Dienstag, 27. Dezember 2016

Rezension zu "Elias & Laia: Eine Fackel im Dunkel der Nacht" von Sabaa Tahir



Verlag: One Verlag (November 2016)
Originaltitel: A Torch Against the Night
Übersetzer: Barbara Imgrund
Reihe: Band 2/4, ab ca. 14 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 512 S.
ISBN: 978-3846600382
17,00 € [D]

Genre: High Fantasy

© Cover- und Zitatrechte: One Verlag by Bastei Lübbe


Das Thema
Elias und Laia fliehen durch die Tunnel der Katakomben, um aus Schwarzkliff und Serra zu entkommen. Gemeinsam wollen sie Laias Bruder aus dem berüchtigten Gefängnis von Kauf befreien. Mit seinem Wissen könnte er für die Rebellen von großem Nutzen sein. Dafür müssen sich Elias und Laia jedoch bis ans Ende des Landes durchschlagen - ein mörderisches Unterfangen. Denn Helena, Elias' ehemals beste Freundin, nun Blutgreif des grausamen Imperators, ist den beiden dicht auf den Fersen. Und auch die eiskalte Kommandantin hat ein Interesse daran, das Unternehmen zu vereiteln.

Die Rezension

Der Anfang: Wie haben sie uns so schnell gefunden? Hinter mir hallen die Katakomben von zornigen Rufen und dem Kreischen von Metall wider.

Sabaa Tahirs spannender Reihenauftakt "Die Herrschaft der Masken" endete an einem entscheidenden Wendepunkt der Geschichte. Das Warten auf den Nachfolgeband glich einer Tortur. Folglich wurde dieser sehnlichst erwartet, kommt nun mit gleichem Umfang und viel Potenzial daher. Enttäuscht wird man nicht. "Eine Fackel im Dunkel der Nacht" überzeugt und entwickelt einen Lesesog, der einen das Buch nur schwer zur Seite legen lässt.

Verständlicherweise benötigt dieser zweite Band etwas Einlesezeit, sollte das Lesen des ersten Bandes schon länger zurückliegen, bis man wieder vollkommen in die Geschichte eintauchen kann. Es gibt keine ausschweifenden Wiederholungen und Erklärungen. Darum gilt es, die komplexe Herrschaftsstruktur und intriganten Machtverhältnisse neu zu ordnen und sich als Leser daran zu erinnern. Mit einigen Andeutungen gelingt es der Autorin jedoch schnell zu fesseln, die Geschichte wird so präsent wie nie.
Die Reihe auf ein Genre festzulegen ist schwierig. Man kann von einer High Fantasy-Geschichte ausgehen, aber auch dystopische Elemente sind hier zu finden.

"Lass nicht zu, dass die Verzweiflung dich übermannt." Cains Stimme wird weich. "Bleib deinem Herzen treu, und du wirst dem Imperium gut dienen."
Immer das Imperium. "Was ist mit Elias? Was ist mit mir?"
"Elias' Schicksal liegt in seinen eigenen Händen. Komm jetzt, Blutgreif." Cain hebt eine Hand an meinen Kopf, als wollte er mich segnen. "Das bedeutet es, an etwas zu glauben das größer ist als man selbst." - S. 112/113

"Eine Fackel im Dunkel der Nacht" ist im Grunde eine ganze typische Reise-Geschichte, in der - unter großen Gefahren und Entbehrungen - ein Land durchquert werden muss, um an ein Ziel zu kommen, bzw. einen Auftrag zu erfüllen. Und das liest sich einfach toll! Elias und Laia sind auf dem Weg, um Laias Bruder zu befreien. Was sie unterwegs erleben, ist an Spannung kaum zu überbieten und außerdem sehr abwechslungsreich. Jeder der beiden Hauptcharaktere hat wieder seine eigene Perspektive und erzählt diese in der Ich-Form.
Neu hinzugekommen ist die Perspektive von Helena, die nun der neue Blutgreif des Imperators, und damit zu Elias' Feindin geworden ist. Es wird überraschen, dass mit dem Titel des Buches Helena gemeint ist, und nicht etwa einer der Hauptcharaktere. Ihre Gefühle sind fast unmittelbar greifbar, da sie ständig zwischen der Treue und den grausamen Befehlen des Imperiums und ihrer Verbundenheit zu Elias schwankt. Helenas Passagen entwickeln sich schnell zu den heiß erwarteten Szenen in der Geschichte.

Seine Augen sind unergründlich traurig, als er mein Kinn anhebt. "Die meisten Menschen," sagt Cain, "sind nichts als Fünkchen in der großen Dunkelheit der Zeit. Aber du, Helena Aquilla, bist kein rasch verglühender Funke. Du bist eine Fackel im Dunkel der Nacht - wenn du den Mut hast zu brennen." - S. 305

Die Geschichte liest keinesfalls nebenbei und erfordert viel Aufmerksamkeit. Dafür ist sie äußerst spannend und garantiert ein filmreifes Leseerlebnis. Vieles ist hart und grausam. Bei einigen Stellen bleibt es nicht aus, dass sich das Leserherz schmerzhaft zusammenzieht, um dann wieder überrascht oder erschreckt zu werden.
Das Buch endet nicht so offen wie der Vorgänger, die Handlung wird zu einem akzeptablen Zwischenergebnis gebracht. Eine erneute Tortur ist das Warten auf den dritten Teil dennoch.

Das persönliche Fazit
"Elias & Laia: Eine Fackel im Dunkel der Nacht" erforderte anfangs meine erhöhte Aufmerksamkeit, bis ich mich wieder in die Geschichte eingelesen hatte. Danach hat mich das Buch geradezu verschlungen. Dieser zweite Band gefiel mir fast noch besser als Band 1. Die Handlung ist unglaublich spannend, die Geschichte der Reise abwechslungsreich und überraschend. Waren die Charaktere schon immer überzeugend, steigern sie sich hier nochmals oder man lernt sie neu und anders kennen. Schon jetzt hinterlässt die Reihe das Gefühl eines kleinen (oder auch großen) Epos. Unbedingt lesen - 5 Sterne!


Aufmachung: 4 /5
Handlung: 5 / 5
Charaktere: 4,5 / 5
Lesespaß: 5 / 5
Preis/Leistung: 4,5 / 5

© Damaris Metzger, www.damarisliest.de



Reiheninfo Elias & Laia-Tetralogie:

Band 2 - Eine Fackel im Dunkel der Nacht
Band 3 - ?
Band 4 - ?

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