Montag, 2. Mai 2016

Review zu "Herzflattern mit Karamell oder Wie ich in zwei Wochen mein Leben ruinierte" von Erin Gough



FISCHER KJB (März 2016),
Hardcover, 352 Seiten,
übersetzt von Yvonne Hergane,
15,99 € [D]


Als Delilahs Vater auf Weltreise geht, muss die Siebzehnjährige plötzlich alleine sein Café in Sydney leiten, das Flywheel. In die Schule will sie sowieso nicht mehr. Außerdem hat sie vom Café aus den perfekten Blick auf Rosa, die Kellnerin im Restaurant gegenüber. Für sie und ihren besten Freund Charlie wird das Flywheel ihre eigene kleine Welt. Doch dann scheint sich alles und jeder gegen Delilah zu verschwören, und sie muss sich der entscheidenden Frage stellen: Wie viel Flywheel-Spezial-Karamell-Milchshake braucht man wirklich, um ein ruiniertes Leben zu retten? (Text-, Cover- und Zitatrechte: FISCHER KJB)


Charlie weiß, dass ich von Rosa besessen bin. Seit einiger Zeit erzähle ich ihm viel von ihr. Sehr viel. In jemanden verschossen zu sein lenkt dermaßen gut von der Realität ab. - S. 35


Meine Meinung
Romane, die in Australien spielen, haben meist ein besonderes Flair. "Herzflattern mit Karamell Oder Wie ich in zwei Wochen mein Leben ruinierte" macht hier eine Ausnahme. Im Buch geht es nicht um viel Sonne und Staub, es spielt mitten im Herzen von Sidney. Und bis auf die Rucksacktouristen, die nach Bondi Beach fragen, könnte das Buch in jeder beliebigen Stadt spielen. Selbst das Alles-easy-Feeling ist nicht vorhanden, denn einfach wird es für Hauptprotagonistin Delilah ganz gewiss nicht.

Delilahs Eltern, und sie selbst, sind sehr freigeistliche Personen. Als ihre Mutter sich mit einem anderen Mann aus dem Staub macht, schlägt Delilah ihrem Vater vor, den Kopf freizubekommen, indem er auf Weltreise geht. Derweil kümmert sie sich um sein Café, um das Personal, die Bestellungen und Finanzen. Schon hier würde ich zu der Erkenntnis kommen, dass das nicht gutgehen kann. Viel zu viel Verantwortung für ein siebzehnjähriges Mädchen (deren hauptsächliche Gedanken sich um ihren Schwarm Rosa drehen, und, gezwungener Maßen, um das Mobbing in der Schule).

In der Tat ist es so, dass man Delilah nicht so recht einschätzen kann. Sie wirkt tough, schmeißt auch mal kurzerhand einen diebischen Mitarbeiter aus dem Café, hat aber zudem eine sehr verletzliche Seite, die sie durch eine etwas spröde, unsichere Art ausdrückt. In der Schule ist sie schlimmen Hänseleien und Mobbing ausgesetzt, seit bekannt wurde, dass sie lesbisch ist. Da ist es verständlich, dass sie nicht mehr zu Schule geht, um das Café bestmöglich zu führen. Doch selbst das wächst ihr mit jedem Tag mehr über den Kopf, jeder Tag bringt neue Probleme, bis es zum großen Knall kommt. Obwohl ich Delilah gut leiden konnte, mit ihr gefühlt, geschmunzelt und mich erschrocken habe, hat sie mich nicht richtig erreicht. Sie erschien mir unnahbar und aufbrausend-fragil.

Autorin Erin Gough hat mit "Herzflattern mit Karamell ..." einen mutigen Roman geschrieben. Zum trockenen Humor und der versteckten Sensibilität muss man sich als Leser erst einen Zugang schaffen. Dann kann man sich selbst mit Delilah und ihrem Scherbenhaufen (bestehend aus Café und Gefühlschaos) arrangieren und sich mit ihr über so manches von Herzen freuen. Denn das Drama um das Café und die Liebe schärft den Blick für die Dinge, die im Leben echte Bedeutung haben: Akzeptanz, echte Freundschaft und Wertschätzung.

Fazit
"Herzflattern mit Karamell oder Wie ich in zwei Wochen mein Leben ruinierte" gehörte zu den Romanen, die mich als Leser herausforderten. Die Protagonistin ist speziell, die Umstände verworren und aufreibend. Dennoch hat die spröde Art des Romans auch ihren Reiz. Das Buch ist gefühlvoll, wo man das auf den ersten Blick nicht erwartet hätte und hat ein erkenntnisreiches, positives Ende. Dafür gibt es von mir 4 von 5 Punkte.

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Kommentare:

  1. Huhu Damaris
    Ja, wir sehen das Buch wirklich gleich - einmal mehr. Nur konnte ich meine Gedanken dieses Mal nicht so wirklich in Worte fassen. Ich hatte wirklich Mühe, mein Rezigramm zusammenzubekommen.
    Bei mir kommt noch dazu, dass ich irgendwie eine andere Lösung des Café-Problems erwartet habe.
    glg Nicole

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    1. @Nicole - Ich konnte meine Gefühle hier ganz flott schreiben. Aber ich weiß, was du meinst. Das Buch hat seinen eigenen Reiz, aber einfach ist er nicht.

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  2. Ein Buch, das mich vom Klappentext her auch sehr angesprochen hat - ich mag eigenständige Protagonistinnen und auch trockenem Humor kann ich immer sehr viel abgewinnen. Ich könnte mir also vorstellen, dass das Buch auch was für mich ist, auch wenn man vielleicht ein bisschen dafür "kämpfen" muss. Danke jedenfalls für deine aufschlussreiche Rezension!

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