Freitag, 28. Oktober 2016

Review zu "Vierzehn" von Tamara Bach



Carlsen Verlag (September 2016),
Hardcover/SU, 112 Seiten
13,99 € [D]


Der erste Schultag. Zwei Wochen vor den Sommerferien ist Beh krank geworden und konnte nicht mit den anderen in den Urlaub fahren. Als das neue Schuljahr anfängt, hat sie alle acht Wochen lang nicht gesehen. Viel ist passiert, ihre Freundinnen haben neue Leute kennengelernt und Geschichten zu erzählen. Beh dagegen war nur zu Hause. Aber eigentlich war da mehr, von dem ihre Freundinnen nichts wissen. Zu Hause liegt eine Postkarte für sie im Briefkasten, in der Stadt gibt es ein Zimmer mit blauen Wänden, da ist ein Hund, ein Mädchen mit Schwimmflügeln und lauter Orte, die Beh bis zum Abend noch fotografieren wird, weil ihnen etwas fehlt. Und als Beh am Ende des Tages ihre Zimmertür schließt, hat sie auch jemand bei ihrem vollen Namen genannt. (Text-, Cover- und Zitatrechte: Carlsen Verlag)


Jeanette stellt sich zu dir. Mensch, ihr habt ja noch so viel zu besprechen. Und ob du denn heute Nachmittag Zeit hast.
Du hast Ethik.
Und dann?
Du musst auch mal nach Hause. Jeanette kann ja, denkst du, und denkst, nein, kann gerade nicht zu dir nach Hause, dich besuchen. Nein.
Aber Jeanette hat schon einen Plan.
Ins Schwimmbad will sie.
So um fünf.
Oder sechs.
Das nennt die Nachmittag.
Du weißt noch nicht.
- S. 26/27


Meine Meinung
Dieses Buch zu besprechen, ja zu beurteilen, ist schwer für mich. Denn ganz ehrlich, wenn man es in der Hand hält, fällt es schwer zu ermessen, um was es genau geht. Gerade mal gute 100 Seiten umfasst die Geschichte. Am Ende ist die Sache klar, und erschließt sich schon aus dem Buchtitel. "Vierzehn" lässt mich mit einem erstaunten, fast euphorischen Gefühl zurück. Ich bin sehr begeistert.

Tamara Bach wählt für ihre Geschichte den Du-Stil. Vielleser sind ihm sicher schon begegnet, aber sich nicht auf diese Weise, wie die Autorin ihn hier anwendet. Sie schreibt knapp, mit kurzen Sätzen, direkt und kompromisslos. Dialoge werden meist erzählt, nur einzelne Sätze mit wörtlicher Reder hervorgehoben. Der Schreibstil wird nicht aufgrund der besseren Lesbarkeit angepasst oder "einfacher" gemacht. Das ist gewöhnungsbedürftig, aber auch sehr deutlich. Der Leser fühlt sich direkt angesprochen und wird mitgerissen. Ich habe selten etwas Vergleichbares gelesen.

Es geht um ein 14-jähriges Mädchen. Den Namen kennt man anfangs nicht, nur eine Abkürzung, die sie kurz nennt. Dieses Mädchen begleitet der Leser einen Tag lang: auf dem Schulweg, in der Schule beim Unterricht, bei Nachmittagsaktiviäten und am Abend. Das scheint simpel, geht aber sehr tief. Man erfährt in der kurzen Geschichte viel über ihre aktuellen Situation, ihre Sorgen und Gefühle. Man lebt förmlich in der Geschichte, war durch den besonderen Stil nochmals verstärkt wird.

Ich ertappe mich während des Lesens bei dem Gedanken, dass ich die Autorin gerne fragen würde, wie sie es schafft, den Leser genau dort zu packen wo er steht, auf eine sehr natürliche aber offensive Art und Weise. Dafür ist das Alter ihrer Protagonistin völlig unerheblich. Man möchte herausschreien, dass das Leben genau so ist, das man die Situation absolut nachvollziehen kann. Das Buch ist verdammt realistisch!

Fazit
"Vierzehn" ist mitten aus dem Leben geschrieben und in der Umsetzung außergewöhnlich gut. Mit dem spröde speziellen Stil, der etwas im Leser anrührt und völlig natürlich wirkt, setzt die Autorin Maßstäbe. Die Geschichte ist gleichzeitig normal und tiefgründig, bekannt und einzigartig. Sie begeistert auf eine Art, die man so noch nicht erlebt hat. Nicht verpassen! 5 von 5 Punkten gibt es von mir.

© Damaris Metzger, www.damarisliest.de

Kommentare:

  1. Huhu Damaris <3

    wow, das klingt ja wirklich nach einem sehr besonderen und ungewöhnlichen Buch. Mit deiner genialen Rezension machst du darauf definitiv sehr neugierig, danke dafür.

    Liebste Grüße, fühl dich gedrückt,
    Ally

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    1. @Oh ja, Vierzehn ist ganz schön speziell. Es ist auf der einen Seite völlig normal, dann aber auch so krass besonders, vor allem der Stil, dass es mich nicht mehr losgelassen hat. Und es ist schnell gelesen. Drück!

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