Dienstag, 25. Oktober 2016

High Five - 5 Sätze/5 Adjektive zu "Falsche Schwestern" von Cat Clarke



FISCHER FJB (August 2016),
Klappenbroschur, 400 Seiten,
aus dem Englischen von Jenny Merling,
14,99 € [D]


Faith kennt ihre Schwester Laurel eigentlich nur von einem Foto. Ein lächelndes sechsjähriges Mädchen, das eines Tages spurlos aus dem Garten verschwand. Für Faith Familie beginnt ein Albtraum: Angst, Kummer, Pressekonferenzen, großangelegte Polizeisuche und Paparazzi. Doch dann, mehr als 13 Jahre später kommt ein Anruf. Eine junge Frau ist aufgetaucht. Und sie hat Laurels Teddy im Arm. Die Familie kann ihr Glück kaum fassen: Endlich hat Faith ihre große Schwester zurück. Dann aber schlägt ihre Freude um. Irgendetwas fühlt sich verdammt falsch an ... In Faith wächst ein schrecklicher Verdacht. (Text-, Cover- und Zitatrechte: FISCHER FJB)


Ich versuche, mir vorzustellen, wie sich das anfühlen muss, wenn man nach so langer Zeit zu seiner Familie zurückkehrt. Man würde doch wollen, dass alles noch beim Alten ist, oder? Aber in 13 Jahren kann sich viel ändern. Da kann eine Mutter sich schon mal vor lauter Trauer fast auflösen, ein Vater mit einem tollen Franzosen zusammenziehen und eine kleine Schwester aufhören, Sandburgen zu bauen, und stattdessen anfangen, Mauern um sich herum zu errichten. - S. 40


5 zusammenfassende Sätze/Punkte zum Buch

  1. "Falsche Schwestern" erinnert sofort an den Fall Natascha Kampusch. Es geht um eine Entführung, bei der ein Mädchen nach 13 Jahren zu ihrer Familie zurückkehrt. Was ist mit ihr geschehen? Warum konnte sie entkommen? Autorin Cat Clarke hat um ihre Idee einen packenden Jugendroman geschrieben, bei dem Buchbeschreibung und Titel schon einiges vorwegnehmen, der deshalb aber nicht weniger packend ist.
  2. Erzählt wird die Geschichte von Faith, der jüngeren Schwester der entführten Laurel. Sie hat eine unheimlich packende Art zu berichten, wirkt oft etwas zynisch und ernsthaft, kommt aber in ihrem Leben gut zurecht. Es geht im Roman nicht nur um ihre zurückgekehrte Schwester, sondern vor allem um Faith' Gefühle und ihre Anstrengungen mit der neuen, wieder auf Anfang gestellten Familiensituation klarzukommen.
  3. Seit Lauren entführt wurde, hat sich in der Familie einiges geändert. Faith lebt mit ihrer Mutter zusammen, der Vater hat mit seinem Freund eine gemeinsame Wohnung. Hier verbringt Faith, und später auch Lauren, die Wochenenden. Faith hat einen Freund und ist in der Schule gut integriert, sie hat Pläne für ihre Zukunft und muss jetzt, da ihre Schwester wieder zu Hause ist, vieles neu überdenken. Man kann als Leser absolut nachvollziehen, wie zwiespältig sich Faith fühlt. Auf der einen Seite sollte sie sich freuen, dass Lauren wieder da ist (was sie auch tut), auf der anderen Seite ergeben sich damit für sie Einschränkungen und neue Situationen, die sie bisher nicht hatte - plötzlich geht es innerhalb der Familie, der Presse und Öffentlichkeit nur noch um Lauren.
  4. "Falsche Schwestern" ist ein Buch, das man kaum zur Seite legen kann. Ich fühlte mich immer hautnah dabei, hatte von Anfang an ein sehr neugieriges, aber beklemmendes Gefühl beim Lesen. Irgendwann, für meinen Geschmack etwas spät, kommt es zu kleinen, nebensächlichen Ungereimtheiten, nach denen man das ganze neue Familienbild in Frage stellt. Diese Dinge sind gut in die Geschichte eingeflochten, wirken nicht wie ein Paukenschlag, sondern sehr subjektiv.
  5. Wie die Geschichte zu Ende gebracht wird, ist zwar fast unmittelbar vorhersehbar, darum aber nicht weniger schlimm, nicht weniger beängstigend. Die Lösung, die Faith und Lauren für die ganze Situation haben, ist nachvollziehbar, aber gleichzeitig eher überzogen und unrealistisch. Dennoch endet das Buch mit einem Absatz, der Gänsehaut macht, vieles in ein neues Licht rückt und nachdenklich stimmt.

5 Adjektive, die mit spontan zum Buch einfallen

einschneidend, ernst, sensationslüstern, erschreckend und gedankenvoll



Zusammengefasst vom Fazitbär:
Wer Bücher mit Sogwirkung und polarisierenden, bestürzenden Erlebnissen mag, der muss "Falsche Schwestern" lesen. Man kann das Buch nicht zur Seite legen. Trotz einer gewissen Vorhersehbarkeit will man unbedingt ganz genau wissen, was los ist, wie sich alles entwickelt, und wird am Ende manches neu beurteilen. Die Geschichte ist perfekt erzählt, wirkt auf eine ruhige Weise sehr treibend und aufwühlend. Sie bleibt im Gedächtnis.


© Damaris liest.

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