Montag, 17. Oktober 2016

Review zu "Wunder, die wir teilen" von Sara Barnard



FISCHER KJB (August 2016),
Hardcover, 384 Seiten,
14,99 € [D]


Über das Wunder der Freundschaft: Caddy und ihre beste Freundin Rosie sind unzertrennlich. Dann taucht Suzanne auf, faszinierend und voller Geheimnisse. Caddy, die sehr behütet aufgewachsen ist, himmelt sie an. Mit ihr zieht sie nachts um die Häuser und probiert alles aus, was sie sich vorher nicht getraut hat. Für Rosie ist in ihrem Leben kein Platz mehr. Suzannes Einfälle werden immer waghalsiger. Es dauert eine Weile, bis Caddy begreift, dass Suzanne professionelle Hilfe braucht ... (Text- und Coverrechte: FISCHER KJB)


"Aber sie hat ihre Zeit an ihn verschwendet!" Ich war frustriert. "Und jetzt leidet sie. Was soll daran gut sein, dass sie am Ende losgelassen hat? Wäre es nicht besser, mit jemandem zusammen zu sein, bei dem sich das Festhalten lohnt?"
"Es gibt Leute, die nur nach diesem Motto leben", sagt Mum. "Aber geliebte Menschen kommen und gehen, Caddy. Das heißt nicht, dass wir sie weniger lieben, wenn wir mit ihnen zusammen sind."
- S. 143


Meine Meinung
"Wunder, die wir teilen" hat mich sofort interessiert, weil es ein Buch über Freundschaft ist. Über die Freundschaft zwischen drei Mädchen. Dieses Thema wird immer präsent bleiben, denn fast jeder hat ganz persönliche Freundschaftsgeschichten erlebt oder steckt mittendrin. Kann das funktionieren, wenn zu einer allerbesten Zweierfreundschaft plötzlich ein drittes Mädchen hinzukommt? Und belastet es eine Freundschaft zwangsläufig, wenn die neue Freundin große persönliche Probleme hat?

Caddy wächst sehr behütet auf. Im Gegensatz zu ihrer besten Freundin Rosie, geht Caddy auf eine Privatschule. Die Mädchen haben aber ein tolle Beziehung, eine echte Freundschaft. Und weil Caddy immer sehr angepasst und unauffällig agiert, hat sie sich für ihr neues Lebensjahr drei elementare Dinge vorgenommen: Einen Freund finden, keine Jungfrau mehr sein, ein einschneidendes Ereignis erleben. Dieses einschneidende Ereignis kommt in Form von Suzanne, einem sehr hübschen Mädchen mit Charme und Charisma. Zuerst hat Caddy Angst, dass Suzanne sich zwischen Rosie und sie drängt. Doch das Gegenteil ist der Fall.

"Das habt ihr euch selbst eingebrockt", bemerkt Rosie. "Ich kann nichts dafür, dass du eine Strafe bekommen hast. Ich bin deine beste Freundin, ich werde dir nicht sagen, dass alles gut ist, wenn es das nicht ist. Ich finde, deine Eltern haben recht. So, jetzt ist's raus. Sie hat definitiv einen schlechten Einfluss auf dich." - S. 293

Die Dynamik der Geschichte entsteht aus einer gewissen Normalität. Alles, was man liest, könnte einem selbst so passieren. Begonnen habe ich das Buch mit einer eindeutigen Sensationslust. Was diese Suzanne wohl so alles anstellen wird? Wird sie die Freundschaft zwischen Caddy und Rosie zerstören? Schnell war ich überrascht, dass die Handlung anfangs relativ unspektakulär daherkommt. Das steigert sich natürlich, aber hier geht es hauptsächlich um zwischenmenschliche Beziehungen zu Freundinnen und Familie, und eine Thematisierung von Problemen wie Misshandlung und den psychischen Störungen, die daraus resultieren.

Während Rosie einen klaren Blick auf die Situation behält, musste ich über Caddy einige Male stark den Kopf schütteln. Sie scheint völlig eingenommen von Suzanne, verändert sich stark, wird bockig und rebellisch, was überhaupt nicht zu ihrer Persönlichkeit passt. Das ändert sich auch mit einem dramatischen Höhepunkt nicht wirklich.
Die Autorin hat das Buch dennoch zu einem guten, den Umständen entsprechend positiven Ende gebracht. Sie hat mich tatsächlich mit Caddy und Suzanne versöhnt. Man entlässt beide (Rosie sowieso) mit einem guten Gefühl.

Fazit
"Wunder, die wir teilen" ist ein Buch über eine echte Freundschaft. Die Geschichte erscheint normal, fast alltäglich, und doch speziell mit ihrem dramatisch-schlimmen Thema. Ich habe gerne beobachtet, habe mitgefühlt, mich geärgert und war am Ende sogar positiv gerührt. Wenn es gelingt, dass der Leser die problematische Freundin zuletzt in einem ganz neuen Licht sieht, wurde vieles richtig gemacht. 4 von 5 Punkte für diese authentische Freundschaftsgeschichte.

© Damaris Metzger, www.damarisliest.de

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