Freitag, 2. September 2016

Review zu "Herz aus Gold und Asche" von Katja Ammon



Planet! (Juli 2016),
Hardcover/SU, 336 Seiten,
16,99 € [D]


Elin kann es nicht fassen! Ohne große Anstrengung ergattert sie ihren Traumjob in einem der weltweit größten Pharmaunternehmen. Nicht nur, dass sie in die Fußstapfen ihres verstorbenen Vaters tritt, nein, mit der Forschung kann sie möglicherweise ihrem schwerkranken Bruder helfen. Allerdings ist es nicht einfach, sich auf die Arbeit zu konzentrieren, seit sie dort Esra begegnet ist. Er sieht umwerfend aus und ist unglaublich charmant, aber irgendetwas scheint er vor ihr zu verbergen.
Und jeder Schritt in seine Richtung treibt Elin mehr in die faszinierende sowie gefährliche Welt einer längst vergessenen Legende. Bis sie sich entscheiden muss: Wen soll sie retten - ihren Bruder oder ihre große Liebe? (Text-, Cover- und Zitatrechte: Planet! Verlag)


Aber was, wenn es nicht so war? Was, wenn der Grund, warum Esra mir aus dem Weg ging, der war, dass er tatsächlich kein Mensch war? - S. 95/96


Meine Meinung
"Herz aus Gold und Asche" hat, wenn man die Geschichte im Nachhinein betrachtet, einen sehr passenden Titel. Dadurch wirkt der Roman stimmig. Ich war vor dem Lesen komplett unwissend, um welche Thematik, ja, um welchen Wesen sich die Geschichte dreht, auch nachdem ich die Buchbeschreibung gelesen hatte. Das macht sehr neugierig. Im Grunde ist der Roman ganz konventionelle Jugendfantasy nach dem Motto: Mädchen trifft auf paranormalen Jungen. Trotz einiger Highlights, und neuen Fantasywesen, kann sich das Buch, aufgrund der Liebesgeschichte, nicht von der Masse ähnlicher Geschichten abheben.

Autorin Katja Ammon hat als Handlungsort der Geschichte ihre Heimatstadt Basel gewählt. Das ist sehr gut gelungen. Viele Eigenheiten der Stadt, Straßennamen und Altstadtflair, verpassen der Geschichte einen eigenen Stempel. Als Leser fühlt man sich "gut aufgehoben". Und das Beste, echte Sagen und Legenden der Stadt bilden die Grundlage für die Geschichte, sind frisch und teilweise überraschend umgesetzt. Das liest sich klasse. Dem gegenüber steht der moderne Pharmakonzern Panazea, der kurz vor einem Durchbruch in der Krebsforschung steht. Hauptprotagonistin Elin verfolgt durchaus eigene Interessen, als sie sich beim Pharmaunternehmen bewirbt, denn ihr Bruder hat Krebs. Die Hintergrundgeschichte ist wirklich klasse, bietet viel Raum für eine moderne und unverbrauchte Fantasygeschichte.

"Elin", begann er, "ich bin anders als du. Gefährlich."
Er beobachtete mich. In meinem Herzen wusste ich, was er mir zu sagen hatte. [...], aber auf einmal war ich mir nicht mehr sicher, ob ich es wirklich hören wollte.
"Das hier", er zeigte an sich hinunter, "ist nur ein Teil von mir. Der andere Teil ..." Seine Augenbrauen zogen sich zusammen, und er schaute weg.
Ich war wie erstarrt. - S. 98

Wenn hier nicht die gewöhnliche Liebesgeschichte einen faden Beigeschmack hinterlassen würde. Sie war für mich leider genau so, wie schon hundertmal gelesen. Die sympathische Elin verliebt sich in den wunderschönen Esra. Das geht viel zu schnell und nicht ohne die typischen, die Attraktivität unterstreichenden, Adjektive von sich. Sein trainierter Körper, seine fließenden Bewegungen, seine wohlgeformten Lippen, ... - gegen ihn sehen alle anderen Männer gewöhnlich aus. Natürlich. Und er ist so anziehend gefährlich. Genau dieses schwärmerische Kennenlernen verleidet mir Lovestorys sofort. Schon bald kann man ahnen, dass sich hinter Esra mehr verbirgt, als der unglaublich attraktive Junge von Nebenan.

Der Plot ist durchdacht, die Vermischung von Fantasyreich und Realität wirkt echt und ansprechend. Während der kompletten Handlung wird die Spannung immer mehr aufgebaut, bis sie gegen Ende schaurige und nervenaufreibende Höhepunkte erreicht. Der Schluss ist nicht überstürzt oder gehetzt. Die Ereignisse haben eine angenehmen Handlungsrahmen. Die Geschichte ist abgeschlossen.

Fazit
"Herz aus Gold und Asche" ist ganz altbewährte Urban-Fantasy für Jugendliche. Der Handlungsort ist spannend gewählt, die Hintergrundstory beispielhaft. Auch die Fantasywesen, die sich an tatsächlichen Legenden des Schauplatzes orientieren, sind passend und unverbraucht. Dagegen wirkt die viel zu schnell beginnende Liebesgeschichte, mit all ihren klischeehaften und idealistischen Erkennungsmerkmalen, wie schon etliche Male gelesen. Damit kann das Buch nicht aus der Masse dieser Art Fantasygeschichten herausstechen. Genre-Neulinge dürfte das wenig stören. 3 von 5 Punkte gibt's von mir.

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Kommentare:

  1. Hey :)

    Ich fand die Geschichte ganz gut, aber wäre ausbaufähig gewesen. Für vier hat's allerdings bei mir gereicht. Gut rezensiert liebe Damaris.

    Liebe Grüße
    Katie

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. @Katie - Mir gefiel die Geschichte im Grunde gut - bis auf die Lovestory, gerade am Anfang. Das war einfach so ganz typisch für dieses Genre, und ich mag auch dieses beschreibenden Schwärm-Adjektive nicht. Das hat mich schon gestört, auch wenn mir Ort und Hintergrund sehr gut gefiel. Ich hatte kurz noch wegen 4 Punkten überlegt, sehe den Roman dann aber doch eher im Mittelfeld.

      Löschen
  2. Hey! :)

    Ich habe das Buch im August verschlungen. Ich finde es sehr spannend, dass die Sagen mit Fantasy und modernen Aspekten sowie einem tiefgründigen Hintergrund verwoben wurden. Mich hat die Liebesgeschichte tatsächlich auch ein wenig gestört, allerdings konnte mich der Rest so mitreißen, dass ich darüber hinweg gesehen habe. Bei mir hat es tatsächlich die Bestbewertung bekommen. :) So verschieden können die Geschmäcker sein.

    Liebe Grüße, Anna
    (LifeofAnna)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. @Anna - Da hast du absolut Recht! Die Sagen und Legenden rund um Basel in eine Jugendbuchgeschichte zu fassen, fand ich super. Und ich bin fast erleichtert, dass noch jemand über die Lovestory so denkt wie ich. Unsere Geschmäcker sind also (auch wenn wir unterschiedlich bewertet haben) gar nicht so verschieden :-)

      Löschen

Du möchtest mir etwas zu diesem Beitrag mitteilen? Dann los ... ich freue mich.