Dienstag, 26. Januar 2016

Rezension zu "Ein anderes Paradies" von Chelsey Philpot



Verlag: Carlsen (November 2015)
Originaltitel: Even in Paradise
Übersetzer: Birgit Schmitz
Reihe: - , ab ca. 12 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 400 S.
ISBN: 978-3551583451
19,99 € [D]

Genre: Jugenddrama

© Cover- und Zitatrechte: Carlsen Verlag


Das Thema
Charlotte geht auf das elitäre Internat St. Anne's, umgeben von Mädchen aus wohlhabenden Familien und mit strahlenden Zukunftsaussichten. Sie selbst kommt aus normalen Verhältnissen, und benötigt für die Kunst-Universität, auf die sie nach dem Abschluss gehen will, ein Stipendium.
Der Kontakt zur charismatischen Julia Buchanan eröffnet ihr eine ganz neue Welt. Sie lernt Julias Familie kennen, verbringt ihre Freizeit auf deren Sommeranwesen, mit dem Luxus und  den Partys der Oberschicht, und verliebt sich. Doch Julia ist unglücklich und verschlossen. Als Charlotte immer mehr hinter die Kulissen der Familie blicken kann, erkennt sie, dass sich hinter der glücklichen Fassade eine tiefer Schmerz verbirgt.

Die Rezension

Der Anfang: Die Anziehung der Buchanans war so stark und so elementar wie die Wirkung des Mondes auf die Gezeiten, und wenn ich mit ihnen zusammen war, war ich glücklich im warmen Widerschein ihres Lichts.

"Ein anderes Paradies" hat eine ganz besondere Anziehungskraft. Alleine das Thema interessiert stark, da es die meisten Menschen nicht direkt betrifft. Somit ist Charlottes Wunsch, oder besser die Freude daran, von einer Familie der Oberschicht beachtet zu werden, gut nachvollziehbar. Das Buch strahlt eine gewisse Leichtigkeit aus, hinter der sich aber mehr verbirgt und dessen Lesegefühl weit weniger dramatisch ausfällt als gedacht.

Charlotte selbst ist für den Leser nicht leicht einzuschätzen. Man kann nicht deutlich benennen, was man von ihr als Person halten soll. Sie wirkt nüchtern, meist zurückhaltend und kann ihre Gefühle schlecht zeigen. Auf der anderen Seite trifft sie konsequente Entscheidungen und hat einen deutlichen Einfluss auf ihre neue Freundin, das It-Girl Julia. Diese hat eine vordergründige Beteiligung an der Geschichte. Das fühlt sich stellenweise an, als wäre Julia, und nicht Charlotte, die Hauptperson. Als Stern der Schule und begehrte Freundin steht Julia überall im Mittelpunkt, auch innerhalb ihrer Familie. Gleichzeitig polarisiert sie stark und weist eine deutliche Persönlichkeitsstörung auf. Der Grund dafür wird im Laufe der Geschichte aufgeklärt.

Die Luft hing voller Musik, lauter Stimmen und noch etwas, das ich nicht so recht zu fassen bekam - Glück, aber ein Glück, das auf der Kippe stand; Freude, die umso bedeutungsvoller war, weil sie nur flüchtig war. - S. 159

Während ich dort saß, eingekuschelt neben meiner besten Freundin und in dem Wissen, dass der Junge und die Familie, die ich vergötterte, im Stockwerk über mir schliefen, war ich ganz und gar, wahnsinnig und vollkommen glücklich. - S. 234

Autorin Chelsey Philpot schreibt sehr leicht und doch auch tiefsinnig. Allerdings verlangt sie von ihren Lesern, dass diese nicht alles auf dem Silbertablett serviert haben wollen, sondern sich ihre eigenen Gedanken machen. Das Buch benötigt Empathie und Einfühlungsvermögen, denn der Grund für Julias Verhalten, und das Unglück innerhalb der Familie Buchanan, ist deutlich zu erkennen, wirkt in der Ausführung aber nicht dramatisch ausgeschlachtet. Das ist sehr angenehm zu lesen.
Am Ende geht Charlotte ihren eigenen Weg, auch wenn dieser einige Konsequenzen beinhaltet. Damit ist der Schluss nicht uneingeschränkt fröhlich, beinhaltet aber dennoch eine optimistische Zukunftsaussicht.

Das persönliche Fazit
"Ein anderes Paradies" ist ein Roman, der unaufgeregt und leicht wirkt, weniger sensationslüstern als ich das erwartet hätte. Genau das hat mir gut gefallen. Die Anziehungskraft, die die Familie Buchanan, vor allem Tochter Julia, auf Charlotte ausübt ist absolut nachzuvollziehen. Bis man hinter die Fassade blicken kann und das lebensverändernde Unglück der Familie versteht. Das ist auch für Charlotte eine Herausforderung und läuft für sie nicht schmerzfrei ab. Trotz ruhigem Lesegefühl ist "Ein anderes Paradies" auf seine Art konsequent. 4 Sterne.


Aufmachung: 4 / 5
Handlung: 4 / 5
Charaktere: 4 / 5
Lesespaß: 4 / 5
Preis/Leistung: 4 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Kommentare:

  1. Hallo Damaris,
    Ich habe mir jetzt mal nur dein Fazit durchgelesen, weil mich der Klappentext so angesprochen hat, dass ich jetzt lieber nicht mehr wissen möchte als nötig. Hört sich sehr interessant an und ich glaube, dass dieses Buch mal was ganz anderes für mich sein könnte, als das was ich sonst so lese. Ich freue mich schon auf das Buch, habe es direkt bestellt :)

    LG Jessi
    booksaweek

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    1. @Jessi - Oh prima! Mich würde ja dann auch interessieren, wie du es fandest. Und genau, in diesem Fall würde ich mich auch nicht komplett informieren, einfach auf dich zukommen lassen ...

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  2. Das Buch hat mich ja schon allein deswegen interessiert, weil sich hier eigentlich alles um die Freundschaft zwischen zwei Mädchen anstatt um eine ach so problematischen Liebesgeschichte dreht.
    Es klingt nicht ganz einfach, aber definitiv lesenswert. Besonders dieses unaufgeregte spricht mich an, ist ja mal eine Abwechslung. Danke daher für den Tipp!

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    1. @Sonne - Ich war anfangs tatsächlich positiv überrascht von der Tatsache, dass "Ein anderes Paradies" diese Mädchenfreundschaft so in den Mittelpunkt stellt. Das hatte ich nämlich gar nicht erwartet. Es gibt eine Lovestory, aber diese empfand ich als passend und völlig unkitschig. Man muss sich etwas auf die Story einlassen, aber ich empfand das Buch als absolut lesenswert.

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  3. An sich hat mir das Buch auch gut gefallen, aber gerade die Faszination, die die Buchanans auf Charlotte ausüben, konnte ich leider einfach nicht nachvollziehen :-p

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    1. @Friederike - Mir ging es auch so, dass ich mich erst in Charlotte reinfühlen musste. So pauschal empfand ich die Familie auch nicht als total anbetungswürdig. Aber als ich dann Charlottes Hintergrund und ihre Rolle in der Schule betrachtet habe, wurde es schon plausibel. Ich glaube es ging nicht unbedingt um den Luxus, eher um den Status, den die Buchanans ihr gegeben haben. Sie haben sie wegen Julia ja richtig in die Verantwortung genommen und waren sehr freundlich. Das hat sie wahrscheinlich total beeindruckt.

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