Montag, 21. März 2016

Review zu "Gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance" von Estelle Laure



FISCHER KJB (März 2016),
Hardcover/SU, 256 Seiten,
übersetzt von Sophie Zeitz,
14,99 € [D]


Eigentlich hat Lucille Wichtigeres zu tun, als sich ausgerechnet in den vergebenen Zwillingsbruder ihrer besten Freundin zu verlieben. In ihrer Familie ist sie die Einzige, die die Dinge in die Hand nimmt: Geld verdienen, Rechnungen bezahlen, sich um ihre kleine Schwester kümmern. Da bleibt keine Zeit für große Gefühle. Aber wer kann sich schon wehren, wenn die wahre Liebe vor der Tür steht? Denn gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance. (Text-, Cover- und Zitatrechte: FISCHER KJB)


Ich bin im Park. Es ist ein wunderschöner Tag. Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern eine kühle Brise weht. Ein Tag, wie er bei uns nur selten vorkommt, nicht zu schwül, nicht zu kühl, ein Traum von einem Tag. Einfach perfekt. Nur schade, dass mein Inneres schlottert und ich kaum Luft bekomme.
Wir haben fast nichts mehr zu essen.
- S. 25


Meine Meinung
Es klingt schon fast abgedroschen, aber Lucilles Leben, und das ihrer kleinen Schwester Wren, wurde vom Schicksal arg gebeutelt. Das darf man hier ruhig laut sagen, denn die beiden Mädchen sitzen richtig in der Patsche. Nach einem Vorfall wohnt ihr Vater schon längere Zeit nicht mehr zu Hause, und jetzt wurde es auch noch ihrer Mutter zu viel. Sie braucht einen Pause - von allem, besonders von den Mädchen ... und verschwindet. Als sie nach den versprochenen zwei Wochen nicht zurückkommt, sieht Lucille die allergrößten Probleme vor der Haustüre stehen, denn die 17-jährige ist nun für alles alleine verantwortlich. 

So beginnt "Gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance". Und tatsächlich ging es mir so, dass ich den beiden Schwestern Lucille und Wren gleich zu Anfang eine gehörige Portion Glück wünschte. Die Situation, in der sich die Mädchen befinden, ist für mein Mutterherz kaum auszuhalten. Und mit jeder Seite wächst meine Wut. Auf die Umstände, mit denen junge Mädchen niemals alleine zurecht kommen sollten, und vor allem auf die Mutter, die ihre Kinder so schamlos im Stich lässt. Wäre da nicht Lucille, ihre beste Freundin und ein geheimnisvoller "guter Geist", der für einige Lichtblicke und Hilfe sorgt, wäre die Situation beinahe ausweglos.
Dabei ist gerade Lucille anfangs recht schwer einzuschätzen. Das Mädchen ist schüchtern, fast verschlossen, aber sehr verantwortungsbewusst. Sie realisiert bald, dass sie aktiv werden muss, und vor allem ehrlich sein muss, damit sie und ihre Schwester überhaupt eine Chance haben. Es gab Situationen, das hat sie mich richtig überrascht. Dass sie sich in dieser Lage auch noch ernsthaft verliebt, mag für die Geschichte nicht unbedingt von Bedeutung sein, es ist aber ehrlich und alltäglich und nimmt somit genau den richtigen Raum ein.

Die Sprache des Buches ist einfach und und offen, hat innerhalb dieser Einfachheit einen solch gewaltigen Ausdruck, dass man einige Szenen erst einmal verinnerlichen muss. Es ist nicht so, dass man das Buch mit einer ständigen Fassungslosigkeit liest, selbst im Leben der beiden Schwestern gibt es Lichtblicke und Hoffnung. Trotzdem ist es so, dass auf die gerade mal 256 Seiten sehr viel Drama und Schmerz gepackt wird. Lucille hatte, auch wenn sie oft verzweifelt ist, meinen allergrößten Respekt. Momentan frage ich mich noch, ob es wirklich nötig war, dem Unglück am Ende noch die Krone aufzusetzen. Im Zusammenhang gesehen ist es für das Ende jedoch eine gute Lösung. Denn manchmal sollte das Schicksal unbedingt durch etwas Glück verbessert werden.

Fazit
"Gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance" ist ein Roman über das Erwachsenwerden - auf eine harte Art, die sich niemand persönlich wünscht. Die Charaktere sind echte Originale. Zwischen all die ehrliche Dramatik streut die Autorin viel Erfahrung, etwas Liebe, ein wenig Vertrauen und am Ende ganz viel Glück. Das Buch gehört zu den kleinen Highlights, die manche Jugendbücher zu etwas sehr Besonderem machen. Dafür 4,5 von 5 Punkte von mir.

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Kommentare:

  1. Huhu liebe Damaris,
    ich muss ehrlich sagen, dass ich bisher nur uninteressiert an diesem Buch vorbei gelaufen bin. Da kommt leider mein Cover-Kauf-Gen wieder zum Tragen, denn irgendwie spricht mich das Buch vom Äußeren her gar nicht an. Hinzu kommt, dass der Klappentext doch recht nichts-sagend ist, oder?
    Aber jetzt hast du mich wirklich neugierig gemacht :D Werd das Buch mal auf meine "Komm vielleicht auf die Wunschliste"-Liste setzen (jaaaa, sowas habe ich^^).

    Alles Liebe, Nelly

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    1. @Nelly - Ich schaue normal auch gerne Cover an :-) Das von "Gegen das Glück..." finde ich okay, aber du hast recht, ich hätte mich jetzt alleine vom Cover nicht drauf gestürzt. Mich interessierte eher der Klappentext, obwohl das Buch sehr viel tiefer geht und mehr umfasst. Das kann man alleine davon nicht wirklich ableiten. "Vielleicht auf die Wunschliste" ist schon mal gut :-)

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  2. Liebe Damaris,
    danke für deine schöne Rezension. Ich habe das Buch auf der erweiterten Wunschliste. :)
    Das Cover spricht mich jetzt auch nicht so besonders an. Der Inhalt scheint aber wirklich Beachtung zu verdienen.

    Liebe Grüße
    Sabrina

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    1. @Sabrina - Es ist eines der Bücher, für die Fischer liebe <3 Etwas besonders. Mir ging das Thema sehr ans Herz und ich fand die Umsetzung (okay, etwas viel Drama zum Schluss) und auch das Ende sehr gelungen. Viel Spaß damit, falls es das Buch von deiner Wunschliste schafft :-)

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  3. Hallo liebe Damaris,

    nun weiß ich ja nicht was mit dem Vater passiert ist, dass er sich nicht auch um seine Mädchen kümmern kann. Denn prinzipiell stehen auch die Väter in der Pflicht, sich um ihre Kinder zu kümmern. Klar, wenn er nun vielleicht im Gefängnis sitzt, kann er das ja nicht. Nicht nur dir blutet dein Mamaherz bei einer solchen Vernachlässigung. Auch ich könnte dabei an die Decke gehen. Schade, dass um Hilfe bitten, manchen schwer fällt. Jedem kann mal eine Situation über den Kopf wachsen, auch der liebsten Mama und dem besten Papa, aber dann bitte bitte im Sinne der Kinder, Hilfe suchen. Ich habe richtig Lust auf das Buch bekommen, Damaris, weil ich glaube, am Ende irgendwie mit einem guten Gefühl rauszugehen oder?
    Liebe Grüße Cindy

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