zurück" liest sich höchst fesselnd und gruselig, auch ohne die TV-Serie zu kennen.

Die Geschichte startet an einem Staudamm, der eine nahe Kleinstadt schützt und mit Energie versorgt. Irgendetwas stimmt nicht, ein technischer Mitarbeitet hat Angst. Als Leser kann man natürlich nicht ausmachen, was hier falsch läuft und weswegen sich der Techniker so große Sorgen macht. Die Atmosphäre ist von Beginn an sehr unheimlich und subtil beängstigend. Dieses Gefühl bleibt die ganze Handlung über bestehen. Ich war während des Lesens ständig vom Drang erfüllt mehr wissen zu wollen und gleichzeitig Zuschauer eines absonderlichen Schauspiels zu sein. Die 480 Buchseiten lesen sich folglich wie im Flug.

Das Buch ist aus der Sichtweise vieler Personen geschrieben, der von Toten, bzw. Rückkehrenden, deren Angehörigen oder einfach nur von Kleinstadtbewohnern, die existenziell wichtig für die Handlung sind. Es benötigt einige Zeit, bis man sich einen Überblick verschafft hat. Und ja, man fühlt sich tatsächliche die ganze Handlung über als Außenstehender, als ein Zuschauer, der die Handlung beobachtet. Das liegt am Stil, aber auch an vielen schaurigen Kapitelenden, die eine Handlung nur andeuten nicht detailliert schildern. Der Leser weiß in diesen Momenten mehr als die Charaktere im Buch. Dieses Gefühl ist äußerst beklemmend und gruselig. Die Geschichte enthält unterschwelligen Grusel, aber auch Szenen, die zu einem abartigen Thriller passen würden. Das hatte zur Folge, dass ich vor dem Einschlafen das Cover des Buches umgedreht habe, weil ich nicht wollte, dass mich der Junge darauf "anschaut".

Im Laufe der Handlung erhält man auf viele Fragen eine Antwort. Zusammenhänge erschließen sich wie ein komplexes Puzzle, das Bedürfnis das komplette Rätsel zu entschlüsseln wird fast übermächtig. Jedoch liegt genau hier der Hund begraben, denn eine Antwort auf die wichtigsten Fragen fehlen bis zum Ende. Das ist etwas unbefriedigend, auch wenn man sich als Leser bewusst ist, dass es sich um eine Buchserie handelt. So ist nicht richtig klar, warum die Toten überhaupt zurückkommen. Warum sie von Aussehen und Wirkungsweise so unterschiedlich sind und was sie schlussendlich bezwecken. Abhilfe kann hier nur schneller Lesenachschub schaffen. Das Buch zur zweiten Staffel erscheint im Sommer 2016 - und bietet hoffentlich abschließende Antworten.

Fazit
"The Returned: Die Vergangenheit kehrt zurück" hat mir Lesestunden mit viel Gänsehaut und Grusel beschert. Der subtile Horror sowie Mystery- und Thrillerelemente sorgen dafür, dass man das Buch kaum weglegen will und sich umso mehr gruselt, wenn einen die Müdigkeit dazu zwingt. Kaum auszuhalten, dass man für grundlegende Antworten bis mindestens zum nächsten Band warten muss. Zum Glück ist die Wartezeit nicht lang. Unbedingt lesen! Ich kenne die TV-Serie nicht, aber das Buch zieht einen völlig in seinen Bann. 4 von 5 Punkte von mir für Band 1.

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Mittwoch, 9. März 2016

Buchzugänge vs. Buchabgänge vs. Geflüster im Februar 2016

Zeit für einen Rückblick auf den Februar, obwohl sich der März, seitens Temperatur und Wetter, noch nicht signifikant davon unterscheidet. So langsam wird es Zeit für den Frühling, aber ich bin sicher, er kommt bald. Was war also (hier) los im Februar, welche Neuzugänge stehen in meinem Regal und welche Bücher habe ich gelesen?

Gibt es nicht den Spruch "Alle sieben Jahre ändert sich der Geschmack"? Das kommt wahrscheinlich auf den Bereich an. Lesetechnisch ist bei mir alles beim Alten - All Age- und Jugendbücher, egal ob mit Fantasy oder ohne, sind weiterhin Trumpf. Im Bezug auf meine hauptsächliche Leseumgebung, also unser Zuhause, hat sich tatsächlich einiges geschmacklich verändert. Strukturiert bin ich schon immer, auch im Haus. Aber ich mag es noch klarer, puristischer, nicht so voll. Der scandinavische Wohnstil sagt mir sehr zu - weniger Farben, viel Weiß (und Schwarz) und geometrische Formen. Die letzten Wochen habe ich mich ans Werk gemacht und einiges umgestaltet. Langsam, nicht alles natürlich. Trotzdem dachte ich manchmal ...

Quelle: Printerest

Aber nur mit einem Augenzwinkern. Zu Hause soll es schön sein, und wir fühlen uns alle wohl, darum habe ich hier auch völlig freie Hand.

Am 13. und 14.2. fanden die diesjährigen #Herzenstage statt. Bei diesem Onlineevent geht es um Herzensbücher, Geschichten mit Gänsehautfeeling, und den digitalen Austausch darüber auf der Veranstalterhomepage, Blogs und in den Sozialen Netzwerken. Ins Leben gerufen wurde diese Aktion von mehreren Verlagen, und die Teilnahme hat, wie schon letztes Jahr, sehr viel Spaß gemacht.




Im Februar war "Zorn und Morgenröte" ein echtes Herzensbuch. Grund genug, es auf meinem Instagram-Account zu präsentieren. Ebenso ein Stapel mit Büchern, die das Wort Herz im Titel haben.


Meine Buchzugänge im Februar 2016 - 6 Bücher:




Panthersommernächte ist nicht mehr auf dem Bild. Da war ich etwas schnell, denn es ist bereits gelesen und seit gestern auf dem Postweg zu einer neuen Leserin.
Obwohl ich noch keinen Band der Luna-Chroniken gelesen habe, die Bücher warten noch, war der Abschlussband Wie Schnee so weiß eine Vorbestellung. Ich kenne keine einzige negative Stimme zu der Reihe. Man kommt einfach nicht daran vorbei.
Bettina Belitz' Bücher sind für mich ein Muss. Im Februar erschienen gleich zwei neue Romane, unter anderem der erste Teil der Diamantkrieger-Saga Damirs Schwur.
Dank Favola, die Witch Hunter schnell gelesen und rezensiert hat, gab es bei einer Verlagsaktion zum Buch noch ein Exemplar für mich. Ich freue mich auf den Dilogiestart.
Ich bin absolut kein TV-Serien-Fan, habe zu wenig Zeit dafür. Umso mehr interessierte mich das Buch zur Serie The Returned: Die Vergangenheit kehrt zurück. Subtiler Horror trifft auf Thriller und Grusel. Stimmt! Kann ich so unterschreiben. Das Buch habe ich vor dem Zubettgehen mit dem Cover nach unten gelegt.
Mit anderen Worten: ich war eine Verlagsempfehlung. Und da der Magellan Verlag generell sehr besondere Bücher herausbringt, wurde es gleich gelesen.


Buchabgänge - gelesen habe ich im Februar 9 Bücher:



    

Infernale von Sophie Jordan ... hat mich mit Vielschichtigkeit und großer Spannung überrascht. Ich konnte das Buch kaum zu Seite legen.
Töchter des Mondes: Schicksalsschwestern von Jessica Spotswood ... wollte ich unbedingt lesen, auch, um die Reihe abzuschließen. Mit Schrecken stelle ich jetzt (nach 4 Wochen!) fest, dass ich sehr intensiv überlegen muss, um mich an Inhalt und Ausgang zu erinnern. Es gelingt mir zwar, an die Faszination von Band 1 reicht aber keines der Folgebücher heran.
Zorn und Morgenröte von Renée Ahdieh ... wird ganz sicher eines meiner Jahreshighlights und eine sehr empfehlenswerte 1001-Nacht-Geschichte. Wenn es mir beim Lesen im Bauch kribbelt und ich ständig angenehm angespannt bin, dann ist das genau mein Buch!


      

Mein Herz wird dich finden von Jessi Kirby ... ist ein Buch, das das Herz nicht nur sprichwörtlich am rechten Fleck hat. Es ist perfekt!
Blaubeertage von Kasie West ... war mein erstes Buch der Autorin, viele Leser mögen ihre Bücher sehr gerne. Es war ein schöner Zwischendurch-Contemporary-Roman.
Panthersommernächte von Bettina Belitz ... ist ein sehr echter, authentischer Roman, der einen übersinnlichen Part/Verbindung besitzt. Das macht die Geschichte einzigartig, in dieser Form habe ich noch nichts gelesen. (Nein, auch nicht Das Dschungelbuch, das ist völlig anders.)
Mit anderen Worten: ich von Tamara Ireland Stone ... gehört zu den Büchern, die für mich vor dem Lesen nicht recht greifbar sind. Ab der ersten Seite entwickelte es sich aber zu einem Seitenmagnet. Die Story ist ungewöhnlich und gut.


  

Die Wunschbox: Das Geheimnis des Professors von Maryn Ford ... ist der Beginn einer spannenden Reihe, ein echter Kinderkrimi, ab 10 Jahren. Die Geschichte ist sehr cool und hat viel Humor.
Poppy Pym und der gestohlene Rubin von Laura Wood ... erzählt die zauberhafte Geschichte von Poppy, die im Zirkus aufgewachsen ist, und nun, in ihren ersten Internatsjahr, ein spannendes Abenteuer mit ihren neuen Freunden erlebt. Ein Kinderbuch ab 9 Jahren.


Highlight: Hier nenne ich einfach mal "Zorn und Morgenröte", das hat mich richtig elektrisiert und völlig vereinnahmt. Aber auch "Mein Herz wird dich finden" war ein wunderschönes Lesehighlight im Februar.

Lowlight: Gab es im Februar kein echtes. Anfang März wollte ich "Töchter des Mondes: Schicksalsschwestern" spontan auf meine Leseliste packen - völlig verplant, den ich hatte es schon Anfang Februar gelesen! Das ist mir noch nie passiert, es gerät schon langsam in Vergessenheit und ich muss mich richtig bemühen, mir die Handlung zusammenzureimen. Es war okay, ich habe es recht gerne gelesen, die Anziehung vom Reihenstart fehlte mir aber.

Montag, 7. März 2016

Review zu "Mit anderen Worten: ich" von Tamara Ireland Stone



Magellan (Januar 2016),
Hardcover/SU, 336 Seiten,
übersetzt von Sandra Knuffinke und Jessika Komina,
16,95 € [D]


Worte sind nicht Samanthas Freunde. Im Gegenteil: In endlosen Gedankenschleifen verfolgen sie Sam und hindern sie daran, ein normales, unbeschwertes Leben zu führen. Aus Angst, als verrückt abgestempelt zu werden, verheimlicht Sam ihren täglichen Kampf sogar vor ihren Freundinnen.
Nur die unkonventionelle Caroline sieht hinter Sams Fassade und lädt sie ein, sich einem geheimen Dichterklub anzuschließen. Hier erlebt Sam zum ersten Mal die befreiende Kraft von Worten und kommt sich seit langer Zeit selbst wieder nahe. Als sie sich in den klugen, zurückhaltenden AJ verliebt und gerade beginnt, vorsichtig auf ihr neues Glück zu vertrauen, stellt eine unerwartete Entdeckung alles infrage. (Text-, Cover- und Zitatrechte: Magellan Verlag)


Die paar Lampen, die wir angeknipst haben, tauchen die Wände in sanftes Licht, und ich denke an all die Zettel, die uns umgeben, all die Liebe, den Schmerz, die Angst und die Hoffnung. Wir sind umschlossen von Worten. Es ist ein perfekter Moment, einfach weil ich unsterblich in diesen Raum und die Leute darin - die echten genauso wie die an den Wänden - verliebt bin. Und ganz besonders in diesen einen Jungen. - S. 248


Meine Meinung
Es gibt Bücher, die man einfach nicht richtig greifen kann, egal wie oft man den Klappentext liest, oder sich vorzustellen versucht, was es mit dem Inhalt auf sich hat. "Mit anderen Worten: ich" ist genau so ein Buch. Lese ich die Beschreibung jetzt, ist mir natürlich alles sonnenklar. Bevor ich das Buch kannte, blieben nur die Begriffe Worte und Dichterklub bei mir hängen, und assoziierten den Gedanken an Poetry-Slam. Das trifft es aber nur fast, und so wurde ich überrascht ... wunderbar überrascht!

"Mit anderen Worten: ich" gehört zu den Leseerlebnissen, die ab der ersten Seite fesseln. Ich lernte Samantha und ihre Freundinnen kennen, die in Samanthas Zimmer ein Schulevent vorbereiten. Das erscheint harmlos, doch ein kleiner Auslöser wirft Samantha emotional völlig aus der Bahn. Man bekommt hautnah mit wie krass und zerstörerisch ihre Gedanken sind. Samantha hat eine Zwangsstörung, Gedankenspiralen werden zu Panikattacken, die ihr Leben bestimmt und wegen der sie seit ihrer Kindheit in Therapie ist. Sie ist immer darauf bedacht, dass niemand von ihrer Krankheit erfährt, insbesondere nicht ihre It-Girl-Freundinnen. Mich hat das gleichzeitig erschreckt und beschäftigt, aber auch berührt.
Samanthas Leben beginnt sich schrittweise zu verändern, als sie einem geheimen Dichterklub beitritt und dort neue Freunde findet.

Die Autorin hat eine beeindruckende Gabe ihre Leser bei der Stange zu halten. Die Geschichte ist hochinteressant, obwohl sie ohne vordergründige Spannung auskommt. Der Spannungsbogen wirkt subtiler und die Gefühle beim Lesen gehen tief. Obwohl die Handlung sehr ausführlich ist, hat das Buch keine Länge. Die Ich-Perspektive war hier die beste Wahl und die Übersetzung (ein Kunststück beim Thema Gedichten) ist perfekt. Alle Charaktere, Haupt- wie Nebenpersonen, sind sehr echt und glaubwürdig umgesetzt. Die Lovestory empfand ich als genau richtig - authentisch, süß und etwas problematisch.
Zu einem Zeitpunkt, an dem ich überhaupt nicht (mehr) mit einer Wendung rechnete, hat das Buch einen Twist, bei dem man erst mal tief Luft holen muss. So richtig wahrhaben möchte man es nicht, und ich gebe zu, ich habe hektisch an bestimmte Stellen zurück geblättert. Das lässt den Roman nochmals in einem neuen Licht erscheinen, verstärkt seine Brisanz und macht das Buch sehr besonders.

Fazit
"Mit anderen Worten: ich" ist ein Buch, von dem ich mir vor dem Lesen kein umfassendes Bild machen konnte, das mich dann ab der ersten Seite fesselte und mit fortschreitender Handlung immer mehr begeisterte. Die Charaktere sind sehr authentisch, die Geschichte spricht ein ungewöhnliches Thema an, und die Gedichte sind eine exzellente Ausdrucksmöglichkeit. Eine völlig unerwartete Wendung beleuchtet die Geschichte nochmals von einer anderen Seite. Mit anderen Worten - lesen! Von mir gibt es 4,5 von 5 Punkte.

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Mittwoch, 2. März 2016

Rezension zu "Panthersommernächte" von Bettina Belitz



Verlag: Loewe (Februar 2016)
Originaltitel: -
Übersetzer: -
Reihe: - , ab ca. 12-15 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 400 S.
ISBN: 978-378557769
17,95 € [D]

Genre: Jugendbuch, (Urban Fantasy)

© Cover- und Zitatrechte: Loewe Verlag


Das Thema
Nina lebt in einer alteingesessenen Kleinstadt, dominiert vom Metzgereiimperium Schröter. Sie ist hoffnungsvolle Nachwuchseiskunstläuferin und Redaktionscheffin des Schul-Magazins. Als ihr in der aktuellen Ausgabe ein folgenschwerer Fehler passiert, steht sie plötzlich unangenehm im Rampenlicht. Doch nicht nur sie, denn in der Stadt macht ein Panther die Straßen unsicher. Nina spürt eine besondere Verbindung zu dem Tier, obwohl der Panther wild und kein Schmusekätzchen ist. Um die Sicherheit der Kleinstadt zu gewährleisten, soll er gejagt werden. Nina setzt alles daran, dies zu verhindern.

Die Rezension

Der Anfang: "Sind sie das?" Cedric musste nicht antworten, ich konnte schon auf wenige Meter Entfernung riechen, dass sie es waren - fünfhundert frisch gedruckte, jungfräuliche Hallo, wach!-Ausgaben.

Ein echter schwarzer Panther streift durch eine Kleinstadt und versetzt die Einwohner in Schrecken. Wo kommt er her? Was will er dort? Und warum kann Nina Verbindung zu dem wilden Tier aufnehmen? Diese Fragen bieten genug Spannung für eine Jugendroman. Feinfühlig und sehr echt, aber auch humorvoll hat Bettina Belitz diesem Thema ein Gesicht verliehen. "Panthersommernächte" liest sich authentisch und speziell gleichermaßen.

So speziell ist Nina gar nicht. Sie ist ein junges Mädchen mit Eislauftalent, ist geschätzt bei Mitschülern und Lehrern. Als ihr ein Fehler passiert, indem sie einen Lehrer lächerlich macht, muss sie am eigenen Leib erfahren, wie schnell sich das Blatt wenden kann. Als Leser spürt man Ninas Gefühle und ist überrascht wie souverän sie in vielen Situationen reagiert. Erfreulich ist auch, dass sie bereit ist, ihre Fehler einzugestehen und sich zu entschuldigen. Der jugendlicher Humor und das Kleinstadtflair machen Spaß, und Ninas liebevoll in Szene gesetzte Familie, mit chaotischer Mutter und ängstlichem Vater, hat das Herz am rechten Fleck.

Doch am stärksten war die wilde, unbezähmbare Sehnsucht in mir. Dieses Tier war das Schönste, was ich jemals in meinem Leben gesehen hatte. Der Panther war mehr als nur eine Gestalt aus Fell und Formen. Er war mir vorgekommen wie ein Bote aus einer längst vergessenen Welt - und gleichzeitig berührend menschlich und nah. - S. 113

Auf der anderen Seite baut Nina eine Mauer aus Geheimnissen um sich, die mit ihrer Beziehung zu dem wilden Panther zu tun haben. Erst als sie alleine nicht mehr weiterkommt, ist sie bereit jemanden einzuweihen. Hilfe bekommt sie ausgerechnet von einer Seite, von der sie diese niemals erwartet hätte. "Panthersommernächte" hat keine vordergründige oder oberflächliche Lovestory. Vielmehr geht es um eine unerwartete Freundschaft zwischen zwei Jugendlichen, die sich richtig kennenlernen müssen, mit allen Schwierigkeiten und Missverständnissen, die ihnen dazwischenkommen.

Es ist erstaunlich wie realitätsnah sich das Buch liest. Und das mit einem Thema, das im wahren Leben wohl eher unwahrscheinlich wäre. Eine deutliche Fantasykomponente hat "Panthersommernächte" nicht. Es ist die Beziehung zwischen Nina und dem Panther, die Kommunikation zwischen den beiden - nicht näher erklärbar und eine Art übersinnliche Verbindung. Der Panther ist und bleibt wild. Er verhält sich, außer Nina gegenüber, wie in freier Wildbahn. Woher er kommt und wohin er geht, darüber darf sich der Leser eigene Gedanken machen. Einen Anstoß dazu gibt es dennoch.

Das persönliche Fazit
"Panthersommernächte" hat mich mit einem Realismus abgeholt, den ich nicht erwartet hätte. Das Buch liest sich so echt wie spannend. Es besitzt eine übernatürliche Verbindung zwischen einem Mädchen und einem wilden Panther, die bedeutungsvoll für die Handlung ist und die man der Autorin vollständig abkauft. Die Geschichte hat eine besondere Note. Sie ist humorvoll, aber die Charaktere sind niemals konfliktscheu und einige Szenen befinden sich außerhalb eines oberflächlichen Wohlfühlschemas, gehen tiefer als gedacht. Lesen und überraschen lassen. 4 Sterne.


Aufmachung: 4,5 / 5
Handlung: 4 / 5
Charaktere: 4,5 / 5
Lesespaß: 4 / 5
Preis/Leistung: 4 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de