Montag, 3. Oktober 2016

Rezension zu "Sunshine Girl: Die Heimsuchung" von Paige McKenzie



Verlag: bloomoon (August 2016)
Originaltitel: The Haunting of Sunshine Girl
Übersetzer: Doris Hummel
Reihe: Band 1/3, ab ca. 14-17 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 336 S.
ISBN: 978-3845814032
16,99 € [D]

Genre: Urban Fantasy

© Cover- und Zitatrechte: bloomoon von arsEdition


Das Thema
Sunshine zieht mit ihrer Mutter vom heißen texanischen Austin ins verregnete Ridgemont im Nordwesten der USA. Ein Haus wurde schnell gefunden, doch vom ersten Augenblick an fühlt sich Sunshine darin unwohl. Es ist nicht nur kalt und riecht schimmelig, Sunshine hört Schritte, Kinderlachen und in ihrem Zimmer sind ständig Gegenstände verstellt. Ihr Mutter tut das alles als Einbildung ab. Einzig Sunshines Mitschüler Nolan glaubt ihr. Gemeinsam wollen sie Licht ins geisterhafte Dunkle bringen.

Die Rezension

Der Anfang: "Mom, das Haus ist gruselig." Wir sind die Kieseinfahrt zu unserem neuen Zuhause erst halb hochgefahren, aber das erkenne ich schon jetzt.

Ohne allzu sehr auf Vergleiche einzugehen, hier drängen sie sich förmlich auf. Bei phantastischen Jugendbüchern ist der anfängliche Umzug von einem Sonnen- in einen Regenstaat ein beliebtes Stilmittel. Eine jugendliche Protagonistin macht sich mit einem Elternteil, oder der Familie, auf in ein neues Leben. So auch bei "Sunshine Girl: Die Heimsuchung", das auf einer Webserie basiert und der Starttitel einer Trilogie ist. In Kombination mit Grusel- und Horrorelementen dennoch ein guter, ausbaufähiger Ansatz.

Überraschend startet das Buch aus der Sicht eines externen Beobachters mit einem kurzen Anfangskapitel in Gänsehautmanier. Schon hier fragt man sich, mit was man es zu tun bekommt, die Neugierde ist geweckt. Diese kurzen "Beobachtungskapitel" ziehen sich durch das ganze Buch.
Die Handlung beginnt direkt mit Sunshines Ankunft am neuen Wohnort - und es fühlt sich an, als wäre man als Leser live dabei. Alles ist nasskalt, nebelig und grau. Irgendwie unheimlich. Und dann wäre da auch noch dieses ungemütliche Haus. Als Sunshine direkt an ihrem Ankunftsabend die ersten mysteriösen Entdeckungen macht, ist fast schon sicher, dass das Buch ein spannender Unterhaltungsroman wird. Zwar wirkt der Erzählstil etwas zu vorgetragen, Sunshine berichtet selbst, was sie erlebt, das Interesse ist nun aber sehr hoch.

[...] ein kurzes Zittern überkommt mich, als ich über die Türschwelle trete. Als die Tür hinter mit zuknallt, zucke ich erschrocken zusammen.
"Das ist nur der Wind, Schatz." Moms Augen glitzern, so als würde sie versuchen, mich nicht auszulachen.
"Ich glaube, im Haus ist es sogar noch kälter als draußen." - S. 15

Nach den ersten Kapiteln nimmt die anfänglich unheimliche Atmosphäre dann leider stark ab. Zwar gibt es immer noch ein paar Spannungsspitzen, diese bringen die Handlung aber nicht richtig voran. Sie wird belangloser, uninteressanter und der berichtartige Stil geht zu Lasten der Aufmerksamkeit. Gemeinsam mit Schulfreund Nolan stellt Sunshine Nachforschungen an, die aber nie zu befriedigenden Ergebnissen führen. Konkrete Antworten, was sie tun soll, erhält Sunshine keine. Ab hier wirkt das Buch sehr gewollt und lässt einen gewissen Enthusiasmus vermissen. Außerdem tragen die sehr übersichtlich gehaltenen Personen, es gibt im Buch zu wenig Handlungsträger, nicht zur dringend benötigten Abwechslung bei.

Ging man zuerst noch von einer Geister- oder Mysterygeschichte aus, stellt sich bald heraus, dass Sunshine (natürlich!) selbst für das gute oder schlechte Schicksal ihrer Liebsten verantwortlich ist. Auf der paranormalen Ebene scheint es so, als hätte die Autorin etwas finden wollen, dass es bei Jugendfantasy noch nie gab oder Bekanntes abwandeln wollen. So richtig zündet ihre Idee aber nicht.
Am Ende muss Sunshine eine Prüfung bestehen, die es in sich hat, und hat aufgrund fehlender Antworten nicht das kleinste Bisschen Ahnung, was sie machen soll. Komplett nach dem Motto: Das wirst du schon irgendwie schaffen. Der Ausgang der Prüfung ist, ganz genretypisch, vorhersehbar. Das Buch endet mit einem kleinen Cliffhanger, der die Erwartung auf den Folgeband schüren soll.

Das persönliche Fazit
Als stimmungsvoller Jugendfantasyroman, passend zur Jahreszeit, startet "Sunshine Girl: Die Heimsuchung" mit viel Atmosphäre und Gänsehautfeeling. Nach dem ersten Buchdrittel nehmen diese positiven Attribute ab, die Handlung wird zunehmend uninteressanter, erwartet und aufgrund fehlender Informationen auch unbefriedigend. Mit fehlte es an Spannung, Abwechslung und Anspruch, und es reizt mich persönlich nicht sehr, wenn Schlüsselszenen am Ende "einfach so" gelingen. Nach einem Reihenstart ins nebensächliche Mittelfeld ist für die Folgebände noch viel Luft nach oben. 3 Sterne.


Aufmachung: 4 / 5
Handlung: 3 / 5
Charaktere: 3 / 5
Lesespaß: 3 / 5
Preis/Leistung: 3 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Du möchtest mir etwas zu diesem Beitrag mitteilen? Dann los ... ich freue mich.